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Predigt:

In Liebe und Eintracht vereint

Fest der Heiligen Familie C (31.12.2006)

L1: Sir 3,2-6.12-14 oder 1 Sam 1, 20-22.24-28; L2: Kol 3,12-21; Ev: Lk Lk 2, 41-52


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

An diesem Sonntag in der Weihnachtsoktav feiert die Kirche das „Fest der heiligen Familie“: Jesus, das göttliche Kind, Maria, seine jungfräuliche Mutter, und Josef, der väterliche Beschützer des Jesuskindes und jungfräuliche Gemahl Marias, gehören zusammen. Gott wollte, dass sein Sohn Jesus Christus auf Erden den Schutz und die Geborgenheit einer menschlichen Familie erfahre. In der Heiligen Familie ist uns ein Vorbild und eine Ermutigung für alle christlichen Familien geschenkt.

Drei besondere Wesenszüge der Heiligen Familie gilt es herauszustellen und zugleich zu fragen, welche Bedeutung dies alles für unsere Familien heute haben kann. Wir wollen besonders die Gottbezogenheit dieser wahrhaft heiligen Familie, ihre Liebe und Treue sowie die in ihr erfüllte Arbeit und häusliche Tätigkeit hervorheben.

Dass die Heilige Familie ganz auf Gott bezogen war, versteht sich eigentlich von selbst – war doch der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus, der Mittelpunkt dieser Familie. Maria, seine Mutter, war in allem Gott hingegeben und wollte stets seinen heiligen Willen erfüllen. Auch der heilige Josef lebte in der Gegenwart Gottes. Die Heilige Familie war verankert in der jüdischen Tradition, in ihren Gebeten und gottesdienstlichen Übungen. Das Evangelium dieses Sonntages mit dem Bericht von der Wallfahrt nach Jerusalem legt Zeugnis dafür ab. Bei all dem war diese Gottbezogenheit nicht etwas Gekünsteltes oder gar Belastendes, sondern trotz aller damit verbundenen Opfer etwas zutiefst Beglückendes und Frohmachendes. Die innige Freude am Herrn erfüllte diese heilige Familie.

Der zweite Aspekt, den wir betrachten wollen, bezieht sich auf das menschliche Zueinander und Miteinander von Maria und Josef und dem ihnen anvertrauten Jesuskind. Die Liebe zwischen Maria und Josef war tief und innig; wir können uns keine besseren Ehegatten vorstellen als diese beiden. Sie nahmen aufeinander Rücksicht, dienten einander in Liebe und Treue und waren ein Herz und eine Seele. Dies alles wurde verwirklicht, ohne dass es zur sexuellen Vereinigung beider gekommen wäre. Der Grund dafür lag in der besonderen Berufung der beiden jungfräulichen Gatten, nicht in einer Geringschätzung der ehelich-sexuellen Liebe. Beide Gatten – Maria und Josef – schenkten sich einander in einer wahren Gemeinschaft der Herzen, erfüllt von der Liebe, welche der Heilige Geist in ihnen geweckt hatte. Dem Kind Jesus brachten beide jene Liebe und Fürsorge entgegen, wie sie ihnen als Eltern zukam und aufgetragen war. Jesus gehorchte ihnen, und doch zeigte er ihnen immer wieder, dass es seine erste Berufung war, den Willen des himmlischen Vaters zu tun.

Der dritte Wesenszug der Heiligen Familie ist ihre tägliche Pflichterfüllung in Arbeit und häuslicher Tätigkeit. Auch der heranwachsende Jesus war hier einbezogen und half dem heiligen Josef in der handwerklichen Tätigkeit des Zimmermanns. Es war für den Sohn Gottes nicht zu gering, die Mühe irdischer Arbeit auf sich zu nehmen. Auch Maria sorgte in hingebungsvoller Weise für Haus und Familie. Alles Mühen und Wirken in der Heiligen Familie war ein Lobpreis Gottes und eine Vertiefung der ehelich-familiären Gemeinsamkeit.

Wenn wir nun nach der Anwendung all dessen für unsere christlichen Familien heute fragen, so können wir sagen, dass es natürlich Einzigartiges gibt, das nicht nachgeahmt werden kann. Und doch sind in der Heiligen Familie auch Ideale verwirklicht, die in jeder christlichen Familie angestrebt werden sollen:

Das Gebet darf in keiner Familie ganz fehlen. An Gottes Segen ist alles gelegen, ihm gebührt der tägliche Lobpreis und Dank, an ihn richten wir unsere Bitten. Auch Liebe und Treue der Gatten haben bleibende Bedeutung und Wert. Ehe und Familie können mit ihren vielen Aufgaben, Mühen und Sorgen nur gelebt und bewältigt werden, wenn die Gatten in tiefer Verbundenheit des Herzens zusammenstehen und füreinander da sind. Dann erfahren auch die Kinder jene Geborgenheit, die sie brauchen, um sich gut entfalten zu können. Die häusliche Tätigkeit und die berufliche Entfaltung sind ebenfalls von hohem Wert für das Familienleben; heute gilt es in besonderer Weise, der Frau als Mutter jene Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihr mitunter vonseiten der Gesellschaft versagt wird.

So empfehlen wir an diesem Festtag ganz besonders alle unsere Familien der Fürbitte Marias und des heiligen Josef sowie der fürsorgenden Liebe des göttlichen Kindes in der Krippe. Wir brauchen gute Familien, welche erfüllt sind von der Freude des Herrn. Diese bauen die Kirche auf, und auch unsere Gesellschaft braucht sie: jene vielen Eheleute und Familien, die in Liebe Ja sagen zueinander und insbesondere auch Kinder in Liebe annehmen. Amen