Pressemitteilung des Heiligen Stuhls zum Gespräch
deutscher Bischöfe mit dem Heiligen Vater im Zusammenhang der sog.
Schwangerschaftskonfliktberatung
1. Am 15. September 1999 wurde am späten Vormittag in einer Begegnung
mit dem Heiligen Vater die Frage der rechten Zuordnung der katholischen
Schwangerschaftsberatungsstellen zur staatlich geregelten Beratung in
Deutschland erörtert. An dem Treffen mit dem Papst nahmen teil: von Seiten
des Heiligen Stuhls Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der
Glaubenskongregation, Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, Erzbischof
Tarcisio Bertone, Sekretär der Glaubenskongregation, und Erzbischof Paolo
Sardi, Apostolischer Nuntius für besondere Aufträge; von Seiten des
deutschen Episkopats die Kardinäle Joachim Meisner, Erzbischof von Köln,
Friedrich Wetter, Erzbischof von München und Freising, Georg Sterzinsky,
Erzbischof von Berlin, und der Bischof von Mainz, Karl Lehmann,
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
2. Der Papst richtete in der Frage bereits drei Schreiben an die
deutschen Bischöfe. Nach dem letzten Brief vom 3. Juni 1999 haben die
Bischöfe beschlossen, im Einklang mit der Forderung des Papstes die
Beratungsbescheinigung mit dem folgenden Zusatz zu versehen: „Diese
Bescheinigung kann nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen
verwendet werden“. Über diesen Beschluss ist eine Diskussion entstanden,
die der Einheit der Kirche in Deutschland geschadet und Anfragen an den
Heiligen Stuhl ausgelöst hat. Dabei hat sich schließlich gezeigt, dass
dieser Zusatz die tatsächliche Bedeutung des von den katholischen
Beratungsstellen ausgehändigten Scheins nicht verändern und dieser somit
weiterhin als Zugang zur Abtreibung dienen würde.
3. Auf der Grundlage der vom Heiligen Vater den Kardinälen Ratzinger
und Sodano erteilten Weisungen bereiteten die Kongregation für die
Glaubenslehre und das Staatssekretariat den Entwurf einer Antwort auf die
oben erwähnten Anfragen vor. Dieser Entwurf war Gegenstand des Gesprächs
zwischen den Vertretern des Heiligen Stuhls und den vier deutschen
Oberhirten. Der endgültige Text der Antwort wird gemäß dem Willen des
Papstes an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl
Lehmann, übermittelt und im Zusammenhang der bevorstehenden
Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht.
4. Das Klima während des Gesprächs war sachlich und brüderlich. Das
Ziel der Weisungen des Heiligen Vaters besteht darin, der inneren Einheit
in der Kirche zu dienen, die rechte Formung der Gewissen, das klare
Zeugnis und die volle Glaubwürdigkeit der Kirche sowie die bestmöglichen
Hilfen für Frauen in Not zu garantieren. |