Predigt:
Alle sollen eins sein in Christus
2. Sonntag im Jahreskreis A (18.01.2026)
L1: Jes 49,3.5-6; L2: 1 Kor 1,1-3; Ev: Joh 1,29-34
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als wir vor einer Woche das Fest der Taufe des Herrn gefeiert haben, da offenbarte Gott der Vater seinen vielgeliebten Sohn, und der Heilige Geist schwebte wie eine Taube über ihm herab.
Vorher hatte Jesus von Nazareth dreißig Jahre bei seiner Familie gelebt. Er hatte wohl das Handwerk Josefs fortgesetzt, von dem man annimmt, dass er inzwischen gestorben war. So sorgte Jesus durch seine Tätigkeit für seine Mutter Maria.
Doch dann kam der Zeitpunkt seines öffentlichen Auftretens. Dies wurde eingeleitet durch die Taufe Jesu am Jordan durch Johannes. Und im Evangelium des heutigen Sonntags gibt der Evangelist Johannes wieder, was der andere Johannes – nämlich der Täufer – gesagt hat. Dieser berichtet den Menschen davon, wie er die Taufe Jesu wahrgenommen hat. Mehrmals wiederholt er, dass hier der himmlische Vater seinen Sohn offenbar gemacht hat. Und er selber sagt, dass er Jesus vorher nicht kannte. Wie ist das zu verstehen? Johannes und Jesus waren ja verwandt und einander gut bekannt. Die Aussage zielt wohl darauf ab, dass Johannes seinen Verwandten Jesus noch nicht auf diese volle und endgültige Weise erkannt hatte, wie sich Jesus dann in der Taufe offenbarte. Ab diesem Zeitpunkt jedoch ist dem Johannes ganz klar: Dieser ist der Messias; er wird die Menschen nicht nur mit Wasser taufen, sondern mit dem Heiligen Geist. Er ist der Sohn Gottes, den der himmlische Vater bezeugt hat und der vom Heiligen Geist erfüllt ist.
Johannes nennt Jesus dann ausdrücklich das „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Auf ihn sollen die Menschen im Glauben hinschauen. Wir tun dies bei jeder heiligen Messe unmittelbar vor der Kommunion, wenn der Priester die Hostie den Gläubigen zeigt und diese Worte spricht. Jesus ist also das Opferlamm des Neuen und Ewigen Bundes. Er nimmt die Sünde der Welt hinweg. Das heißt, er schafft einen neuen Zustand der Welt. Durch Adam, den Stammvater, kamen die Sünde und der Tod in die Welt. Jesus Christus ist der neue Adam; in ihm schenkt uns Gott die Versöhnung und einen neuen Anfang. So tilgt Jesus als das Lamm Gottes nicht nur die „Sünde der Welt“, sondern auch die vielen Sünden der einzelnen Menschen, wenn sie aufblicken zu ihm als dem Lamm Gottes und ihre Schuld bereuen.
Vom 18.-25. Januar dauert die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Es ist der ausdrückliche Wunsch Jesu, dass alle eins sind, die an ihn glauben. Uns Christen vereint und verbindet tatsächlich die eine Taufe. Diese Taufe ist das grundlegende Sakrament. Jesus selbst hat es eingesetzt und seinen Aposteln und Jüngern aufgetragen, zu den Menschen aller Völker und Nationen zu gehen und sie im Glauben zu unterrichten. Sie sollen die Menschen taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. So ist also mit der Anerkennung der einen Taufe auch das Bekenntnis zum dreieinigen Gott verbunden. Gott ist ein einziger, aber in drei göttlichen Personen. Diese Einheit, die wir in Gott selbst vorfinden, lässt Verschiedenheit zu. Doch besteht zwischen den drei göttlichen Personen kein Gegensatz, sondern eine wunderbare Harmonie und Einheit der Liebe.
Auch die Kirche Christi ist geeint im Heiligen Geist, und doch haben sich im Laufe der Geschichte verschiedene Gemeinschaften von ihr getrennt. Vieles verbindet uns als katholische Christen zum Beispiel mit den orthodoxen und orientalischen Kirchen – so die sieben Sakramente und im Wesentlichen derselbe Glaube. Mit den evangelischen Christen verbindet uns die Hochschätzung der Heiligen Schrift als Wort Gottes sowie das Bekenntnis zur einen Taufe.
Mögen wir dem Ziel der vollen Einheit aller Christen näherkommen – dafür beten wir in dieser Weltgebetswoche! Papst Leo XIV. und die Bischöfe der verschiedenen Länder rufen dazu aus, und auch viele nichtkatholische Kirchen und kirchliche Gemeinschaften schließen sich diesem Gebet an. Wir bitten die Gottesmutter Maria als Mutter der Einheit um ihre Fürbitte bei Gott!
Wir selbst aber danken Gott dem Herrn für das Geschenk der heiligen Taufe. Aus der Gnade des Heiligen Geistes, die uns zuteil wurde, wollen wir leben und so mit Freude Zeugnis ablegen von Jesus Christus, unserem Herrn. Er ist der Erlöser aller Menschen, er ist der Retter; er ist das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. Amen.
