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Rundschreiben Mediator Dei
über die heilige Liturgie (20. November 1947)

Pius XII.

Hinweis/Quelle: Lateinisch in: AAS 39 (1947) 521–595. Der folgende deutsche Text wurde übernommen aus: Anton Rohrbasser (Hrsg.), Heilslehre der Kirche: Dokumente von Pius IX. bis Pius XII., Freiburg in der Schweiz 1953, S. 133–209. Die Zahlen zu Beginn eines jeden Absatzes verweisen auf die Numerierung in diesem Sammelwerk. Irrtum vorbehalten. Verantwortlich: Dr. Josef Spindelböck unter Mitarbeit von Dipl.-Theol. Andreas Hofmann.

Einleitung

212. Der Mittler zwischen Gott und den Menschen[1],der Hohepriester, der die Himmel durchmessen, Jesus, der Sohn Gottes[2]hat das Werk der Barmherzigkeit auf sich genommen, das Menschengeschlecht mit übernatürlichen Wohltaten zu überhäufen. Seine Absicht war es dabei zweifellos, die zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer durch die Sünde gestörte Ordnung wiederherzustellen und die unglückliche, durch die Erbschuld belastete Nachkommenschaft Adams dem himmlischen Vater, dem Ursprung und letzten Ziele aller Geschöpfe, wieder zuzuführen. Deshalb verkündete er während seines Wandels auf Erden nicht allein den Anbruch der Erlösung und erklärte das Gottesreich für gekommen, sondern er trachtete, durch beständiges Beten und Opfern das Heil der Seelen zu erwirken, bis er schließlich am Kreuze sich als makelloses Opfer Gott darbot, um unser Gewissen von toten Werken zu reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen könnten[3]. So wurden alle Menschen vom Weg, der zu ihrem völligen Verderben führte, zu ihrem Glück zurückgerufen und Gott wieder zugeführt; durch das persönliche Mitwirken eines jeden zur Erlangung der eigenen Heiligkeit, die dem Blute des unbefleckten Lammes entsprießt, sollten sie Gott die ihm gebührende Ehre erweisen.

213. Der göttliche Erlöser wollte, daß das Priesterleben, das er in seinem sterblichen Leibe durch sein Gebet und Opfer begonnen hatte, durch die Jahrhunderte in seinem mystischen Leibe, der Kirche, ununterbrochen weitergeführt werde. Daher setzte er ein sichtbares Priestertum ein, damit an jedem Ort ein reines Speiseopfer dargebracht werde[4] und so die Menschen vom Aufgang bis zum Niedergang, befreit von der Sünde, dem Ruf des Gewissens folgend, frei und willig Gott dienten.

214. Die Kirche führt also, getreu dem von ihrem Stifter erhaltenen Auftrag, das Priesteramt Jesu Christi vor allem durch die heilige Liturgie weiter. In erster Linie tut sie dies am Altare, wo das Kreuzesopfer ständig dargebracht[5] und erneuert wird[6], wobei einzig die Art der Darbringung verschieden ist; dann durch die Sakramente, besondere Mittel, durch welche die Menschen des übernatürlichen Lebens teilhaftig werden; endlich durch den Lobpreis, der täglich dem allgütigen und allmächtigen Gott dargebracht wird. „Welch wundervolles Schauspiel – sagt Unser Vorgänger ehrwürdigen Andenkens Pius XI. – bietet dem Himmel und der Erde die betende Kirche, wenn ohne Unterlaß Tag und Nacht die unter göttlicher Eingebung geschriebenen Psalmen auf Erden gesungen werden; wenn keine Stunde des Tages gezählt wird, die nicht durch ihre eigene Liturgie geweiht wäre; wenn jedes Lebensalter seine Rolle hat beim Dank-, Lob-, Bitt- und Sühnegebet, diesem gemeinsamen Flehen des mystischen Leibes Christi, der Kirche“[7].

215. Es ist Euch, ehrwürdige Brüder, sicher bekannt, daß gegen Ende des letzten und zu Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts ein außerordentlicher Wetteifer auf dem Gebiet der liturgischen Studien entfaltet wurde, sowohl durch private Arbeit, wie besonders durch die weit ausholende und emsige Tätigkeit einiger Klöster des berühmten Benediktinerordens; so wuchs nicht nur in vielen europäischen Nationen, sondern auch in den überseeischen Ländern diesbezüglich ein lobenswertes und fruchtbringendes Bemühen. Die segensreichen Früchte dieses eifrigen Bemühens konnte man auf dem Gebiet der theologischen Wissenschaften wahrnehmen, wo die liturgischen Riten der abend- und morgenländischen Kirche erschöpfender und tiefer durchforscht und erfaßt wurden, wie auch im geistlichen und privaten Leben vieler Christen.

216. Die hehren Zeremonien des heiligen Opfers wurden bessererkannt, erfaßt und geschätzt, die Sakramente wurden allgemeiner und häufiger empfangen, die liturgischen Gebete inniger verkostet und die Verehrung der heiligen Eucharistie – was auch fortdauern soll – als Quelle und Mittelpunkt wahrer christlicher Frömmigkeit gewertet. Außerdem wurde die Tatsache in helleres Licht gerückt, daß alle Gläubigen einen einzigen, eng gefügten Leib bilden, dessen Haupt Christus ist, weshalb dem christlichen Volke die Pflicht obliege, in gebührender Weise an den liturgischen Handlungen teilzunehmen.

217. Ihr wißt ohne Zweifel sehr wohl, daß der Apostolische Stuhl jederzeit eifrig bestrebt war, das ihm anvertraute Volk mit richtigem und lebendigem liturgischem Empfinden zu erfüllen; und wie er mit nicht geringerem Eifer darauf geachtet hat, daß die heiligen Handlungen auch nach außen durch angemessene Würde wirkten. Wir selbst haben, als Wir dem Brauch gemäß im Jahre 1943 zu den Fastenpredigern der Ewigen Stadt sprachen, sie mit Nachdruck ermahnt, ihre Zuhörer zu einer wachsenden Teilnahme am eucharistischen Opfer anzuspornen; und erst neulich haben Wir in der Absicht, das rechte Verständnis der liturgischen Gebete und die Erfassung ihres kostbaren Wahrheitsgehaltes zu fördern, das Buch der Psalmen, das in der katholischen Kirche einen großen Teil jener Gebete ausmacht, aus dem Urtext von neuem ins Lateinische übertragen lassen[8].

218. Während also diese Bestrebungen infolge ihrer heilsamen Wirkungen Uns nicht geringen Trost bereiten, fordert doch auch das Gewissen, daß Wir jene Erneuerungsbestrebungen im Auge behalten und sorgsam darauf achten, daß die Anregungen nicht ins Maßlose oder Fehlerhafte ausarten.

219. Wenn Wir nämlich einerseits mit großem Bedauern feststellen, daß in verschiedenen Ländern der Sinn für die heilige Liturgie, ihre Kenntnis und ihr Studium gelegentlich ungenügend sind oder fast ganz fehlen, so müssen Wir anderseits mit Besorgnis, ja mit Furcht wahrnehmen, wie einige allzu neuerungssüchtige Leute vom Weg der gesunden Lehre und der Klugheit abweichen. Den Plänen und Bestrebungen zur Erneuerung der Liturgie, an die sie herantreten, mischen sie häufig Auffassungen bei, die in der Theorie oder Praxis diese heilige Sache gefährden und bisweilen mit Irrtümern behaften, die den. katholischen Glauben und die aszetische Lehre berühren.

Reinheit des Glaubens und der Sitte muß aber die hauptsächlichste Richtlinie dieser heiligen Wissenschaft sein, die mit der weisen Lehre der Kirche in allem übereinstimmen soll. Es ist demnach Unsere Pflicht, was gut ist, zu loben und zu empfehlen, was aber vom rechten Weg abweicht, in Schranken zu halten oder zu verwerfen.

Es sollen jedoch die Säumigen und Lässigen nur nicht meinen, Wir wären mit ihnen zufrieden, weil Wir die Irrenden tadeln und die Allzukühnen zügeln; noch sollen die Unklugen es als Lob für sich deuten, wenn Wir die Nachlässigen und Zauderer zurechtweisen.

Wenn Wir in Unserem Rundschreiben hauptsächlich von der lateinischen Liturgie sprechen, so geschieht das nicht, weil Wir die ehrwürdigen Liturgien der Ostkirche weniger schätzten; ihre Riten, durch alte und kostbare Urkunden überliefert, sind Uns ebenso teuer; das geschieht vielmehr wegen der besonderen Verhältnisse der abendländischen Kirche, die so geartet sind, daß sie das Eingreifen Unserer Autorität notwendig zu machen scheinen.

220. Alle Christgläubigen mögen deshalb gelehrigen Sinnes auf die Stimme des gemeinsamen Vaters hören, der nur wünscht, daß alle eng um ihn geschart, sich Gottes Altare nähern, den gleichen Glauben bekennend, dem gleichen Gesetze sich fügend, am gleichen Opfer in gleicher Gesinnung und mit gleicher Absicht teilnehmend. Das verlangt schon die Ehre Gottes; das fordern auch die Bedürfnisse der Gegenwart. Nachdem ein langer und grauenvoller Krieg die Völker durch Feindschaft und blutigen Tod sich gegenseitig entfremdet hat, mühen sich jetzt Menschen guten Willens, alle nach besten Kräften zur Eintracht zurückzuführen. Kein Planen und kein Unternehmen hat aber, so glauben Wir, hierbei eine größere Wirkung als der lebendige religiöse Eifer, von dem alle Christen beseelt sein und sich leiten lassen müssen, indem sie dieselben Wahrheiten aufrichtigen Herzens bekennen, den rechtmäßigen Hirten gern und willig gehorchen, Gott die gebührende Verehrung erweisen und eine brüderliche Gemeinschaft bilden, denn ein Leib sind wir viele, wir alle, die wir an einem Brote teilhaben[9].

I. Wesen, Ursprung und Entfaltung der Liturgie

221. Die erste Pflicht des Menschen ist es zweifelsohne, sich und sein Leben auf Gott hinzuordnen. „Er ist es, dem wir als unserem ewigen Urgrund vor allem verbunden sein müssen, auf den als letztes Ziel auch unsere Wahl immerfort zu richten ist, den wir verlieren, wenn wir ihn in der Sünde hintansetzen, und den wir durch den Glauben und das Bekenntnis des Glaubens wieder gewinnen müssen“[10].Der Mensch ist aber richtig auf Gott hingeordnet, wenn er dessen höchste Majestät und Lehrgewalt anerkennt, wenn er die von Gott geoffenbarten Wahrheiten bereitwillig aufnimmt, wenn er die von ihm erlassenen Gesetze in gläubiger Unterwerfung beobachtet, wenn er sein ganzes Tun auf ihn ausrichtet, wenn er, um es kurz zu sagen, durch die Tugend der Gottesverehrung dem einen und wahren Gott den gebührenden Kult und die gebührende Hingabe erweist.

222. Wenn diese Aufgabe in erster Linie den Einzelmenschen verpflichtet, so obliegt sie doch auch der ganzen durch soziale Bindungen gebildeten Menschengemeinschaft, da diese gleicherweise von Gottes höchster Autorität abhängt.

223. Dabei ist zu beachten, daß jene Pflicht die Menschen noch in besonderer Weise bindet, weil sie Gott nämlich zur übernatürlichen Ordnung erhoben hat.

Wenn wir deshalb Gott als Gesetzgeber des Alten Bundes betrachten, so sehen wir, wie er auch über die sakralen Riten Vorschriften erläßt und genaue Richtlinien gibt, die das Volk bei dem ihm zu erweisenden gesetzmäßigen Kult einhalten soll. Er verordnete dementsprechend verschiedene Opfer und verschiedene Zeremonien zur Darbringung der ihm geweihten Gaben; alles bestimmte er genau, was die Bundeslade, den Tempel und die Festtage betraf. Er setzte einen Priesterstamm und einen Hohenpriester ein; sogar die Gewänder, welche die Kultdiener tragen sollten, bestimmte und beschrieb er, und was sonst noch zum Gottesdienst gehörte[11].

224. Indessen war dieser Gottesdienst nur ein schattenhaftes Bild[12] jenes Kultes, den der Hohepriester des Neuen Bundes dem himmlischen Vater erweisen sollte.

Kaum nämlich ist das Wort Fleisch geworden[13], als es auch schon mit dem Priesteramt bekleidet sich der Welt offenbart, indem es sich dem Ewigen Vater unterwirft und diese Unterwerfung sein ganzes Leben hindurch ununterbrochen fortsetzt Beim Eintritt in die Welt spricht Christus: ... Siehe ich komme . . . Deinen Willen, O Gott, zu erfüllen . . .[14], und im blutigen Kreuzesopfer hat er dies wunderbar erfüllt : Kraft dieses Willens sind wir ein für allemal geheiligt durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi[15]. Sein tatenreiches Menschendasein strebt diesem einen Ziele zu. Als kleines Kind wird er im Tempel zu Jerusalem dem Herrn dargestellt; als Knabe begibt er sich wieder dorthin; später betritt er den Tempel immer und immer wieder, um das Volk zu lehren und dort zu beten. Bevor er seine öffentliche Tätigkeit beginnt, beobachtet er ein vierzigtägiges Fasten; durch seinen Rat und sein Beispiel mahnt er alle, ihre Bitten bei Tag und bei Nacht an Gott zu richten. Er, der Lehrer der Wahrheit, erleuchtet jeden Menschen[16]damit die Sterblichen den unsichtbaren Gott gebührend anerkennen und nicht Söhne feigen Versagens seien zu ihrem Verderben, sondern Kinder des Glaubens, durch den das Leben gewonnen wird[17]. Als Hirt leitet er seine Herde, führt sie auf die Weide des Lebens und erläßt sein Gesetz so, daß niemand von ihm und dem rechten Wege, den er weist, sich abbringen lasse, sondern alle unter dem Hauch seines Geistes und in seiner Kraft heilig leben. Beim letzten Abendmahle begeht er in feierlicher Form das neue Pascha, dessen Fortbestand er durch die Einsetzung der heiligen Eucharistie sichert; am folgenden Tag bringt er, zwischen Himmel und Erde schwebend, das heilbringende Opfer seines Lebens dar und läßt seiner durchbohrten Brust gleichsam die Sakramente entströmen, die den Menschen die Schätze der Erlösung zuführen sollen. Bei alledem schaut er einzig auf die Ehre seines himmlischen Vaters und darauf, die Menschen mit immer größerer Heiligkeit zu erfüllen.

225. Nach seinem Einzug in die ewige Herrlichkeit will er, daß der Gottesdienst, den er im Laufe seines irdischen Lebens eingesetzt und ausgeübt hat, ununterbrochen weiterbestehe. Denn er überläßt die Menschheit keineswegs hilflos sich selbst, sondern wie er ihr durch seinen mächtigen und lebendig gegenwärtigen Schutz immerfort beisteht, indem er des Amtes eines Fürsprechers beim Vater waltet[18] kommt er ihr auch zu Hilfe durch seine Kirche, in der seine göttliche Gegenwart durch die Jahrhunderte fortdauert, die er zur Säule der Wahrheit[19] und Spenderin der Gnade bestimmt und durch sein Kreuzesopfer gegründet, geheiligt und auf ewige Zeiten gefestigt hat[20].

226. Die Kirche hat daher Zweck, Aufgabe und Amt gemeinsam mit dem menschgewordenen Gottessohn; sie hat alle die Wahrheit zu lehren, die Menschen richtig zu lenken und zu leiten, Gott ein wohlgefälliges Opfer darzubringen und so jene wunderbare Zusammengehörigkeit und Eintracht zwischen Gott dem Schöpfer und den geschaffenen Dingen wiederherzustellen, die der Völkerapostel mit folgenden Worten anschaulich umschreibt: So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, auferbaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, wobei der Eckstein Jesus Christus selbst ist. In ihm ist der ganze Bau fest zusammengefügt und wächst empor zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geiste[21]. Deshalb zielt die vom göttlichen Erlöser gestiftete Gesellschaft mit ihrer Lehre und Leitung, dem von ihm eingesetzten Opfer und den von ihm gestifteten Sakramenten, mit der von ihm überkommenen Verwaltung und dem von ihr verströmten Gebet und Blut nur auf das eine hin, daß sie täglich sich weite nach außen und innerlich zusammenwachse; das wird auch erreicht, wenn Christus in den Menschenseelen Leben gewinnt und sich entfaltet, und umgekehrt die Menschenseelen durch Christus gleichsam auferbaut werden und wachsen; so daß in der irdischen Verbannung der heilige Tempel sich täglich weiter wölbt, in dem der göttlichen Majestät die rechte und ihr wohlgefällige Verehrung gezollt wird.

227. Deshalb ist in jeder liturgischen Handlung zugleich mit der Kirche ihr göttlicher Stifter zugegen. Zugegen ist Christus im hochheiligen Opfer des Altares, in der Person des seine Stelle vertretenden Priesters und vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Zugegen ist er in den Sakramenten durch die Kraft, die er ihnen zuströmen läßt als den Werkzeugen der Heiligung. Zugegen ist er endlich im Lob Gottes und im Bittgebet, gemäß dem Worte: Wo nämlich zwei oder drei in meinem Namen vereint sind, bin ich mitten unter ihnen[22].

228. Die heilige Liturgie bildet folglich den öffentlichen Kult, den unser Erlöser, das Haupt der Kirche, dem himmlischen Vater erweist und den die Gemeinschaft der Christgläubigen ihrem Gründer und durch ihn dem Ewigen Vater darbringt; um es zusammenfassend kurz auszudrücken: sie stellt den gesamten öffentlichen Gottesdienst des mystischen Leibes Jesu Christi dar, seines Hauptes nämlich und seiner Glieder.

229. Die liturgische Betätigung nahm ihren Anfang, sobald die Kirche von Gott gegründet war. Die Christen der Urkirche, so heißt es ja, verharrten in der Lehre der Apostel, in der brüderlichen Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet[23].Wo es den Hirten gelingt, eine Gemeinschaft von Gläubigen zu sammeln, dort errichten sie den Altar, auf dem sie das Opfer darbringen und um den alle übrigen Riten sich ranken, damit sich die Menschen durch sie heiligen und Gott die ihm gebührende Ehre erweisen. Unter diesen Riten nehmen die erste Stelle ein die Sakramente, die sieben Hauptquellen des Heils; dann der Lobpreis Gottes, mit dem die Christen auch als Gemeinschaft der Mahnung des Apostels Paulus gehorchen: Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. Singt Gott dankbaren Herzens Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder[24]. Weiter die Lesung aus dem Gesetz und den Propheten, aus den Evangelien und den Briefen der Apostel, und endlich die Homilie oder Predigt, wodurch der Vorsteher der Gemeinde die Vorschriften des göttlichen Meisters in Erinnerung ruft und sodann nutzbringend erklärt, wichtigere Begebenheiten aus dem Leben Christi erwähnt und den Anwesenden geeignete Mahnungen und Beispiele vorlegt.

230. Je nach den Umständen und den Bedürfnissen der Christen wird der Gottesdienst veranstaltet, ausgebaut und mit neuen Riten, Zeremonien und Gebetsformen bereichert, immer zu dem Zwecke, „daß wir durch jene Sinnbilder uns selbst anspornen und innewerden, wieviel Fortschritt wir gemacht haben, und zu dessen Förderung uns entschieden aneifern denn die Wirkung wird um so wertvoller sein, je stärker der Eifer ist, der ihr vorausgeht“[25] So erhebt sich das Gemüt beschwingter und leichter zu Gott, und das Priestertum Jesu Christi lebt und wirkt jederzeit durch alle Jahrhunderte hindurch, da die heilige Liturgie nichts anderes ist als die Ausübung dieses Priesteramtes. Wie ihr göttliches Haupt, so ist die Kirche ihren Kindern immerfort gegenwärtig, sie hilft ihnen, mahnt sie zu einem heiligen Leben, damit sie einmal mit dieser übernatürlichen Zier geschmückt zum himmlischen Vater zurückkehren. Die zum irdischen Leben Gebotenen bereichert sie in einer Art von Wiedergeburt mit dem übernatürlichen Leben; für den Kampf gegen den unversöhnlichen Feind stärkt sie dieselben mit der Kraft des Heiligen Geistes; sie ruft die Christen zu den Altären, eifert sie durch wiederholte Einladung an zur andächtigen Feier des eucharistischen Opfers und nährt sie mit der Engelspeise, damit sie immer mehr erstarken; die durch die Sünde Verwundeten und Befleckten söhnt sie aus mit Gott und tröstet sie; die unter dem Antrieb der Gnade zum Priestertum Berufenen weiht sie mit dem rechtmäßigen Ritus. Die aber zur Gründung und zum Aufbau einer christlichen Familie bestimmt sind, deren reine Ehe unterbaut sie mit himmlischen Gnadenpfändern. Nachdem sie endlich für die letzte Stunde des irdischen Daseins durch die eucharistische Wegzehrung und die Heilige Ölung Mut und Kraft verliehen, begleitet sie die sterblichen Überreste ihrer Kinder in liebevoller Gesinnung zu Grabe, bestattet sie ehrfürchtig und stellt sie unter den Schutz des Kreuzes, damit sie einstens nach siegreicher Überwindung des Todes auferstehen. Aber auch jene, die zur Erreichung der religiösen Vollkommenheit sich ganz dem Dienste Gottes weihen, segnet sie mit feierlichem Segen und Gebet. Schließlich reicht sie den Seelen im Fegfeuer, die ihre Fürbitte anrufen, ihre hilfreiche Hand, um sie glücklich der ewigen Seligkeit zuzuführen.

231. Der gesamte Kult, den die Kirche Gott darbringt, muß äußerlich und innerlich sein. Äußerlich, weil es so das Wesen des aus Leib und Seele zusammengesetzten Menschen verlangt; dann weil es von Gott so gefügt ist, daß „dieweil wir Gott mit leiblichem Auge erkennen, er in uns die Liebe zum Unsichtbaren entflammt“[26]; ferner liegt es in unserer Natur, daß alles Seelische sich sinnenhaften Ausdruck gibt; weiterhin ist die Gottesverehrung nicht nur Sache der Einzelnen, sondern ebenso der menschlichen Gemeinschaft und muß deshalb sozialen Charakter tragen, was sie nicht kann, wenn nicht auch der Bereich des Religiösen äußere Bindungen und Kundgebungen kennt. Endlich offenbart das Sinnenfällige in besonderer Weise die Einheit des mystischen Leibes und stellt sie ins rechte Licht, spornt dessen heiligen Eifer an, stärkt seine Kraft und erhöht sein Wirken. „Denn wenn auch die Zeremonien aus sich selbst keine Vollkommenheit und Heiligkeit beinhalten, so sind sie doch äußere religiöse Akte, durch die der Geist wie durch Zeichen zur Verehrung alles Heiligen angeeifert, der Sinn zum Himmlischen emporgehoben, die Frömmigkeit genährt und die Liebe entflammt wird; durch sie wächst der Glaube und wird die Andacht vertieft; durch sie werden die weniger Gebildeten unterrichtet, der Gottesdienst verschönert, die Religion erhalten und die wahren Gläubigen von den unechten Christen und Irrgläubigen unterschieden“[27].

232. Jedoch ist das Hauptgewicht bei der Gottesverehrung auf das Innere zu verlegen. Wir müssen immer in Christus leben und uns ihm ganz hingeben, damit in ihm, mit ihm und durch ihn dem himmlischen Vater die gebührende Ehre erwiesen werde. Die heilige Liturgie verlangt aber, daß die beiden Elemente aufs engste miteinander verknüpft seien; sie selbst wird nicht müde, das immer und immer wieder zu empfehlen, sooft sie nämlich einen äußeren Akt religiösen Kultes vorschreibt. So mahnt sie uns z. B. beim Fasten, „unser sittliches Verhalten möge das, wovon es nach außen Zeugnis gibt, in unserem Innern verwirklichen“[28]. Sonst wird die Religion zweifelsohne zum leeren Ritus und reinen Formalismus. Wie euch, ehrwürdige Brüder, bekannt ist, hält der göttliche Meister jene des Gotteshauses für unwürdig und möchte sie aus ihm entfernt wissen, die vermeinen, sie könnten allein schon mit klangvollen schönen Stimmen nach Art der Schauspieler Gott verehren, und die sich einbilden, für ihr ewiges Heil ordentlich Sorge zu tragen, auch wenn sie ihre tief eingewurzelten Fehler nicht mit der Wurzel ausrotten[29]. Die Kirche wünscht also, daß alle Christgläubigen sich zu den Füßen des Erlösers niederwerfen, um ihm ihre Verehrung und Liebe zu erzeigen; sie wünscht, daß die Scharen nach dem Beispiel der Jugend, die Christus bei seinem Einzug in Jerusalem mit Freudengesang entgegenzog, lobsingen und dem König der Könige, dem höchsten Geber aller Güter Jubellieder ertönen lassen und Danksagung darbringen; daß ihren Lippen Gebete entströmen, Bittgebete und froher Lobpreis, durch die sie wie die Apostel am See Genesareth seine barmherzige und allmächtige Hilfe anrufen; oder daß sie, wie Petrus auf dem Berge Tabor vom Lichtglanz und der Wonne seliger Beschauung hingerissen, sich und das Ihrige dem Ewigen Gott anheimstellen.

233. Daher haben jene vom wahren Begriff und Sinn der heiligen Liturgie entschieden eine falsche Vorstellung, die unter ihr nur den äußeren und sinnfälligen Teil des Gottesdienstes oder etwa eine würdige Aufmachung von Zeremonien verstehen. Und ebenso gehen jene fehl, die sie nur für eine Sammlung von Gesetzen und Vorschriften halten, wonach die kirchliche Hierarchie die heiligen Riten regelt.

Es muß allen eine Selbstverständlichkeit sein, daß Gott nicht würdig verehrt werden kann, wenn nicht Geist und Herz zur Vollkommenheit angeeifert werden, und daß der Kult, den die Kirche in Einheit mit ihrem göttlichen Haupt Gott darbringt, die höchste Wirkkraft zur Weckung wahrer Heiligkeit in sich birgt.

234. Diese Wirkkraft kommt, wo es sich um das eucharistische Opfer und die Sakramente handelt, vor allem und an erster Stelle ex opere operato (aus der heiligen Handlung selbst). Wenn wir hingegen die Funktionen der unversehrten Braut Jesu Christi ins Auge fassen, wodurch sie mit Gebeten und heiligen Zeremonien das eucharistische Opfer und die Sakramente umrankt, oder wenn die Rede ist von den Sakramentalien und den übrigen Riten, die von der kirchlichen Hierarchie angeordnet sind, so kommt die Wirkkraft vor allem ex opere operantis Ecclesiae (aus der Handlung als einer Handlung der Kirche), insofern sie heilig ist und in engster Verbindung mit ihrem Haupte wirkt.

235. In diesem Zusammenhang möchten Wir, ehrwürdige Brüder, eure Aufmerksamkeit auf jene neue Theorie der christlichen Frömmigkeit hinlenken, die man „objektive“ (sachliche) Frömmigkeit nennt; während diese Theorie das Geheimnis des Mystischen Leibes, die wahrhaft heiligende Wirkkraft der Gnade sowie die göttliche Wirkung der Sakramente und des eucharistischen Opfers klar herausstellt, scheint sie dahin zu zielen, die „subjektive“ oder „persönliche“ Andacht herabzumindern oder ganz zu übersehen.

In den liturgischen Feiern und besonders im hochheiligen Opfer des Altares wird das Werk unserer Erlösung weitergeführt und seine Frucht uns zugewendet. Christus wirkt in den Sakramenten und in seinem Opfer tagtäglich unser Heil; durch sie entsühnt er jederzeit die Menschheit und weiht sie Gott. Sie besitzen also eine „objektive“ (in ihnen selbst liegende) Kraft, die unseren Seelen das göttliche Leben Jesu Christi tatsächlich mitteilt. Also nicht aus unserer, sondern aus Gottes Kraft wohnt ihnen jene Wirksamkeit inne, welche die gläubige Gesinnung der Glieder mit jener des Hauptes verbindet und sie gewissermaßen zur Haltung der ganzen Gemeinschaft macht. Aus diesen scharfsinnigen Gedankengängen schließen manche, die ganze christliche Frömmigkeit müsse im Geheimnis des Mystischen Leibes Christi ihren Bestand haben ohne „persönliche“ oder „subjektive“ Beziehung; und sie sind sogar der Meinung, die übrigen religiösen Übungen, die nicht eng mit der heiligen Liturgie verbunden sind und sich außerhalb des öffentlichen Kultes vollziehen, seien hintanzusetzen.

So richtig nun die oben dargelegten Grundsätze sind, die Schlußfolgerungen bezüglich der beiden Arten von Frömmigkeit erkennt jedermann als irreführend, verfänglich und sehr verderblich.

236. Gewiß ist daran festzuhalten, daß die Sakramente und das Meßopfer eine durchaus innere Kraft in sich bergen, weil sie eben Handlungen Christi sind, welche die Gnade des göttlichen Hauptes den Gliedern des Mystischen Leibes zuleiten und zuteilen; damit sie aber die entsprechende Wirksamkeit haben, muß notwendig von unserer Seite die richtige seelische Verfassung dazukommen. Deshalb mahnt der Apostel Paulus bezüglich der Eucharistie : So prüfe sich denn der Mensch, und dann esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch[30]. Deshalb nennt die Kirche alle Übungen, durch die besonders während der Fastenzeit unser Inneres geläutert wird, „Wachtpostendienst des christlichen Kampflebens“[31], sind sie doch tatkräftige Bemühungen der Glieder, die auf Anregung und mit Hilfe der Gnade ihrem göttlichen Haupt anhangen wollen, damit, wie Augustinus sagt, „uns in unserem Haupte die Quelle der Gnade selbst erscheine“[32]. Aber wohlgemerkt, diese Glieder leben und sind mit eigenem Verstand und freiem Willen begabt; deshalb müssen sie unbedingt selber die Lippen an die Quelle legen, die lebenspendende Nahrung aufnehmen und in sich umwandeln sowie alles ausstoßen, was der Wirksamkeit dieser Nahrung hinderlich sein könnte. Es gilt also: das Erlösungswerk, das in sich etwas von unserem Willen Unabhängiges ist, verlangt unser inneres Mittun, damit wir das ewige Heil erlangen können.

237. Wenn die private und persönliche Frömmigkeit der einzelnen das heilige Meßopfer und die Sakramente vernachlässigt und sich der heilbringenden Kraft entzieht, die vom Haupt in die Glieder strömt, so wird sie zweifelsohne eine verwerfliche und unfruchtbare Sache sein. Wenn aber alle mit der Liturgie nicht eng verbundenen Weisungen und Übungen der Frömmigkeit sich gerade deshalb mit den menschlichen Handlungen befassen, um sie auf den himmlischen Vater hinzurichten, die Menschen heilsam zur Buße und heiligen Gottesfurcht anzueifern, sie von den Verlockungen der Welt und Sünde hinweg und auf steilem Pfade glücklich zum Gipfel der Heiligkeit zu führen, so sind sie wahrlich nicht nur höchsten Lobes würdig, sondern einfachhin notwendig, weil sie nämlich die Gefahren des geistlichen Lebens aufdecken, uns zur Tugendhaftigkeit erziehen und jenes lebendige Streben in uns stärken, wodurch wir uns und all das Unsrige dem Dienste Jesu Christi weihen sollen.

238. Die echte und wahre Frömmigkeit, die der engelgleiche Lehrer „devotio, Hingabe“ nennt und die der hauptsächlichste Akt ist, – durch den wie von selbst im Menschenleben Ordnung und zwar Hinordnung auf Gott geschaffen wird, und durch den die Menschen sich bereitwillig all dem hingeben, was die Gottesverehrung in sich begreift[33] – diese echte Frömmigkeit also bedarf der Betrachtung der übernatürlichen Welt sowie der geistlichen Übungen, damit sie genährt und lebendig erhalten werde, damit sie kräftig sei und uns zu höherer Vollkommenheit ansporne. Die christliche Religion verlangt nämlich, richtig gepflegt, daß vor allem der Wille Gott geweiht werde und mit seiner Kraft auf die übrigen Seelenfähigkeiten einwirke. Nun aber setzt jeder Willensakt Verstandestätigkeit voraus; und bevor das Verlangen und der Vorsatz zustande kommen, sich dem ewigen Gott durch das Opfer zu weihen, ist die Erkenntnis der Tatsachen und Wahrheiten, welche die Gottesverehrung zur Pflicht machen, unbedingt erfordert; dazu gehören z. B. das letzte Ziel des Menschen und die Erhabenheit der göttlichen Majestät, die Pflicht der Unterwerfung unter den Schöpfer, sodann die unergründlichen Schätze der Liebe, mit denen Gott uns zu bereichern wünscht, die Notwendigkeit des übernatürlichen Lebens zur Erreichung des uns gesteckten Zieles und jener besondere, von der göttlichen Vorsehung uns gewiesene Weg, insofern wir ja alle als Glieder des Leibes mit Christus dem Haupte verbunden sind. Weil aber die Beweggründe der Liebe nicht immer über unseren bisweilen von verkehrten Regungen verwirrten Geist Gewalt haben, ist es sehr angebracht, daß die Betrachtung der göttlichen Gerechtigkeit uns in heilsamer Weise erschüttere und uns zu christlicher Demut, Buße und Besserung des Lebens führe.

239. Das alles darf aber nicht in bloßer Erinnerung und in unfruchtbaren Erwägungen versanden, sondern es muß wirksam dahin zielen, unsere Sinne mit ihren Fähigkeiten der von der katholischen Wahrheit erleuchteten Vernunft unterzuordnen, unser Inneres zu entsühnen und zu reinigen, damit es täglich enger mit Christus verbunden, damit es mehr und mehr ihm gleichgestaltet werde und den göttlichen Geist und die göttliche Kraft, deren es bedarf aus ihm schöpfe; alles soll die Menschen immer wirksamer anspornen und entflammen zum Guten, zu treuer Pflichterfüllung, zu religiösem Eifer und zur Tugendübung: Ihr gehört Christus, Christus aber Gott[34]. Alles geschehe deshalb in gehöriger, organischer Ordnung und, um den Ausdruck zu gebrauchen, „theozentrisch“, sofern wir wirklich wollen, daß alles zur Ehre Gottes gereiche durch das Leben, das aus dem göttlichen Haupt in uns einströmt: So haben wir denn, Brüder, kraft des Blutes Jesu die zuversichtliche Hoffnung auf den Eintritt in das Allerheiligste. Das ist der neue Lebensweg, den er uns durch den Vorhang hindurch, nämlich durch sein Fleisch, erschlossen hat. Auch haben wir einen erhabenen Hohenpriester, der über dem Hause Gottes waltet. Laßt uns darum aufrichtigen Sinnes voll Glaubenszuvericht hinzutreten, das Herz gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Laßt uns unerschütterlich festhalten am Bekenntnis unserer Hoffnung. . . Seien wir auch darauf bedacht, einander zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen[35].

240. Daraus ergibt sich ein harmonisches Gleichgewicht der Glieder im Mystischen Leibe Jesu Christi. Indem die Kirche uns im katholischen Glauben unterrichtet und zum Gehorsam gegen die christlichen Gebote ermahnt, bereitet sie den Weg zu ihrer eigentlich priesterlichen, unsere Heiligung bewirkenden Aufgabe; ebenso leitet sie uns zu einer eingehenderen Betrachtung des Lebens unseres göttlichen Erlösers an und führt uns zu einer tieferen Erkenntnis der Glaubensgeheimnisse. So spendet sie uns überirdische Nahrung, damit wir durch sie gestärkt und mit der Hilfe Christi sicheren Fortschritt in der Vollkommenheit machen können. Nicht allein durch ihre Diener, sondern auch durch die einzelnen Gläubigen, die so den Geist Jesu Christi in sich aufgenommen haben, bemüht sich die Kirche, das private, eheliche, soziale, ja selbst das wirtschaftliche und politische Leben und Handeln der Menschen zu durchdringen, damit alle, die Kinder Gottes heißen, das ihnen gesteckte Ziel leichter erreichen können.

Derlei private Übungen der Gläubigen und der religiöse Eifer, der sie zur inneren Läuterung treibt, wecken daher in ihnen gerade jene Kräfte, die es ihnen ermöglichen, besser am hochheiligen Opfer des Altares teilzunehmen, die Sakramente fruchtbringender zu empfangen und die gottesdienstlichen Handlungen so mitzufeiern, daß sie noch entschlossener und befähigter werden zum Gebet und zur christlichen Entsagung, zur bereitwilligen Aufnahme der Anregungen der göttlichen Gnade und zur täglich vollkommeneren Nachahmung des Tugendlebens unseres Erlösers; und das nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern ebenso zu dem der ganzen Kirche: denn alles Gute, das in ihr gewirkt wird, ist ein Kraftstrom, der ausgeht von ihrem Haupte und sich heilsfördernd auf alle Glieder auswirkt.

241. Im geistlichen Leben kann es also keinen Widerstreit geben zwischen dem göttlichen Wirken, das zur ununterbrochenen Fortführung unserer Erlösung den Seelen die Gnade zuleitet, und dem willigen Mitwirken der Menschen, die Gottes Geschenk nicht vergeblich empfangen dürfen[36]; keinen Widerspruch zwischen der Wirksamkeit des äußeren Zeichens der Sakramente, die ex opere operato, d. h. aus dem Sakrament selber kommt, und dem verdienstlichen Werk derer, welche die Sakramente spenden oder empfangen, was wir opus operantis, d.h. das Werk des Handelnden nennen; keinen Widerspruch zwischen öffentlichem und privatem Gebet, zwischen Sittenlehre und Mystik, zwischen Aszese und liturgischer Frömmigkeit; keinen Widerspruch schließlich zwischen der Rechts- und Lehrgewalt der kirchlichen Hierarchie und ihrer priesterlichen Gewalt im eigentlichen Sinne, die sich im heiligen Amt betätigt.

242. Aus schwerwiegenden Gründen besteht die Kirche darauf, daß die amtlichen Diener des Altares und die Ordensleute zur festgesetzten Zeit der Betrachtung, der eifrigen Gewissenserforschung und Gewissensreinigung, sowie den übrigen geistlichen Übungen obliegen[37], gerade weil sie in besonderer Weise zu den liturgischen Funktionen des heiligen Opfers und des Lobes Gottes bestimmt sind. Zweifellos hat das liturgische Gebet als öffentliches Gebet der erhabenen Braut Jesu Christi eine höhere Würde als das private. Allein diese höhere Würde besagt keinen Gegensatz oder Widerspruch zwischen diesen beiden Gebetsarten. Da sie von ein- und demselben Geiste beseelt sind, fließen sie zu harmonischer Einheit zusammen nach dem Worte alles und in allem Christus[38]und streben demselben Ziele zu, bis Christus in uns Gestalt gewinnt[39].

243. Um aber das Wesen der heiligen Liturgie vollständiger zu erfassen, muß man sie noch nach einer anderen, nicht weniger wichtigen Seite der Betrachtung unterziehen.

Die Kirche ist eine Gesellschaft, und deshalb erhebt sie Anspruch auf eine eigene Autorität und Hierarchie. Wenn alle Glieder des Mystischen Leibes Christi an denselben Gütern teilhaben und nach denselben Zielen streben, so besitzen doch nicht alle dieselbe Vollmacht, noch können alle dieselben Handlungen vollziehen. Denn der göttliche Erlöser wollte, daß sein Reich auf eine heilige Ordnung gegründet sei und auf einem unerschütterlichen Fundament beruhe. Diese Ordnung ist gleichsam ein Abbild der himmlischen Hierarchie.

Nur den Aposteln und späterhin denen, die rechtmäßig von ihnen und ihren Nachfolgern die Handauflegung empfangen haben, wird die priesterliche Gewalt erteilt, kraft deren sie gegenüber dem ihnen anvertrauten Volk die Person Jesu Christi darstellen, vor Gott aber eben dieses ihr Volk vertreten. Dieses Priestertum wird nicht durch Vererbung oder leibliche Abstammung weitergeleitet; auch stammt es nicht von der Gemeinschaft der Gläubigen und wird nicht vom Volke verliehen. Bevor der Priester im Namen des Volkes vor Gott erscheint, ist er schon der Gesandte des göttlichen Erlösers; und weil Jesus Christus das Haupt jenes Leibes ist, dessen Glieder die Gläubigen sind, vertritt der Priester Gottes Stelle bei dem ihm anvertrauten Volk. Die ihm übertragene Gewalt ist also ihrem Wesen nach nicht irdisch-menschlich; sie ist vielmehr wesentlich übernatürlich und geht von Gott aus : Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch[40]. . . Wer euch hört, der hört mich[41]... Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen: wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden[42].

244.Deshalb wird das sichtbare, nach außen in Erscheinung tretende Priestertum Jesu Christi in der Kirche nicht als ein der Gesamtheit allgemein und gemeinhin zustehendes Anrecht weitergegeben, vielmehr wird es auserwählten Männern übertragen durch eine Art geistlichen Zeugungsaktes jener Priesterweihe, die eines der sieben Sakramente ist und die nicht allein die diesem besonderen Lebensstand und Amt eigentümlichen Gnaden verleiht, sondern außerdem ein unauslöschliches Merkmal einprägt, das die Diener des Heiligtums dem Priester Jesus Christus gleichförmig macht und sie befähigt, rechtmäßig jene religiösen Handlungen vorzunehmen, wodurch die Menschen geheiligt werden und Gott die gebührende Ehre erwiesen wird gemäß den von Gott gegebenen Weisungen und Vorschriften.

245. Wie die Taufe alle Christen als solche bezeichnet und von den übrigen Menschen sondert, die im Läuterungsbad nicht gewaschen und keine Glieder Christi sind, so unterscheidet gleicherweise das Sakrament der Priesterweihe die Priester von allen übrigen mit dieser Gnadengabe nicht ausgestatteten Christen, weil lediglich sie, von einer höheren Macht berufen, in den heiligen Dienst eingetreten sind, der sie dem Altar weiht und sozusagen zu göttlichen Werkzeugen macht, durch welche das von oben stammende übernatürliche Leben dem Mystischen Leibe Jesu Christi mitgeteilt wird. Außerdem sind sie allein, wie wir schon vorhin sagten, mit dem unauslöschlichen Merkmal gekennzeichnet, wodurch sie dem Hohenpriester Jesus Christus gleichförmig werden; nur ihnen werden die Hände geweiht, „damit alles, was sie segnen, gesegnet, und alles, was sie weihen, geweiht und geheiligt sei im Namen unseres Herrn Jesus Christus“[43]. Zu ihnen mögen deshalb alle eilen, die in Christus zu leben verlangen, denn bei ihnen finden sie Trost und Nahrung für das innere Leben; von ihnen empfangen sie das heilbringende Mittel, dank dem sie genesen und gekräftigt, der unheilvollen Verstrickung in die Sünde glücklich entrinnen können. Von ihnen wird schließlich ihr Ehe- und Familienbund gesegnet, von ihnen noch der letzte Hauch ihres sterblichen Lebens zum Eingang in die ewige Seligkeit geweiht.

246. Weil also die heilige Liturgie an erster Stelle von den Priestern im Namen der Kirche vollzogen wird, muß ihr Aufbau, ihre Regelung und ihre Form von der kirchlichen Obergewalt abhängen. Wenn sich dies schon aus der Natur des christlichen Gottesdienstes ergibt, so wird es auch durch das Zeugnis der Geschichte bestätigt.

247. Noch etwas anderes bestätigt dieses unbestreitbare Recht der kirchlichen Hierarchie: nämlich die enge Beziehung der heiligen Liturgie zu den Grundwahrheiten der Glaubenslehre, die von der Kirche als Hauptstücke der vollkommen gesicherten Wahrheit vorgelegt werden. Deshalb ist die Liturgie in Einklang zu halten mit den katholischen Glaubensvorschriften, die das oberste kirchliche Lehramt erlassen hat, um die Unversehrtheit der von Gott geoffenbarten Religion zu schützen.

In diesem Zusammenhang glauben Wir, etwas, das euch, ehrwürdige Brüder, sicher nicht unbekannt ist, in seinem wahren Licht zeigen zu müssen. Wir meinen den Irrtum und Trugschluß jener, welche die heilige Liturgie gewissermaßen als ein Unterscheidungsmittel für die aus dem Glauben beizubehaltenden Wahrheiten betrachten; das ist so zu verstehen: wenn eine bestimmte Lehre mittels der Liturgie Früchte der Frömmigkeit und Heiligkeit gezeitigt habe, sei sie von der Kirche zu bejahen, andernfalls jedoch abzulehnen. Daher der bekannte Ausspruch: „Lex orandi, lex credendi, das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“.

248. So lehrt die Kirche jedoch nicht, so unterweist sie nicht. Der Kult, der von ihr Gott dem Herrn erwiesen wird, ist, wie Augustinus kurz und treffend sagt, ein fortgesetztes Bekenntnis des katholischen Glaubens und eine Übung der Hoffnung und Liebe: „Durch Glaube, Hoffnung und Liebe – so erklärt er – ist Gott zu verehren“[44]. In der heiligen Liturgie bekennen wir den katholischen Glauben ausdrücklich und offen nicht nur durch die Feier der Geheimnisse, die Darbringung des heiligen Opfers und die Spendung der Sakramente, sondern ebenso durch das Beten oder Singen des Glaubensbekenntnisses, welches das Kennzeichen oder sozusagen der Ausweis der Gläubigen ist, sowie durch die Lesung anderer Texte und besonders der unter Eingebung des Heiligen Geistes aufgezeichneten Heiligen Schrift. Die Liturgie als Ganzes enthält daher den katholischen Glauben, insofern sie den Glauben der Kirche öffentlich bezeugt.

249. Sooft es sich deshalb um die feierliche Entscheidung über eine göttlich geoffenbarte Wahrheit handelte, haben die Päpste und Konzilien, wenn sie aus den sogenannten theologischen Quellen schöpften, nicht selten auch dieser theologischen Disziplin Beweise entnommen; so tat es z.B. Unser Vorgänger unvergeßlichen Andenkens Pius IX., als er die Unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria zum Glaubenssatz erhob. Und in ähnlicher Weise haben, wenn Zweifel oder Streitfragen über eine Wahrheit zur Erörterung standen, die Kirche und die heiligen Väter es nicht versäumt, auch aus den ehrwürdigen, althergebrachten Riten Licht zu schöpfen. Daher der bekannte, ehrwürdige Satz: „Legem credendi lex statuat supplicandi, das Gesetz des Glaubens soll bestimmt werden durch das Gesetz des Betens“[45]. Es ist also nicht so, daß die heilige Liturgie einfachhin und aus eigener Autorität den katholischen Glauben umschreibt und bestimmt; wohl aber kann sie, da auch sie ein stets dem obersten kirchlichen Lehramt unterstelltes Bekenntnis der übernatürlichen Wahrheiten ist, nicht zu unterschätzende Beweise und Zeugnisse zur Klarstellung eines einzelnen Punktes der christlichen Lehre an die Hand geben. Wollen wir aber das Verhältnis zwischen Glauben und Liturgie in allgemein und unbedingt gültiger Form genau erfassen und abgrenzen, so kann vollkommen richtig gesagt werden: „Lex credendi legem statuat supplicandi, durch das Gesetz des Glaubens soll das Gesetz des Betens bestimmt werden“. Ganz dasselbe gilt von den übrigen theologischen Tugenden: „In ... Glaube, Hoffnung und Liebe beten wir immer mit unablässigem Verlangen“[46].

250. Die kirchliche Hierarchie hat jederzeit von ihrem Recht in liturgischen Dingen Gebrauch gemacht; sie hat den Gottesdienst eingeführt, geregelt und mit immer neuer Pracht und Würde zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen bereichert. Sie hat auch kein Bedenken getragen – immer unter strenger Wahrung der wesentlichen Eigenart des eucharistischen Opfers und der Sakramente – zu ändern, was sie nicht für angebracht hielt; hinzuzufügen, was geeignet schien zur größeren Verherrlichung Jesu Christi und der Heiligsten Dreifaltigkeit, wie zur Belehrung und heilsamen Aneiferung des christlichen Volkes[47].

251. Die heilige Liturgie besteht nämlich aus menschlichen und göttlichen Bestandteilen; die letzteren lassen, da sie vom göttlichen Erlöser festgesetzt sind, natürlich in keiner Weise Änderungen durch Menschenhand zu; die ersteren hingegen können, den Forderungen der Zeiten, Verhältnisse und Seelen entsprechend, mannigfache Umgestaltungen erfahren, so wie sie die kirchliche Hierarchie unter dem Beistand des Heiligen Geistes gutheißt. Daher jene staunenswerte Vielfalt der morgen- und abendländischen Riten; daher die allmählich voranschreitende Entwicklung einzelner religiöser Bräuche und frommer Werke, von denen frühere Zeiten nur schwache Spuren aufweisen; daher aber auch die Erscheinung, daß bisweilen fromme Gepflogenheiten, die im Laufe der Zeit außer Übung gekommen waren, von neuem aufleben und wieder zu Ehren kommen. Das alles zeugt von der durch die vielen Jahrhunderte anhaltenden Lebenskraft der unversehrten Braut Jesu Christi; es ist das heilige Gespräch, das sie im Laufe der Zeiten mit ihrem göttlichen Bräutigam führte, um ihm ihren Glauben und den Glauben der ihr anvertrauten Völker, sowie ihre nicht zu erschöpfende Liebe zum Ausdruck zu bringen; es zeigt aber auch die Erziehungsweisheit, womit sie den „Geist Christi“ in den Gläubigen weckt und täglich wirksamer macht.

252. Nicht gering an Zahl waren die Ursachen, aus denen die Entfaltung und Entwicklung der heiligen Liturgie in den langen und ruhmvollen Jahrhunderten der Kirche vor sich gingen.

So sind, um Beispiele anzuführen, mit der bestimmteren und klareren Erfassung der katholischen Lehre von der Menschwerdung des Göttlichen Wortes, von der Eucharistie als Sakrament und Opfer, von der Jungfrau und Gottesmutter Maria rituelle Neuerungen getroffen worden, durch welche die gottesdienstlichen Handlungen das aus den Erklärungen des kirchlichen Lehramtes heller erstrahlende Licht vollständiger und anschaulicher wiedergaben, ja gleichsam widerspiegelten, damit es leichter in Geist und Herz des christlichen Volkes Eingang finde.

253. Die Weiterentwicklung der kirchlichen Ordnung in der Spendung der Sakramente, wie z. B. in der Verwaltung des Bußsakramentes, die Einführung des Katechumenates und dessen spätere Aufhebung, und dann die heilige Kommunion unter einer einzigen Gestalt in der Lateinischen Kirche: das alles hat zweifellos nicht wenig dazu beigetragen, daß uralte Riten im Laufe der Zeit abgeändert und allmählich neue eingeführt wurden, die zu den diesbezüglichen Neubestimmungen besser zu passen schienen.

254. Zu dieser schrittweisen Umgestaltung trugen die nicht streng liturgischen Andachtsformen und Übungen der Frömmigkeit nicht wenig bei; nach Gottes wunderbarem Ratschluß sind sie im Laufe der Zeiten aufgekommen und wurden bald heimisch im Volk; so z. B. die zunehmende und täglich innigere Verehrung der heiligen Eucharistie, des bitteren Leidens unseres Erlösers, des heiligsten Herzens Jesu, der jungfräulichen Gottesmutter und ihres keuschen Bräutigams.

255. Einen zeitbedingten Beitrag lieferten ferner die in gläubiger Gesinnung veranstalteten Volkswallfahrten zu den Gräbern der Märtyrer, besondere Fastenübungen in gleicher Absicht, endlich die Bußprozessionen zu den Stationskirchen in Unserer Ewigen Stadt, an denen nicht selten die Päpste selbst teilnahmen.

256. Natürlich wirkte sich auch die fortschreitende Vervollkommnung der schönen Künste, insbesondere der Baukunst, Malerei und Musik, in nicht geringem Maße auf die Festlegung und Anpassung von äußeren liturgischen Formen aus.

257. Des gleichen Vorrechtes in liturgischen Dingen hat sich die Kirche bedient, um die Heiligkeit des Gottesdienstes vor Mißbräuchen zu schützen, die von einzelnen Gläubigen oder Einzelkirchen ohne vorsichtige Überlegung eingeführt worden waren. Als daher im 16. Jahrhundert derlei Gewohnheiten und Bräuche zu sehr überhand genommen hatten und als Neuerungen auf diesem Gebiet vonseiten Unberufener die Reinheit des Glaubens- und Andachtslebens gefährdeten, übrigens sehr zum Vorteil der Irrgläubigen und zur Ausbreitung ihrer verfänglichen Lehre, gründete Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens Sixtus V. zum Schutz der rechtmäßigen kirchlichen Riten und zu ihrer Säuberung von jenen ungehörigen Einschlägen im Jahre 1588 die Heilige Ritenkongregation[48], deren Aufgabe es auch heute noch ist, in wachsamer Obsorge Anordnungen und Bestimmungen auf dem Gebiet der Liturgie zu treffen[49].

258. Deshalb steht nur dem Papst das Recht zu, eine gottesdienstliche Praxis anzuerkennen oder festzulegen, neue Riten einzuführen und gutzuheißen, sowie auch jene zu ändern, die er für änderungsbedürftig hält[50]. Die Bischöfe aber haben das Recht und die Pflicht, sorgfältig darüber zu wachen, daß die kirchenrechtlichen Vorschriften betreffs des Gottesdienstes genau eingehalten werden[51]. Es ist also nicht erlaubt, dem Gutdünken von Privatpersonen, auch wenn sie zum Klerus zählen, all das Heilige und Verehrungswürdige zu überlassen, das zum religiösen Leben der christlichen Gemeinschaft, zur Ausübung des Priestertums Jesu Christi und zum Gottesdienst, zur würdigen Verehrung der Heiligsten Dreifaltigkeit, des Menschgewordenen Wortes, seiner gebenedeiten Mutter und der anderen Heiligen, sowie zur seelsorglichen Tätigkeit gehört; und ebenso ist kein Privater irgendwie befugt, auf diesem Gebiet äußere Handlungen anzuordnen, die mit der kirchlichen Disziplin, mit dem Aufbau, der Einheit und Eintracht des Mystischen Leibes Christi, ja nicht selten auch mit der Reinheit des katholischen Glaubens in engster Beziehung stehen.

259. Die Kirche ist ohne Zweifel ein lebendiger Organismus; deshalb wächst sie und entfaltet sie sich auch im Bereich ihrer heiligen Liturgie und paßt sich den zeitbedingten Notwendigkeiten und Umständen an, immer jedoch unter Wahrung der Unversehrtheit ihrer Lehre. Ganz zu verurteilen ist aber das vermessene Unterfangen jener, die mit Absicht neue liturgische Bräuche einführen, oder überlebte, mit den geltenden Gesetzen und Rubriken nicht mehr übereinstimmende Gepflogenheiten wiederaufleben lassen. Daß dies vorkommt, geliebte Söhne und ehrwürdige Brüder, und zwar nicht nur in unbedeutenden Dingen, sondern auch in solchen von sehr großer Tragweite, haben Wir nicht ohne bitteren Schmerz erfahren. Es gibt tatsächlich Leute, die bei der Darbringung des hochheiligen eucharistischen Opfers sich der Volkssprache bedienen; die bestimmte, aus reiflich erwogenen Gründen schon genau festgelegte Feste auf andere Termine verlegen; die schließlich aus den amtlichen Gebetbüchern die Schrifttexte des Alten Testamentes ausmerzen, weil sie nach ihrem Dafürhalten unserer heutigen Zeit wenig entsprechen und nicht recht zu ihr passen.

260. Der Gebrauch der lateinischen Sprache, wie er in einem großen Teil der Kirche Geltung hat, ist ein allen erkennbares und schönes Zeichen der Einheit und eine mächtige Schutzwehr gegen jegliche Verderbnis der wahren Lehre. Bei manchen kirchlichen Zeremonien kann indes die Verwendung der Landessprache dem Volke sehr nützlich sein; nichtsdestoweniger ist es ausschließliche Sache des Apostolischen Stuhles, dies zu gestatten. Deshalb darf ohne seine Befragung und Billigung nichts Derartiges geschehen, weil eben, wie Wir schon sagten, die Regelung der Liturgie ganz von seinem Entscheid und seinem Willen abhängt.

261. Gleich zu beurteilen sind die Versuche und Bestrebungen, alle möglichen alten Riten und Zeremonien wieder in Gebrauch zu bringen. Ganz gewiß, die Liturgie der alten Zeit ist zweifelsohne verehrungswürdig. Aber ein alter Brauch ist nicht allein schon deshalb, weil er Altertum ausstrahlt, in sich oder für spätere Zeiten und neue Verhältnisse als geeigneter und besser zu betrachten. Auch die neueren liturgischen Riten sind ehrfürchtiger Beobachtung würdig, weil sie unter Eingebung des Heiligen Geistes entstanden sind, der immerdar der Kirche beisteht bis zur Vollendung der Zeiten[52]; und auch sie sind gleichberechtigte Werte, mit deren Hilfe die ruhmreiche Braut Christi die Menschen zur Heiligkeit anspornt und zur Vollkommenheit führt.

Mit Geist und Herz zu den Quellen der heiligen Liturgie zurückzukehren, ist sicher weise und sehr lobenswert, da das Studium dieses Wissenszweiges durch Zurückgreifen auf dessen Anfänge nicht wenig dazu beiträgt, die Bedeutung der Feste und den Sinn der verwendeten heiligen Texte und Zeremonien tiefer und genauer zu erforschen; dagegen ist es nicht weise und nicht lobenswert, alles um jeden Preis auf das Altertum zurückzuführen. So würde z. B. vom rechten Weg abweichen, wer dem Altar die alte Form der Mensa, des Tisches, wiedergeben wollte; wer die liturgischen Gewänder nie in Schwarz haben wollte; wer die Heiligenbilder und Statuen aus den Kirchen entfernen wollte; wer die Nachbildung des gekreuzigten Erlösers so machen ließe, daß sein Leib die bitteren Qualen, die er erduldete, nicht zum Ausdruck brächte; wer endlich den polyphonen (mehrstimmigen) Gesang mißbilligte und ablehnte, auch wenn er den vom Heiligen Stuhl gegebenen Weisungen entspräche.

262. Denn wie kein vernünftiger Katholik in der Absicht, zu den alten, von den früheren Konzilien gebrauchten Formeln zurückzukehren, die Fassungen der christlichen Lehre ablehnen kann, welche die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes in der neueren Zeit zum größten Nutzen der Seelen vorgelegt und als verbindlich erklärt hat, oder wie kein vernünftiger Katholik die geltenden Gesetze ablehnen kann, um zu den aus den ältesten Quellen des kanonischen Rechtes geschöpften Bestimmungen zurückzugreifen, so ist gleichermaßen, wenn es sich um die heilige Liturgie handelt, offensichtlich von keinem weisen und gesunden Eifer getrieben, wer zu den alten Riten und Bräuchen zurückkehren und die neuen ablehnen wollte, die doch unter dem Walten der göttlichen Vorsehung mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse eingeführt worden sind.

263. Diese Denk- und Handlungsweise läßt jene übertriebene und ungesunde Altertumssucht wiederaufleben, der die unrechtmäßige Synode von Pistoja Auftrieb gegeben hat, und ebenso trachtet sie, die vielfachen Irrtümer wieder auf den Plan zu rufen, welche die Ursache zur Einberufung jener Synode waren und zum großen Schaden der Seelen sich aus ihr ergaben, und welche die Kirche, die immer treue Hüterin des ihr von ihrem Stifter anvertrauten Glaubensgutes, mit vollem Recht verworfen hat[53]. Denn solch verkehrtes Beginnen geht nur darauf aus, die heiligmachende Tätigkeit zu beeinträchtigen und zu schwächen, durch welche die Liturgie Gottes Gnadenkinder auf dem Wege des Heils dem himmlischen Vater zuführt.

264. Alles möge daher so geschehen, daß die gehörige Verbindung mit der kirchlichen Hierarchie gewahrt bleibe. Niemand nehme sich heraus, sich selbst Gesetze zu geben und sie dann eigenmächtig anderen aufzuzwingen. Der Papst als Nachfolger des heiligen Petrus, dem der göttliche Erlöser die Sorge anvertraut hat, die gesamte Herde zu weiden[54], und mit ihm die Bischöfe, die in Unterordnung unter den Apostolischen Stuhl vom Heiligen Geiste bestellt sind . . . , die Kirche Gottes zu regieren[55], sind allein im Besitz des Rechtes und der Pflicht, das christliche Volk zu lenken und zu leiten. Sooft ihr deshalb, ehrwürdige Brüder, eure Autorität wahrt, wenn nötig auch mit Strenge, erfüllt ihr nicht nur eure Amtspflicht, sondern nehmt auch den Willen des Stifters der Kirche in sicheren Schutz.

II. Der eucharistische Kult

265. Höhe- und gewissermaßen Mittelpunkt der christlichen Religion ist das Geheimnis der heiligsten Eucharistie, die der Hohepriester Christus einstens eingesetzt hat und die er durch seine Diener in der Kirche immerdar erneuern läßt. Da es sich hier um den Höhepunkt der heiligen Liturgie handelt, scheint es Uns angebracht, ein wenig dabei zu verweilen und eure Aufmerksamkeit, ehrwürdige Brüder, auf diesen überaus wichtigen Gegenstand hinzulenken.

Christus der Herr, Priester von Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech[56], wollte, da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte[57], „beim Letzten Abendmahle, in der Nacht, da er verraten wurde, seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares, einer Forderung der Menschennatur entsprechendes Opfer hinterlassen; dadurch sollte das blutige, am Kreuze zu vollziehende Opfer vergegenwärtigt, das Andenken daran bis zum Ende der Zeiten bewahrt und uns seine heilbringende Kraft zur Vergebung unserer täglichen Sünden zugewendet werden. Seinen Leib und sein Blut brachte er Gott dem Vater dar unter den Gestalten von Brot und Wein, reichte sie den Aposteln, die er damals zu Priestern des Neuen Bundes bestellte, unter denselben Zeichen zum Empfang und befahl ihnen und ihren Nachfolgern im Priestertum, dieses Opfer darzubringen“[58].

266. Das hochheilige Opfer des Altares ist also kein bloßes und einfaches Gedächtnis des Leidens und Todes Jesu Christi, sondern eine wahre und eigentliche Opferhandlung, bei welcher der göttliche Hohepriester durch seine unblutige Hinopferung das tut, was er schon am Kreuze getan, sich selbst dem ewigen Vater als wohlgefälligste Opfergabe darbringend. „Es ist ein . . . und dieselbe Opfergabe und es ist derselbe, den jetzt durch seinen Dienst der Priester opfert und der sich selbst damals am Kreuze darbrachte, nur die Opferweise ist verschieden“[59].

267. Es ist demnach der gleiche Priester, Christus Jesus, dessen heilige Person sein geweihter Diener vertritt. Durch die Priesterweihe dem Hohenpriester angeglichen, besitzt er die Vollmacht, mittels der Kraft und an Stelle der Person Christi selbst zu handeln[60]. Durch seine priesterliche Handlung leiht „er also Christus gleichsam seine Zunge und reicht ihm seine Hand“[61].

268. Es ist auch die gleiche Opfergabe, nämlich der göttliche Erlöser nach seiner menschlichen Natur und in der Wirklichkeit seines Leibes und Blutes. Verschieden jedoch ist die Art und Weise, wie Christus sich opfert: Am Kreuze hat er ganz sich selbst und seine Leiden Gott dargebracht, und die Hinopferung der Opfergabe geschah durch den blutigen Tod, den er mit freiem Willen auf sich nahm. Auf dem Altare aber hat, infolge des verklärten Zustandes seiner menschlichen Natur, der Tod keine Macht mehr über ihn[62], und darum ist das Vergießen seines Blutes nicht mehr möglich; auf Beschluß der göttlichen Weisheit wird jedoch die Hinopferung unseres Erlösers durch äußere Zeichen, die Sinnbilder des Todes sind, in wunderbarer Weise deutlich gemacht. Durch die Wesensverwandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi ist nämlich sein Leib ebenso gegenwärtig wie sein Blut; die eucharistischen Gestalten aber, unter denen er gegenwärtig ist, versinnbilden die gewaltsame Trennung des Leibes und des Blutes. So wird das Gedächtnis seines Todes, der sich auf Kalvaria wirklich vollzogen hat, in jedem Opfer des Altares neu begangen, insofern durch deutliche Sinnbilder Jesus Christus im Opferzustand dargestellt und gezeigt wird.

269. Ferner sind es die gleichen Opferzwecke, deren erster die Ehrung des himmlischen Vaters ist. Von der Geburt bis zum Tode war Jesus Christus vom Eifer für die Ehre Gottes beseelt, und vom Kreuze stieg die Hinopferung seines Blutes mit lieblichem Wohlgeruch zum Himmel empor. Damit nun diese Huldigung niemals unterbrochen werde, vereinigen sich im eucharistischen Opfer die Glieder mit ihrem göttlichen Haupt und bringen zugleich mit ihm und mit den Engeln und Erzengeln Gott immerwährenden Lobpreis dar[63], indem sie dem allmächtigen Vater alle Ehre und Verherrlichung zuteil werden lassen[64].

270. Der zweite Opferzweck ist die Gott geschuldete Danksagung. Nur der göttliche Erlöser kannte als des ewigen Vaters vielgeliebter Sohn dessen unermeßliche Liebe und war imstande, ihm eine würdige Huldigung des Dankes zu entbieten. Das beabsichtigte und das wollte er, als er beim letzten Abendmahle Dank sagte[65]. Davon ließ er nicht ab, als er am Kreuze hing, und davon läßt er nicht ab im hochheiligen Opfer des Altares, das ja „Eucharistische Handlung“, d.h. Danksagung bedeutet; und das ist ja auch „wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam“[66].

271. Der dritte Zweck ist Sühne, Genugtuung und Versöhnung. Zweifellos konnte kein anderer als Christus dem allmächtigen Gott für die Schuld der ganzen Menschheit volle Genugtuung leisten; darum wollte er am Kreuze geopfert werden als Sühnopfer für unsere Sünden, und nicht nur für die unsrigen, sondern auch für die der ganzen Welt[67]. Ebenso opfert er sich auf den Altären täglich für unsere Erlösung, damit wir vor der ewigen Verdammnis bewahrt und in die Schar der Auserwählten eingereiht werden. Und dies nicht allein für uns, die wir uns in diesem sterblichen Leben befinden, sondern auch „für alle in Christus Ruhenden, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschlafen sind“[68];denn ob wir leben oder sterben, „wir trennen uns doch nicht von dem einen Christus“[69].

272. Der vierte Zweck schließlich ist die demütige Bitte. Als verlorener Sohn hat der Mensch alle vom himmlischen Vater empfangenen Güter vertan und vergeudet und ist daher in äußerste Bedürftigkeit und tiefstes Elend geraten. Doch vom Kreuze aus brachte Christus Gebet und Flehen unter lautem Rufen und Weinen vor . . . und fand wegen seiner Gottesfurcht Erhörung[70]. Desgleichen ist er auf den heiligen Altären in derselben wirksamen Weise unser Mittler bei Gott, auf daß wir mit jeglicher Segnung und Gnade erfüllt werden.

Man versteht also, warum die heilige Kirchenversammlung von Trient versichert, daß durch das eucharistische Opfer die heilbringende Kraft des Kreuzes uns zugewendet wird zur Vergebung unserer täglichen Sünden[71].

273. Der Völkerapostel aber verkündet die reiche Fülle und Vollkommenheit des Kreuzesopfers, wenn er erklärt, daß Christus mit dem einen Opfer für immer jene vollendet hat, die sich heiligen lassen[72]. Da nämlich die Verdienste dieses Opfers einfachhin unendlich und unermeßlich sind, kennen sie keine Grenzen; sie erstrecken sich auf die Gesamtheit der Menschen aller Zeiten und Zonen, und dies insofern der Gottmensch dessen Priester und Opfergabe ist; insofern seine Hinopferung wie seine Willfährigkeit gegenüber dem Willen des ewigen Vaters ganz vollkommen war, und insofern er selbst den Tod auf sich nehmen wollte als das Haupt der ganzen Menschheit: „Betrachte den Vollzug unseres Loskaufs; Christus hängt am Kreuzesholz; schau, um welch hohen Preis er kaufte; ... sein Blut vergoß er, mit seinem Blute hat er erkauft, mit dem Blute des makellosen Lammes, mit dem Blute des einzigen Sohnes Gottes hat er erkauft. . . Der Käufer ist Christus, der Kaufpreis ist sein Blut, der erworbene Besitz ist der Erdkreis[73].

274. Dieser Loskauf hat jedoch nicht sofort seine volle Wirkung: Christus muß nämlich, nachdem er um den hohen Preis seiner selbst die Welt erlöst hat, erst wirklich in den wahren Besitz der Menschenseele gelangen. Damit also ihre Erlösung und Rettung für jeden einzelnen Menschen und für alle bis ans Ende der Zeiten aufeinanderfolgenden Menschengeschlechter sich verwirkliche und von Gott angenommen werde, ist es unerläßlich, daß jeder einzelne Mensch in lebendige Berührung mit dem Kreuzesopfer komme, und daß ihnen also die aus jenem Opfer fließenden Verdienste zuteil werden. Man kann gewissermaßen sagen, daß Christus auf Kalvaria ein Bad der Versöhnung und Heilung errichtet hat, das er mit seinem vergossenen Herzblut füllte; wenn indes die Menschen nicht in dessen Fluten untertauchen und dort nicht die Makel ihrer Sünden abwaschen, können sie sicher nicht gereinigt und gerettet werden.

275. Damit also die einzelnen Sünder im Blute des Lammes reingewaschen werden, bedarf es der Mitwirkung der Christgläubigen. Denn wenn auch Christus, allgemein gesprochen, die gesamte Menschheit durch seinen blutigen Tod mit dem Vater ausgesöhnt hat, so war es doch sein Wille, daß alle, insbesondere durch die Sakramente und das eucharistische Opfer, zu seinem Kreuze hinzutreten und hingeführt werden sollten, um die von ihm am Kreuze erworbenen Heilsfrüchte zu erlangen. Wie durch diese tätige und persönliche Teilnahme die Glieder immer mehr ihrem göttlichen Haupte angeglichen werden, ebenso wird auch das vom Haupt herabströmende Heil den Gliedern zuteil, so daß auch wir die Worte des heiligen Paulus wiederholen können: Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, aber nicht mehr ich; Christus lebt in mir[74]. Wie Wir nämlich schon bei anderer Gelegenheit eingehend und ausdrücklich darlegten, hat Christus Jesus, „während er am Kreuze starb, den unermeßlichen Schatz der Erlösung seiner Kirche vermacht, ohne daß sie ihrerseits dazu beitrug. Wo es sich aber darum handelt, den Schatz auszuteilen, läßt er an diesem Werke der Heiligung seine unbefleckte Braut nicht nur teilnehmen, sondern will, daß dies sogar in gewissem Sinn durch ihre Tätigkeit bewirkt werde“[75].

276. Das hochheilige Opfer des Altares ist sozusagen das überaus kostbare Werkzeug, wodurch die vom Kreuz des göttlichen Erlösers stammenden Verdienste an die Gläubigen ausgeteilt werden: „Sooft die Gedächtnisfeier dieses Opfers begangen wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung“[76]. Ohne jedoch die Würde des blutigen Opfers im geringsten zu beeinträchtigen, hebt es vielmehr dessen Größe und Notwendigkeit noch stärker und klarer hervor, wie das Konzil von Trient betont[77]. Durch die tägliche Darbringung erinnert es uns daran, daß es kein anderes Heil gibt als im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus[78], und daß Gott selbst die Fortdauer seines Opfers vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang[79]gesichert wissen will, damit der Lobpreis der Verherrlichung und Danksagung niemals unterbrochen werde, den die Menschen ihrem Schöpfer schulden, weil sie ständig seiner Hilfe und des Blutes des göttlichen Erlösers bedürfen zur Tilgung der Sünden, die seine Gerechtigkeit herausfordern.

277. Es sollen also, ehrwürdige Brüder, alle Gläubigen bedenken, daß es eine ganz hohe Pflicht und große Würde für sie bedeutet, teilzunehmen am eucharistischen Opfer, und zwar nicht müßigen und gleichgültigen Geistes, der zerstreut anderen Dingen nachgeht, sondern so innerlich und selbsttätig, daß sie aufs engste mit dem Hohenpriester sich verbinden, gemäß dem Worte des Apostels Seid so gesinnt wie Christus Jesus[80]; zusammen mit ihm und durch ihn sollen sie jenes Opfer darbringen und zugleich mit ihm sich selbst aufopfern.

Gewiß ist Christus Priester, aber Priester für uns, nicht für sich, denn er bringt Gabe und Verehrung im Namen der gesamten Menschheit seinem himmlischen Vater dar; er ist auch Opfergabe, aber für uns, da er selbst die Stelle des schuldbeladenen Menschen vertritt. Nun verlangt aber jenes Wort des Apostels: Seid so gesinnt wie Christus Jesus, von allen Christen, daß sie, soweit dies dem Menschen möglich ist, jene Gesinnung in sich erwecken, von der die Seele des göttlichen Erlösers erfüllt war, als er das Opfer seiner selbst vollzog daß sie also demütige Unterordnung des Geistes, Anbetung der höchsten Majestät Gottes, Ehrung, Lobpreis und Danksagung erzeigen. Es verlangt außerdem von ihnen, daß sie in gewissem Sinne sich selbst zur Opfergabe machen, gemäß den Vorschriften des Evangeliums sich selbst verleugnen, gern und freiwillig sich der Buße unterziehen, daß jeder seine Sünden verabscheue und sühne. Es verlangt endlich, daß wir alle mit Christus den mystischen Tod am Kreuze auf uns nehmen, so daß wir den Ausspruch des heiligen Paulus auf uns anwenden können: Mit Christus bin ich ans Kreuz geheftet[81].

278. Wenn jedoch die Gläubigen am eucharistischen Opfer teilnehmen, so haben sie deshalb nicht auch die priesterliche Vollmacht. Das müßt ihr euren Gläubigen ganz klar vor Augen stellen.

279. Es gibt nämlich Leute, ehrwürdige Brüder, die heute bereits verurteilte Irrtümer streifen[82], indem sie lehren, im Neuen Testament gebe es nur jenes Priestertum, das sich auf alle Getauften erstrecke; jenes Gebot ferner, womit Jesus Christus beim letzten Abendmahl den Aposteln das zu tun auftrug, was er selbst getan hatte, gehe unmittelbar die gesamte Kirche der Gläubigen an; erst daraus sei dann in der Folge das hierarchische Priestertum entstanden. Somit behaupten sie, das Volk besitze wahre priesterliche Gewalt, der Priester dagegen handle nur kraft des von der Gemeinschaft erhaltenen Auftrages. Daher halten sie das eucharistische Opfer für ein wahres „Mitzelebrieren“ (Conzelebration) und meinen, es sei besser, wenn die Priester zusammen mit dem anwesenden Volk „mitzelebrieren“, als daß sie in Abwesenheit des Volkes das Opfer privat darbringen.

280. Es erübrigt sich auseinanderzusetzen, wie sehr solche verfängliche Irrtümer den Wahrheiten widersprechen, die Wir weiter oben dargelegt haben, als Wir von der Stellung handelten, die der Priester im Mystischen Leibe Christi einnimmt. An folgendes aber glauben Wir erinnern zu müssen: Der Priester handelt nur deshalb an Stelle des Volkes, weil er die Person unseres Herrn Jesus Christus vertritt, insofern dieser das Haupt aller Glieder ist und sich selbst für sie opfert; er tritt folglich an den Altar als Diener Christi, niedriger gestellt als Christus, aber höher als das Volk[83]. Das Volk aber, das unter keiner Rücksicht die Person des göttlichen Erlösers darstellt, noch Mittler ist zwischen sich selbst und Gott, darf in keiner Weise priesterliche Rechte beanspruchen.

281. Das alles ist durch den Glauben gesichert; außerdem aber gilt, daß auch die Gläubigen, jedoch in anderer Weise, die göttliche Opfergabe darbringen.

Dies haben schon eine Reihe Unserer Vorgänger und mehrere Kirchenlehrer ganz klar ausgesprochen. So sagt Innozenz III. unsterblichen Andenkens: „Nicht nur die Priester bringen das Opfer dar, sondern auch die Gläubigen insgesamt; denn was in besonderer Art durch den Dienst der Priester ausgeführt wird, das geschieht allgemein durch die Absicht der Gläubigen“[84]. Von mehreren diesbezüglichen Äußerungen des heiligen Robert Bellarmin soll wenigstens die eine angeführt werden: „Das Opfer“, so sagt er, „wird hauptsächlich in der Person Christi dargebracht. Daher ist jene Darbringung, die auf die Wandlung folgt, eine Art Bezeugung, daß die ganze Kirche in die von Christus vollzogene Darbringung einwilligt und zugleich mit ihm opfert“[85].

282. Auch die Riten und Gebete des eucharistischen Opfers bringen nicht weniger klar zum Ausdruck, daß die Darbringung des Opfers durch die Priester zusammen mit dem Volke geschieht. So wendet sich nach der Opferung des Brotes und Weines der Diener des Heiligtums zum Volke hin und sagt ausdrücklich: „Betet, Brüder, daß mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater“[86]; außerdem werden die Gebete, mit denen die göttliche Opfergabe Gott dargeboten wird, meist in der Mehrzahl gesprochen; mehr als einmal ist darin angedeutet, daß auch das Volk teilnimmt an diesem hochheiligen Opfer, insofern es dasselbe darbringt. So heißt es z. B.: „Für sie bringen wir Dir dar, und sie selbst opfern es Dir . . . So nimm denn, Herr, wir bitten Dich, diese Opfergabe huldvoll an, die wir, Deine Diener und Deine ganze Gemeinde Dir darbringen . . . Wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk . . . bringen Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer dar, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer“[87].

283. Es ist auch nicht verwunderlich, daß die Christgläubigen zu solcher Würde erhoben sind. Durch das Sakrament der Taufe werden ja die. Christen in einem allgemeinen Sinn Glieder am Mystischen Leibe des Priesters Christus, und durch den ihrer Seele gleichsam eingemeißelten «Taufcharakter »werden sie zur Gottesverehrung bestellt; insofern nehmen sie, ihrem Stande entsprechend, am Priestertum Christi selbst teil.

284. In der katholischen Kirche hat zu jeder Zeit die vom Glauben erleuchtete Vernunft sich bemüht, nach Möglichkeit zu einem größeren Verständnis der göttlichen Dinge zu gelangen. So ist es natürlich, daß auch das christliche Volk ehrfürchtig zu begreifen sucht, in welchem Sinn die Canonworte des eucharistischen Opfers zu verstehen seien, es bringe selber auch das Opfer dar. Um diesem frommen Verlangen Genüge zu tun, wollen Wir die Frage hier kurz und klar erläutern.

Zunächst sind es Gründe, die dem Wesen der Sache ferner liegen, insofern es nämlich nicht selten vorkommt, daß die Gläubigen bei der Teilnahme an der heiligen Feier ihre Gebete mit denen des Priesters abwechselnd sprechen; sodann bringen die Gläubigen manchmal – und das geschah in früheren Zeiten häufiger – den Dienern des Altares Brot und Wein, damit sie zum Leib und Blut Christi werden; endlich weil sie Almosen geben, damit der Priester das göttliche Opfer für sie darbringe.

285. Es besteht aber auch ein innerer Grund, weshalb man von allen Christen, besonders von denen, die am Meßopfer teilnehmen, sagen kann, daß sie das Opfer darbringen.

Damit in dieser wichtigen Frage nicht ein verhängnisvoller Irrtum entstehe, müssen Wir den Ausdruck „Darbringung des Opfers“ in seiner eigentlichen Bedeutung genau abgrenzen. Die unblutige Hinopferung, wobei kraft der Wandlungsworte Christus im Zustand des Opferlammes auf dem Altare gegenwärtig wird, ist das Werk des Priesters allein, insofern er die Person Christi vertritt, nicht aber insofern er die Person der Gläubigen darstellt. Dadurch aber, daß der Priester das göttliche Opferlamm auf den Altar legt, bringt er es Gott dem Vater als Opfergabe dar zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit und zum Wohl der ganzen Kirche. An dieser Opferdarbringung im strengen Sinne nehmen die Gläubigen auf ihre Art und in zweifacher Hinsicht teil: sie bringen nämlich das Opfer dar, nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern gewissermaßen zusammen mit ihm; durch diese Teilnahme wird auch die Darbringung des Volkes in den liturgischen Kult selbst einbezogen.

286. Daß die Gläubigen das Opfer durch die Hände des Priesters darbringen, geht aus folgendem hervor: Der Diener des Altares vertritt die Person Christi als Haupt, das im Namen aller Glieder opfert; deshalb kann man auch mit Recht sagen, die gesamte Kirche vollziehe durch Christus die Darbringung der Opfergabe. Die Behauptung aber, das Volk bringe zugleich mit dem Priester das Opfer dar, hat nicht etwa den Sinn, als ob die Glieder der Kirche ebenso wie der Priester selbst die sichtbare liturgische Handlung vollzögen, denn das ist ausschließlich Aufgabe des von Gott dazu berufenen Dieners; das bedeutet vielmehr, daß das Volk seine Gesinnungen des Lobes, der Bitte, der Sühne und der Danksagung mit den Gesinnungen oder der inneren Meinung des Priesters, ja des Hohenpriesters selbst, zu dem Zwecke vereinigt, daß sie in der eigentlichen Opferdarbringung auch durch den äußeren Ritus des Priesters Gott dem Vater entboten werden. Der äußere Opferritus muß nämlich seiner Natur nach den inneren Kult zum Ausdruck bringen: Das Opfer des Neuen Bundes stellt aber jene höchste Huldigung dar, in welcher der hauptsächlich Darbringende, nämlich Christus, und zusammen mit ihm sowie durch ihn alle seine mystischen Glieder Gott verherrlichen durch den ihm gebührenden Ehrenerweis.

287. Mit großer Freude haben Wir vernommen, daß diese Lehre zumal in der neuesten Zeit durch zahlreiche eifrige Studien auf dem Gebiet der Liturgie in das gebührende Licht gestellt wurde. Wir können aber nicht umhin, die Überspitzungen und Verzerrungen der Wahrheit, die mit den echten Weisungen der Kirche nicht übereinstimmen, sehr zu beklagen.

Manche verwerfen nämlich kurzerhand die heiligen Messen, die privat und ohne Anwesenheit des Volkes gelesen werden, als ob sie von der ursprünglichen Opferpraxis abwichen. Es fehlt auch nicht an Leuten, die behaupten, es dürften nicht Priester gleichzeitig an mehreren Altären das heilige Opfer feiern, weil sie damit die Gemeinschaft lockerten und deren Einheit in Gefahr brächten. Man stellt sogar die überspitzte Behauptung auf, das Volk müsse das Opfer bestätigen und genehmigen, um ihm Geltung und Wirksamkeit zu verleihen.

288. Zu Unrecht beruft man sich dabei auf den sozialen Charakter des eucharistischen Opfers. Sooft nämlich der Priester das erneuert, was der göttliche Erlöser beim letzten Mahle tat, wird in Wahrheit das heilige Opfer vollzogen; dieses Opfer hat aber immer und überall und zwar notwendigerweise und vermöge seines Wesens einen öffentlichen und sozialen Charakter; denn derjenige, der es darbringt, handelt im Namen Christi und der Gläubigen, deren Haupt der göttliche Erlöser ist, und er bringt es Gott dar für die heilige katholische Kirche sowie für die Lebenden und die Verstorbenen[88]. Das geschieht aber zweifellos, ob nun Gläubige anwesend – und Wir wünschen und empfehlen, daß sie in großer Zahl und Andacht beiwohnen –, oder ob keine da sind; denn es ist keineswegs erforderlich, daß das Volk bestätige, was der Diener des Heiligtums vollzieht.

289. Wenn sich nun auch aus dem eben Gesagten klar ergibt, daß das eucharistische Opfer im Namen Christi und der Kirche dargebracht wird, und daß es auch seiner sozialen Früchte nicht verlustig geht, selbst wenn es ohne Altardiener vom Priester gefeiert würde, so wollen und betonen Wir dennoch – was übrigens die Mutter Kirche immer vorgeschrieben hat –, daß kein Priester an den Altar trete ohne einen Ministranten, der ihm diene und antworte, gemäß Canon 813.

290. Damit aber jene Darbringung, wodurch die Gläubigen in diesem Opfer die göttliche Opfergabe dem himmlischen Vater darbieten, ihre volle Wirkung erziele, müssen sie noch etwas anderes hinzufügen, nämlich sich selbst als Opfergabe darbringen.

Diese Selbstaufopferung ist aber nicht auf das liturgische Opfer beschränkt. Der Apostelfürst will, daß wir als heiliges Priestertum geistige, Gott wohlgefällige Opfer durch Jesus Christus darbringen[89] können gerade dadurch, daß wir als lebendige Bausteine auf Christus aufgebaut sind. Der Apostel Paulus ermahnt ferner die Gläubigen aller Zeiten mit den Worten: Ich beschwöre euch . . ., bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar. So verrichtet ihr einen geistigen Gottesdienst[90]. Wenn aber gerade die Christgläubigen der liturgischen Handlung so andächtig und gesammelt beiwohnen, daß man wirklich von ihnen sagen kann: „deren Glauben und Hingabe du kennst“[91],dann ist es unausbleiblich, daß auch der Glaube eines jeden sich durch die Liebe eifriger auswirke, die Frömmigkeit erstarke und sich entflamme, alle und jeder sich ganz der Förderung der Ehre Gottes weihen und im lebendigen Verlangen nach engster Angleichung an Jesus Christus, den Dulder bitterster Leiden, sich mit ihm, dem Hohenpriester und durch ihn als geistige Opfergabe darbringen.

291. Das lehren auch jene Ermahnungen, die der Bischof im Namen der Kirche den Dienern des Altares an ihrem Weihetag zuruft: „Beachtet, was ihr tut, und ahmt nach, was ihr vollzieht. Da ihr das Geheimnis des Todes Unseres Herrn begeht, sollt ihr danach trachten, eure Glieder den Sünden und Begierden ersterben zu lassen“[92]. Fast in derselben Weise werden in den liturgischen Büchern die Christen, die sich zur Teilnahme an den heiligen Geheimnissen dem Altare nahen, ermahnt: „Es walte auf diesem ... Altare der Kult der Unschuld, es werde hingeopfert der Hochmut, erstickt der Zornmut, niedergeschlagen die Ausschweifung und jede Begierlichkeit, es werde statt der Turteltauben dargebracht das Opfer der Keuschheit und statt der jungen Tauben das der Schuldlosigkeit“[93]. Während wir also um den Altar versammelt sind, sollen wir unser Inneres derart umformen, daß alles, was Sünde in ihm ist, völlig ausgelöscht, alles jedoch mit Eifer gepflegt und gestärkt werde, was durch Christus das übernatürliche Leben nährt, so daß wir zusammen mit der makellosen Opferhostie ein dem ewigen Vater wohlgefälliges Opfer werden.

292. Die Kirche bemüht sich in jeder Weise, durch die liturgischen Vorschriften dieses heilige Vorhaben nach bestem Vermögen zu verwirklichen. Diesem Ziele dienen nicht allein die Lesungen, die Schrifterklärungen und die übrigen Predigten der Diener des Heiligtums sowie der gesamte Kreislauf der Geheimnisse, wie sie uns im Laufe des Jahres vor Augen gestellt werden; dem gleichen Zwecke dienen auch die heiligen Gewänder und Zeremonien, wie deren äußere Zubehör. Das alles hat den Zweck, „die erhabene Würde dieses großen Opfers zum Bewußtsein zu bringen und die Herzen der Gläubigen mittels der sichtbaren Zeichen der Gottesverehrung und Andacht zur Betrachtung der hohen Werte, die in diesem Opfer verborgen liegen, aufzurufen“[94].

293. Alle Elemente der Liturgie zielen also darauf hin, daß unsere Seele durch das Geheimnis des Kreuzes das Bild des göttlichen Erlösers in sich auspräge gemäß dem Worte des Apostels: Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, doch nicht mehr ich; Christus lebt in mir[95]. So werden wir gleichsam eine einzige Opfergabe mit Christus zur größeren Ehre des ewigen Vaters.

Sooft also die Gläubigen beim eucharistischen Opfer die göttliche Opfergabe darbringen, sollen sie ihren Sinn auf dieses Ziel richten und zu ihm erheben. Wenn nämlich, wie der heilige Augustinus schreibt, unser Geheimnis auf dem Tische des Herrn ruht[96], d. h. Christus der Herr selber als Haupt und Sinnbild jenes Organismus, durch den wir der Leib Christi sind[97] und Glieder seines Leibes[98]; wenn der heilige Robert Bellarmin im Sinne des Kirchenlehrers von Hippo sagt, im Opfer des Altares werde das allgemeine Opfer versinnbildet, durch das der gesamte Mystische Leib Christi, d. h. die ganze erlöste Gemeinschaft, Gott dargebracht wird durch den Hohenpriester Christus[99], so ist nichts schicklicher und billiger, als daß wir alle zusammen mit unserem Haupte, das für uns gelitten hat, auch uns selbst dem ewigen Vater aufopfern. Wie Augustinus wiederum sagt, wird im Altarssakrament der Kirche kundgetan, daß in dem Opfer, das sie darbringt, auch sie selbst geopfert wird[100].

294. Die Gläubigen mögen also bedenken, zu welcher Würde sie das heilige Bad der Taufe erhoben hat; und sie sollen sich nicht damit zufrieden geben, am eucharistischen Opfer mit der allgemeinen, den Gliedern Christi und Kindern der Kirche geziemenden Absicht teilzunehmen; im Geiste der heiligen Liturgie sollen sie darüber hinaus, aufs innigste verbunden mit dem Hohenpriester und seinem Diener auf Erden, sich dann in besonderer Weise ihm anschließen, wenn die Wandlung der göttlichen Opfergabe vollzogen wird; sie sollen dieselbe zusammen mit ihm aufopfern, wenn die feierlichen Worte ausgesprochen werden: „Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm wird Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung durch alle Ewigkeit“[101], worauf das Volk antwortet: „Amen“. Und die Gläubigen sollen nicht vergessen, sich selbst und ihre Sorgen, Leiden und Ängste, ihr Elend und ihre Nöte zugleich mit dem ans Kreuz geschlagenen göttlichen Haupt aufzuopfern.

295. Demnach verdienen jene Anerkennung, die, um dem christlichen Volk die Teilnahme am eucharistischen Opfer leichter und heilbringender zu machen, bei passender Gelegenheit den Leuten das „Römische Meßbuch“ in die Hand zu geben suchen, so daß die Gläubigen, dem Priester verbunden, mit denselben Worten wie er und in derselben Gesinnung wie die Kirche mitbeten. Ebenso gebührt auch jenen Lob, die sich darum mühen, daß die Liturgie auch nach außen hin eine heilige Handlung werde, an der tatsächlich alle Umstehenden teilnehmen. Das kann auf mehrfache Weise geschehen, indem nämlich das ganze Volk nach den liturgischen Regeln auf die Worte des Priesters in gehöriger Weise antwortet, oder auch zu den verschiedenen Teilen des Opfers passende Lieder singt, oder beides verbindet, oder schließlich indem es im feierlichen Hochamt auf die Gebete des Dieners Jesu Christi antwortet und zugleich die liturgischen Gesänge singt.

296. Diese verschiedenen Formen der Teilnahme am Opfer sind jedoch nur dann zu loben und zu empfehlen, wenn sie sich getreu an die rituellen Vorschriften und Normen halten. Diese haben vor allem den Zweck, die Frömmigkeit der Christen und ihre innige Verbindung mit Christus sowie mit dessen sichtbarem Vertreter zu nähren und zu fördern, ferner jene Gesinnung und Seelenhaltung anzuregen, durch die wir dem Hohenpriester des Neuen Bundes angeglichen werden sollen. Sie zeigen auch nach außen, daß das Opfer, da es vom Mittler zwischen Gott und den Menschen[102] dargebracht wird, seiner Natur nach als Werk des ganzen Mystischen Leibes Christi anzusehen ist; dennoch sind sie aber keineswegs notwendig, um ihm den Öffentlichkeits- und Gemeinschaftscharakter zu verleihen. Außerdem kann eine heilige Messe mit abwechselnd gesprochenen Gebeten nicht die festliche Opferfeier ersetzen; selbst wenn diese nur in Anwesenheit der Altardiener gefeiert würde, wäre ihr doch wegen der Erhabenheit der Riten und der Pracht der Zeremonien eine besondere Würde eigen, deren Glanz und Feierlichkeit allerdings sehr gesteigert wird, wenn, wie die Kirche es wünscht, das Volk zahlreich und mit gläubiger Gesinnung daran teilnimmt.

297. Ferner ist folgendes zu bemerken: Von der Wahrheit und vom geraden Wege der Vernunft weichen auch jene ab, die von irrigen Ansichten verleitet jene Nebensachen so hoch einschätzen, daß sie sich zur Behauptung versteigen, ohne sie könne die heilige Handlung das ihr gesteckte Ziel nicht erreichen.

Eine nicht geringe Zahl der Gläubigen ist ja nicht einmal imstande, sich des „Römischen Meßbuches“ zu bedienen, selbst wenn es in ihre Muttersprache übersetzt ist; es sind auch nicht alle fähig, die liturgischen Riten und Formeln recht und gebührend zu verstehen. Geist, Charakter und Anlage der Menschen sind so verschieden und mannigfaltig, daß nicht alle in gleicher Weise beeinflußt und geleitet werden können durch gemeinsam verrichtete Gebete, Gesänge und heilige Handlungen. Außerdem sind die seelischen Bedürfnisse und Anliegen nicht bei allen dieselben, noch bleiben sie bei jedem einzelnen immer die gleichen. Wer möchte darum aus einem solchen Vorurteil heraus behaupten, daß all diese Christen nicht am eucharistischen Opfer teilnehmen noch dessen Segnungen erfahren können? Sie können es fürwahr auf andere Weise, die manchen leichter fällt, z. B. durch frommes Nachdenken über die Geheimnisse Jesu Christi oder durch andere Andachtsübungen und mit anderen Gebeten, die, obgleich in der Form verschieden von den heiligen Riten, ihrem Wesen nach doch damit übereinstimmen.

298. Deshalb ermahnen Wir euch, ehrwürdige Brüder, daß jeder in seiner Diözese oder in seinem kirchlichen Sprengel die Teilnahme des Volkes an der liturgischen Handlung gemäß den Normen, die das „Missale“ aufstellt, und nach den von der Ritenkongregation und dem kirchlichen Gesetzbuch erlassenen Vorschriften leite und ordne. So soll alles in rechter Ordnung und Würde ausgeführt werden, ohne daß der Einzelne, auch wenn er Priester ist, das Recht habe, die heiligen Stätten nach seinem Belieben gleichsam zu Versuchen zu gebrauchen. Zu diesem Zweck ist es auch Unser Wunsch, daß in den einzelnen Diözesen – ähnlich wie schon eine Beratungsstelle für Fragen der Musik und Kunst besteht – ein Rat zur Förderung des liturgischen Apostolates eingesetzt werde, damit sich unter eurer wachsamen Obhut alles gemäß den Vorschriften des Apostolischen Stuhles vollziehe.

299. In den Ordensgemeinschaften aber soll alles genau eingehalten werden, was die eigenen Konstitutionen diesbezüglich bestimmen, und es sollen keine Neuerungen eingeführt werden, welche die Oberen der betreffenden Gemeinschaften nicht vorher gebilligt haben.

300. Zwar können die äußeren Verhältnisse und Umstände, unter denen das christliche Volk am eucharistischen Opfer und an den übrigen liturgischen Handlungen teilnimmt, sehr mannigfaltig und verschieden sein; deshalb soll man sich aber stets nur um so eifriger dafür einsetzen, daß die Seelen der Teilnehmer sich möglichst eng mit dem göttlichen Erlöser verbinden, damit ihr Leben mit täglich wachsender Heiligkeit erfüllt und die Ehre des himmlischen Vaters täglich mehr gefördert werde.

301. Das hochheilige Opfer des Altares wird mit der Teilnahme am göttlichen Mahl beschlossen. Wie alle wissen, gehört aber nur die Kommunion des Priesters zur Vollständigkeit des Meßopfers; es ist hingegen nicht erfordert, daß auch das Volk zum Tische des Herrn gehe, wiewohl das höchst wünschenswert ist.

Diesbezüglich möchten Wir die Bemerkungen wiederholen, die Unser Vorgänger Benedikt XIV. zu den Bestimmungen des Trienter Konzils macht: „Zunächst müssen Wir sagen, daß niemand unter den Gläubigen auf den Gedanken kommen darf, die privaten Messen. in denen der Priester allein die heilige Eucharistie empfängt, würden dadurch die Eigenschaft des wahren, vollkommenen und vollständigen, von Christus dem Herrn eingesetzten unblutigen Opfers verlieren und seien deshalb als unerlaubt anzusehen. Die Gläubigen wissen nämlich oder können wenigstens leicht darüber belehrt werden, daß das Trienter Konzil auf Grund der von der kirchlichen Überlieferung aller Zeiten bewahrten Lehre die ihr entgegengesetzte, neue und falsche Meinung Luthers verurteilt hat“[103].

„Wer sagt, die Messen, in denen der Priester allein sakramental kommuniziert, seien unerlaubt und deshalb abzuschaffen, der sei ausgeschlossen“[104].

302. Es weicht also vom Weg der Wahrheit ab, wer das heilige Opfer nur feiern will, wenn das christliche Volk zum Tische des Herrn hinzutritt; noch mehr ist im Irrtum, wer um es als unbedingte Notwendigkeit hinzustellen, daß die Gläubigen zusammen mit dem Priester das eucharistische Mahl empfangen – arglistig behauptet, es handle sich hier nicht nur um ein Opfer, sondern zugleich um ein Opfer und ein Mahl der brüderlichen Gemeinschaft, und es sei die gemeinschaftlich empfangene Kommunion sozusagen der Höhepunkt der ganzen Opferfeier.

303. Es muß immer wieder betont werden: Das eucharistische Opfer ist seiner Natur nach eine unblutige Hinopferung des göttlichen Opferlammes, was auf geheimnisvolle Weise durch die Trennung der heiligen Gestalten und durch ihre Darbringung an den ewigen Vater zum Ausdruck kommt. Die heilige Kommunion gehört zu dessen Vollständigkeit und zur Teilnahme daran mittels der hochheiligen sakramentalen Vereinigung; während diese für den opfernden Priester unbedingt erfordert ist, wird sie den Gläubigen nur dringend empfohlen.

304. Wie aber die Kirche als Lehrerin der Wahrheit die Unversehrtheit des katholischen Glaubens nach Kräften zu schützen sucht, so ermahnt sie als besorgte Mutter ihre Kinder eindringlich, sich eifrig und häufig dieser überaus großen Wohltat unserer Religion teilhaftig zu machen.

Sie wünscht vor allem, daß die Christen – besonders wenn sie die eucharistische Speise nicht leicht in Wirklichkeit empfangen können – sie wenigstens geistigerweise empfangen und zwar so, daß sie durch lebendigen Glauben, durch demütige und ehrfürchtige Hingabe an den Willen des göttlichen Erlösers in möglichst innigem Liebeseifer sich mit ihm verbinden.

305. Doch das genügt der Kirche noch nicht. Da wir nämlich, wie oben gesagt, durch den Empfang des Engelsbrotes auch in „sakramentaler“ Kommunion des Opfers teilhaftig werden können, will die Kirche, daß wir wirksamer „die Frucht der Erlösung dauernd in uns erfahren“[105], und sie wiederholt ihren Kindern, einzeln und insgesamt, die Einladung Christi des Herrn: Nehmet hin und esset . . . Tut dies zu meinem Andenken[106]. Darum hat das Konzil von Trient die Wünsche Jesu Christi und seiner makellosen Braut gleichsam erneut ausgesprochen und nachdrücklich ermahnt, „daß die anwesenden Gläubigen an jeder einzelnen Messe nicht nur mit geistigem Verlangen, sondern auch durch den sakramentalen Empfang der Eucharistie teilnehmen, auf daß in ihnen um so reichere Früchte dieses hochheiligen Opfers gezeitigt werden“[107]. Damit noch mehr und klarer offenbar werde, daß die Gläubigen durch den Empfang der heiligen Eucharistie am göttlichen Opfer selbst teilnehmen, lobt Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens Benedikt XIV. den frommen Sinn derer, die bei der heiligen Messe nicht bloß mit der himmlischen Speise genährt zu werden verlangen, sondern es überdies vorziehen, mit den in der gleichen heiligen Messe konsekrierten Hostien gespeist zu werden, obgleich, wie er selbst erklärt, man wahrhaft und wirklich am Opfer teilhat, auch wenn es sich um eucharistisches Brot handelt, dessen Verwandlung schon früher ordnungsgemäß vollzogen wurde. Er schreibt nämlich: „Außer jenen Gläubigen, denen vom zelebrierenden Priester in seiner Messe selbst ein Anteil an der von ihm dargebrachten Opfergabe dargereicht wird, nehmen zwar auch diejenigen am gleichen Opfer teil, denen der Priester die gewohnheitsgemäß aufbewahrte Eucharistie austeilt; dennoch hat die Kirche nie verboten, noch verbietet sie jetzt, daß der Priester der Frömmigkeit und der gerechten Bitte derer willfahre, die bei der heiligen Messe zur Teilnahme an dem gleichen Opfer zugelassen werden wollen, das sie ja auch selbst in der ihnen zustehenden Weise darbringen; die Kirche billigt und wünscht sogar, daß dies nicht unterlassen werde, und sie würde jene Priester tadeln, durch deren Schuld und Nachlässigkeit den Gläubigen eine solche Anteilnahme verweigert würde“[108].

306. Gebe Gott, daß alle willig und gern diesen dringlichen Einladungen der Kirche nachkommen! Gebe Gott, daß die Gläubigen, wenn sie es können, sogar täglich am göttlichen Opfer nicht nur in geistiger Weise teilnehmen, sondern auch durch die Anteilnahme am hochheiligen Sakramente, indem sie den Leib Jesu Christi empfangen, der für alte dem ewigen Vater dargebracht wurde! Erweckt, ehrwürdige Brüder, in den Seelen derer, die eurer Hirtensorge anvertraut sind, einen sehnlichen, gleichsam unersättlichen Hunger nach Jesus Christus! Dank eurer Unterweisung mögen die Altäre dicht umdrängt sein von Kindern und jungen Menschen, die sich selbst, ihre Unschuld und ihre jugendliche Begeisterung dem göttlichen Erlöser darbieten! In Scharen mögen hinzutreten die Eheleute, damit sie am heiligen Tische Kraft holen, um die ihnen anvertraute Nachkommenschaft in den Gesinnungen und in der Liebe Jesu Christi heranzubilden. Es sollen die Arbeiter dorthin gerufen werden, um jene Speise zu empfangen, die, weil stark und unversieglich, ihre Kräfte erneuern und für ihre Arbeiten den immerwährenden Lohn im Himmel vorbereiten möge. Ruft, mit einem Wort, alle Menschen jeden Standes und drängt sie, herbeizukommen[109], denn dies ist das Brot des Lebens, dessen alle bedürfen. Die Kirche Jesu Christi besitzt nur dieses eine Brot, um damit das Sehnen und Wünschen unserer Herzen zu stillen, sie aufs engste mit Jesus Christus zu verbinden, damit sie schließlich ein Leib[110] werden und damit untereinander, Brüdern gleich, alle jene vereint seien, die an der gleichen Tafel sich einfinden, um im Brechen des einen Brotes das Heilmittel zur Unsterblichkeit zu empfangen[111].

307. Es ist jedoch sehr angebracht und übrigens von der Liturgie vorgesehen, daß das Volk zur heiligen Kommunion hinzutrete, nachdem der Priester die göttliche Speise am Altar genossen hat. Wie Wir oben geschrieben haben, sind auch jene zu loben, welche die im gleichen Opfer, dem sie beiwohnen, konsekrierten Hostien empfangen, so daß wirklich zutrifft, „daß alle, die wir gemeinsam von diesem Altare das hochheilige Fleisch und Blut Deines Sohnes empfangen, mitallem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden“[112].

308. Dennoch gibt es zuweilen Gründe, ja sie sind nicht selten weswegen das eucharistische Brot vor oder nach dem Opfer selbst ausgeteilt werden soll und weshalb – auch wenn die Kommunionausteilung gleich nach der Kommunion des Priesters erfolgt – dies mit Hostien geschehen muß, die schor länger konsekriert sind. Wie Wir schon oben andeuteten nimmt das Volk auch unter diesen Umständen ordnungsgemäß am eucharistischen Opfer teil, und es ist ihm dann oft leichter, dem Tisch des ewigen Lebens zu nahen. Wenn auch die Kirche in ihrem mütterlichen Wohlwollen den geistlichen Bedürfnissen ihrer Kinder entgegenzukommen sucht, so sollen sie dennoch ihrerseits nicht leichthin vernachlässigen, was die heilige Liturgie anrät, und sooft kein nennenswerter Grund vorliegt, sollen sie sich an alles halten, wodurch die lebendige Einheit des Mystischen Leibes am Altare deutlicher zum Ausdruck kommt.

309. Ist die heilige, von besonderen Normen der Liturgie geregelte Handlung beendet, so entbindet dies den nicht von der Danksagung, der die himmlische Speise genossen hat; es ist im Gegenteil sehr angebracht, daß er sich nach Genuß de eucharistischen Mahles und nach Abschluß der öffentlichen Zeremonien sammle und, innig dem göttlichen Meister verbunden, mit ihm, soweit die Umstände es gestatten, traute und heilsame Zwiesprache halte. Es entfernen sich also jene vom geraden Pfade der Wahrheit, die mehr auf das Wort als auf den Sinn achten und behaupten, man brauche nach Vollendung des heiligen Opfers keine derartige Danksagung anzusetzen, nicht bloß weil das Opfer des Altares selbst an sich schon Danksagung sei, sondern auch weil dies Sache der privaten und persönlichen Frömmigkeit jedes einzelnen, nicht aber des Wohles der Gemeinschaft sei.

310. Ganz im Gegenteil verlangt gerade die Natur des Sakramentes, daß sein Empfang reiche Früchte christlicher Heiligkeit zeitige. Wohl löste sich die öffentliche Zusammenkunft der Gemeinschaft auf, aber jeder einzelne, eng mit Christus verbunden, soll das Loblied in seinem Herzen nicht unterlassen, allzeit Gott dem Vater für alles dankend im Namen unseres Herrn Jesus Christus[113]. Auch die heilige Liturgie des eucharistischen Opfers fordert uns dazu auf, wenn sie uns mit den Worten beten läßt: „Gib, wir bitten dich darum, daß wir immer in Danksagung verharren[114] ... und von deinem Lobe niemals ablassen“[115]. Wenn wir daher zu jeder Zeit Gott Dank sagen müssen und niemals von seinem Lobe ablassen dürfen, wer möchte da die Kirche zu tadeln oder zu mißbilligen wagen, wenn sie ihren Priestern[116] und den Gläubigen rät, nach der heiligen Kommunion wenigstens eine Weile mit dem göttlichen Erlöser Zwiesprache zu halten, und wenn sie in die liturgischen Bücher geeignete, mit Ablässen versehene Gebete aufgenommen hat, damit so die Diener des Altares sich auf die heilige Messe und Kommunion entsprechend vorbereiten und nach der Feier der heiligen Geheimnisse Gott ihren Dank bekunden? Weit entfernt davon, die innersten Gesinnungen der einzelnen Christen zu unterdrücken, regt und spornt die heilige Liturgie diese vielmehr an, daß sie sich Jesus Christus angleichen und durch ihn zum himmlischen Vater hingeführt werden. Deshalb fordert sie, daß jeder, der am Altare das heilige Brot empfangen hat, Gott auch den gebührenden Dank darbringe. Es gefällt dem göttlichen Erlöser, unsere Bitten anzuhören, eine innige Zwiesprache mit uns zu pflegen und uns in seinem flammenden Herzen Zuflucht zu bieten.

311. Ja, solch persönliche Akte jedes einzelnen sind sogar unbedingt notwendig, damit wir alle in reicherem Maße die himmlischen, in der heiligen Eucharistie verborgenen Schätze empfangen und, je nach Möglichkeit, an andere weiterleiten, auf daß Christus der Herr in allen Seelen zur Fülle seiner Kraft gelange.

312. Warum, ehrwürdige Brüder, sollten wir also nicht jenen Lob spenden, die nach Genuß des eucharistischen Mahles und auch nachdem die öffentliche Versammlung der Gläubigen aufgelöst ist, noch mit dem göttlichen Erlöser in tiefster Verbundenheit verweilen, nicht bloß um sich mit ihm hebend zu besprechen, sondern auch um ihm Dank zu sagen, den gebührenden Lobpreis darzubringen und besonders, um die Kraft zu erbitten, alles aus der eigenen Seele zu entfernen, was die Wirksamkeit des Sakramentes vermindern könnte, und um ihrerseits alles zu tun, was das tiefinnere Wirken Jesu Christi zu begünstigen imstande ist? Wir ermahnen sie, das mit besonderer Sorgfalt zu tun, indem sie sowohl die gefaßten Vorsätze ausführen und die christlichen Tugenden üben, als auch auf ihre Verhältnisse anwenden, was sie von seiner himmlischen Freigebigkeit bekommen haben. Ganz im Sinne der Vorschriften und im Geiste der Liturgie spricht der Verfasser des goldenen Büchleins „Von der Nachfolge Christi“, wenn er dem, der die heilige Kommunion empfangen hat, empfiehlt: „Bleibe still für dich und genieße deinen Gott; denn du besitzest den, welchen dir die ganze Welt nicht nehmen kann“[117].

313. Innigst vereint mit Christus, wollen wir daher alle danach trachten, uns gleichsam in sein heiligstes Herz zu versenken und so mit ihm zusammenzuwachsen, um teilzunehmen an jenen Anmutungen, mit denen er die hochheilige Dreieinigkeit mit dankbarer und wohlgefälliger Huldigung anbetet; mit denen er dem ewigen Vater erhabensten Dank und Lobpreis darbringt, wovon Himmel und Erde einmütig widerhallen, gemäß dem Wort: Preiset den Herrn, all ihr Werke des Herrn![118]mit den Anmutungen endlich, mit denen vereint wir himmlischen Beistand gerade in dem Augenblick erflehen, der mehr als jeder andere geeignet ist, um im Namen Christi[119] Hilfe zu erbitten und zu erlangen, und wodurch wir uns vor allem als Opfergabe darbringen, wenn wir sprechen: „Laß uns selbst dir zur vollendeten ewigen Weihegabe werden“[120].

Unablässig wiederholt der göttliche Erlöser seine dringende Aufforderung: Bleibt in mir![121]Durch das Sakrament der Eucharistie aber verweilt Christus in uns und wir in ihm; und wie Christus, in uns verbleibend, lebt und wirkt, so müssen auch wir, in Christus verbleibend, durch ihn leben und wirken.

314. Die eucharistische Speise enthält, wie bekannt, „wahrhaft, wirklich und wesentlich den Leib und das Blut zugleich mit der Seele und mit der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus“[122]. Darum ist es nicht zu verwundern, wenn die Kirche von Anfang an den Leib Christi unter den Gestalten des Brotes angebetet hat, wie das schon aus den Riten des hochheiligen Opfers selbst hervorgeht; diese schreiben nämlich den Verwaltern der heiligen Geheimnisse vor, daß sie durch Kniebeugungen oder tiefe Verneigungen das heiligste Sakrament anbeten.

Die heiligen Konzilien lehren als Überlieferung der Kirche von ihren Anfängen an, daß sie „mit einer Anbetung das fleischgewordene Wort Gottes samt seinem Fleische“[123] verehrt; auch der heilige Augustinus beteuert: „Niemand ißt von diesem Fleische, ohne es vorher angebetet zu haben“, und er fügt hinzu, daß wir nicht bloß keine Sünde begehen, wenn wir es anbeten, sondern daß wir vielmehr sündigen, wenn wir es nicht anbeten[124].

315. Entstanden aus diesen Lehrgrundsätzen, hat sich der eucharistische Anbetungskult, der von der heiligen Opferfeier zu unterscheiden ist, nach und nach entwickelt. Die Aufbewahrung der heiligen Gestalten für die Kranken und alle jene, die in Todesgefahr geraten können, führte zum löblichen Brauche, dieses himmlische, in den Kirchen aufbewahrte Brot anzubeten. Dieser Kult der Anbetung beruht auf einem starken und festen Grunde. Die Eucharistie ist ja sowohl Opfer wie auch Sakrament und unterscheidet sich von den anderen Sakramenten dadurch, daß sie nicht bloß die Gnade mitteilt, sondern den Urheber der Gnade selbst in fortdauernder Weise enthält. Wenn uns also die Kirche gebietet, den unter den Schleiern der Eucharistie verborgenen Christus anzubeten und von ihm jene himmlischen und irdischen Gaben zu erbitten, deren wir unaufhörlich bedürfen, so bringt sie damit den lebendigen Glauben zum Ausdruck, kraft dessen sie ihren göttlichen Bräutigam unter diesen Schleiern gegenwärtig weiß, ihm ihre Dankbarkeit bezeugt und sich der innigsten Vertrautheit mit ihm erfreut.

316. Im Laufe der Zeit hat die Kirche verschiedene, gewiß immer schönere und heilbringendere Formen eingeführt, so z. B. fromme und tägliche Besuchungen beim heiligen Tabernakel, den rituellen Segen mit dem heiligsten Sakrament, feierliche Prozessionen durch Städte und Dörfer, besonders anläßlich der eucharistischen Kongresse, und die Anbetung vor dem öffentlich ausgesetzten Allerheiligsten. Diese öffentliche Anbetung erstreckt sich zuweilen auf kurze Zeit, manchmal ist sie auf Stunden und auch auf vierzig Stunden ausgedehnt; mancherorts wird sie abwechselnd in den einzelnen Kirchen das ganze Jahr hindurch fortgesetzt, anderswo bei Tag und auch bei Nacht durch religiöse Genossenschaften immerwährend durchgeführt und nicht selten nehmen auch die Gläubigen daran teil.

317. Diese Übungen der Frömmigkeit leisteten einen wirksamen Beitrag zum Glauben und zum übernatürlichen Leben der streitenden Kirche auf Erden, die auf diese Weise gewissermaßen ein Echo gibt auf den Lobeshymnus, den die triumphierende Kirche immerdar singt vor Gott und dem Lamme, das geschlachtet wurde[125]. Daher hat die Kirche diese im Lauf der Jahrhunderte überall verbreiteten Andachten nicht nur gebilligt, sondern sich zu eigen gemacht und mit ihrer Autorität bestätigt[126]. Sie entstammen dem Geiste der heiligen Liturgie und tragen zweifellos sehr viel bei zum liturgischen Leben, sofern sie mit gebührender Würde und in jener Gesinnung des Glaubens und der Frömmigkeit gehalten werden, wie sie die heiligen Riten und Vorschriften der Kirche fordern.

318. Man kann auch nicht behaupten, daß durch diesen eucharistischen Kult der historische Christus, wie man sagt, der einst auf Erden lebte und der im heiligsten Altarssakrament gegenwärtig ist, mit dem glorreich im Himmel triumphierenden und gnadenspendenden Christus verwechselt und vermischt werde; man muß im Gegenteil betonen, daß auf diese Weise die Christen den Glauben der Kirche bezeugen und feierlich bekennen, wonach das göttliche Wort und der Sohn der Jungfrau Maria, der am Kreuz gelitten hat, der in der Eucharistie verborgen gegenwärtig ist und der im Himmel droben herrscht, ein und derselbe Christus ist. So sagt der heilige Johannes Chrysostomus: „Wenn du dies (den Leib Christi) dir vorgestellt siehst, so sag zu dir selbst: Diesem Leibe verdanke ich es, daß ich nicht mehr Erde und Asche bin, nicht mehr gefangen, sondern frei; um dessentwillen hoffe ich, den Himmel und die dort mir hinterlegten Güter zu erlangen, nämlich das unsterbliche Leben, das Lob der Engel, den Umgang mit Christus; dieser Leib, von Nägeln durchbohrt, mit Geißeln zerschlagen, ward nicht Beute des Todes; es ist jener Leib, der blutentstellt war, von der Lanze durchstochen, aus dem zwei heilbringende Quellen strömten Blut und Wasser ... Diesen Leib schenkte er uns, daß wir ihn halten und daß wir ihn essen: ein Werk tiefster Liebe“[127].

319. Besonders lobenswert ist die Gepflogenheit, daß viele beim christlichen Volke eingebürgerte Andachten ihren Abschluß finden mit dem Ritus des eucharistischen Segens. Es ist ein herrlicher und segensreicher Brauch, daß der Priester, während die Menge der Christen sich tief verneigt, das Brot der Engel zum Himmel hebt, nach der Vorschrift ein Kreuz zeichnet und dabei den himmlischen Vater anfleht, er möge gnädig niederschauen auf seinen aus Liebe zu uns gekreuzigten Sohn und um seinetwillen und durch ihn, der unser Erlöser und Bruder werden wollte, seine himmlischen Gaben auf jene herabströmen lassen, die das makellose Blut des Lammes erlöst hat[128].

320. Trachtet also, ehrwürdige Brüder, mit der höchsten euch kennzeichnenden Sorgfalt danach, daß die Kirchen, die durch den Glauben und die Frömmigkeit der christlichen Generationen im Laufe der Jahrhunderte erbaut wurden, wie ein immerwährender Hymnus der Huldigung an den allmächtigen Gott und als ehrwürdige Wohnung unseres unter den eucharistischen Gestalten verborgenen Erlösers, nun auch möglichst zahlreichen Gläubigen offen stehen, die, zu Füßen unseres Heilandes versammelt, seine traute Einladung vernehmen Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken[129].Mögen es wirklich Gotteshäuser sein, wo alle, die bittend eintreten, sich der Gewährung aller erbetenen Wohltaten erfreuen[130] und himmlischen Trost erlangen.

Nur so wird es geschehen können, daß die gesamte Menschheitsfamilie endlich zu Ordnung und Frieden komme, und daß sie einmütigen Geistes und Herzens das Lied der Hoffnung und der Liebe singe: „Guter Hirt, du wahres Brot, – Jesus, erbarm‘ dich unsrer Not! – Weide uns, sei uns Behüter, – zeig‘ uns deine ewigen Güter – im Lande der Lebendigen“[131].

III. Breviergebet und Kirchenjahr

321. Das Hochziel des christlichen Lebens besteht im engen und dauernden Anschluß eines jeden Menschen an Gott. Darum ist der Kult, den die Kirche dem Ewigen zollt, und dessen Kernstück vor allem im eucharistischen Opfer und im Empfang der Sakramente besteht, so angeordnet und eingeteilt, daß er im Breviergebet die Stunden des Tages, die Wochen sowie den ganzen Lauf des Jahres umfaßt und Rücksicht nimmt auf alle Zeiten und all die verschiedenen Lagen des menschlichen Lebens.

Da der göttliche Meister das Gesetz aufgestellt hat: Man soll immer beten und nie müde werden[132] erlahmt die Kirche, treu dieser Ermahnung, nie im Gebet und richtet an uns die Aufforderung des Apostels: Durch ihn (Jesus) wollen wir Gott das Lobopfer darbringen ohne Unterlaß[133].

322. Das öffentliche und gemeinsame Gebet, das alle vereint zu Gott verrichten, war in der ältesten Zeit auf bestimmte Tage und festgesetzte Stunden beschränkt. Aber nicht nur in größeren Gemeinschaften wurde zu Gott gebetet, sondern auch in den einzelnen Familien, zuweilen im Verein mit Nachbarn und Freunden. Schon bald kam aber in verschiedenen Teilen der christlichen Welt der Brauch auf, besondere Zeiten für das Gebet festzulegen, so z. B. die letzte Stunde des Tages, wenn man bei der Abenddämmerung das Licht anzündete, oder die erste Stunde, wenn die Nacht zu Ende ging, d. h. nach dem Hahnenschrei und bei Sonnenaufgang. Weitere zum Gebet besonders geeignete Zeiten ergaben sich aus der Heiligen Schrift oder aus dem überlieferten Brauchtum der Juden und aus der Gewohnheit des täglichen Lebens. So waren nach der Apostelgeschichte die Jünger Jesu Christi um die dritte Stunde zu gemeinsamem Gebet versammelt, als sie erfüllt wurden vom Heiligen Geist[134]; der Apostelfürst ging vor dem Essen zum Gebet ins Obergemach hinauf, um die sechste Stunde[135]; Petrus und Johannes gingen zum Tempel hinauf zum Gebet der neunten Stunde[136]; Paulus und Silas beteten und lobten Gott um Mitternacht[137].

Verschiedene dieser Gebetsübungen wurden dann vor allem unter dem Einfluß der Mönche und derer, die sich dem aszetischen Leben widmeten, im Laufe der Zeit immer mehr ausgebaut und allmählich durch kirchliche Bestimmungen auch in die eigentliche Liturgie aufgenommen.

323. So ist denn das sogenannte Stundengebet das Gebet des Mystischen Leibes Christi, das im Namen und zum Frommen aller Christen Gott dargebracht wird, wenn es verrichtet wird von den Priestern und von anderen Dienern der Kirche sowie von Ordensleuten, und zwar im ausdrücklichen Auftrag der Kirche.

324. Eigenart und Wert dieses Gotteslobes ergeben sich aus den Worten, mit denen nach dem Rat der Kirche das Stundengebet beginnen soll, und wo es heißt, daß es „würdig, aufmerksam und andächtig“ zu verrichten sei.

325. Das Wort Gottes hat bei seiner Menschwerdung in dieser irdischen Verbannung jenen Lobgesang eingeführt, der durch alle Ewigkeit in den Höhen des Himmels erklingt. Die ganze Menschheit verbindet er mit sich zur Einheit und läßt sie an diesem göttlichen Lobgesang teilnehmen. Worum wir richtig beten sollen, wissen wir ja nicht, so müssen wir demütig gestehen, aber der Geist selbst bittet für uns mit unaussprechlichem Seufzen[138]. Doch auch Christus selbst fleht durch seinen Geist für uns zum Vater. „Ein größeres Geschenk hätte Gott den Menschen nicht gewähren können ... Es betet (Jesus) für uns als unser Priester, er betet in uns als unser Haupt; zu ihm wird gebetet von uns als zu unserem Gott ... Wir wollen also in ihm unsere eigenen Stimmen erkennen und seine Stimme in uns ... Es wird zu ihm gebetet in seiner Gottesgestalt, er betet in seiner Knechtsgestalt; dort ist es der Schöpfer, hier der Geschaffene, der, ohne Veränderung zu erleiden, die geschaffene Natur annimmt, um sie zu verwandeln und uns mit sich vereint zu einem Menschen, Haupt und Leib“[139].

326. Der hohen Würde dieses Gebetes der Kirche müssen auch Andacht und Frömmigkeit unserer Seele entsprechen. Und da ja die Stimme des Betenden die Lieder wiedergibt, die unter dem Hauch des Heiligen Geistes geschrieben wurden und Gottes Vollkommenheit in der ganzen Welt künden und preisen, so muß auch bei uns dieses Wort begleitet sein vom inneren Mitschwingen der Seele, so daß wir diese nämlichen Gesinnungen uns zu eigen machen, auf ihren Fittichen uns zum Himmel erheben, die heiligste Dreifaltigkeit anbeten, und ihr gebührend Lob und Dank sagen: „Wenn wir dastehen und Psalmen singen, wollen wir es so tun, daß unser Herz dabei mit unseren Stimmen zusammenklinge“[140]. Es handelt sich also nicht nur um ein Hersagen, nicht nur um ein Singen, das jedoch, mag es auch allen Anforderungen der Kunst und der rituellen Vorschriften noch so vollkommen entsprechen, nur eine Sache des Gehöres bliebe; es handelt sich vielmehr darum, daß wir mit Herz und Sinn uns zu Gott erheben, um ihm uns selbst und all unser Tun in Vereinigung mit Jesus Christus vollkommen hinzugeben.

327. Das ist es, wovon die Wirksamkeit unserer Gebete zum größten Teil abhängt. Deshalb schließen sie denn auch, soweit sie sich nicht unmittelbar an das menschgewordene Wort wenden, mit den Worten: „Durch unseren Herrn Jesus Christus“. Als Friedensstifter zwischen uns und Gott zeigt er seine verklärten Wundmale dem himmlischen Vater, immer lebend, um für uns Fürsprache einzulegen[141].

328. Die Psalmen bilden bekanntlich einen Hauptteil des Stundengebetes. Sie umfassen den ganzen Tageslauf, heiligen und adeln ihn. Treffend zeigt das Cassiodor von den Psalmen, wie sie im Stundengebet seiner Zeit verteilt waren: „Sie gewinnen den kommenden Tag durch den Morgenjubel, sie weihen unsere erste Tagesstunde, sie heiligen uns die dritte Stunde, sie erfüllen mit Freude die sechste Stunde beim Brechen des Brotes, sie lösen unser Fasten zur neunten Stunde, sie beenden den Tag, sie bewirken beim Hereinbrechen der Nacht, daß es nicht finster werde in unserer Seele“[142].

329. Sie rufen Wahrheiten ins Bewußtsein, die dem auserwählten Volk von Gott geoffenbart sind, bald solche voll Schrecken, bald solche voll köstlicher Wonne. Sie wecken und entflammen die Hoffnung auf den verheißenen Erlöser, die einst, sei es am häuslichen Herd, sei es in der hoheitsvollen Pracht des Tempels aus diesen Gesängen sich nährte. Sie lassen die vorausverkündete Herrlichkeit Jesu Christi und seine höchste, ewige Macht in wunderbarem Lichte erstrahlen; dann aber auch sein Kommen in diese irdische Verbannung und seine Erniedrigung, seine königliche Würde und seine priesterliche Gewalt; und endlich sein wohltätiges Wirken und sein zu unserer Erlösung vergossenes Blut. Nicht weniger bringen sie zum Ausdruck unseres Herzens Freude, Kummer, Hoffen und Bangen sowie unseren guten Willen, ganz auf Gott zu vertrauen und ihm Liebe mit Liebe zu vergelten, und unseren mystischen Aufstieg zu den Gezelten Gottes.

„Der Psalm ... ist Segen für das Volk, Lob Gottes, Preislied des Volkes, Beifall aller, Wort der Gesamtheit, Stimme der Kirche, lautes Bekenntnis des Glaubens, volle Ergebung in den allerhöchsten Willen, Erlösungsglück, Jubelruf, Jauchzen der Freude“[143].

330. In früheren Zeiten war die Teilnahme der Gläubigen an diesem Stundengebet reger. Aber dieser Brauch verlor sich mehr und mehr und, wie Wir eben ausführten, in unserer Zeit ist das Stundengebet ausschließlich Sache des Klerus und der Ordensgemeinschaften. Die Laien haben also diesbezüglich keinerlei rechtliche Verpflichtung. Aber es wäre dringend zu wünschen, daß sie betend oder singend sich daran beteiligten, wo es am Abend von Feiertagen in den Pfarreien verrichtet wird. Dringend ermahnen Wir euch, ehrwürdige Brüder, diesen Brauch nicht aufzugeben und ihn, wo er schon verschwunden ist, nach Möglichkeit wieder aufzunehmen. Das wird sicher besonders dann fruchtbar sein, wenn die Vesperandacht nicht nur würdig und feierlich abgehalten wird, sondern auch derart, daß sie in mannigfacher Weise auf den frommen Sinn der Gläubigen anziehend wirkt.

331. Die Feiertage, die in besonderer Weise Gott zu widmen und zu weihen sind, müssen im öffentlichen wie privaten Leben gewissenhaft gehalten werden. Vor allem gilt das vom Tag des Herrn, den die Apostel, auf Eingebung des Heiligen Geistes hin, anstelle des Sabbats eingeführt haben. Die Juden hatten das Gesetz : An sechs Tagen sollst du arbeiten, am siebten aber ist Sabbat: Ruhe, die dem Herrn heilig ist; jeder, der an diesem Tage arbeitet, soll sterben[144]. Wie sollten die Christen nicht den Tod der Seele befürchten, wenn sie an Feiertagen knechtliche Arbeit verrichten und die Zeit der Arbeitsruhe nicht auf Frömmigkeit und Gottesdienst verwenden, sie vielmehr ohne Maß in den Vergnügungen der Welt verbringen? Der Sonntag und die anderen Feiertage sind also dem zu weihen, was Gottes ist, wodurch Gottes Ehre gefördert und die Seele mit himmlischer Nahrung gestärkt wird. Mag auch die Vorschrift der Kirche nur die Enthaltung von knechtlicher Arbeit und die Beteiligung am eucharistischen Opfer fordern, ohne über die abendliche Andacht etwas zu verfügen, so empfiehlt sie doch immer und immer wieder eine Mehrleistung und wünscht sie dringend; übrigens ist es für jeden einzelnen ein notwendiges Bedürfnis und eine Forderung, Gottes Huld zu gewinnen, um seiner Wohltaten teilhaftig zu werden.

332. Mit großem Schmerz ist Unser Herz erfüllt, wenn Wir sehen müssen, in welcher Weise heutzutage das christliche Volk die Hälfte des Feiertages, Wir meinen den Nachmittag, verbringt. Öffentliche Vergnügungslokale und Spielplätze verzeichnen einen Massenzulauf, während die Gotteshäuser ungebührlich schwach besucht sind. Und doch sollten alle in die Kirche gehen, um dort über die Wahrheiten des katholischen Glaubens belehrt zu werden, um Gottes Lob zu singen, um durch den Priester den eucharistischen Segen zu empfangen und gegen alle Widerwärtigkeiten dieses Lebens mit himmlischer Kraft gefeit zu werden. Alle sollten nach Kräften die Texte erlernen, die bei den abendlichen Andachten gemeinsam gesungen werden, und sich mit ihrer Bedeutung innerlich vertraut machen; denn unter dem Eindruck dieser Worte werden sie erfahren, was Augustinus von sich selber sagt: „Wie habe ich doch geweint bei deinen Hymnen und Liedern, tief bewegt von den tröstlichen Klängen deiner singenden Kirche. Diese Klänge drangen in mein Ohr, die Wahrheit strömte mir ins Herz, Liebe und Frömmigkeit blühten auf, die Tränen rannen, und es wurde mir wohl“[145].

333. Im ganzen Verlauf des Jahres kreist die Feier des eucharistischen Opfers wie auch das Stundengebet vor allem um die Person Jesu Christi, und alles ist so zweckmäßig und trefflich angeordnet, daß dabei unser Erlöser mit den Geheimnissen seines verborgenen Lebens, seines Erlösungswerkes und seines Triumphes beherrschend hervortritt.

Wenn die heilige Liturgie diese Geheimnisse Jesu Christi in Erinnerung ruft, so geschieht dies in der Absicht, daß alle Gläubigen derart an ihnen Anteil nehmen, daß das göttliche Haupt des Mystischen Leibes seine vollkommene Heiligkeit in den einzelnen Gliedern entfalte. Die Herzen der Christen sollten wie Altäre sein, auf denen die einzelnen Augenblicke des Opfers, das der Hohepriester darbringt, gleichsam von neuem vollzogen werden: die Schmerzen und Tränen, welche die Sünden tilgen und sühnen; das Gebet zu Gott, das bis zum Himmel dringt; die Hingabe und gleichsam die Opferung seiner selbst, die aus einem bereiten, großmütigen und eifrigen Herzen entspringt; und endlich die innige Verbundenheit, mit der wir uns und all das Unsrige Gott anvertrauen und in ihm den Frieden finden, „ist es doch Inbegriff der Religion, dem ähnlich zu werden, den man verehrt“[146].

334. Im Einklang mit diesen Anordnungen, womit uns die Liturgie zu bestimmten Zeiten das Leben Jesu Christi zur Betrachtung vorlegt, weist uns die Kirche auf Vorbilder hin, die nachzuahmen sind, und zeigt die Schätze der Heiligkeit, die wir uns anzueignen haben. Denn was der Mund singt, muß das Herz glauben, und was das Herz glaubt, muß ins öffentliche und private Leben übergehen.

In der heiligen Adventszeit weckt sie in uns das Bewußtsein der Sünden, die wir leider begangen haben, ermahnt uns, durch Beherrschung der Triebe und durch freiwillige körperliche Buße uns in frommer Betrachtung zu sammeln und uns mit dem lebendigen Verlangen zu erfüllen, zu Gott zurückzukehren, der allein mit seiner Gnade uns von der Makel unserer Sünden und von den verhängnisvollen Übeln, die daraus entspringen, zu befreien vermag.

335. Wenn der Geburtstag unseres Erlösers wiederkehrt, ist es, als führte sie uns nach Bethlehem zur Grotte, damit wir dort erkennen, wie unerläßlich notwendig es für uns ist, wiedergeboren zu werden und uns gründlich zu erneuern, was nur dadurch erfolgen kann, daß wir uns innig und lebendig anschließen an Gottes menschgewordenes Wort und teilhaben an dessen göttlicher Natur, zu der wir erhoben sind.

336. Mit dem Fest der Erscheinung des Herrn erinnert sie an die Berufung der Heiden zum christlichen Glauben und wünscht, daß wir täglich dem ewigen Gott für sein großes Geschenk unseren Dank abstatten, mit starkem Glauben den lebendigen und wahren Gott suchen, die übernatürliche Welt gläubig und gründlich erfassen, das Schweigen stiller Betrachtung lieben, um so leichter die Gaben des Himmels zu schauen und zu erlangen.

337. In den Tagen der Vorfasten und der Fastenzeit geht es unserer Mutter, der Kirche, in erhöhtem Maße darum, daß wir alle unser Elend gründlich erwägen, daß wir uns zur eifrigen Besserung unseres Lebens aufraffen, daß wir mehr als sonst unsere Sünden verabscheuen und sie mit Gebet und Buße tilgen; denn anhaltendes Gebet und Buße für unsere Sünden erwirken uns die Hilfe, ohne die all unser Tun nichtig bleibt und unfruchtbar.

338. Zu der heiligen Zeit aber, in welcher das bittere Leiden Jesu Christi in der Liturgie dargestellt wird, lädt uns die Kirche nach Kalvaria ein, damit wir den blutigen Spuren des göttlichen Erlösers folgen, willig mit ihm das Kreuz auf uns nehmen, sein Verlangen nach Sühne und Versöhnung auch in unseren Herzen erwecken und alle gemeinsam mit ihm sterben.

339. Das Osterfest, mit dem Christi Triumph gefeiert wird, erfüllt unser Herz mit innigster Freude. Da gilt es ernstlich zu bedenken, daß auch wir zusammen mit dem Erlöser auferstehen müssen aus einem Leben der Lauheit und Trägheit zu einem Leben größeren Eifers und größerer Heiligkeit, in voller, großmütiger Hingabe an Gott, indem wir diese traurige Welt vergessen und nur noch nach dem Himmel streben: Wenn ihr mit Christus auferstanden seid, sucht, was droben ist; ... auf das, was droben ist, soll euer Sinn gerichtet sein[147].

340. Zur Pfingstzeit endlich ermahnt uns die Kirche durch ihr Wort und ihr Tun, uns empfänglich zu erweisen für das Wirken des Heiligen Geistes, der unsere Herzen mit göttlicher Liebe zu entzünden verlangt, damit wir täglich eifriger im Tugendstreben Fortschritt machen und heilig seien, wie Christus der Herr und sein Vater im Himmel heilig sind.

Das Kirchenjahr muß also aufgefaßt werden als ein herrlicher Lobgesang, den die Christenheit durch Jesus, ihren ewigen Mittler, dem himmlischen Vater darbringt; aber zugleich verlangt es auch von uns ein eifriges und zweckmäßiges Bestreben, das uns immer mehr und mehr unseren Heiland erkennen und preisen läßt. Dazu erfordert es ein ernstes, tatkräfriges Bemühen und unermüdliche Übung, seine Geheimnisse nachzuahmen, seinen Leidensweg willig zu gehen, um schließlich einmal an seiner Herrlichkeit und ewigen Glückseligkeit Anteil zu haben.

341. Aus den Anweisungen, die Wir bisher gegeben haben, erhellt, ehrwürdige Brüder, wie sehr sich vom echten und wahren Geist der Liturgie jene modernen Schriftsteller entfernten, die vom Schein einer höheren Mystik getäuscht, zu behaupten wagen, nicht der geschichtliche Christus sei es, auf den wir zu sehen hätten, sondern „der pneumatische oder verklärte“. Auch behaupten sie unbedenklich, das christliche Andachtsleben habe sich in einer Weise entwickelt, durch die Christus gleichsam entthront sei, da der verherrlichte Christus, der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit und zur Rechten des Vaters thront, in den Hintergrund gedrängt und an seine Stelle jener Christus gesetzt worden sei, der dieses Erdenleben führte. Darum gehen manche sogar so weit, daß sie die Bilder des am Kreuze leidenden Erlösers aus den Kirchen entfernt wissen wollen.

342. Aber die falschen Auffassungen dieser Art stehen im Widerspruch mit der gesunden Lehre, wie sie von altersher überliefert ist. „Du glaubst an Christus, geboren im Fleisch“, schreibt der heilige Augustinus, „und gelangst zu Christus, geboren aus Gott, Gott bei Gott“[148]. Die heilige Liturgie stellt uns den ganzen Christus vor Augen in allen Lagen seines Lebens: Als den, der das Wort des Ewigen Vaters ist, der von der jungfräulichen Gottesmutter geboren wird, der uns die Wahrheit lehrt, der die Kranken heilt, die Betrübten tröstet, der leidet und stirbt, und der dann aufersteht als Sieger über den Tod, der in der Herrlichkeit des Himmels herrschend den Tröstergeist in unsere Herzen schickt, der schließlich unablässig lebt in seiner Kirche: Jesus Christus gestern und heute und in Ewigkeit[149].

343. Überdies stellt sie ihn uns nicht nur zur Nachfolge vor, sondern sie zeigt uns auch den Lehrer, dem wir willig lauschen, den Hirten, dem wir folgen sollen, den Mittler unseres Heils, den Urquell unserer Heiligkeit, das mystische Haupt, als dessen Glieder wir leben von seinem Leben.

Da aber sein bitteres Leiden das eigentliche Geheimnis ist, aus dem unser Heil erwächst, entspricht es ganz dem katholischen Glaubensgeist, jenes Leiden in volles Licht zu rücken, ist es doch auch das Kernstück unserer Gottesverehrung, sofern das eucharistische Opfer es täglich vergegenwärtigt und erneuert, und alle Sakramente in engstem Zusammenhang mit dem Kreuze stehen[150].

344. So ist denn das liturgische Jahr, von der Frömmigkeit der Kirche genährt und begleitet, nicht eine frostige, leblose Darstellung längst vergangener Dinge oder eine bloße Erinnerung an Ereignisse aus früheren Zeiten. Es ist vielmehr Christus selbst, der in seiner Kirche weiterlebt. Er geht da den Weg seines unermeßlichen Erbarmens, den er in diesem sterblichen Leben, als er Wohltaten spendend umherging[151], in der liebevollen Absicht begonnen hat, daß die Menschen seine Geheimnisse erfaßten und in ihnen sozusagen lebten, Geheimnisse, die dauernd gegenwärtig sind und wirken, nicht in der ungewissen, nebelhaften Weise, von der gewisse neuere Autoren sprechen, sondern wie es katholische Lehre ist. Denn nach der Auffassung der Kirchenlehrer sind sie sowohl Vorbilder der christlichen Vollkommenheit, als auch, kraft der Verdienste und Fürbitte Christi, Quellen der göttlichen Gnade. Mit ihrer Wirkung dauern sie fort in uns, ist doch jedes von ihnen je nach seiner Eigenart Ursache unseres Heils.

345. Dazu kommt, daß die Kirche, während sie die Geheimnisse unseres Heilandes uns zur Betrachtung vorstellt, mit ihrem Beten uns die Gnaden erfleht, durch die ihre Kinder in der Kraft Christi vom Geist dieser Geheimnisse tief durchdrungen werden. In seiner Kraft und unter seinem Einfluß können wir, vermöge der Mitarbeit unseres Willens, Lebenskraft in uns aufnehmen wie die Zweige aus dem Baum, wie die Glieder aus dem Haupt. Auch können wir uns langsam und in ernstlichem Bemühen zum Maß der Altersfülle Christi[152]umgestalten.

346. Im Verlauf des Kirchenjahres werden nicht nur die Geheimnisse Jesu Christi gefeiert, sondern auch die Feste der Heiligen im Himmel. Mag es sich bei diesen Festen auch um einen geringeren und untergeordneten Rang handeln, so hat die Kirche dabei doch stets die Absicht, den Gläubigen Vorbilder der Heiligkeit vor Augen zu stellen, damit sie, von diesen angeregt, sich mit den Tugenden des göttlichen Erlösers selber schmücken.

Die Heiligen im Himmel nachzuahmen, in deren Tugendleben die Tugend Jesu Christi selbst in mannigfacher Brechung widerstrahlt, ist unsere Aufgabe, wie jene auch ihrerseits Nachahmer Christi waren. In den einen erstrahlt der apostolische Eifer, in anderen wieder aus der Schar unserer Helden bewährte sich der Starkmut bis zur Hingabe des eigenen Blutes, in anderen leuchtet die beharrliche Wachsamkeit, mit der sie dem göttlichen Erlöser entgegenharrten, in anderen die jungfräuliche Reinheit der Seele und die stille Bescheidenheit christlicher Demut; in allen schließlich glüht heiß die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Alle diese Zierden der Heiligkeit stellt uns die heilige Liturgie vor Augen, damit wir sie zu unserem Frommen betrachten und „uns entflammen lassen vom Beispiel derer, ob deren Verdienst wir uns freuen“[153].

Es gilt also „in Einfalt die Unschuld zu bewahren, in Liebe die Eintracht, in Demut die Bescheidenheit, die Gewissenhaftigkeit in der Verwaltung, die stete Bereitwilligkeit zur Unterstützung der Leidenden, die Barmherzigkeit in der Pflege der Armen, die Standhaftigkeit im Kampf für die Wahrheit, die Gerechtigkeit bei aller Strenge der Zucht, damit in uns nichts fehle, was zu einem vorbildlichen Christenleben gehört. Denn das sind die Spuren, welche die Heiligen uns bei ihrer Heimkehr ins Vaterland zurückgelassen haben, auf daß wir, auf ihren Wegen wandelnd, ihnen auch in ihren Freuden folgen“[154]. Damit aber auch unsere Sinne zum Guten angeregt werden, ist es der Wunsch der Kirche, daß in unseren Gotteshäusern die Bilder der Heiligen stehen, immer aber in der Absicht, daß wir die „Tugend derer nachahmen, deren Bilder wir verehren“[155].

347. Aber es gibt noch einen anderen Grund für die Verehrung der Heiligen durch das christliche Volk, nämlich das Verlangen, ihren Beistand zu erflehen, „damit uns durch die Fürsprache derer geholfen werde, an deren Lob wir uns erfreuen“[156]. Daraus kann man sich leicht erklären, warum die heilige Liturgie uns zahlreiche Gebetsformeln an die Hand gibt, in denen die Fürbitte der Heiligen im Himmel angerufen wird.

348. Unter den Himmelsbewohnern wird aber in besonderer Weise die jungfräuliche Gottesmutter Maria verehrt. Ist doch ihr Leben wegen der Aufgabe, die sie von Gott empfangen hat, aufs innigste verwoben mit den Geheimnissen Jesu Christi. Niemand ist ja den Spuren des menschgewordenen Wortes so nahe und so vollkommen gefolgt wie sie; niemand steht mehr in Gnade und vermag mehr beim heiligsten Herzen des Gottessohnes und durch dieses beim himmlischen Vater. Sie übertrifft die Cherubim und Seraphim an Heiligkeit, und ihre Herrlichkeit übertrifft jene aller anderen Himmelsbewohner, da sie die Gnadenvolle[157], die Gottesgebärerin ist und uns in glückverheißender Geburt den Erlöser geschenkt hat. Da sie also „die Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unser Trost und unsere Hoffnung“ ist, wollen wir alle zu ihr rufen „seufzend und weinend in diesem Tale der Tränen“[158] und uns sowie all das Unsrige voll Zuversicht ihr anvertrauen. Sie ist unsere Mutter geworden, als der göttliche Erlöser das Opfer seiner selbst darbrachte, und so sind wir auch kraft dieses Titels ihre Kinder. Sie lehrt uns jegliche Tugend, sie reicht uns ihren Sohn und mit ihm alle Hilfe, die uns nottut, denn Gott wollte, „daß uns alles durch Maria zuteil werde“[159].

349. Auf diesem Weg der Liturgie, der jedes Jahr sich neu uns öffnet, wollen wir, gedrängt durch das Mühen der heiligmachenden Kirche, gestärkt durch die Hilfe und das Beispiel der Heiligen im Himmel und vor allem der Unbefleckten Jungfrau Maria, aufrichtigen Sinnes, voll Glauben, das Herz gereinigt von sündigem Gewissen, den Leib abgewaschen mit reinem Wasser, hintreten[160]zum Hohenpriester[161] um, eines Lebens und eines Sinnes mit ihm, vordringen zu können durch ihn bis hinter den Vorhang[162], um dort den himmlischen Vater zu verherrlichen in alle Ewigkeit.

350. Das ist Wesen und Sinn der heiligen Liturgie. Sie befaßt sich mit dem Opfer, mit den Sakramenten, mit dem Gott darzubringenden Lob, aber ebenso bezweckt sie die Verbindung unserer Seelen mit Christus, ihre durch den göttlichen Erlöser zu erwirkende Heiligung, auf daß Christus geehrt werde und durch ihn und mit ihm die heiligste Dreifaltigkeit: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist!

IV. Pastorale Weisungen

351. Um die Irrtümer und Überspitzungen der Wahrheit, von denen Wir vorhin gesprochen haben, leichter von der Kirche fernzuhalten, und damit die Gläubigen, geleitet von sicheren Normen, das liturgische Apostolat mit mehr Gewinn auszuüben vermögen, halten Wir es, ehrwürdige Brüder, für angebracht, einiges beizufügen, das der Verwirklichung der dargelegten Lehre dienen soll.

Bei der Behandlung der echten und aufrichtigen Frömmigkeit haben Wir festgestellt, daß zwischen der heiligen Liturgie und den übrigen Betätigungen der Gottesverehrung – sofern sie sich innerhalb der gesetzten Ordnung halten und das rechte Ziel verfolgen – kein wirklicher Gegensatz bestehen kann, daß es vielmehr bestimmte Andachtsübungen gibt, die dem Klerus und den Ordeusleuten von der Kirche eindringlich empfohlen werden.

Wir wünschen nun, daß auch das christliche Volk von diesen Übungen nicht abgehalten werde. Es sind dies aber, um nur die wichtigsten zu nennen, die Betrachtung der religiösen Wahrheiten, die gewissenhafte Selbstprüfung und Selbstzucht, die heiligen Exerzitien zur Erwägung der ewigen Wahrheiten, der Besuch des allerheiligsten Altarssakramentes, die Gebete und Fürbitten zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria, unter denen bekanntlich der Rosenkranz eine besondere Stelle einnimmt[163].

352. Diesen mannigfachen Andachtsformen kann die wirksame Führung des Heiligen Geistes nicht abgehen, zielen sie doch dahin, unsere Herzen, wenn auch in verschiedener Weise, auf Gott hinzulenken und auszurichten, um sie von Sünden zu reinigen, zu tugenhaftem Leben anzuregen und schließlich zu heilsamem Streben nach wahrer Frömmigkeit anzueifern, indem sie zur Erwägung der ewigen Wahrheiten anhalten und immer mehr befähigen zur Betrachtung der göttlichen und menschlichen Natur Christi. Da sie in den Gläubigen das geistliche Leben nähren, leiten sie überdies an zu fruchtbringender Teilnahme am öffentlichen Gottesdienst und schützen vor der Gefahr, daß die liturgischen Gebete zu leeren Formeln absinken.

353. Werdet daher nicht müde, ehrwürdige Brüder, in eifriger Hirtensorge derartige Andachtsübungen zu empfehlen und zu fördern, woraus dem euch anvertrauten Volk ohne Zweifel segensreicher Gewinn erwächst. Gestattet vor allem nie – was unter dem Vorwand liturgischer Erneuerung oder in dem oberflächlichen Glauben, nur die liturgischen Funktionen besäßen Kraft und Würde, gewisse Leute anstreben –, daß die Kirchen außerhalb der öffentlichen Gottesdienstzeiten geschlossen bleiben, wie es in gewissen Gegenden schon Brauch geworden ist; daß die Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes und die Besuche vor den eucharistischen Tabernakeln vernachlässigt werden; daß von der Andachtsbeichte abgeraten und die Verehrung der allerseligsten Jungfrau, die nach dem Urteil heiliger Männer ein Zeichen der „Auserwählung“ ist, bei der Jugend vor allem in den Hintergrund gedrängt wird, so daß sie allmählich abnimmt und dahinschwindet. Derlei Handlungsweisen sind der christlichen Frömmigkeit in höchstem Maße abträglich, es sind Giftfrüchte, die an faulen Zweigen des gesunden Baumes reifen. Sie müssen daher abgehauen werden, damit die Lebenskraft des Baumes nur saftige und gute Früchte nähren kann.

354. Da jedoch die Ansichten einiger Leute hinsichtlich der öfteren Beicht dem Geiste Christi und seiner makellosen Braut gänzlich zuwiderlaufen und für das geistliche Leben geradezu verheerend sind, rufen Wir in Erinnerung, was Wir darüber bereits im Rundschreiben Mystici Corporis[164]mit Schmerz geschrieben haben, und Wir dringen erneut darauf, daß ihr das, was Wir dort mit kummervollen Worten dargelegt haben, euren Gläubigen, insbesondere den Priesteramtskandidaten und dem jungen Klerus, zu ernsthafter Erwägung und gehorsamer Ausführung einschärft.

355. In besonderer Weise aber bemüht euch, daß die monatliche Geisteserneuerung und jene geistlichen Übungen, die zur Pflege der Frömmigkeit an bestimmten Tagen abgehalten werden, von möglichst vielen, nicht bloß aus dem Klerus, sondern auch aus dem Laienstande, besucht werden, von jenen vor allem, die religiösen Vereinen oder der Katholischen Aktion angehören. Wie Wir schon oben ausführten, sind diese Übungen von großem Nutzen, ja sogar notwendig, um wahre Frömmigkeit in den Herzen zu wecken und sie zu heiliger Lebensgestaltung anzuleiten, auf daß sie aus der heiligen Liturgie wirksameren und reichen Antrieb empfangen können.

356. Was nun die verschiedenen Methoden betrifft, nach denen diese Übungen gemacht zu werden pflegen, so mögen sich alle klar vor Augen halten, daß es in der streitenden Kirche nicht weniger als in der himmlischen viele Wohnungen gibt[165], und daß die Aszese nicht von einem einzelnen für sich in Anspruch genommen werden darf. Ein Geist ist, der jedoch weht, wo er will[166], und die durch die Mannigfaltigkeit seiner Gaben und Führungen erleuchteten Seelen zur Heiligkeit geleitet. Ihre Freiheit und das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes in ihnen sollen als unantastbares Gut betrachtet werden, das keiner, unter was immer für einem Vorwand, stören oder verdrängen darf.

Es ist jedoch bekannt, daß die Ignatianischen Exerzitien wegen ihrer wunderbaren Wirkung von Unseren Vorgängern vollauf gebilligt und eindringlich empfohlen wurden, und ebenso haben auch Wir sie gebilligt und empfohlen, und Wir möchten dies hier ausdrücklich wiederholen.

357. Der Antrieb, wodurch jeder einzelne zu besonderen Andachtsübungen angeregt wird, muß indes unbedingt vom Vater der Lichter ausgehen, von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk herniedersteigt[167];ein Anzeichen dafür ist gewiß der wirksame Einfluß, wodurch diese Übungen dazu beitragen, daß der Gottesdienst immer mehr geschätzt und entfaltet wird, daß die Gläubigen mit innigerem Verlangen zum würdigen Sakramentenempfang sowie zur gebührenden Ehrfurcht und Achtung vor heiligen Dingen sich gedrängt fühlen. Sollten sie jedoch den Grundsätzen und Vorschriften des Gottesdienstes hinderlich oder gar entgegengesetzt und zuwider sein, so ist ohne jeden Zweifel anzunehmen, daß sie nicht mit rechter Absicht und klugem Eifer angeordnet und durchgeführt werden.

358. Es gibt noch andere Übungen der Frömmigkeit, die, obwohl sie nicht streng zur heiligen Liturgie gehören, gleichwohl von besonderer Bedeutung und Würde sind, so daß sie gewissermaßen als der liturgischen Ordnung zugehörig gelten und von diesem Heiligen Stuhl und von den Bischöfen immer wieder bestätigt und belobigt wurden. Dazu gehören die Maiandachten zu Ehren der jungfräulichen Gottesmutter und die Herz Jesu-Andacht im Monat Juni, Novenen, Triduen, der Kreuzweg u. a. m.

Da diese Andachtsübungen das christliche Volk sowohl zu öfterem Empfang des Bußsakramentes, zu würdiger Beteiligung am heiligen Meßopfer und am Tische des Herrn als auch zur Betrachtung der Geheimnisse unserer Erlösung und zur Nachahmung der Beispiele der Heiligen im Himmel aneifern, machen sie uns daher nicht ohne heilsamen Nutzen des liturgischen Kultes teilhaftig.

359. Eine gefährliche Sache voll Täuschung wäre es daher, alle diese Frömmigkeitsübungen dreist und unbesonnen ändern und ausschließlich auf die liturgischen Formen zurückführen zu wollen. Es ist jedoch vonnöten, daß Geist und Gesetz der heiligen Liturgie sie in gesunder Weise durchdringen, damit nichts Ungeziemendes, der Würde des Gotteshauses Abträgliches, der Entfaltung des Gottesdienstes Schädliches und der echten Frömmigkeit Widersprechendes aufkomme.

360. Seid daher wachsam besorgt, ehrwürdige Brüder, daß die wahre und aufrichtige Frömmigkeit täglich zunehme und immer reicher erblühe. Werdet vor allem nicht müde, immer wieder den Herzen aller die Wahrheit einzuprägen, daß das christliche Leben nicht in einer Vielzahl von verschiedenartigen Gebeten und Andachten besteht, sondern vielmehr darin, daß diese zum geistlichen Fortschritt der Gläubigen und somit zum Wachstum der gesamten Kirche tatsächlich beitragen.

Denn der Ewige Vater hat uns schon vor Erschaffung der Welt in Ihm (Christus) auserwählt, daß wir heilig und untadelig vor seinem Antlitz seien[168]. Alle unsere Gebete und Andachtsübungen müssen folglich darauf ausgehen, unsere ganze geistige Kraft auf dieses höchste und edelste Ziel hin auszurichten.

361. Wir ermahnen euch ferner dringend, ehrwürdige Brüder, nach Ausmerzung der Irrtümer und Fälschungen sowie nach Zurückweisung alles dessen, was von der Wahrheit und der rechten Ordnung abweicht, jene Bestrebungen zu fördern, die dem Volk eine tiefere Erfassung der heiligen Liturgie ermöglichen, damit es besser und leichter an den göttlichen Handlungen teilzunehmen vermag in jener Gesinnung, die sich für Christen ziemt.

Vor allem muß darauf geachtet werden, daß alle mit gebührender Ehrfurcht und geziemendem Glaubensgeist den Anordnungen nachkommen, die das Trienter Konzil, die Römischen Päpste, die Ritenkongregation erlassen und die liturgischen Bücher über den äußeren Vollzug des öffentlichen Kultes festgelegt haben.

Drei Dinge vor allem, von denen Unser Vorgänger Pius X. spricht, müssen den ganzen liturgischen Bereich würdig gestalten und auszeichnen: weihevoller Charakter, der profanen Neuerungen abhold ist; edle Bilder und Kunstformen, geschaffen von wahren und sachverständigen Künstlern; schließlich das Merkmal der Allgemeinheit, das unter Wahrung der in einzelnen Gegenden geltenden Sitten und Bräuche die Einheit der katholischen Kirche bekunden soll[169].

362. Wir möchten auch die würdige Ausstattung der Gotteshäuser und Altäre erneut empfehlen. Jeder fühle sich gedrängt von der inspirierten Devise: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich[170], und strebe nach Kräften danach, daß die Gotteshäuser, die liturgischen Gewänder und Geräte, mögen sie auch nicht durch Reichtum und Pracht ins Auge fallen, doch reinlich und geschmackvoll seien; alles ist ja der göttlichen Majestät geweiht. Wenn Wir oben die falsche Auffassung jener zurückgewiesen haben, die unter dem Vorwand einer Rückkehr zum Altertum die Heiligenbilder aus den Gotteshäusern verbannen wollen, so halten Wir es jetzt für Unsere Amtspflicht, die schlecht beratene Frömmigkeit jener zu tadeln, die in den Gotteshäusern, ja sogar auf den Altären ohne ersichtlichen Grund eine bunte Vielfalt von Statuen und Bildern zur Verehrung anbringen, von der rechtmäßigen Autorität nicht anerkannte Reliquien ausstellen, belanglose Sonderanliegen in den Vordergrund rücken, während sie Hauptsächliches und Notwendiges vernachlässigen und somit die Religion der Lächerlichkeit preisgeben und die Würde des Gottesdienstes beeinträchtigen.

Wir rufen auch das Dekret „über das Verbot der Einführung neuer Kult- und Andachtsformen“[171] in Erinnerung, dessen gewissenhafte Beobachtung Wir eurer wachsamen Sorge empfehlen.

363. Hinsichtlich der Musik sollen die vom Apostolischen Stuhl erlassenen, eindeutig klaren Richtlinien bei den liturgischen Funktionen genau eingehalten werden. Der Gregorianische Gesang, den die Römische Kirche als ihr von den Vorfahren überkommenes, durch die Jahrhunderte behütetes Eigengut betrachtet, das sie auch den Gläubigen als solches darbietet und für bestimmte Teile der Liturgie ausdrücklich vorschreibt[172], verleiht der heiligen Mysterienfeier nicht nur Schönheit und Würde, sondern trägt auch in höchstem Maße zur Vertiefung von Glaube und Frömmigkeit der Teilnehmer bei. Deshalb haben Unsere Vorgänger Pius X. und Pius XI. unsterblichen Andenkens verordnet – und Wir bestätigen dies kraft Unserer Autorität nachdrücklich –, daß der Gregorianische Gesang in den Priesterseminarien und Ordensanstalten mit Eifer und Sorgfalt zu pflegen sei, und daß wenigstens an den hauptsächlichsten Kirchen die alten Sängerschulen wieder eingeführt werden, was bereits an mehreren Orten mit Erfolg geschehen ist[173].

364. Außerdem „soll zur aktiveren Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst der Gregorianische Choral, soweit er Sache des Volkes ist, auch wieder in den Gebrauch des Volkes kommen. Es ist in der Tat dringend nötig, daß die Gläubigen nicht wie fremde und stumme Zuschauer, sondern als zuinnerst von der Schönheit der heiligen Liturgie Ergriffene den heiligen Zeremonien folgen ... und gemäß den festgesetzten Normen ihre Stimmen mit denen des Priesters und des Chores im Wechselgesang erheben. Glückt dies, so wird es nicht mehr vorkommen, daß das Volk entweder gar nicht oder nur mit schwachem, unterdrücktem Gemurmel bei den in lateinischer oder in der Muttersprache verrichteten Gemeinschaftsgebeten antwortet“[174]. Eine Gemeinde, die mit wahrer Andacht dem Opfer der Altäre beiwohnt, wo unser Heiland im Verein mit seinen durch das heilige Blut erkauften Kindern den Hochgesang seiner unermeßlichen Liebe singt, kann zweifellos nicht stumm bleiben, ist doch „das Lied der Liebe Gesetz“[175], und schon ein altes Sprichwort sagt „Wer gut singt, betet doppelt“. So vereint die streitende Kirche, Volk und Klerus nämlich, ihre Stimme mit den Gesängen der triumphierenden Kirche und den Chören der Engel, und alle erheben gemeinsam einen herrlichen und ewigen Lobgesang auf die Allerheiligste Dreifaltigkeit, gemäß der Bitte: „Mit ihnen laß, so flehen wir, auch uns einstimmen“[176].

365. Man darf aber nicht meinen, daß moderne Musik und moderner Gesang vom katholischen Gottesdienst gänzlich auszuschalten seien. Im Gegenteil! Finden sich darin keine Anklänge an Profanes, enthalten sie nichts, was der Heiligkeit des Gotteshauses und der liturgischen Handlung unwürdig wäre, und entspringen sie nicht eitlem Haschen nach gesuchten und ungewohnten Effekten, so müssen ihnen unsere Kirchen ohne weiteres Zutritt gewähren; denn nicht gering vermag alsdann ihr Beitrag zu sein zur Verschönerung der heiligen Zeremonien, zur Erhebung des Geistes in höhere Regionen und gleichzeitig zur Erweckung wahrer Andacht des Herzens.

366. Wir ermahnen euch auch, ehrwürdige Brüder, in eurer Hirtensorge den religiösen Volksgesang zu fördern. Mit Liebe und geziemender Würde gepflegt, vermag er nämlich den Glauben und die Andacht des christlichen Volkes sehr zu stärken und zu entflammen. Geschlossen und machtvoll dringe das Lied unseres Volkes zum Himmel empor wie das Rauschen von Meereswogen[177], lege mit laut klingender Stimme Zeugnis ab von dem einen Herzen und der einen Seele[178], wie es Brüdern und Kindern desselben Vaters ziemt.

367. Was Wir von der Musik gesagt haben, kann fast wörtlich auf die übrigen schönen Künste angewandt werden, besonders auf die Architektur, die Bildhauerei und die Malerei. Die modernen Bilder und Kunstformen, die dem Werkstoff, aus dem sie hergestellt werden, besser angepaßt sind, dürfen nicht in Bausch und Bogen und aus vorgefaßter Meinung verachtet und verworfen werden. Vermeiden sie vielmehr in weisem Ausgleich sowohl eine bloße Nachahmung der Natur als auch einen übertriebenen „Symbolismus“ und tragen sie mehr den Bedürfnissen der christlichen Gemeinde als der besonderen Auffassung und persönlichen Einstellung der Künstler Rechnung, dann muß dieser modernen Kunst unbedingt der Weg offen stehen zu gebührend ehrfürchtigem Dienst am Gotteshaus und bei den heiligen Handlungen. So wird auch sie einstimmen können in den wundervollen Chor, den die größten Geister bereits durch Jahrhunderte zum Ruhme des katholischen Glaubens gesungen haben. Wir müssen jedoch im Bewußtsein Unserer Pflicht unbedingt die jüngst da und dort geförderten Bilder und Darstellungen mißbilligen und zurückweisen, die eine Entartung und Entstellung gesunder Kunst zu sein scheinen, manchmal in offenem Widerspruch stehen zur christlichen Würde, Zurückhaltung und Frömmigkeit und den echt religiösen Sinn tief verletzen. Derartiges ist von unseren Gotteshäusern durchaus fernzuhalten und daraus zu verbannen, wie „überhaupt alles, was der Heiligkeit des Ortes abträglich ist“[179].

368. Gestützt auf die päpstlichen Richtlinien und Bestimmungen, bestrebt euch eifrig, ehrwürdige Brüder, Geist und Herz der Künstler zu erleuchten und zu leiten, denen heute die Aufgabe zufällt, so viele durch den Krieg beschädigte und vollends zerstörte Kirchen wiederherzustellen bzw. neu aufzubauen. Könnten und möchten sie doch aus den göttlichen Quellen der Religion die Motive schöpfen, die den Anliegen des Kultes angemessener und würdiger sind. Dann werden in der Tat die menschlichen Künste, die gleichsam ein Geschenk des Himmels sind, beglückend in reinem Licht erstrahlen, die Kultur in höchstem Maße fördern und zur Ehre Gottes wie zum Heil der Seelen ihren Beitrag leisten. Denn die schönen Künste stehen erst dann im Einklang mit der Religion, wenn sie „wie vornehme Mägde in den Dienst des göttlichen Kultes treten“[180].

369. Doch, ein anderes, noch wichtigeres Anliegen, möchten Wir, ehrwürdige Brüder, eurer Sorge und eurem apostolischen Eifer empfehlen. Was zum äußeren Kult der Religion gehört, hat gewiß seine Bedeutung; noch viel wichtiger ist es aber, daß die Christen das Leben der Liturgie mitvollziehen und ihren übernatürlichen Geist hegen und pflegen.

Sorgt daher mit Eifer dafür, daß der heranwachsende Klerus neben der Ausbildung in den aszetischen, theologischen, juridischen und pastoralen Disziplinen in angemessener Weise zu richtigem Verständnis der heiligen Zeremonien angeleitet werde, damit er ihre erhabene Schönheit erfasse und die Vorschriften der Rubriken gründlich erlerne. Dies nicht bloß bildungshalber, nicht allein, damit der Jünger des Heiligtums später die gottesdienstlichen Funktionen ordnungsgemäß, schön und würdig zu vollziehen befähigt sei, sondern vor allem damit er in innigster Vereinigung mit dem Hohenpriester Christus erzogen werde und ein heiliger Diener des Heiligen sei.

370. Arbeitet auch, durch Mittel und Wege, die eurer Klugheit zum Besten der Sache als besonders geeignet erscheinen, mit allem Nachdruck darauf hin, daß Klerus und Volk ein Herz und eine Seele seien. Das christliche Volk nehme derart lebendigen Anteil an der Liturgie, daß diese wirklich zu einer heiligen Handlung werde, bei der vor allem der Seelsorgspriester in der Pfarrei, vereint mit der Schar der ihm anvertrauten Gläubigen, dem ewigen Gott die gebührende Huldigung darbringt.

371. Zur besseren Verwirklichung dieser Aufgabe wird es nicht wenig beitragen, wenn man brave und gut geschulte Knaben aus allen Gesellschaftsklassen auswählt, die gern und freudig, mit Ordnung, Fleiß und Eifer den Dienst am Altar versehen. Dieses Amt sollen auch Eltern höheren Standes und höherer Bildung hochschätzen. Werden diese Knaben entsprechend herangebildet und unter der wachsamen Aufsicht der Priester zu ehrfürchtiger und regelmäßiger Erfüllung des ihnen zu bestimmten Stunden anvertrauten Amtes angespornt, so können aus ihren Reihen leicht neue Priesterberufe hervorgehen. Auch wird sich dann der Klerus – wie es bisweilen selbst in katholischen Gegenden der Fall ist – nicht bitter beklagen müssen, daß sich niemand finde, der bei der Feier des heiligen Opfers antworte und diene.

372. Seid vor allem mit größtem Eifer dafür besorgt, daß alle Gläubigen dem eucharistischen Opfer beiwohnen. Ermahnt sie unermüdlich, in jeder zulässigen Weise, wovon oben die Rede war, andächtig daran teilzunehmen, damit sie daraus um so reichere Früchte des Heiles ziehen. Das hochheilige Opfer der Altäre ist der hauptsächlichste Akt der Gottesverehrung. Es muß daher auch Quellborn und gleichsam Mittelpunkt der christlichen Frömmigkeit sein. Glaubt niemals, eurem apostolischen Eifer Genüge getan zu haben, ehe ihr nicht eure Gläubigen in möglichst großer Zahl dem himmlischen Gastmahl zugeführt habt, das da ist „das Sakrament der Frömmigkeit, das Zeichen der Einheit, das Band der Liebe“[181].

Damit aber das christliche Volk in immer reicherem Maße dieser übernatürlichen Gaben teilhaftig werden könne, belehrt es sorgfältig über die in der Liturgie geborgenen Schätze der Frömmigkeit durch geeignete Predigten, vor allem durch Vorträge und eigens zu festgesetzten Zeiten durchgeführte Tagungen, Studienwochen u. a. m. Die Mitglieder der Katholischen Aktion werden euch dabei gewiß zu Diensten sein, da sie stets bereit sind, der Hierarchie zur Ausbreitung des Reiches Jesu Christi ihre tatkräftige Hilfe zu leihen.

373. Bei all dem müßt ihr jedoch unbedingt eure Wachsamkeit walten lassen, damit nicht der Feind in den Acker des Herrn eindringe und Unkraut unter den Weizen säe[182]: daß sich also in eure Herde nicht feingesponnene und verderbliche Irrtümer einschleichen, wie z. B. falscher Mystizismus und schädlicher Quietismus, – Irrtümer, die von Uns, wie ihr wißt, bereits verurteilt wurden[183] – und daß kein gefährlicher Humanismus die Seelen verleite, daß auch keine verfängliche, am katholischen Glaubensbegriff selbst rüttelnde Lehre sich einschleiche, noch schließlich ein übertriebener Archäologismus in liturgischen Dingen angestrebt werde. Mit gleicher Umsicht sorgt dafür, daß sich nicht die falschen Theorien jener verbreiten, die da zu Unrecht behaupten und lehren, die verklärte menschliche Natur Christi sei wirklich und dauernd in den „Gerechtfertigten“ gegenwärtig, oder auch: eine einzige und gleiche Gnade verbinde, wie man behauptet, Christus mit den Gliedern seines Mystischen Leibes.

Verliert nie wegen auftauchender Schwierigkeiten den Mut, nie erlahme eure Hirtensorge! Stoßt in die Trompete auf Sion ... beruft eine Feier ein, versammelt das Volk, entsühnt die Gemeinde, ruft die Greise herbei, laßt Kinder und Säuglinge kommen![184]Wirket mit ganzem Einsatz dahin, daß die Gläubigen allüberall in Scharen zu den Kirchen und Altären eilen, um als lebendige, mit ihrem göttlichen Haupte verbundene Glieder durch die Gnaden der Sakramente erneuert zu werden, um zusammen mit Ihm und durch Ihn das hochheilige Opfer zu feiern und dem ewigen Vater den schuldigen Lobpreis darzubringen.

Schlußwort und Segen

374. Das ist es, ehrwürdige Brüder, was Wir euch schreiben wollten. Wir tun es in der Absicht, damit Unsere und eure Kinder die überaus kostbaren, in der heiligen Liturgie enthaltenen Schätze immer besser erkennen und immer mehr würdigen: nämlich das eucharistische Opfer, welches das Kreuzesopfer vergegenwärtigt und erneuert; die Sakramente, Ströme der göttlichen Gnade und des göttlichen Lebens; den Lobpreis, den Erde und Himmel täglich zu Gott emporsteigen lassen.

Es sei Uns erlaubt zu hoffen, Unsere Ermahnungen möchten die Trägen und Widerspenstigen nicht nur zu eifrigerem und genauerem Studium der Liturgie, sondern auch zu neuer Entfachung ihres übernatürlichen Geistes im tätigen Leben veranlassen, gemäß dem Apostelwort: Löschet den Geist nicht aus[185].

375. Für jene aber, die ein gewisser Übereifer antreibt, bisweilen Dinge zu sagen, die Wir leider nicht billigen können, wiederholen Wir die Worte des heiligen Paulus: Prüfet alles; was gut ist, behaltet[186]. Mit väterlicher Güte ermahnen Wir sie, ihr Denken und Handeln nach der christlichen Lehre zu gestalten, im Einklang mit den Vorschriften der makellosen Braut Jesu Christi und Mutter aller Heiligen.

Allen rufen Wir sodann die unbedingte Notwendigkeit eines hochherzigen und zuverlässigen Gehorsams gegenüber den Oberhirten in Erinnerung, die das Recht und die Pflicht haben, das ganze, vor allem das geistliche Leben der Kirche zu leiten: Gehorcht euren Vorstehern und fügt euch. Sie wachen über eure Seelen und müssen einst Rechenschaft über sie ablegen. Möchten sie das mit Freuden tun können und nicht mit Seufzen[187].

376. Gott, den wir anbeten, ist nicht ein Gott der Zwietracht, sondern des Friedens[188]. Möge er in seiner Güte uns allen gewähren, in dieser irdischen Verbannung eines Sinnes und eines Herzens teilzuhaben an der Liturgie, die gleichsam die Vorbereitung und das Unterpfand der himmlischen Liturgie ist, wo wir einst, wie wir hoffen, im Verein mit der allerseligsten Mutter Gottes und unserer liebreichsten Mutter aufjubeln werden: Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme, gebührt Lob, Ehre, Ruhm und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit[189].

In dieser zuversichtlichen Hoffnung, erteilen Wir euch, ehrwürdige Brüder, einzeln und insgesamt, sowie den euerer Hirtensorge anvertrauten Gläubigen, als Unterpfand himmlischer Gnaden und als Erweis Unseres besonderen Wohlwollens in innigster Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Castel Gandolfo, bei Rom, am 20. November 1947, im neunten Jahre Unseres Pontifikates.

PAPST PIUS XII.

 

 


 

[1] I Tim. II 5.

[2] Vgl. Hebr. IV 14.

[3] Vgl. Hebr. IX 14.

[4] Vgl. Mal. I 11.

[5] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 1. Denzinger Nr. 938.

[6] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 2. Denzinger Nr. 940.

[7] Pius XI., Rundschreiben Caritate Christi compulsi vom 3. Mai 1932. AAS XXIV (1932) 185. Vgl. HK Nr.

1005.

[8] Vgl. Pius XII., Motu proprio In cotidianis precibus vom 24. März 1945. AAS XXXVII (1945) 65–67.

[9] I Kor. X 17.

[10] Thomas von Aquin, Sum. Theol. II-II q. 81 a. 1.

[11] Vgl. Levit.

[12] Vgl. Hebr. X 1.

[13] Joh. I 14.

[14] Hebr. X 5–7.

[15] Hebr. X 10.

[16] Joh. I 9.

[17] Hebr. X 39.

[18] Vgl. I Joh. II 1.

[19] Vgl. I Tim. III 15.

[20] Vgl. Bonifatius IX., Ab origine mundi vom 7. Oktober 1391; Calixtus III., Summus Pontifex vom 1. Januar

1456; Pius II., Triumphans Pastor vom 22. April 1459; Innozenz XI., Triumphans Pastor vom 3. Oktober

1678.

[21] Eph. II 19–22.

[22] Matth. XVIII 20.

[23] Apg. II 42.

[24] Kol. III 16.

[25] Augustinus, Epist. CXXX, ad Probam, 18. PL 33, 501.

[26] Römisches Missale, Weihnachtspräfation.

[27] J. Kard. Bona, De divina psalmodia, c. 19 § III, 1.

[28] Römisches Missale, Stillgebet am Donnerstag nach dem zweiten Fastensonntag.

[29] Vgl. Mark. VII 6 und Is. XXIX 13.

[30] I Kor. XI 28.

[31] Römisches Missale, Aschermittwoch, Gebet nach der Aschenaufstreuung.

[32] Augustinus, De praedestinatione sanctorum, 31. PL 44, 982.

[33] Vgl. Thomas von Aquin, Sum. theol. II-II q. 82 a. 1.

[34] I Kor. III 23.

[35] Hebr. X 19–24.

[36] Vgl. II Kor. VI 1.

[37] Vgl. Cod. iur. can., c. 125, 126, 565, 571, 595, 1367.

[38] Kol. III 11.

[39] Vgl. Gal. IV 19.

[40] Joh. XX 21.

[41] Luk. X 16.

[42] Mark. XVI 15–16.

[43] Römisches Pontifikale, Priesterweihe (Salbung der Hände).

[44] Augustinus, Enchiridion, c. 3. PL 40, 232.

[45] De gratia Dei „Indiculus“.

[46] Augustinus, Epist. CXXX ad Probam, 18. PL 33, 501.

[47] Vgl. Pius XI., Konstit. Divini cultus vom 20. Dezember 1928. AAS XXI (1929) 33–41.

[48] Sixtus V., Konstit. Immensa vom 22. Januar 1588.

[49] Vgl. Cod. iur. can., c. 253.

[50] Vgl. Cod. iur. can., c. 1257.

[51] Vgl. Cod. iur. can., c. 1261.

[52] Vgl. Matth. XXVIII 20.

[53] Vgl. Pius VI., Konstit. Auctorem fidei vom 28. August 1794, Nrn. 31–34, 39, 62, 66, 69–74. Fontes II 696,

699, 705, 706–707.

[54] Vgl. Joh. XXI 15–17.

[55] Apg. XX 28.

[56] Ps. CIX 4.

[57] Joh. XIII 1.

[58] Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 1. Denzinger Nr. 938.

[59] Ebd. c. 2. Denzinger Nr. 940.

[60] Vgl. Thomas von Aquin, Sum. theol. III q. 22 a. 4.

[61] Johannes Chrysostomus, In Joann. Hom., 86, 4. PG 59, 473.

[62] Röm. VI 9.

[63] Vgl. Römisches Missale, Präfation.

[64] Vgl. Römisches Missale, Canon.

[65] Mark. XIV 23.

[66] Römisches Missale, Präfation.

[67] I Joh. II 2.

[68] Römisches Missale, Canon.

[69] Augustinus, De Trinitate, lib. XIII, c. 19. PL 42, 1034.

[70] Hebr. V 7.

[71] Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 1. Denzinger Nr. 938.

[72] Vgl. Hebr. X 14.

[73] Augustinus, Enarr. In Ps. CXLVII, n. 16. PL 37, 1925.

[74] Gal. II 19–20.

[75] Pius XII., Rundschreiben Mystici Corporis vom 29. Juni 1943. Vgl. HK Nr. 788.

[76] Römisches Missale, Sekret vom 9. Sonntag nach Pfingsten.

[77] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 2 und can. 4. Denzinger Nrn. 940 und 949.

[78] Vgl. Gal. VI 14.

[79] Mal. I 11.

[80] Phil. II 5.

[81] Gal. II 19.

[82] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 4. Denzinger Nr. 960.

[83] Vgl. Robert Bellarmin, De missa, II c. 4.

[84] Innozenz III., De Sacro Altaris mysterio, III 6.

[85] Robert Bellarmin, De missa, I c. 27.

[86] Römisches Missale, Ordo missae.

[87] Römisches Missale, Canon.

[88] Römisches Missale, Canon.

[89] I Petr. II 5.

[90] Röm. XII 1.

[91] Römisches Missale, Canon.

[92] Römisches Pontificale, Priesterweihe.

[93] Römisches Pontificale, Präfation der Altarweihe.

[94] Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 5. Denzinger Nr. 943.

[95] Gal. II 19–20.

[96] Vgl. Augustinus, Sermo CCLXXII. PL 38, 1247.

[97] Vgl. I Kor. XII 27.

[98] Vgl. Eph V 30.

[99] Vgl. Robert Bellarmin, De Missa, II, c. 8.

[100] Vgl. Augustinus, De Civ. Dei, lib. X, c. 6. PL 41, 283.

[101] Römisches Missale, Canon.

[102] Vgl. I Tim II 5.

[103] Benedikt XIV., Rundschreiben Certiores effecti vom 13. November 1742. § 1. Fontes I 771.

[104] Konzil von Trient, Sess. XXII, can. 8. Denzinger Nr. 955.

[105] Römisches Missale, Oration vom Fronleichnamsfest.

[106] I Kor. XI 24.

[107] Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 6. Denzinger Nr. 944.

[108] Benedikt XIV., Rundschreiben Certiores effecti vom 13. November 1742. § 3. Fontes I 772.

[109] Vgl. Luk. XIV 23.

[110] I Kor. X 17.

[111] Vgl. Ignatius Mart., Ad Ephes., 20. PG 5, 756.

[112] Römisches Missale, Canon.

[113] Eph. V 20.

[114] Römisches Missale, Postkommunion vom Sonntag in der Oktav von Christi Himmelfahrt.

[115] Römisches Missale, Postkommunion vom 1. Sonntag nach Pfingsten.

[116] Vgl. Cod. iur. can., c. 810.

[117] Nachfolge Christi, IV 12.

[118] Dan. III 57.

[119] Vgl. Joh. XVI. 23.

[120] Römisches Missale, Sekret der Messe vom Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

[121] Joh. XV 4.

[122] Konzil von Trient, Sess. XIII, can. 1. Denzinger Nr. 883.

[123] II. Konzil von Konstantinopel, Anath. de trib. Capit., can. 9 collat. Konzil von Ephesus, Anath. Cyrill., can.

8. Vgl. Konzil von Trient, Sess. XIII, can. 6; Pius VI., Konstit. Auctorem fidei, n. 61.

[124] Vgl. Augustinus, Enarr. in Ps. XCVIII 9. PL 37, 1264.

[125] Geh. Offb. V 12. Vgl. VII 10.

[126] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XIII, c. 5 und can. 6. Denzinger Nrn. 878 und 888.

[127] Johannes Chrysostomus, In I ad Cor., XXIV 4. PG 61, 203.

[128] Vgl. I Petr. I 19.

[129] Matth. XI 28.

[130] Vgl. Römisches Missale, Oration der Messe des Kirchweihfestes.

[131] Römisches Missale, Sequenz Lauda Sion vom Fronleichnamfeste.

[132] Luk. XVIII 1.

[133] Hebr. XIII 5.

[134] Apg. II 1–15.

[135] Apg. X 9.

[136] Apg. III 1.

[137] Apg. XVI 25.

[138] Röm. VIII 26.

[139] Augustinus, Enarr. in Ps. LXXXV, n. 1. PL 37, 1081.

[140] Benediktus, Regula Monarchorum, c. 19.

[141] Hebr. VII 25.

[142] Cassidorus, Explikatio in Psalterium, praefatio.

[143] Ambrosius, Enarr. in Ps. I, n. 9. PL 14, 924.

[144] Exod. XXXI 15.

[145] Augustinus, Confessiones, lib. IX., c. 6. PL 32, 783.

[146] Augustinus, De Civ. Dei, lib. VIII, c. 17. PL 41, 242.

[147] Kol. III 1–2.

[148] Augustinus, Enarr. in Ps. CXXIII., n. 2. PL 37, 1641.

[149] Hebr. XIII 8.

[150] Vgl. Thomas von Aquin, Sum. theol. III q. 49 und q. 62 a. 5.

[151] Vgl. Apg. X 38.

[152] Eph. IV 13.

[153] Römisches Missale, Oration der 3. Messe für mehrere Märtyrer außerhalb der Osterzeit.

[154] Beda Venerabilis, Hom. LXX in solemn. omnium Sanct. PL 94, 450.

[155] Römisches Missale, Oration der Messe vom heiligen Johannes Damascenus.

[156] Bernhard, Sermo II in festo omnium sanct. PL 185, 210.

[157] Luk. I 28.

[158] „Salve Regina“.

[159] Bernhard, In Nativ. B. M. V., 7. PL 183, 441.

[160] Hebr. X 22.

[161] Hebr. X 21.

[162] Hebr. VI 19.

[163] Vgl. Cod. iur. can., c. 125.

[164] Vgl. HK Nr. 827.

[165] Joh. XIV 2.

[166] Joh. III 8.

[167] Jak. I 17.

[168] Eph. I 14.

[169] Vgl. Pius X., Motu proprio Tra le sollecitudini vom 22. November 1903. AAS XXXVI (1903) 329–332.

[170] Ps. LXVIII 10; Joh. II 17.

[171] Kongregation des Hl. Offiziums, Dekret vom 26. Mai 1937. AAS XXIX (1937) 304–305.

[172] Vgl. Pius X., Motu proprio Tra le sollecitudini.

[173] Vgl. Pius X., 1. c.; Pius XI., Konstit. Divini cultus, vom 20. Dezember 1928, II und V. AAS XXI (1929) 37

und 38.

[174] Pius XI., Konstit. Divini cultus vom 20. Dezember 1928, IX. AAS XXI (1929) 39–40.

[175] Augustinus, Sermo CCCXXXVI, n. 1. PL 38, 1472.

[176] Römisches Missale, Präfation

[177] Vgl. Ambrosius, Hexameron, III, 5, 23. PL 14, 165.

[178] Vgl. Apg. IV 32.

[179] Cod. iur. can., c. 1178.

[180] Pius XI., Konstit. Divini cultus vom 20. Dezember 1928. AAS XXI (1929) 35.

[181] Augustinus, Tract. XXVI in Joan., 13. PL 35, 1613.

[182] Vgl. Matth. XIII 24–25.

[183] Vgl. Pius XII., Rundschreiben Mystifici Corporis vom 29. Juni 1943. Vgl. HK Nrn. 825 und 826.

[184] Joel II 15–16.

[185] I Thess. V 19.

[186] I Thess. V 21.

[187] Hebr. XIII 17.

[188] I Kor. XIV 33.

[189] Geh. Offb. V 13.