Predigt:
Pfingstsonntag A (19.05.2002)
L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13; Ev: Joh 20,19-23
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet uns vom ersten Pfingstfest, fünfzig Tage nach der Auferstehung des Herrn. Es muß ein gewaltiges Ereignis gewesen sein, von dem nicht nur diejenigen ergriffen waren, die das Kommen des Heiligen Geistes unter Sturmesbrausen und mit Feuerzungen unmittelbar im Abendmahlssaal erlebten, sondern auch jene, die anschließend herbeikamen, um das Zeugnis der Apostel zu hören.
Die Kirche tritt an diesem Tag gleichsam hervor aus ihrer Verborgenheit. Jetzt ist die Stunde der Verkündigung gekommen; Petrus ergreift im Namen aller übrigen Apostel das Wort und richtet eine flammende Predigt an die versammelten Menschen aus allen Völkern und Nationen.
Was ist der Inhalt der Botschaft, die die Apostel einem jeden der Zuhörer in ihrer jeweiligen Sprache verkünden dürfen? Es sind vor allem zwei Wahrheiten, die der Heilige Geist bezeugt: Die erste und wichtigste Wahrheit lautet, daß Jesus Christus auferstanden ist und lebt. Die zweite Wahrheit betrifft das Leben der Menschen und ist die Aufforderung zur Umkehr und Buße sowie zur Taufe.
Die Apostel müssen dermaßen überzeugend gesprochen haben, daß sich auf der Stelle 3000 (!) Menschen bekehrten. Diese Wandlung der Herzen kann nur durch die übernatürliche Wirkung des Heiligen Geistes erklärt werden, der ausgegossen wurde über alle, die versammelt waren. Mit Maria, der Mutter Jesu, sowie mit den übrigen gläubigen Frauen hatten die Apostel und Jünger ja gebetet und das Kommen des Heiligen Geistes erwartet. Unter Sturmesbrause und in Gestalt von Feuerzungen war er schließlich herabgekommen auf alle Anwesenden! Nun aber legt Petrus das Zeugnis ab für den Glauben an Jesus Christus.
Die erste Wahrheit, für die Petrus einsteht, lautet: Jesus Christus ist wahrhaft auferstanden von den Toten! Es ist derselbe Jesus, der aufgetreten war unter den Juden. Er hatte gepredigt, Wunder und Zeichen gewirkt und so das Reich Gottes als nahe erwiesen. Durch die Hand von Gesetzlosen (gemeint sind die Römer) haben ihn die verantwortlichen jüdischen Führer ans Kreuz schlagen lassen! Gott aber hat diesen Jesus nicht der Macht des Todes und der Verwesung preisgegeben, sondern ihn am dritten Tage auferweckt. So hat er ihn „zum Herrn und Messias gemacht“, d.h. Gott hat machtvoll erwiesen, wer Jesus ist: Herr und Messias für das jüdische Volk und für alle, die an ihn glauben.
Darum lautet die zweite grundlegende Wahrheit, die direkt Bezug nimmt auf das praktische Leben, folgendermaßen: Bekehrt euch und lasset euch taufen auf den Namen Jesu! Denn als die Zuhörer die Worte des Petrus vernahmen, da traf es sie gleichsam mitten ins Herz. Sie waren erschüttert, da sie jetzt erkannten, wer Jesus wirklich war und was sie ihm angetan hatten. Sie erkannten und bereuten ihre Schuld und waren bereit zur Umkehr und zur Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes. Auf diese Weise kam der Heilige Geist auch auf sie herab. Denn Gott ist nicht nachtragend: Einem jeden, der umkehren will von seinen Sünden und den früheren schlechten Taten, dem schenkt er seine Liebe. Auf diese Weise kamen 3000 Gläubige an diesem Tag dazu. Es bildete sich die Urgemeinde, die sich regelmäßig zum Gebet und zur Feier der Eucharistie versammelte. Es war eine Gemeinschaft der Liebe im Heiligen Geist!
Wie sieht es heute aus, nach fast 2000 Jahren? Die Kirche Christi hat sich ausgebreitet über die ganze Erde, und so manches ist heute klarer hervorgetreten, was damals noch verborgen war. Denn der Geist Gottes hat die Jünger Jesu in alle Wahrheit eingeführt. Aber es ist derselbe Heilige Geist, der auch heute noch in der Kirche anwesend ist. In diesem Geist wurden auch wir getauft und gefirmt. In diesem Geist bekennen wir uns zu Jesus Christus dem Herrn und zu seinem himmlischen Vater.
Wir tun gut daran, die grundlegenden Werte der Kirche lebendig zu halten: das gemeinsame Gebet, die sonntägliche Feier der Eucharistie sowie die brüderliche Gemeinschaft. Immer dann ist Jesus selber bei uns anwesend, der aufgefahren ist in den Himmel, um uns den Heiligen Geist zu senden. Unsere Herzen sind zum Tempel des Heiligen Geistes geworden, der uns erleuchtet, in Liebe entflammt und stärkt zum Bekenntnis des Glaubens.
Lassen wir uns vom Heiligen Geist leiten! Damit dies geschehen kann, ist es wichtig, in der Einheit der Kirche zu bleiben, d.h. auch mit dem Papst und den Bischöfen verbunden zu sein. Es ist auch wesentlich, in der Gemeinschaft mit der Mutter Jesu um den Heiligen Geist zu beten und ihn auf diese Weise zu empfangen. Die Gottesmutter Maria wird ja auch die „Braut des Heiligen Geistes“ genannt, weil sie ihren Sohn Jesus Christus vom Heiligen Geist empfangen hat und auch am Pfingstfest mit den Aposteln und den übrigen Gläubigen den Heiligen Geist erwartet und angenommen hat. Wer sich ihr anvertraut, wird zu den Quellen des Lebens geführt, der darf den Geist Gottes in Fülle empfangen!
Mögen wir dies tun, mögen wir aus dem Geistes Gottes leben und das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten verwirklichen, mögen wir in diesem Geiste der ewigen Vollendung entgegengehen und einst eintreten dürfen ins himmlische Reich Gottes! Amen
