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Geschichte einer großen Sehnsucht
Rezension zum gleichnamigen Buch von Ulrich Filler (2005)

Stefan Hartmann

Hinweis/Quelle: Ulrich Filler, Geschichte einer großen Sehnsucht. Ein Portrait der hl. Schwester Maria Faustyna Kowalska, fe-Verlag Kißlegg 2005, 176 Seiten, ISBN: 3928929798

Vielen Pfarrseelsorgern sind die klaren, verständlichen und das Salz des Evangeliums enthaltenden Kleinschriften des Kölner Kaplans Ulrich Filler bereits ein unentbehrliches „Rüstzeug“ in der Pastoral geworden. Die apologetischen Schriften „Deine Kirche ist ja wohl das Letzte“ (7. Auflage 2004) und „Jenseits der Klischees. 36 Katholische Antworten“ (2003) helfen mit ihren Argumenten bei Glaubensgesprächen und sogar für die Predigtvorbereitung. Eine unbedingt notwendige Klarstellung wider oberflächliche „Allversöhnungen“ war „Himmel, Hölle, Fegefeuer. Was geschieht uns nach dem Tod?“ (2004). Als praktische Hilfe zum Jahr der Eucharistie und darüber hinaus verfasste der didaktisch begabte Autor das etwas größere Werk „Liturgie – das Herz der Kirche“ (2004). Das alles ist nahrhafte Kost, mit geistreichen Zitaten gewürzt, für jeden Schriftenstand geeignet und als ideale Ergänzung zum neuen „Kompendium“ des Katholischen Katechismus im Kißlegger „fe-medienverlag“ äußerst preiswert erstehbar.

Soeben hat Filler sein Talent nun einem neuen Thema gewidmet, dem Portrait einer aktuellen Heiligen, der hl. Schwester Faustyna Kowalska (1905–1938), die am 25. August 2005 ihren 100. Geburtstag gehabt hätte. Natürlich sind ihr berühmtes „Tagebuch“ (dessen unzulängliche deutsche Übersetzung von Filler zurecht kritisiert wird) und Bücher über den von ihr angestoßenen „Kult der göttlichen Barmherzigkeit“ schon länger erhältlich, aber es fehlte eine knappe und einladende Biographie. Oft stand ihre Botschaft allein im Vordergrund, wie es ja auch sicher ihr Auftrag war, den die Kirche seit und mit ihrer Heiligsprechung im Heiligen Jahr 2000 übernommen hat. Papst Johannes Paul II. führte den Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag) damals für die ganze Kirche als „Fest der göttlichen Barmherzigkeit“ ein. Es war gewiss ein Zeichen von oben, dass er dann an der Vigil dieses Festes selbst in die Ewigkeit berufen wurde.

Kaplan Filler gelingt es, in einer lebendigen und liebevollen Beschreibung des Lebensweges von Schwester Faustyna auch ihr persönliches Profil als Mensch und Ordensfrau hervortreten zu lassen. Man staunt, von all den Prüfungen und Beschwernissen ihres Lebensweges zu hören. Mit 18 Jahren verlässt Helena, wie sie zunächst hieß, Hals über Kopf auf den Ruf Christi hin ihre armen Eltern, um sich in Warschau irgendeiner Ordensgemeinschaft anzuschließen. Eine Frau nimmt sie in ihre Wohnung auf und schließlich kann sie bei der „Kongregation der Muttergottes der Barmherzigkeit“, einem aktiven Orden der Fürsorge vor allem für alleinerziehende Mütter mit damals extremen Problemen, Aufnahme finden. Obwohl sie die innere Sehnsucht nach einem strengeren Klosterleben hat, gibt ihr der Herr im Gebet die Weisung, bei den bisherigen Mitschwestern zu verbleiben. So kennt sie alle Sorgen und Beschwernisse einer „Hilfsschwester“ und muss mehrere Versetzungen über sich ergehen lassen.

In Wilna (damals zu Polen gehörend) beginnen dann ab 1934 die mystischen Offenbarungen, die sie zu einer Person der Kirchengeschichte machen werden, aber auch die Tuberkulose-Krankheit, die zu ihrem frühen Tode führt. Filler sieht die Nähe ihres Tugend-Ringens im Klosteralltag mit der Situation des sich in der Welt (etwa nach der Lehre des hl. Josefmaria Escrivá) um Heiligkeit mühenden Christen und beschreibt spannend das Entstehen einer Sendung bis hin zu den Gedanken von der Gründung einer neuen Gemeinschaft der „göttlichen Barmherzigkeit“, die dann von ihrem Beichtvater (P. Sopocko SJ) umgesetzt werden. In ihrem Gottvertrauen ist auch die hl. Kirchenlehrerin Therese von Lisieux mit Faustyna geistesverwandt, eine wirkliche „Schwester im Geiste“.

Das informative und erbauliche Buch Fillers enthält mehrere schwarz-weiß Abbildungen, den Text der Barmherzigkeitsnovene und der Ansprache von Papst Johannes Paul II. bei der Heiligsprechung am 30. April 2000. Für die Preiskalkulation muss man dem Verlag dankbar sein. So eignet sich das Büchlein auch zum Verschenken, besonders an Jugendliche, die – wie am Weltjugendtag in Köln – wirklich Sehnsucht haben „Ihn anzubeten“ und seinen Ruf zu hören.