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Predigt:

Fest des heiligen Stephanus B (26.12.2002)

L1: Apg 6,8-10; 7,54-60; Ev: Mt 10,17-22


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

War der heilige Stephanus ein Fanatiker? Manche werden sagen, er war es; hat er doch sein eigenes Leben nicht geschont, sondern es eingesetzt bis zum Letzten, bis zum Tod. Aber andererseits: Wenn die Kirche ihn schon seit fast 2 Jahrtausenden als „Erzmärtyrer“ feiert, so muß dies gute Gründe haben. Die Kirche als solche will im übrigen keinerlei Fanatismus, wohl aber geht es um echte Glaubensüberzeugung. Wer also war Stephanus?

Er wird, wie aus dem Bericht der Apostelgeschichte hervorgeht, als einer der ersten sieben Diakone eingesetzt. Die Diakone waren Mitarbeiter der Apostel und sollten diese entlasten. Vor allem hatten sie eine soziale Tätigkeit, d.h. sie setzten sich für die Armen ein und waren um eine gerechte Verteilung der Güter innerhalb der Gemeinde bemüht. Außerdem hatten sie auch Aufgaben der Wortverkündigung und des liturgischen Dienstes.

Stephanus muß nun innerhalb dieser Gruppe besonders hervorgetreten sein. In allem, was er an Gutem tat, hielt er mit seiner Überzeugung nicht hinter dem Berg, daß er an Jesus Christus als den Messias glaubte. Dieser Jesus war zuvor verurteilt und gekreuzigt worden. Seine Anhänger, die man später Christen nannte, waren überzeugt, daß er auferstanden war und lebte. Für diese Glaubensüberzeugung stand auch Stephanus ein. Er zeigte den jüdischen Volksgenossen auf, daß alle Verheißungen der Propheten des Alten Testamentes in Jesus Christus in Erfüllung gegangen waren.

Und das Radikalste: Er stellte den jüdischen Tempelkult in Frage! Denn wenn Jesus Christus als der menschgewordene Sohn Gottes in dieser Welt erschienen war, hatte er alles Bisherige aufgehoben und erfüllt. Es war nun nicht mehr nötig, im jüdischen Tempel Opfer darzubringen, da Jesus selber durch sein Leiden und Sterben am Kreuz das einzigartige und in seiner Wirkung und Vergegenwärtigung durch die Liturgie der Kirche immerwährende Opfer eingesetzt hatte. Für Stephanus war es unvereinbar, an Christus zu glauben und zugleich weiterhin dem Kult des Tempels zu dienen! So bewies er den Juden, daß in Jesus Christus alles in Erfüllung gegangen war, was vom kommendem Messias vorhergesagt war.

Das war nun freilich eine Botschaft, die nicht alle hören wollten. Es heißt, sie hielten sich die Ohren zu, weil sie den Argumenten des Stephanus nicht widerstehen konnten. Wir spüren sehr gut, wo hier wirklich die Fanatiker zu finden sind. Es ist nicht Stephanus, der fanatisch auftritt, sondern seine Verfolger offenbaren einen ungeheuren Fanatismus und Haß auf die erkannte Wahrheit. Sie wollen diese Wahrheit um jeden Preis niederdrücken, indem sie den töten, der sie verkündet!

So steinigten sie den Stephanus. Zum Zeugnis für ihre Tat legten sie die Kleider zu Füßen eines Mannes hin, der Saulus hieß. Wir wissen, was aus ihm später geworden ist: Er hat sich bekehrt und ist zum Paulus geworden, zu einem der größten Verkünder des Evangeliums Christi unter den Völkern.

Beachten wir noch, wie Stephanus gestorben ist: Voll Liebe war er erfüllt, auch zu seinen Gegnern. Nach dem Beispiel des Herrn verzieh er ihnen all das, was sie ihm Böses getan hatten. Er betete für sie zu Gott, daß dieser ihnen das Böse nicht anrechnen, sondern vergeben möge. So empfahl er seine Seele dem Herrn!

Wenn uns die Kirche am 2. Weihnachtsfeiertag das Beispiel des heiligen Stephanus vor Augen stellt, so soll uns dadurch bewußt werden, wie wichtig es ist, für den Glauben in Wort und Tat einzutreten. Wir Christen sind dazu aufgerufen, für den Glauben Zeugnis abzulegen: in Familie und Beruf, in Staat und Gesellschaft.

Der Widerstand der Feinde des Christentums ist heute subtiler geworden, aber nicht weniger wirksam. Nicht Haß, sondern Liebe und Gebet für alle Irrenden sind die christliche Antwort auf diese Herausforderungen. Gerade im vereinten Europa wird es nötig sein, die christlichen Werte und Überzeugungen neu einzubringen. Als Christen haben wir ein Recht darauf, gesellschaftlich und politisch mitzuwirken und die Welt im Geist des Evangeliums mitzugestalten. Möge uns das Vorbild und die Fürbitte des hl. Stephanus helfen, unserer Berufung treu zu bleiben! Amen