Predigt:
Hochfest der Gottesmutter Maria C (01.01.2004)
L1: Num 6,22-27; L2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute feiern wir den letzten Tag der Weihnachtsoktav. An diesem Tag wurde dem Jesuskind nach jüdischem Brauch der Name gegeben. Außerdem ist Weltfriedenstag, und vor allem: Wir feiern das Hochfest der Gottesmutter Maria.
Wer nämlich das Kind ehrt, muss auch die Mutter ehren. Wer sich zu Jesus, ihrem Sohn bekennt, darf auch die Würde und Ehre der Mutter eines solchen Sohnes nicht verschweigen. Mit vollem Recht wird die heilige Jungfrau Maria von der Kirche als Gottesmutter verehrt. Sie hat ja den geboren, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er ist Gott von Ewigkeit, und er ist Mensch geworden in der Zeit aus der Jungfrau Maria. Sie durfte ihm das Leben schenken und auf einzigartige Weise dabei mitwirken, dass der Sohn Gottes als Mensch aus ihr geboren wurde.
Als sich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten die Frage stellte, wer denn Jesus Christus in Wirklichkeit sei, gelangte man auf den großen Konzilien (Nicäa, Konstantinopel) zur Erkenntnis: Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, existierend in zwei Naturen, nämlich der göttlichen und der menschlichen Natur, aber nur in einer einzigen göttlichen Person, nämlich der des ewigen Wortes. Davon mit betroffen waren Aussagen über die Mutter Jesu. So erklärte das Konzil von Ephesus 431, sie dürfe mit Recht „Gottesgebärerin“ (theotokos) genannt werden.
Aber ebenso wie die Würde des Jesuskindes den meisten Menschen verborgen blieb, da er in Armut und Niedrigkeit im Stall von Bethlehem geboren wurde, war auch die Ehre seiner Mutter nur wenigen bewusst. Am ehesten ahnte es noch Elisabeth, die ja selber den Besuch ihrer Verwandten Maria erfahren hatte. Da hatte sie, vom Heiligen Geist erleuchtet, ausgerufen: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Sie erkannte also, dass ihre Verwandte in ganz besonderer Weise gesegneten Leibes war, da sie auserwählt war, die Mutter des Erlösers zu sein.
Maria ist auf diese Weise zur Gottesmutter geworden und zugleich zur Mutter aller Menschen. Denn jenes Kind, das sie geboren hat, wurde der Welt geschenkt. Es soll alle Menschen zum Heil führen, die es im Glauben annehmen.
Weil Maria von Anfang an mit ihrem Sohn Jesus Christus auf unzertrennliche Weise verbunden ist, darum kann und will sie nichts anderes, als uns näher hinzuführen zu ihrem Sohn Jesus Christus.
Der Einwand ist also ganz und gar nicht berechtigt, die Verehrung Marias lenke uns ab von ihrem Sohn Jesus Christus. Wer Maria wirklich kennt und liebt, der begreift, dass sie sich ganz im Lebensraum ihres Sohnes befindet. Wer sich vertrauensvoll an Maria wendet, den führt sie hin zu ihrem Sohn Jesus Christus.
Ist es nicht ein schönes Zeichen, dass dieses große Fest am Anfang des bürgerlichen Jahres gefeiert wird? Wir wenden uns gleichsam an die „Morgenröte des Heils“, um Christus als „Sohne der Gerechtigkeit“ zu begegnen. Wir vertrauen der heiligen Gottesmutter unser Leben an, auch in diesem Jahr. So wie sie uns bisher behütet und beschützt hat und uns durch ihre Fürsprache bei Gott beigestanden ist, so wird sie uns auch in Zukunft leiten. Allezeit möge sie uns den rechten Weg weisen.
Den Völkern der Erde und den politischen Verantwortlichen möge durch die Gottesmutter Maria der Geist wahren Friedens geschenkt werden, der sich auswirkt im Alltag. Jede Friedlosigkeit ist Ausdruck einer Unordnung. Wahrer Friede kann nur von Gott kommen, von Jesus Christus, der der Friedensfürst ist. Weil er uns und allen Menschen guten Willens seinen Frieden schenken will, sollen wir diesen Frieden annehmen und weitergeben. Möge uns die heilige Gottesmutter Maria, an die wir uns im Gebet des Rosenkranzes wenden, hier ihren mütterlichen Beistand zuteil werden lassen! Amen
