Predigt:
Das Unbefleckte Herz Mariens
Fatimafeier in Waidhofen an der Ybbs (13.06.2026)
L: Jes 61,9-11; Ev: Lk 2,41-51
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wofür steht das Unbefleckte Herz Mariens, dessen Gedenktag die Kirche unmittelbar nach dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu feiert? Das Unbefleckte Herz Mariens ist aufs engste mit dem Heiligsten Herzen Jesu verbunden. Beide Herzen sind in Liebe eins.
Das Herz ist ganz allgemein ein Symbol für die Liebe und für das Innerste einer Person. So tritt uns im Herzen Jesu die Person des Erlösers entgegen, der uns als wahrer Gott und Mensch seine unendliche Liebe offenbart. Im Herzen der Jungfrau und Gottesmutter Maria ist diese Liebe auf vollkommene Weise angekommen. Maria steht in ihrer ganzen Person für die Empfänglichkeit gegenüber Gottes Gnade. Wir ehren Maria als die Unbefleckte Empfängnis, und sie selbst hat sich in Lourdes unter diesem Titel vorgestellt und in Fatima die Menschen eingeladen, ihr Unbeflecktes Herz zu verehren und sich ihm zu weihen. In kindlicher Liebe zur Gottesmutter sind auch wir zusammengekommen zu dieser Fatima-Feier am 13. Juni.
In Maria ist das Werk des dreifaltigen Gottes als Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher zu seiner Vollendung gelangt. Unüberbietbar und einzigartig ist all das, was sie in Natur und Gnade von Gott empfangen hat. Und doch ist Maria ein Mensch wie wir, keine Göttin. Wir dürfen uns ihr nahen ohne Furcht, abgewiesen zu werden. In mütterlicher Liebe ist sie für einen jeden von uns ganz da. Ihre Teilnahme an der himmlischen Herrlichkeit hindert sie nicht daran, sich unserer Sorge und Nöte anzunehmen. Einen ganz besonderen Wunsch wird sie uns jedenfalls ganz sicher erfüllen, wenn wir uns vertrauensvoll im Gebet an sie wenden und ihrer Fürbitte bei Gott anempfehlen: O heilige Jungfrau Maria, Mutter des Sohnes Gottes, führe uns hin zu deinem Sohn Jesus Christus – zeige uns Jesus, den Erlöser, hier auf Erden im Glauben und einst in der ewigen und seligen Anschauung Gottes im Himmel!
Maria ging ihren Weg auf Erden in Einheit mit ihrem jungfräulichen Gemahl, dem heiligen Josef. Ihre Herzen waren aufs innigste in Liebe miteinander verbunden. Beide haben in einzigartiger Weise an Gott geglaubt und ihm vertraut in allen Lebenslagen. So trugen sie Sorge für das Jesuskind und standen dem heranwachsenden Jesus bei.
Gott der Herr hat Maria und Josef viel Schönes und Erfreuliches zuteil werden lassen. Doch gab es im Leben beider auch viele Prüfungen. Wie muss das Herz Mariens gebangt haben, als König Herodes dem Kind Jesus nach dem Leben trachtete und die Heilige Familie nach Ägypten fliehen musste! Wie sehr waren Maria und Josef in Sorge über die dreitägige Abwesenheit Jesu, als sie ihn nach dem Besuch des Tempels in Jerusalem aus den Augen verloren und nicht finden konnten! Wie sehr wurde das Herz Mariens erschüttert und geprüft angesichts dessen, dass so viele Menschen ihrem Sohn Jesus Christus und seiner rettenden Botschaft feindlich gegenübergetreten sind! Und als Maria unter dem Kreuz stand, da wurde ihr Herz gleichsam wie von einem Schwert durchbohrt, und die Weissagung des greisen Simeon erfüllte sich an ihr. Sie konnte all dies durchstehen nur in der Kraft der Liebe, die sie von Gott empfing und die ihr Herz allezeit erfüllte. Dieses einzigartige Herz ließ es nicht zu, dass Hass und Verbitterung einkehrten. Vielmehr wurde all ihr Leiden zum Anlass, sich auf innigste Weise mit der Hingabe ihres Sohnes Jesu Christi zum Heil der Menschen zu verbinden. So hat sie auf einzigartige Weise am Erlösungswerk ihres Sohnes mitgewirkt und darf uns auf fürbittende Weise all jene Gnaden vermitteln, deren wir so dringend bedürfen!
Die Jungfrau Maria hat in Fatima drei Hirtenkindern offenbart, wie sie selber beitragen können zur Rettung der Menschen: im Gebet, im stellvertretenden Leiden, in der vertrauensvollen Hingabe an Gott und seinen heiligsten Willen in Einheit mit Herzen Jesu, dem Unbefleckten Herzen Mariens und dem väterlichen Herz des heiligen Josef!
Das Gebet des Rosenkranzes kann uns auf meditative Weise einführen in die Heilsgeheimnisse und so inniger mit dem Herzen der Gottesmutter Maria vereinigen. Sie selber hat alles in ihrem Herzen erwogen, was nach Gottes Willen geschehen ist und was ihr von Gott offenbart wurde.
Sollten nicht auch wir selber – jede und jeder auf ganz persönliche Weise – von Gott gerufen sein, die gläubige Hingabe an Gott in Liebe zu leben? Wenn wir uns darauf einlassen und unseren Lebensweg in Einheit mit der Gottesmutter Maria gehen, werden wir mitten im Leid gestärkt und verzagen nicht. Hoffnung und Freude erfüllen uns, auch wenn wir so mancherlei Prüfungen zu bestehen haben. Auch uns wird wie den Kindern von Fatima der Himmel versprochen, wenn wir nur treu bleiben in der Nachfolge Christi und mit Hilfe der Gnade Gottes im Guten ausharren. Wir wollen beten, dass die Sünder sich bekehren und – wie es im Fatima-Gebet heißt – vor dem Feuer der Hölle bewahrt bleiben. Maria steht ganz ein für den Heilswillen Gottes. Sie möchte nicht, dass eines von ihren Kindern verloren geht.
Gott selber schenkt uns seine Mutter Maria, damit wir leichter zu ihm finden. Wollen auch wir der Einladung des Herrn folgen und uns ganz dem Unbefleckten Herzen seiner Mutter Maria anvertrauen? Sobald wir dies tun, wird Friede einkehren in unser Herz. Wir bitten Gott den Herrn um den wahren Frieden in den Familien, in unserem gesellschaftlichen und politischen Leben und in der ganzen Welt. Möge Jesus Christus als König der Liebe und des Friedens allezeit herrschen in den Herzen der Menschen! Amen.
