Der heilige
Josef –
universaler Schutzpatron der Kirche
Ansprache von
Papst Johannes Paul II.
bei der Generalaudienz am 19. März 2003
(dokumentiert in L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache,
28. März 2003, S. 2;
Orig. ital. in O.R. 20.3.2003; HTML-Format erstellt am 22.09.2004 von Dr. Josef Spindelböck)
1. Wir
feiern heute das Hochfest des hl. Josef, des Bräutigams von Maria (Mt 1,24; Lk
1,27). Die Liturgie stellt ihn uns als »Vater« Jesu vor (Lk 2,27.33.41.43.48), der bereit ist, die
göttlichen Pläne zu verwirklichen, auch wenn sie das menschliche Verständnis
übersteigen. Mit ihm, dem »Sohn Davids« (Mt
1,20; Lk 1,27), haben sich die
Schriften erfüllt, und das Ewige Wort ist Mensch geworden durch den Heiligen
Geist im Schoß der Jungfrau Maria. Der hl. Josef wird im Evangelium »gerecht«
genannt (Mt 1,19), und er ist für alle
Gläubigen ein Vorbild des im Glauben verankerten Lebens.
2. Das Wort
»gerecht« bezeichnet die moralische Rechtschaffenheit, die aufrichtige
Anhänglichkeit an die Praxis des Gesetzes und die Haltung vollkommener Offenheit
gegenüber dem Willen des himmlischen Vaters. Auch in den schwierigen und
manchmal dramatischen Momenten maßt sich der einfache
Handwerker von Nazaret nie das Recht an, den Plan Gottes in Frage zu stellen.
Er wartet auf den Ruf aus der Höhe, und er respektiert schweigend das
Geheimnis, indem er sich vom Herrn leiten läßt.
Nachdem er den Auftrag erhalten hat, führt er ihn mit Folgsamkeit und
Verantwortungssinn aus: Er hört aufmerksam auf den Engel, als es darum geht,
die Jungfrau von Nazaret zur Frau zu nehmen (vgl. Mt
1,18–25), nach Ägypten zu fliehen (vgl. Mt
2,13–15) und nach Israel zurückzukehren (vgl. ebd. 2,19–23). Die
Evangelisten beschreiben ihn in wenigen, aber bedeutsamen Zügen als fürsorgenden Beschützer Jesu und als aufmerksamen und
treuen Gatten, der die familiäre Autorität in einer beständigen Haltung des
Dienstes ausübt. Die Heiligen Schriften erzählen uns sonst nichts über ihn,
aber in diesem Stillschweigen ist der Stil seiner Sendung enthalten: ein
Dasein, das im grauen Alltag gelebt wird, zugleich aber geprägt ist von einem
festen Glauben an die göttliche Vorsehung.
3. Der hl.
Josef mußte tagtäglich durch harte handwerkliche
Arbeit für den Unterhalt der Familie sorgen. Deshalb stellt die Kirche ihn als
Patron der Arbeiter vor. Das heutige Hochfest ist darum eine gute Gelegenheit,
um auch über die Bedeutung der Arbeit im Leben des Menschen, in der Familie und
in der Gemeinschaft nachzudenken. Der Mensch ist Subjekt und Protagonist der
Arbeit, und man kann im Hinblick auf diese Wahrheit gut den grundlegenden
Zusammenhang zwischen Person, Arbeit und Gesellschaft erfassen. Die menschliche
Arbeit – so lehrt das II. Vatikanische Konzil – geht
aus dem Menschen hervor und ist auf den Menschen hingeordnet. Sie muß gemäß dem Plan und Willen Gottes mit dem wahren Wohl
der Menschheit übereinstimmen und »dem Menschen als Einzelwesen und als Glied
der Gesellschaft gestatten, seiner ganzen Berufung nachzukommen und sie zu
erfüllen« (vgl. Gaudium et spes, 35). Um
dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist eine »erprobte Spiritualität der
menschlichen Arbeit« zu pflegen, die fest im »Evangelium der Arbeit« verwurzelt
ist, und die Gläubigen sind berufen, den christlichen Sinn der Arbeit in ihren
verschiedenen beruflichen Tätigkeiten zu verkünden und zu bezeugen (vgl. Laborem exercens, 26).
4. Der hl.
Josef, ein so großer und so einfacher Heiliger, soll das Vorbild sein, an dem
sich die christlichen Arbeiter orientieren, indem sie ihn in jeder Situation um
Fürbitte anrufen. Dem fürsorglichen Beschützer der Heiligen Familie von Nazaret
möchte ich heute die jungen Menschen anvertrauen, die sich auf ihren Beruf
vorbereiten, die Arbeitslosen und diejenigen, die unter dem Mißstand
des Beschäftigungsmangels leiden, die Familien und die ganze Welt der Arbeit
mit den Erwartungen und Herausforderungen, den Problemen und Aussichten, die
sie kennzeichnen. Der hl. Josef, der universale Schutzpatron der Kirche, wache
über die ganze kirchliche Gemeinschaft und erlange als Mann des Friedens, der
er war, für die ganze Menschheit, besonders für die in diesen Stunden vom Krieg
bedrohten Völker, das wertvolle Geschenk der Eintracht und des Friedens.