Predigt:
Christi Himmelfahrt A (09.05.2002)
L1: Apg 1,1-11; L2: Eph 1,17-23; Ev: Mt 28,16-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Es ist gut für euch, daß ich fortgehe“ (Joh 16,7), sagt Jesus in seiner Abschiedsrede, wie sie von Johannes überliefert ist. Eigenartig! Jesus verläßt seine Apostel und Jünger, und das soll gut sein? Schon damals hatten die Apostel ihre Probleme mit einer solchen Sichtweise, und auch uns will es nicht so recht einleuchten, was denn daran so gut war, daß Jesus uns verlassen hat, als er zum Vater gegangen ist.
Denn eben das feiern wir am heutigen Tag: Es ist das Fest der Himmelfahrt Christi. Der Herr ist sichtbar vor den Augen seiner Jünger in den Himmel aufgefahren. Damit hat er seine Erscheinungen als der Auferstandene beendet. Während 40 Tagen ist er ihnen ja wiederholt erschienen: Er hat ihnen gezeigt, daß er wahrhaft lebt und den Tod besiegt hat. Er hat mit ihnen gegessen und getrunken, ja sich sogar anfassen lassen. So konnten sie sich überzeugen: Er ist es wirklich, und nicht irgendein Geist. Es ist der gekreuzigte und auferstandene Herr!
Und doch war seine Gegenwart eine andere als die vor Ostern: Der Auferstandene stirbt nicht mehr; sein Leib ist verherrlicht, verwandelt. Er ist nicht mehr den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen, was sich daran zeigt, daß er auch bei verschlossenen Türen erscheinen kann und sich von einem Augenblick zum anderen wieder den Jüngern entziehen kann.
Nun hat Jesus die Apostel und alle glaubenden Jünger – Männer wie Frauen – darauf vorbereitet, daß er endgültig heimkehrt zum himmlischen Vater. Dies liegt im Plane Gottes, und Jesus sagt darüber: Es ist gut für euch!
Überlegen wir gemeinsam, warum es gut war, daß Jesus aufgefahren ist in den Himmel! Auch wenn wir Probleme haben, dies zu verstehen, so muß es ja doch aus der Sicht des Glaubens Gründe dafür geben.
- Gut war es deshalb, weil Jesus heimgegangen ist zum Vater! Er ist der eingeborene Sohn Gottes, der für uns und unseres Heiles willen Mensch geworden ist. Dieser Sohn ist ausgegangen vom Vater und in die Welt gekommen. Er kehrt jetzt wieder heim zu ihm. Freilich hat er ihn nicht seiner Gottheit nach verlassen, da der Vater mit dem Sohn im Heiligen Geist ein einziger Gott ist. Doch die Menschheit Christi wird nun hineingenommen in die Herrlichkeit Gottes des Vaters.
- Mit Jesus werden auch wir emporgehoben in die himmlische Herrlichkeit. Er ist ja ein Mensch wie wir. So wird unsere sterbliche Menschennatur mit Unsterblichkeit bekleidet und erhöht. Es ist eine Ehre für die ganze Menschheit, wenn Christus als ihr Haupt nun mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist in der Herrlichkeit seines himmlischen Vaters!
- Jesus geht zum Vater, um uns den Heiligen Geist zu senden. Er möchte uns einen Beistand geben, einen Tröster. Dieser Heilige Geist ist die dritte göttliche Person. Er wird die Jünger in alle Wahrheit einführen. Im Heiligen Geist bleibt Jesus weiterhin bei uns in seiner Kirche. Gewiß, wir sehen ihn nicht mehr, und dennoch ist er da.
- Durch die Himmelfahrt zeigt uns Jesus schließlich, wo unser wahres und eigentliches Ziel zu finden ist. Nicht für die Vergänglichkeit sind wir geschaffen, sondern für die Ewigkeit, für das unsterbliche Leben bei Gott. Wir sollen unser Herz zum Himmel richten, wo die wahren Freuden zu finden sind. Dort, im Hause des himmlischen Vaters, sind viele Wohnungen. Wir sollen also nicht verzagen, sondern an Gott glauben und auf ihn hoffen. Er möchte uns zur ewigen Heimat geleiten!
- Am Ende der Tage wird Christus wiederkommen in Herrlichkeit, um zu richten die Lebenden und die Toten. Dann wird er sichtbar erscheinen, ebenso wie er aufgefahren ist in den Himmel. Gott wird dann Himmel und Erde vollenden und alles erneuern. Wir hoffen darauf, daß wir gerettet werden und so teilhaben dürfen an der Auferstehung zum Leben, nicht zum Gericht.
Beten wir in diesem Monat Mai ganz besonders zur heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie wurde von ihrem Sohn Jesus bereits aufgenommen in die himmlische Herrlichkeit, mit Leib und Seele. Ihre Vollendung zeigt uns, wozu wir alle berufen sind. Lassen wir uns also im irdischen Lebern nicht ablenken von den vielen vergänglichen Dingen, sondern verankern wir unser Herz in der Liebe Gottes, die ewig währt und auch uns die Herrlichkeit des himmlischen Reiches verheißt! Amen
