stjosef.at dankt der Verfasserin für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Kurzstudie im Internet!
Der wissenschaftliche Beitrag stammt aus einem
bei Prof. DDr. Rudolf Weiler
Thema: Aktuelle Fragen aus Fundamental- und Sozialethik
Hauptsächlicher Bezugstext ist die Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI.
Vorwort
In den sechziger Jahren ging eine bahnbrechende Erfindung durch die Welt: eine kleine Pille schien das „Paradies auf Erden“ zu verheißen:
Sexueller Genuss ohne die Möglichkeit, ein Kind zu empfangen.
Auch innerhalb der katholischen Kirche[1] fanden viele Gläubige, von einigen Theologen bestärkt, nichts dabei, die Pille zur Empfängnisverhütung zu benutzen. Alles blickte gebannt auf Rom: wie wird der Papst entscheiden?
Nun, am 25. Juli 1968 war es soweit: Nach umfassender Vorbereitung, gegen den Mehrheitsbeschluss der beratenden Fachleute sowie unter viel Gebet entschied der Papst, daß die Benutzung der Anti-Baby-Pille (und auch anderer Verhütungsmethoden) mit der katholischen Ehemoral nicht vereinbar sei und sich gegen die menschliche Natur richte.
Ein Sturm der Empörung prasselte auf Rom nieder, auch innerkirchlich gärte es unter einigen Priestern und Laien. Nationale Bischofskonferenzen wandten sich gegen den Papst und gaben Eigeninterpretationen heraus, um den „Schaden von HV“ zu begrenzen, wie etwa die „Maria Troster Erklärung“ der Österreichischen Bischofskonferenz.
35 Jahre danach: Geburtenschwund, Schäden der „Pille“, Ansteigen der Abtreibungen, Sinken der Ehemoral, der Gesamtmoral überhaupt, laxe Einstellungen mancher Priester, kriminelles Operieren von Geburtenkontrollorganisationen in der Dritten Welt...
Und – was wäre gewesen, wenn der Papst „Ja“ zur Pille gesagt hätte?
Dann wären posthum wahrscheinlich wohl dieselben Leute, die damals und heute gegen den Inhalt von Humanae Vitae agitieren, über ihn hergefallen.
Wäre es nicht an der Zeit, die vielgeschmähte Enzyklika einmal näher anzusehen und ihre wahrhaft prophetische Sicht zu würdigen?
Anno Domini 2003 jährt sich die Herausgabe einer der am meisten diskutierten Enzykliken eines Papstes zum 35. Mal. Es handelt sich hier um „Humanae Vitae“, herausgegeben von S. H. Papst Paul VI am 25. Juli 1968.
Im Rahmen dieser bescheidenen Seminararbeit möchte sich die Verfasserin mit den Inhalten dieses Lehrschreibens und mit den ethischen Grundlagen des Geschlechtstriebes aus naturrechtlicher Sicht beschäftigen.
Eine kritische Betrachtung der Geburtenkontrolle, so wie sie weltweit praktiziert wird, hält die Verf. gerade angesichts der aus ihrer Sicht providentiellen Enzyklika für unerlässlich. Dasselbe betrifft auch die Folgen und Nebenwirkungen des wohl am meisten verwendeten Verhütungsmittels – der sog. „Anti-Baby-Pille”.
Selbstverständlich sollen auch Empfängnisregelungsalternativen, die vom kirchlichen Lehramt gebilligt werden, vorgestellt werden.
Der katholische Glaube in Übereinstimmung mit der Lehre und immerwährenden Tradition der hl. Mutter Kirche, wie sie durch die Geschichte hindurch von den Päpsten zu glauben vorgelegt wurde, bestimmt den Geist dieser Seminararbeit.
1.
Vorgeschichte, Entstehung und Folgewirkungen
der Enzyklika „Humanae Vitae“
Die Konzilsväter des VAT II (Pastoralkonzil in Rom von 1962 – 1965) sparten eine genauere Ausführung der Geburtenregelungsthematik[2] während der Abfassung der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ aus und verwiesen auf die von Papst Paul VI eingesetzte Kommission für das Studium des Bevölkerungswachstums, der Familie und der Geburtenhäufigkeit, der diese Fragen zur Untersuchung übergeben worden sind. Danach wollte der Papst eine Entscheidung treffen.[3]
Papst Pius XI lehrte schon 1930 in seinem Apostol. Rundschreiben über die Ehe „Casti Connubii“, daß die Empfängnisverhütung, die die Fortpflanzung vom ehelichen Akt trenne, für katholische Eheleute nicht erlaubt sei, da dies wider die Natur des ehelichen Aktes, der ja neues Leben wecken soll, sei.[4]
Papst Paul VI ließ sich mit der Entscheidung Zeit. Er beriet sich mit Bischöfen und zog Fachleute zu Rate. Die beratende Päpstliche Kommission kam nicht zu einer einheitlichen Auffassung. Einige Lösungsvorschläge wichen von der kirchliche Ehemoral ab.[5]
In HV 14 kommt der Papst zum Entschluss, dass nicht nur Abtreibung und Abbruch einer bereits begonnenen Zeugung (z. B. Spirale) unerlaubt seien, sondern auch unfruchtbarmachende Methoden (z. B. Kondom, damalige Pillenpräparate[6]).
Diese unfruchtbar gemachten Akte können auch dann keine Billigung erfahren, wenn man ein größeres Übel verhindern wollte.[7]
Einige Bischofskonferenzen widersetzten sich diesem klaren Votum des päpstlichen Lehramtes und gaben eigene Interpretationen heraus, z. B. die Deutsche Bischofskonferenz die sog. „Königssteiner Erklärung“ oder die Österreichische Bischofskonferenz (ÖBK) die sog. „Maria Troster Erklärung“ (beide kurz nach Erscheinen von HV).
Der Grundtenor dieser Dokumente: Wer glaubt, dass in HV kein unfehlbares Glaubensurteil[8] vorliegt und sich gewissenhaft und frei von subjektiver Überheblichkeit vor Gott prüft, verfehle sich nicht.[9]
Anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II in Österreich im Jahre 1988 gab die damalige ÖBK eine Erklärung heraus, in der sie u. a. darauf hinwies, dass die von Rom kritisierten Stellen in der Maria Troster Erklärung in der Praxis oft missdeutet wurden. Der damals beschriebene Fall kann nicht als allgemeine Erlaubnis zur Anwendung aller Verhütungsmittel gewertet werden.[10] Es ginge nicht um Freiheit der Gewissensbildung, sondern um Gewissensfreiheit.[11]
Der St. Pöltner Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn führte in seinem Pastoralschreiben „25 Jahre seit Humanae vitae“ vom 25. Juli 1993 unter anderem aus, dass die in der Maria Troster Erklärung genannte Ausnahme (siehe Fußnote 10) ein in sich inkonsequenter und widersprüchlicher Satz sei, der eine ungerechtfertigte Ausnahme zur (objektiven) Regel werden ließ. Aus der tatsächlichen Lage der Dinge (laufende Bekräftigung von HV durch das Kirchliche Lehramt) kann niemand einer abweichenden Überzeugung „zunächst“ folgen. [12]
Papst Johannes Paul II, der noch als Cardinal Karol Wojtyla einen Artikel im Osservatore Romano[13] veröffentlichte, in dem er Papst Paul VI voll zustimmte, leitete 1980 die Weltbischofssynode, dessen Mitglieder sich einmütig und ausdrücklich hinter HV stellten.
Auch das nachsynodales Schreiben „Familiaris Consortio“ beschäftigte sich u. a. mit diesem Thema und führte aus, dass Empfängnisverhütung die beiden Sinngehalte (Fortpflanzung und liebende Vereinigung) des ehelichen Aktes auseinanderreiße und so die menschliche Sexualität erniedrige.[14]
Anlässlich des Kongresses für Moraltheologie in Rom 1988 zog der jetzige Pontifex eine Art Zwischenbilanz. Vor allem setzte er sich mit der „Gewissensfrage“ auseinander, die von einigen nationalen Bischofskonferenzen aufgeworfen wurde.[15]
Er führte aus, dass im Zuge der Bekämpfung von HV die christliche Lehre vom moralischen Gewissen in Frage gestellt wurde. Das heißt also, man geht nicht mehr davon aus, dass das Gewissen (= mit-wissen, lat. conscientia) im Menschen ein Ort sei, der von einem Licht erleuchtet wird, das eben gerade nicht aus der menschlichen Vernunft stammt[16], sondern dass sich das Gewissen die sittliche Norm selber schafft.
Wer so ohne weitere Ausführungen von der „unverletzlichen Würde des Gewissens“ rede, setze sich der Gefahr schwerer Irrtümer aus. Es sei auch ein Unterschied zwischen einem Menschen, der sich redlich um die Findung der Wahrheit bemüht hat und dann doch irrt, und einem Menschen, der nachlässig ist und sich einfach mit der Mehrheitsmeinung abfindet.
Um aber eben diese Gefahr des Irrtums zu vermeiden, hat Christus eben das Lehramt der Kirche eingesetzt. Man kann daher nicht sagen, ein Gläubiger hätte sich sorgfältig um die Wahrheit bemüht, wenn er einfach nicht der sicheren Lehre der Kirche folgt und lieber eine andere Erkenntnisquelle, oder seine Meinung oder die anderer (z. B. bestimmte Theologen) vorzieht. Diese Situation zeuge weder von der Würde des Gewissens noch entspreche sie der Lehre des VAT II und der ganzen Überlieferung der Kirche, so der Pontifex. Weiters führte er aus, daß zum Gewissen auch die Verbindlichkeit der Norm dazugehört.[17]
Anno 1995 am Hochfest Mariä Verkündigung veröffentlichte Papst Johannes Paul II die Enzyklika „Evangelium Vitae“, die vom Wert und der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens handelt. Neben der ausdrücklichen Verurteilung von Abtreibung und Euthanasie wird auch die Lehre von HV bestätigt bzw. werden die Methoden der natürlichen Fruchtbarkeitsregulierung, die die Eheleute aus ernstzunehmenden Gründen anwenden dürfen, gewürdigt.[18]
HV hatte aber nicht nur Kritik zur Folge, sondern auch positive Auswirkungen. Die wissenschaftliche Weiterentwicklung der natürlichen Familien“planungs“methoden wurde auch durch diese Enzyklika forciert. Diese erreichen in bestimmten Ausprägungen den gleichen Pearl-Index wie die sogenannte „Anti-Baby-Pille“.[19]
Weiters hat dieses Schreiben, das vornehmlich über das Wesen der Ehe spricht, sicher auch eine befruchtende Wirkung auf die katholische Ehe- und Familienpastoral, auf diverse einschlägige Bewegungen und Institute, wie z. B. die Päpstlichen Institute für Studien zu Ehe und Familie, ausgeübt.[20]
2. Vorstellung und Inhalt
von Humanae Vitae
unter besonderer Berücksichtigung
der hohen Auffassung der Ehe und Familie [21]
Humanae Vitae ist nicht nur eine „Pillenenzyklika“, wie sie manchmal despektierlich bezeichnet wird, sondern behandelt das Problem der Geburtenregelung im Rahmen einer Gesamtschau über das Wesen der Ehe und die Berufung der Eheleute.
a. Eheleute als „Mitarbeiter Gottes“, verantwortliche Elternschaft
und Untrennbarkeit des ehelichen Aktes
Durch die Weitergabe des menschlichen Lebens sind die Eheleute „freie und bewusste Mitarbeiter Gottes“[22]. Diese Weitergabe ist zwar einerseits mit Freude, aber andererseits auch mit Schwierigkeiten verbunden, die sich nicht zuletzt durch verschiedene Faktoren zeigen -wie rasche Bevölkerungszunahme[23], eine neue Sicht der Aufgaben der Frau in der Gesellschaft sowie der Gattenliebe und die Bedeutung des ehelichen Aktes für dieselbe und zuletzt die zunehmende Technologisierung der menschlichen Gesellschaft, die auf alle Bereiche, eben auch auf die Weitergabe des Lebens, ausgedehnt werden soll.
Dadurch ergeben sich eben neue Fragen, wie etwa die Überprüfung der geltenden sittlichen Normen im Hinblick auf die veränderte Lebenssituation; ob physisch unfruchtbar gemachte Akte nicht eine erlaubte und vernünftige Geburtenregelung darstellen, ob man nicht das Ziel der menschlichen Fortpflanzung mehr dem ganzen Eheleben als jedem einzelnen Akt aufgeben soll?
Und diese neuen Fragen fordern auch eine Antwort des kirchlichen Lehramtes, das ja auch Auslegungsinstanz des natürlichen Sittengesetzes ist, heraus. Dazu wurden vom Hl. Stuhl auch spezielle Studien und Gutachten veranlasst und einen eigenen Ausschuss, dem neben einschlägigen Experten auch Ehepaare angehörten, eingesetzt. Die Folgerungen dieser Kommission jedoch konnten für Papst Paul VI kein sicheres Urteil bedeuten, da zudem im Plenum des Ausschusses verschiedene Lösungsvorschläge auftauchten, die manchmal auch von der katholischen Ehemoral abwichen. Daher wollte der Papst nach genauer Prüfung, Überlegungen und inständigem Gebet selbst eine Antwort geben, die er in einer Gesamtschau des Menschen und der ehelichen Liebe entfaltete.
Die Behandlung der Problematik um die Weitergabe des menschlichen Lebens darf nämlich nicht nur unter biologischen, psychologischen, demographischen oder soziologischen Gesichtspunkten gesehen werden, sondern ist vom ganzen Menschen und besonders auch von seiner übernatürlichen Existenz her zu sehen. Da sich die Befürworter der künstlichen Geburtenregelung auf die Forderungen der ehelichen Liebe und der verantwortlichen Elternschaft berufen, war es nötig, daß HV diese beiden bedeutsamen Elemente des ehelichen Lebens besonders beleuchtet. Dabei greift die Enzyklika auf die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ des VAT II zurück.
Das Wesen der ehelichen Liebe wird von Gott, der die Liebe ist, her gesehen. Die Ehe ist nicht Produkt eines Zufalls, sondern von Gott so eingerichtet, daß sie seinen Liebesplan verwirklicht. „Darum streben Mann und Frau durch ihre gegenseitige Hingabe ... nach jener personalen Gemeinschaft ... um mit Gott zusammenzuwirken bei der Weckung und Erziehung neuen menschlichen Lebens.“[24] Für die Getauften ist die Ehe natürlich ein Sakrament.
Weitere Wesenszüge der Ehe sind Treue, vollmenschliche Liebe (d. h. geistig und sinnenhaft zugleich), die dem freien Willen und nicht nur dem Trieb entspringt und schließlich Fruchtbarkeit, da die Liebe über die eheliche Vereinigung hinaus fortzudauern strebt und neues Leben wecken will.[25]
b. Erlaubte und unerlaubte Wege der Geburtenregelung sowie Folgen der künstlichen Geburtenregelung
Einführend bemerkt der Papst, dass ein dem Ehepartner aufgenötigter Verkehr ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten des anderen kein wahrer Akt der Liebe ist und der sittlichen Ordnung für das Verhältnis der Gatten zueinander widerspricht.
Ebenso ist es auch ein Widerspruch zum göttlichen Schöpfungsplan, wenn man beim ehelichen Akt absichtlich die Fruchtbarkeit, die ihm ja naturgemäß innewohnt, ausschließt. Hier handelt man im Widerspruch zur Natur des Mannes und der Frau und stellt sich gegen Gottes heiligen Willen.
Wer aber die Gabe ehelicher Liebe genießt und sich dabei an die Zeugungsgesetze hält, der stellt sich vielmehr in den Dienst des Schöpfers.
Gemäß diesen Grundsätzen erklärte Papst Paul VI noch einmalöffentlich:
Absolut zu verwerfen ist der Abbruch einer bereits begonnenen Zeugung[27] und die direkte Abtreibung, selbst wenn diese Handlungen zu Heilzwecken vorgenommen werden.
Weiters werden alle Formen von Sterilisation von Mann und Frau verurteilt.
Ebenso sind alle Handlungen verwerflich, die darauf abzielen, den Verkehr in Voraussicht oder während des Vollzugs oder im Anschluß daran unfruchtbar machen.[28]
Auch eine Güterabwägung ist nicht zulässig, denn: Ein kleineres Übel kann nur geduldet werden, um ein größeres zu verhindern oder um etwas sittlich Höherwertiges zu fördern, aber es ist niemals erlaubt, etwas Böses zu tunum eines guten Zweckes willen, selbst wenn es in der Intention geschieht, z. B. das Wohl der menschlichen Gesellschaft zu fördern.
Irrig ist es auch, wenn man meint, absichtlich unfruchtbar gemachte Akte können durch fruchtbare Akte des gesamtehelichen Lebens gerechtfertigt werden.[29]
c. Kirche als Mutter und Lehrmeisterin und die Würde des Menschen
Die Enzyklika betont, dass die Kirche nicht Urheberin der beiden Sittengesetze ist, sondern nur Wächterin und Auslegerin. Auch kann sie niemals etwas für erlaubt erklären, was an sich von der Natur her unerlaubt ist. Durch die Wahrung des unverkürzten ehelichen Sittengesetzes trägt sie zum Aufbau echter, menschlicher Kultur bei und sichert die Würde der Eheleute.
Natürlich weiß der Papst, daß die Verwirklichung der Lehre über die rechte Geburtenregelung, die die Kirche als Gottes Gebot (!) selbst verkündet, vielen Menschen sehr schwer erscheint. Er betont aber, dass diese Anstrengungen die Würde des Menschen erhöhen und zum Wohl der Menschen beitragen. Selbstbeherrschung in den Zeiten, wo man Enthaltsamkeit üben muß, schadet der Gattenliebe nicht. Im Gegenteil, diese erfüllt sie mit einem höheren Sinn für Menschlichkeit und macht die Gatten reich an geistlichen Gütern.
Sie fördert gegenseitige Achtung, Verantwortungsbewusstsein und verhilft den Eltern im Hinblick auf die Kindererziehung zu einer von innen kommenden Autorität.
Der Papst erinnert die Erzieher und alle für das Gemeinwohl Verantwortlichen an die Schaffung eines für die Keuschheit gedeihlichen Klimas. Diese müssten einstimmig alles verurteilen, was die Sinne aufpeitscht, insbesondere die Pornographie. Außerdem dürfe man solche Entartungen nicht mit der Berufung auf „Kunst und Wissenschaft“ oder „Freiheit“, rechtfertigen. Daher richtet der Pontifex Appelle an verschiedene Personengruppen:
Appell an die Wissenschafter, insbesondere die Katholiken unter ihnen, Voraussetzungen für eine sittlich einwandfreie Geburtenregelung zu klären.[32]
Appell an die christlichen Eheleute, vor allem in Schwierigkeiten Zuflucht im Gebet zu suchen und auf die Gnade des Ehesakramentes zu bauen; weiters sich von Sünden nicht beirren zu lassen, sondern das Sakrament der Buße in Anspruch zu nehmen und auf die Barmherzigkeit Gottes zu bauen. Auch sollen erfahrene Eheleute andere Eheleute begleiten (Familienapostolat).[33]
Appell an die Ärzte und ihre Helfer[34], auf ein christliches Berufsethos zu achten, auch Kollegen dafür zu gewinnen, sowie sich spezifisches Wissen zu erwerben, um die zu ihnen kommenden Ehepaare gut zu beraten und ihnen verantwortbare Wege zu zeigen.
Appell an die Priester, insbes. die Moraltheologen, die kath. Ehelehre zwar mit Demut und Geduld, aber unverfälscht und offen vorzulegen. Weiters soll größter Augenmerk auf das Gebet und den häufigen Empfang der Sakramente gelegt werden, vor allem im Hinblick auf die Begleitung von Eheleuten, die in Schwierigkeiten sind.
Appell an die Bischöfe, sich an die Spitze ihrer Priester und Laien im Hinblick auf die Verteidigung der Heiligkeit der Ehe zu stellen.
Appell an alle Menschen guten Willens, die in die menschliche Natur eingeschriebenen Gesetzte zu achten.
Zum Schluß erfleht Papst Paul VI für alle, an die Enzyklika gerichtet ist, vom „allheiligen und allbarmherzigen Gott die Fülle himmlischer Gnade“[35] und erteilt seinen Apostolischen Segen.
3. Ethische Bewertungen aus naturrechtlicher Sicht
a. Johannes Messner über den Geschlechtstrieb
des Menschen[36]
Da in der Enzyklika „Humanae Vitae“ sehr oft von „naturgemäß“ und vom „natürlichen Sittengesetz“ die Rede ist, lohnt es sich, einen der führenden, modernen Naturrechtsethiker genauer anzusehen. Es handelt sich um den österreichischen Prälaten Prof. Johannes Messner (1891 – 1984), der auf diesem Gebiet bedeutende Arbeiten geleistet und den Menschen vor allem als Familienwesen gesehen hat.[37]
Einleitend muß man bemerken, daß es Messner immer darum gegangen ist, „seine“ Naturrechtsethik aus der Wirklichkeit der menschlichen Existenz zu gewinnen[38] , so auch beim Geschlechtstrieb, der wohl zu den mächtigsten Trieben im Menschen gehört. Messner grenzt seine Abhandlung des Geschlechtstriebes von psychologischen Deutungen etwa eines Freud ab, da diese sich von der Analyse des abnormen, pathologischen Verhaltens ableiten.
Ihm geht es darum zu zeigen, dass der Geschlechtstrieb bei Achtung seiner Zweckrichtung zu den gewaltigsten integrierenden und aufbauenden Kräften gehört, denn die geschlechtsgebundene Liebe begründet Ehe und Familie, in der alle menschliche Kultur wurzelt. Außerhalb von Ehe und Familie wird die Dynamik des Geschlechtstriebes, der ja nicht ausgeschaltet werden kann, in eine gewaltige Kraft zur Persönlichkeitsentfaltung und Selbsthingabe an höchste Ideale umgebildet (Sublimierung).
Der Geschlechtstrieb kann aber bei Ausschaltung der Zweckrichtung desintegrierende Wirkungen zeigen, die sowohl ins Körperliche als auch ins Seelische reichen. Die Einbildungs- und Konzentrationskraft im Menschen geben dann dem Geschlechtlichen einen zu hohen Stellenwert (individuelle Folgen). Die sozialen Folgen einer Verselbständigung des Triebes sind Ehebruch, zerstörte Ehen und Familien; die kulturellen Auswirkungen sind neben einer gewissen Kommerzialisierung der Pansexualismus.[39]
Diese Spannung der oben beschriebenen Widersprüchlichkeit beginnt für den Menschen ab der biologischen Wende seines Lebens, hält ihn noch lange weiter in ihrem Bann und begleitet somit die ganze Persönlichkeitsentwicklung. Kein anderer Trieb läßt insbesondere den jungen Menschen so unmittelbar die Widersprüche der menschlichen Existenz spüren und stellt ihn ständig vor Entscheidungen. Der Mensch erfährt die Gebundenheit an die Kraft des Biologischen und bemerkt aber gleichzeitig, dass das Biologische nicht seine ganze Existenz ausmacht.
Er wird inne, dass das Biologische, das Sexuelle seinen Platz in seiner Gesamtexistenz finden muß, wenn diese starke Macht überhaupt einen Sinn haben soll, wenn sie wirklich verschieden vom Tier ist. Es geht also um die Einordnung des Geschlechtstriebes in die Gesamtexistenz des Menschen. Eine Art „Ausbalancierung“ also.
Messner unterscheidet aber zwischen falscher und richtiger Ausbalancierung:
Die falsche bedeutet, daß man doch dem Geschlechtstrieb eine Entspannung ermöglichen soll, damit die Dynamik des Geschlechtstriebes geschwächt werde und man ein Gleichgewicht zu den übrigen Trieben erreichen kann. Damit wird aber der Geschlechtstrieb aus der Gesamtdynamik der menschlichen Triebe herausgelöst und wird eigentlich als störender, niedriger Faktor empfunden, den man ableiten muss. Damit befreit man sich aber von einer Auseinandersetzung mit diesem Trieb.[40] Das bloß geschlechtliche Interesse an anderen Menschen besitzt keine Dauer, da der Geschlechtstrieb wie alle anderen Triebe zur Abwechslung neigt und meist zu Promiskuität, zu vermehrten Ehescheidungen und zu kulturellem Niedergang führt.[41]
Die richtige Form ist zweifelsohne komplizierter und mühevoller als die erste, langfristig gesehen aber besser, weil sie dem Aufbau der Wertewelt[42] des jungen Menschen und der Einordnung des Geschlechtstriebes in die Gesamtexistenz dient, d. h. die Dynamik des Geschlechtstriebes wird in das Wachstum der Persönlichkeit investiert.[43] Das Geschlechtliche empfängt dann seine Sinngebung von der menschlichen Gesamtexistenz her.
Weiters spricht er über die schöpferische Dimension der geschlechtsgebundenen Liebe, die den ganzen Menschen erfasst und nach Erfüllung und einem gemeinsamen Leben voller Pläne drängt und die aber auch ohne Opfer und Anstrengungen nicht möglich ist. Diese Erfüllung ist in der Ehe zu finden und zwar in ihrer geschlechtlichen (weder Über- noch Unterbetonung ist richtig), seelischen (Liebe und Freundschaft) und elterlichen (Kinderzeugung und –erziehung) Dimension.[44] Gerade der letzte Bereich als Zweck der geschlechtlichen und ehelichen Verbindung wird zu kontrollieren und zu manipulieren[45] versucht.
Für die persönliche Existenzerfüllung ist die Befriedigung des Geschlechtstriebes aber nicht unbedingt erforderlich. Viele, die freiwillig auf die Ehe verzichten oder denen die Ehe versagt ist, sind in ihrer psychischen Entfaltung und Reifung keinesfalls behindert.[46]
Zu HV meinte der Ethikprofessor in einem Artikel in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ vom 17. 8. 1968, dass diese Enzyklika mit ihren Warnungen vielleicht irgendwann als das „wichtigste Dokument für die Menschheit an der Schwelle zum 21. Jahrhundert“ bezeichnet werden wird.[47]
b. Zur Frage des Gewissens und Humanae Vitae[48]
Im übrigen spricht Papst Paul VI in HV 20 von der Lehre über die rechte Geburtenregelung als einem „Gebote Gottes“.
4. Kritische Bewertung der
oralen Kontrazeptiva
und „katholische“ Alternativen [52]
a. Nebenwirkungen und Nidationshemmung der Anti-Baby-Pille
Über die Nebenwirkungen (NW) wurde und wird viel geschrieben, sogar in populären Medien. Einige seien hier demonstrativ aufgezählt:
Kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre NW: Hirnblutungen, Thrombo-Embolien, auch mit Todesfällen verbunden.
Infektionsförderung: Chlamydien, Sterilität durch Entzündungen, Eileiterschwangerschaften und erhöhte Frühgeburtenrate durch Chlamydieninfektion.
Krebsrisiko: Muttermund-, Gebärmutterschleimhautkrebs, Eierstockkrebs, Brustkrebs, Hautkrebs, Leberkrebs.
Gutartige Tumore, die aber entarten oder platzen können (Verblutungstodgefahr!)
Veränderung im Verdauungstrakt: z. B. Gallensteinleiden.
Augenstörungen: Sehnervenentzündung, Netzhautthrombose
Mißbildungen: bei mit Fehlgeburt endenden Schwangerschaften innerhalb von 6 Monaten nach Absetzen der Pille wurden vermehrt Chromosomenstörungen festgestellt. Weiters Anomalien von Gliedmaßen, Herz, Speiseröhre, Luftröhre und Nieren. Chromosomenabweichungen, die auf die nachfolgenden Generationen vererbt werden können.
Psychische Störungen: depressive Verstimmungen bis zu wirklichen Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen.
Störungen in der Sexualität: Libidoabnahme, -verlust.[55]
Nidationshemmung:
Dr. Rella kommt in seiner Studie zu folgendem Urteil: „Jede Frau, die die Kontrazeptionspille in Summe über 18 Jahre hinweg einnimmt, muß damit rechnen, dass sie bei uneingeschränkten Verkehr durchschnittlich einmal eine gezeugte Leibesfrucht vernichtet.“[56]
(zugrunde liegen eine 10%ige Rate an Durchbruchsovulationen, eine 20%ige Wahrscheinlichkeit, wenn gerade dann auch die Zervixschleimbarriere nicht funktioniert sowie eine generelle Fecunditätsrate von 20-25 % pro Zyklus; d. h. eine Schwangerschaft in 250 Zyklen bzw. in 18 Jahren; entspricht einem Pearl-Index von 5-6!)
Für die Minipille[57] müssen noch höhere Nidationshemmungsquoten angenommen werden, da 5x mehr Durchbruchsovulationen stattfinden. Außerdem ist beim Wiederbeginn nach einer Pillenpause mit einer fast 100%igen Nidationshemmung zu rechnen, da z. B. die Zervixschleimbarriere aufgehoben ist!
Folgendes steht aber fest: noch nie wurde so ein schwerwiegendes Medikament ohne med. Indikation so vielen gesunden Menschen verabreicht, noch nie wurde ein Medikament mit so vielen schwerwiegenden Nebenwirkungen im Handel belassen, noch nie brachte ein Medikament der chemischen Industrie so viel Geld ein und noch nie wurden seriöse Studien und Fakten von der Pharmazeutischen Industrie so heruntergespielt wie bei der „Pille“.
b. Natürliche Empfängnisregelung (NER)[58] als „Alternative“
Es gibt verschiedene Methoden der natürlichen Familien“planung“. Eine davon ist diejenige des Österreichers Dr. Josef Rötzer, der sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts damit beschäftigt.[59]
Es handelt sich hierbei um die sogenannte „Natürliche Empfängnisregelung“ bzw. die „symptothermale Methode“. Hier werden die Beobachtung des Zervixschleimes, der die Fruchtbarkeit anzeigt[60] und der zu gewissen Zeiten im Zyklus am Scheidenausgang wahrgenommen werden kann, mit der Messung der Aufwachtemperatur kombiniert. Nach dem Ende der Wahrnehmung dieser Absonderung bzw. dem Tag der besten Qualität (sog. „Fruchtbarkeitshöhepunkt) dieses Schleimes werden eine bestimmte Anzahl (3 od. 4) von höheren Temperaturmessungen abgewartet. Wenn diese Temperaturhochlage feststeht, beginnt ein Zeitraum, in dem eine Empfängnis mit 100%iger Verlässlichkeit vermieden werden kann.[61]
Diese Methode hat keine Nebenwirkungen, ist von hoher Zuverlässigkeit bei genauer Anwendung[62] gekennzeichnet, vermittelt ein bewussteres Erleben des Frauseins sowie der Vorgänge im eigenen Körper und fördert auch die Partnerschaft. Außerdem ist dieser Weg sehr nützlich bei Kinderwunsch und selbstverständlich ist er auch für die Stillzeit, die Wechseljahre und den Schichtdienst geeignet. Für diese Situationen gibt es eigene Regeln.
5. Zur Praxis der internationalen Geburtenkontrolle
a. Rassistischer Hintergrund – Kontrazeptiver Imperialismus
Viele Menschen finden keine Erklärung, wie es denn im 20. Jahrhundert zu einem so massivem Einbruch der traditionellen Ehe- und Sexualmoral quer durch alle Schichten in der westlichen Welt, aber auch in den sog. „Entwicklungsländern“ kommen konnte. Natürlich sind die Gründe immer vielschichtig, aber sehr oft hängen bedeutende geistige Strömungen mit eingehendem Wertewandel an einzelnen Personen, die sich dann als Motoren für die „neue Ordnung“ entpuppen.
Einer dieser Motoren war zweifellos Margaret Sanger (1885 – 1966) und ihre Geburtenkontrollbewegung „International Planned Parenthood Federation – IPPF“.[63]
Sie und andere Mitstreiter engagierten sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in diversen liberalistischen, anarchistischen, radikalfeministischen und sozialistischen Zirkeln, die auch eng mit der damals aufbrechenden Geburtenkontrollidee[64] verbunden waren. Sie betätigten sich auch in der Armenfürsorge. Ihre eigene Weltanschauung formte Sanger aus verschiedenen Quellen, die sie dann der Öffentlichkeit vorstellte.[65]
a. Rassenhygienische Vorstellungen z. B. von Dr. Havelock Ellis, einem bekannten Sexologen, der neben einem sexuellen Libertinismus auch eugenische Ideen vertrat.[66]
b. Phrenologische Vorstellungen, die z. B. ihr Vater Michael Higgins vermittelt hatte.[67]
c. Sozialistische und anarchistische Ideen.
d. Radikalfeministische Ideen einer Emma Goldmann[68] und einer Ellen Key[69]
Sanger fand, dass die Ehe ein Übel sei und durch freiwillige Bindungen von Sexualpartnern ersetzt werden müsse.[70] Sie forderte eine Begrenzung der Kinderzahl für die unteren Klassen, da sie meinte, dass die Welt ihr genetisches Potential verbessern müsse. Sie und die von ihr gegründete amerikanische „Planned Parenthood“[71] stand auch in Kontakt mit der eugenischen Bewegung – in ihrer Zeitschrift „Birth Control Review“ veröffentlichte sie Beiträge von weltbekannten Eugenikern, die unter anderem rassistische Parolen und auch mit dem Nationalsozialismus in Deutschland in Kontakt standen.[72] Geburtenkontrolle war eben u. a. auch ein Mittel der WASP - Elite, die Zahl der „Unterschichtler“ zu senken, freilich auf werbende und „freiwillige“ Weise, z. B. indem man Sterilisationsprämien bezahlt.[73]
In ihren Werken vertrat sie im übrigen selbst eugenische[74] und rassenhygienische Vorstellungen, die von den Geburtenkontrollbewegungen mit Hilfe von Propaganda für Verhütung, Sterilisation und Abtreibung unter dem Mantel der Wunschkindideologie umgesetzt werden soll – natürlich an den ärmeren Schichten.[75]
Weiteres forderte sie Sterilisationsprogramme, Einreiseverbote für Ausländer, deren Kondition „die Rasse schädigt“ (also Katholiken und Juden, die nach Intelligenztests als „schwachsinnig“ eingestuft wurden), genetisch „minderwertige“ Bevölkerungsteile sollten bei Verweigerung der Sterilisation in Art Reservate abgeschoben werden, wo sie unter fachkundiger Anleitung arbeiten sollten (also Konzentrationslager) u. v. m.[76]
Nach dem II. Weltkrieg wurde die eigene Geschichte von IPPF verdrängt und beschönigt, man sprach nur mehr von „geplanter Elternschaft“ und „Wunschkindern“ und gab sich sehr liberal.[77] Im übrigen finanzierte die IPPF über das „Margaret-Sanger-Forschungszentrum“ die Entwicklung der „Pille“.[78]
Freilich haben alle diese Bewegungen, unterstützt von mächtigen Finanzkreisen[79], großen Einfluß auf die Regierungen verschiedener Länder sowie auf die UNO, die eigene Sektionen für Bevölkerungspolitik haben, wie die UNFPA. Viele Länder setzten und setzen bei der Geburtenkontrolle auf Zwangssterilisationen, Zwangsverhütung und –abtreibung[80], verletzen also die Grundrechte wie z. B. die VR China, Indonesien, Bangladesh, Indien usw.[81] Leider spielen auch die reicheren Länder und die von ihnen kontrollierte UNO (WHO, UNESCO, UNFPA etc.) mit. Auf Kosten von Nahrungsmittel- und medizinischen Programmen werden Verhütungskampagnen durchgeführt,[82] um die angebliche Bevölkerungsexplosion[83] einzudämmen.
Man könnte durchaus von einem „kontrazeptiven Imperialismus“ sprechen. Die feministische Schriftstellerin Lynn Phillips sieht einen Zusammenhang zwischen Geburtenkontrolle und Fremdzwang in der „Dritten“ Welt.[84] Weiters kann man durchaus zur Auffassung gelangen, dass Geburtenkontrolle ein Mittel ist, die Menschen in ärmeren Ländern zu reduzieren bzw. daß man sozioökonomische Probleme mit Hilfe einer kurzsichtigen Bevölkerungspolitik lösen möchte.[85] Also man möchte die Armen durch Bevölkerungsreduktion reduzieren, damit diese keine Revolution gegen die reichen Länder organisieren können.
Eine große Rolle für die Akzeptanz und die Implementierung der Bevölkerungskontroll-programme[86] spielen die internationalen UN-Bevölkerungskonferenzen (ICPD).
b. Die internationalen UNO-Konferenzen[87]
Die großen internationalen Bevölkerungskonferenzen, die von der UNFPA veranstaltet wurden, sind von Geburtenkontrollbewegungen, Feministinnen und Weltbankleuten dominiert. Bei der Kairoer Konferenz 1994 war z. B. die Präsidentin von UNFPA, Dr. Nafis Sadik die Generalsekretärin der Konferenz (die früher für die IPPF gearbeitet hatte), und der Präsident von IPPF, Dr. Fred Sai, war der Vorsitzende der Konferenz, der Delegierten ins Wort fiel oder auf den Tisch trommelte, wenn sie zugunsten des Lebensrechtes ungeborener Menschen etwas sagten.[88]
Es wird versucht, auf die Entwicklungsländer Druck auszuüben, einen Teil der in Aussicht gestellten Entwicklungshilfe für Geburtenkontrollprogramme mit Abtreibung auszugeben.[89]
Oder es wird mit der Aufkündigung von Hilfsprojekten gedroht, die sofortige Abzahlung von Krediten verlangt oder die Zinsen auf vergangene Schulden erhöht.[90]
Weiters wird ständig versucht, den Begriff „sichere Abtreibung“[91] in die Schlussdokumente hineinzureklamieren, was meistens am Veto des Hl. Stuhls und einiger islamischer und südamerikanischer Länder scheitert.[92] Die Formulierungen sind meistens äußerst schwammig: Wer vermutet schon hinter den Worten „Menstruationsregulierung“ oder „Reproduktionsgesundheit“ die Abtreibung? Natürliche Empfängnisregelung wird nie ernsthaft empfohlen, denn NER bringt ja der Pharmaindustrie nichts ein.[93]
Bei der HABITAT II – Konferenz 1996 in Istanbul, die sich eigentlich mit der „nachhaltigen Stadtentwicklung“ beschäftigen soll, wollten amerikanische, kanadische und europäische Delegierte unbedingt Sprachmanipulationen hinsichtlich des Familienbegriffs
(d. h. einen, der homosexuelle Beziehungen miteinschließt) und „Reproduktionsgesundheit“ (euphemistisch für Abtreibung) in die Schlussresolution setzen.
Es gelang aber Lebensschutzgruppen im Verein mit dem Hl. Stuhl, Malta, Argentinien, Guatemala, Sudan, VAR, Saudi-Arabien und Jemen, diese Vorhaben zu verhindern und sicherzustellen, daß keine Abtreibung auf Verlangen einem Land aufgezwungen werden darf. Sehr wichtig für diesen Erfolg war das Lobbying der familienfreundlichen Gruppen, die den Delegierten verschiedener Länder die Semantik der UNO-Sprachregelung erklärte.[94]
Beschämend war, dass die USA, Europa und Kanada „unkooperativen“ Ländern die finanzielle Unterstützung zu entziehen bzw. die geplante Finanzierung der Niederlassung des UNCHS [95] in Kenia auszusetzen drohte, wenn sie nicht von ihrer Kritik an „reproductive health“ abzurücken bereit sind.[96] Die arabischen Staaten waren darob empört und drohten, eine Pressekonferenz einzuberufen. Die Familienaktivisten ermutigten die Delegierten der „Entwicklungsländer“ stark zu bleiben. Am Ende gab die US-Hauptverhandlungsleiterin Melinda Kimble, nicht sehr erfreut, nach einer Marathonverhandlung (die sie selber angesetzt hat, um Delegationen kleinerer Länder auszupowern) ein Kompromisspaket bekannt.[97]
Abschließend sei festgehalten, daß es schlichtweg nicht stimmt, daß Bevölkerungswachstum zu Armut führt. In Europa führte gerade das Bevölkerungswachstum u. a. zu einer enormen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Es zeigt sich auch, daß in Wohlstandsländern die Fruchtbarkeit auch ohne Verhütungsmittel abgenommen hat. Es scheint eine Korrelation zwischen Reichtum und verminderter Fruchtbarkeit zu geben.[98] D. h. um die Armut zu bekämpfen sind wohl Investitionen in wirtschaftliche Entwicklung und Bildung wirksamer als Geburtenkontrolle. Im übrigen werden die Entwicklungsländer bald vor demselben Problem wie die Industrieländer stehen: Geburtenrückgang und Überalterung der Bevölkerung.[99]
6. Und der Papst hatte doch recht
Nach dem bisher Gesagten muß wohl gesagt werden, dass S. H. Papst Paul VI mit seiner Enzyklika Humanae Vitae doch recht gehabt hatte. Die künstliche Geburtenregelung inkl. der Abtreibung[100] ist eben kein geeigneter Weg, um die Kinderzahl zu reduzieren. Sie ist auch kein Weg zur Armuts- und Krankheitsbekämpfung.[101] Und Paul VI hat leider richtig vorgesehen: Geburtenkontrolle wird weltweit auch mit Zwang und Menschenrechtsverletzungen eingesetzt.[102] Und – viele Frauen sind „pillenmüde“ geworden und fühlen sich von den Männern benutzt, weil sie dank Pille eben immer zur Verfügung stehen zu haben. Weiters ist es wirklich zu einer Aufweichung der sittlichen Zucht gekommen.[103]
Überdies verdunkelt die Verhütungsmentalität die eigentliche Natur des Sexualaktes. Wie vielen Menschen ist denn überhaupt noch bewußt, dass der Geschlechtsakt seinem Wesen nach ein kindererzeugender Akt ist, ein Akt, mit dem Mann und Frau am Schöpfungswirken Gottes teilhaben? Es ist nicht mehr bewußt, daß ein Sexualakt mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Schwangerschaft führen kann. So wurde ja den Leuten mit Erfolg suggeriert, daß die Verhütungsmittel, insbesondere die oralen Kontrazeptiva, angeblich absolut zuverlässig seien. Dass dem nicht so ist, beweisen Schwangerschaften, die auch bei exakter Anwendung vorkommen.[104] Sogar bei der Sterilisation können auf 1000 sterilisierte Frauen 3 – 10 Schwangerschaften kommen.[105]
Weiters stellen die Nebenwirkungen auch bei den neuesten Pillenpräparaten für die einnehmenden Frauen ein großes Problem auf. Es kommen auch immer wieder Todesfälle vor, Todesfälle, die dem Götzen „Sex“ geopfert werden. Weitere Opfer sind die ungeborenen Kinder, die entweder durch Frühabtreibung (Pille, Spirale, Pille danach) oder durch spätere Abtreibungen (Mifegyne, Saug- oder chirurgische Kürettage) um ihr Leben kommen.
Es gibt sicher ernste Gründe, die Kinderzahl zu beschränken bzw. die Geburtenabstände besser zu planen, wofür auch die Kirche Verständnis aufbringt. Sie empfiehlt dafür die Natürliche Empfängnisregelung. Doch sie will nicht, daß die Eltern etwas wider das Wesen des ehelichen Aktes unternehmen, noch dass die Eltern von Politikern und Bevölkerungskontrolleuren bevormundet werden.
Natürlich können bei der Beobachtung der kirchlichen Ehelehre auch Schwierigkeiten und sündhaftes Versagen auftreten, über das man aber nicht verzweifeln darf. Die subjektiven Probleme, Mühen und Sünden, derer man mit Hilfe des Gebetes zu Gott und der Sakramente Herr werden kann, entbinden die Kirche und ihr Lehramt nicht von der Pflicht, die objektive Wahrheit über das Sittengesetz zu verkünden.
EV Evangelium Vitae
FC Familiaris Consortio
GS Gaudium et Spes
HLI Human Life International (größte Pro - Life Organisation
der Welt) Weltnetzadresse: www.hli.org
HV Humanae Vitae
VAT II Zweites Vatikanisches Konzil
IPPF International Planned Parenthood Federation
(Internationale Vereinigung für geplante Elternschaft)
setzt sich für Empfängnisverhütung und Möglichkeit zur
Abtreibung ein.
UNO Vereinte Nationen
UNFPA Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen
WASP White Anglo-Saxon Protestant
(diese Bevölkerungsgruppe stellen immer noch zu einem guten Teil die kulturelle und politische Elite der U. S. A.)
Literaturliste
1. Grundlegende Literatur des Kirchlichen Lehramtes
Enzyklika “Humanae Vitae”. Die Weitergabe menschlichen Lebens. Von S. H. Papst Paul VI, hg. v. Guillet, Arnold, CH-Stein am Rhein: Christiana Verlag, ² 1991 (mit einer Einführung von Prof. Georg Siegmund, einschlägigen Ansprachen der Päpste Paul VI u. Joh. Paul II,
sowie dem Credo Papst Paul VI.)
Apostol. Rundschreiben „Casti Connubii“. Über die christliche Ehe in Hinsicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse, Bedrängnisse, Irrtümer und Verfehlungen in Familie und Gesellschaft. Von S. H. Papst Pius XI, hg. u. verlegt von Haselböck, Karl (Reihe „Freude an der Wahrheit“ 42), Sobieskigasse 18/13, A-1090 Wien, ² 1992.
Apostol. Schreiben „Familiaris Consortio“. Über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute. Von S. H. Papst Johannes Paul II, [hg. vom Hl. Stuhl, gedruckt von der Vatikanischen Polyglottdruckerei, bezogen über die Apostol. Nuntiatur in Österreich], 1981.
Enzyklika „Evangelium Vitae“. Über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens. Von S. H. Papst Johannes Paul II, hg. v. Johann Regner Verlag, Graz: Verlag Johann Regner, 1995.
Pastoralkonstitution des II. Vatikanischen Konzils „Gaudium et Spes“. Über die Kirche in der Welt von heute: Kleines Konzilskompendium, hg. v. Rahner, Karl/Vorgrimler, Herbert,
Freiburg i. Br.: Herder Verlag, 25 1994.
Katechismus der Katholischen Kirche(Deutsche Ausgabe),hg. von der röm.-kath. Weltkirche, München:Oldenbourg Verlag, 1993.
a. Dokumente von Teilkirchen zu Humanae Vitae
Wort der deutschen Bischöfe zur seelsorgerlichen Lage nach dem Erscheinen der Enzyklika „Humanae Vitae“ (sog. „Königsteiner Erklärung“), aus dem Weltnetz (Internet) von der Pagina domestica (Homepage):
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/moral/koenigstein.htm
Erklärung der österreichischen Bischöfe zur Enzyklika „Humanae Vitae“ (sog. „Maria Troster Erklärung“): Verordnungsblatt für die Diözese Innsbruck 43 (9/1968), 32 – [34], aus dem Weltnetz von der Pagina domestica: http://www.stjosef.at/dokumente/oesterreichische_bischofserklaerungen_humanae_vitae.htm
Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz anläßlich des bevorstehenden Papstbesuches in Österreich vom 29. März 1988, erhalten per Fax vom Bischöflichen Sekretariat der Diözese St. Pölten.
Pastoralschreiben an die Priester und Gläubigen der Diözese „25 Jahre seit Humanae vitae“ vom 25. 7. 1993“. Von S. Exz. Bischof Dr. Kurt Krenn, aus dem Weltnetz von der Pagina domestica: http://www.st.josef.at/bischof.k.krenn/humanae_vitae_25jahre.htm
2. Fundamental- und sozialethische Literatur mit naturrechtl. Ansatz
Messner, Johannes, Das Naturrecht, Innsbruck: Tyrolia Verlag, 6 1966.
Messner, Johannes, Kulturethik, Innsbruck: Tyrolia Verlag, ² 1954.
Messner, Johannes, Widersprüche in der menschlichen Existenz. Tatsachen, Verhängnisse, Hoffnungen (Nachdruck der Ausgabe von 1952), hg. v. Rauscher, Anton/ Weiler, Rudolf, München: Oldenbourg Verlag, 2002.
Messner, Johannes, Was der Papst nicht gesagt hat : Die Presse [120] (17./18. 8. 1968)
Messner, Johannes, Ehemoral und Entscheidungsethik: Hochland 62 (1970), 1 – 19.
Rhonheimer, Martin, Sexualität und Verantwortung. Empfängnisverhütung als ethisches Problem (Imabe-Studie 3), hg. u. verlegt vom IMABE – Institut für medizinische Anthropologie, Landstraßer-Hauptstraße 4/13, A-1030 Wien, 1995.
3. Methoden der natürlichen Familien“planung“
Rötzer, Josef, Natürliche Empfängnisregelung, Freiburg i. Br.: Herder Verlag, 25 34 2000.
(Symptothermale Methode)
Rötzer, Josef, Der persönliche Zyklus der Frau, Freiburg i. Br.: Herder Verlag, 1999.
Sentis, Marie/ Sentis, René, Verantwortete Elternschaft. NatürlicheFamilienplanung nach der Billingsmethode, hg. v. Casetti, Christoph, CH-Nettetal: Verlag Wort und Werk, 1985.
(Hier wird nur der Zervixschleim beobachtet. Diese Methode ist auch für Analphabetinnen geeignet und weist einen etwas höheren Pearl-Index als die NER nach Rötzer auf.)
4. Kritische Literatur zum Mythos „Überbevölkerung“
Clowes, Brian, Die Tatsachen des Lebens, deutsche Ausgabe hg. von HLI - Österreich, Taborstraße 11a/6, A-1020 Wien, ² 2002 (engl. Originalausgabe: „The Facts of Life“, edited by HLI, Front Royal, US-22630 Virginia).
Drogin, Elasah, Margaret Sanger. Gründerin der modernen Gesellschaft (Schriftenreihe der Aktion Leben e. V. 1), hg. u. verlegt v. der Aktion Leben e. V., D-69518 Abtsteinach/Odw.; Erstveröffentlichung in der Zeitschrift „Theologisches“ Nr. 2/1988 nach einer Übersetzung aus dem Amerikanischen.
Laun, Andreas, Überbevölkerung – eine Anfrage an die Kirche: Gottes Schöpfung. Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie 1994“ des Linzer Priesterkreises in Aigen/Mühlviertel, hg. v. Breid, Franz [jährliche Tagungsbände – leider keine durchgehende Nummerierung], Steyr: W. Ennsthaler Verlag, 1994, 239 – 322.
Meaney, Mary, Das Wunder von Istanbul. Familienfreundliche Gruppen drängen radikale Feministinnen zurück:Bürger und Christ (7/96), hg. u. verlegt von Weber, Michael/Wiedmann, Arnd, CH- 5621 Zufikon, 7 – 8.
Schneider, Hermann, Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) Kairo 5. – 13. 9. 1994. Teil 1: Medizin und Ideologie
16 (Dezember 1994), Quartalszeitschrift der Europ. Ärzteaktion in Ulm, 10 – 18.
Schneider, Hermann, Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) Kairo 5. – 13. 9. 1994. Teil 2: Medizin und Ideologie
17 (März 1995), Quartalszeitschrift der Europ. Ärzteaktion in Ulm, 9 – 14.
Bevölkerungskontrolle unter falschen Voraussetzungen. Ein Bericht desPopulation Research Institute: HLI – Info 14 (2/2000), hg. u. verlegt von Humanes Leben International e. V., Essen, 8 - 11.
Die unheilige Allianz. Werden die NGOs die Aufpasser der UNO und der reichen Staaten? (Interview): Bürger und Christ (7/96), hg. u. verlegt von Weber, Michael/Wiedmann, Arnd, CH- 5621 Zufikon, 4 – 6.
Kalifornien verlangt von katholischen Einrichtungen die Förderung vonEmpfängnisverhütungsmitteln: HLI – Info 14 (5/2000), hg. u. verlegt von Humanes Leben International e. V., Essen, 11 + 15.
Kommunistisches China erzwingt 20.000 Abtreibungen: HLI – Info 15 (4/2001), hg. u. verlegt von Humanes Leben International e. V., Essen, 13 – 14.
5. Kritisches zur „Anti-Baby-Pille“
Ehmann, Rudolf, Verhütungsmittel – verhängnisvolle Nebenwirkungen, über die man nicht spricht. Eine kritische Bilanz aus der Sicht eines Gynäkologen: Ja zum Leben (5/92), hg. u. verlegt v. HLI Österreich, Wien (Nachdruck des Artikels aus „CONCEPTE“ Nr. 11-12/1990 – Zeitschrift für ethische Orientierung, hg. von der Zentralstelle für Sozialethik, Köln), 1 – 30.
Rella, Walter, Die Wirkungsweise oraler Kontrazeptiva und die Bedeutung ihres nidationshemmenden Effekts (Imabe-Studie – keine Nummerierung ersichtlich [vermutlich 1]), hg. u. verlegt vom IMABE – Institut für medizinische Anthropologie, Landstraßer-Hauptstraße 4/13, A-1030 Wien, 1994.
Wloka, Gabriele, „Der Papst hat doch recht!“ Der Weg einer evangelischen Frauenärztin zur Kirche. Dr. Gabriele Wloka, Weinheim, schildert, warum sie keine Verhütungsmittel mehr verschreibt: Liebe, die aufs Ganze geht. „Humanae Vitae“ – eine abgelehnte Enzyklika wird neu entdeckt, hg. u. verlegt als Broschüre vom Freundeskreis Maria Goretti e. V., München, ² 1999.
INER – Institut für Natürliche Empfängnisregelung T: 07672-23364
Prof. Dr. med. Josef Rötzer e. V. F: 07672-24421-18
z. Hd. Frau Elisabeth Rötzer e: josef.roetzer@asak.at
Vorstadt 6, A-4840 Vöcklabruck Homepage: www.iner.org
Dr. Otto Tschadek – Str. 38/12
A-3108 St. Pölten
e-mail: thomas.lintner@telering.at
[1] Es sei darauf hingewiesen, daß bis 1930 alle christlichen Gemeinschaften Empfängnisverhütung ablehnten, nicht nur die katholische Kirche. Heute steht sie aber als Institution nahezu alleine da und hat die ursprüngliche Auffassung nicht nur bewahrt, sondern auch entfaltet und die natürliche Empfängnisregelung gefördert.
HV, Ansprache, S. 48f.
HLI hat aufgrund von Statistiken herausgefunden, daß
in Städten mit sehr hohem Minderheitenanteil auch sehr viele Abtreiber zu
finden sind. In der Tat treibt eine Schwangere aus Minderheitengruppen um 57%
wahrscheinlicher ab als eine schwangere weiße Frau, aber es gibt nicht
um 57% mehr Abtreiber in den besagten Städten, sondern gleich um 235 % mehr.
Natürlich würden Abtreibungskliniken und Geburtenkontrollorganisationen diesen
Zusammenhang bestreiten: vgl. Clowes, Tatsachen, S. 175.
Antwort der Verfasserin: Drogin zitiert fast
nur aus Originalwerken. Selbst wenn man nicht alle Zitate auf die Goldwaage
legt, so bleibt doch bestehen, daß Sanger für Abtreibung, Verhütung, Ehebruch
usw. positiv steht und für die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Haltungen in
der westlichen Welt bzw. für den „Import“ in die sog. „Dritte“ Welt eine
Mitverantwortung trägt. Außerdem soll jemand der Verf. erklären, warum die
Geburtenkontrollidee gar so fanatisch und „missionarisch“ insbesondere in der
„Dritten“ Welt, finanziert von der „Ersten“ Welt, verbreitet wird. Und – warum
die Todesrate bei der sog. legalen Abtreibung von amerikanischen Frauen aus
Minderheitengruppen 7 x höher ist als bei weißen Frauen, obwohl die
Abtreibungen nur 33,8 % der Gesamtabtreibungszahl ausmachen? Vgl. Clowes,
Tatsachen, S. 175.
Bei der großen Überschwemmung in Bangladesh 1984
durften Frauen an den Flüchtlingsspeisungen nur teilnehmen, nachdem sie die
Einwilligung zu ihrer Sterilisation gegeben hatten. In Indonesien, dessen
ehemaliger Präsident Suharto mit dem UN-Bevölkerungspreis ausgezeichnet wurde,
gibt es heimtückischen Gruppendruck dadurch, daß Straßenreparaturen,
Wasserleitungen etc. nur den Dörfern zugesagt werden, die die größte Rate an
neuen Verhüterinnen (Spiralen, Sterilisationen) aufweisen können.
Zitate auf der NGO-Forum der ICPD der UNO in Kairo
1994: „In unseren Kliniken gibt es kein Penizillin, kein Aspirin, aber Berge
von Spiralen.“(Kenia) und eine Inderin: „Wir nennen die Familienplanung „the
butcher camps“ (Schlächterlager)“ , „Frauen werden zwangsweise sterilisiert und
viele sterben dabei.“