Predigt:
Allerseelen A (02.11.2005)
L1: 2 Makk 12,43-45; L2: 1 Thess 4,13-18; Ev: Joh 11,17-27 oder L1: Ijob 19,1.23-27; L2: Röm 8,14-23; Ev: Joh 14,1-6 oder L1: Jes 25,6a.7-9; L2: Phil 3,20-21; Lk 7,11-17
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der Name „Allerseelen“ verweist uns darauf, dass wir heute aller Verstorbenen gedenken, die im Frieden Christi entschlafen sind und die unser Gebet noch nötig haben. Im Tod trennt sich die Seele des Menschen vom Leib, und wir müssen auf Erden Abschied nehmen von unseren Angehörigen, Freunden und Bekannten.
Der Glaube aber sagt uns, dass die Verstorbenen heimgehen in den Frieden Gottes, wenn sie die Gnade Gottes in ihrem Leben angenommen haben und in der Verbundenheit mit Gott gestorben sind. Wir wissen natürlich, dass nicht alle Menschen Heilige sind und nicht alle ein gutes Leben geführt haben. Auch wenn es stimmt, dass jemand, der in einer unbereuten Todsünde stirbt, das Heil nicht erlangen kann, so steht das Urteil darüber nur Gott zu. Wir wollen daher auch für jene Menschen beten, die in ihrem Leben nicht alles so geordnet haben, wie es dem Willen Gottes entsprochen hätte. Darüber hinaus müssen wir sagen: Auch Menschen, die sich grundsätzlich bemüht haben, das Gute zu tun, haben ihre Schwächen. Dies gilt auch für unsere lieben Verstorbenen, die wir gekannt haben, die wir geschätzt und geliebt haben. Wir wissen um so manche Schattenseiten ihres Lebens, und eben darum sind wir aufgefordert, für die Verstorbenen zu beten, dass Gott der Herr sie aufnimmt in sein himmlisches Reich.
Im Heilsgeschehen gibt es ein Gesetz der Solidarität und der Liebe, wo einer für den anderen eintritt. Dies gilt auf Erden, wo sich ein Mensch für den anderen einsetzt und ihm Hilfe leistet; dies gilt für die Heiligen des Himmels, die fürbittend bei Gott für uns eintreten; dies gilt auch für diejenigen Verstorbenen, die noch im Läuterungszustand sind und deshalb unserer Fürbitte besonders bedürfen. Wie können wir den Verstorbenen (den „Armen Seelen“) am wirksamsten helfen, solange sie sich noch im Läuterungsort (dem „Purgatorium“ oder „Fegefeuer“) befinden?
Das Größte und Wichtigste ist die Feier der heiligen Messe. Denn hier wird das Erlösungsopfer Jesu Christi für uns gegenwärtig, und die geistlichen Früchte der heiligen Messe kommen sowohl den Lebenden wie den Verstorbenen zugute. In diesem Sinn feiern wir dieses Requiem für alle Verstorbenen der Pfarrgemeinde. Bei jedem Begräbnis wird nach Möglichkeit eine heilige Messe gefeiert. Außerdem ist es wichtig, dass die Angehörigen immer wieder der Verstorbenen in der heiligen Messe und im Gebet gedenken. Wir wollen dabei auch an jene denken, für die niemand betet. Gottes Liebe erreicht alle, und die heilige Gottesmutter Maria möge sich gerade jener annehmen, an die niemand denkt und für die niemand betet und sie zum himmlischen Reich ihres Sohnes Jesus Christus geleiten.
Mit dem Allerseelenablass ist uns eine besondere Gelegenheit geschenkt, den Verstorbenen zu helfen. Es handelt sich dabei um eine gnadenhafte Zuwendung an die Verstorbenen im Reinigungsort, bei deren Vermittlung wir mitwirken dürfen, wenn die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind. Neben den üblichen Voraussetzungen (Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossene Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet auf die Meinung des Heiligen Vaters – diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach der Verrichtung des jeweiligen Ablasswerkes erfüllt werden) sind vonnöten: a) am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr): Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, mit Gebet des Vaterunser und des Glaubensbekenntnisses; oder b) vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen. Beim vollkommenen Ablass werden alle Sündenstrafen erlassen, sodass die Seele, der er zukommt, sogleich in den Himmel eingehen und Gott schauen darf. Beim unvollkommenen Ablass wird ein Teil der Sündenstrafen erlassen. Die Sehnsucht der Verstorbenen nach der Anschauung Gottes ist groß. Helfen wir mit durch unser Gebet, dass Gott sie aufnimmt in seinen Frieden und sein ewiges Glück. Amen.
