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Anbetung

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 25-28

1. Unter Anbetung (lat. adoratio, griech. latreia) verstehen wir die Verehrung Gottes als des höchsten Herrn der gesamten Schöpfung (vgl. Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.103 a.3). Zusammen mit dem Lobgebet steht es auf der höchsten Stufe des Gebetes. Das vornehmere Element in ihr ist die innere Hingabe des Geistes an Gott. „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,24). Das innere Element tut sich aber aus den Gründen, die für die äußeren Akte der Gottesverehrung gelten, nach außen in Gebärden (Verneigen, Kniebeuge u.a.) und Worten (anbetendes Gebet) und besonders in der Kulthandlung des Opfers kund (vgl. Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.84 a.2). Die Kirche hat die übertriebene Ablehnung der äußeren Zeichen der Anbetung zurückgewiesen (D 2218 [1238]).

Das geistige Element der Anbetung ist an keinen Ort gebunden (vgl. Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.84 a.3). „Glaube mir, Frau, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet ... Aber es kommt die Stunde, und sie ist jetzt da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden“ (Joh 4,21.23). Dennoch ist das äußere Element des Ortes für die Anbetung nicht gleichgültig. Im AT wünscht Gott den Tempel als Ort der Anbetung (vgl. Jes 56,7; Lk 19,46). Die Apostel achten dies noch in christlicher Zeit (Apg 3,1). Der Hauptgrund, der uns zum christlichen Gotteshaus führt, ist, daß dort das hl. Opfer gefeiert wird (vgl. Gemeinschaftsgottesdienst). Selbst die Einhaltung einer bestimmten Himmelsrichtung kann unter Umständen zur inneren Hingabe anregen. Daniel wendet sich gegen Jerusalem und betet Gott an (Dan 6,11). Bei den Christen wurde es üblich, die Gotteshäuser nach dem Osten auszurichten und sich so im Gebet der aufgehenden Sonne, dem Sinnbild für Christus, das Licht der Welt (Joh 8,12), zuzukehren (vgl. Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.84 a.3 ad 3).

2. Aus dem Begriff der Anbetung ergibt sich eindeutig, daß nur Gott angebetet werden darf. „Dem Herrn, deinem Gott, sollst du huldigen und ihm allein dienen“ (Mt 4,10; vgl. CICc. 1255 §1). Mordechai beugt seine Knie nicht vor Haman, weil er dies als Zeichen der eigentl. Anbetung auffaßt (Est 3,2; 13,14). Petrus wehrt dem Hauptmann Kornelius, der ihn kniefällig begrüßt: „Steh auf, auch ich bin ein Mensch“ (Apg 10,25 f). Ähnliches hört Johannes, der vor einem Engel anbetend niederfällt: „Nur nicht! Ich bin dein Mitknecht und (der Mitknecht) deiner Brüder... Gott bete an!“ (Offb 22,8 f). – Zu beachten ist, daß die griech. Proskynesis und die lat. Adoratio die Verneigung bis zur Erde nicht nur zur Anbetung, sondern auch zur Ehrung eines hervorragenden Menschen als solchen bezeichnen konnte. So können sich Menschen vor Geschöpfen neigen, ohne diese anbeten zu wollen (vgl. Gen 23,7; Jos 5,14; 1 Kön 5,16.23; vgl. Augustinus, De civ. Dei X 4, PL 41,281; Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.84 a.1 ad 1).

Angebetet werden dürfen und sollen also die drei göttl. Personen, die dieselbe göttl. Natur besitzen (vgl. Thomas von Aquin, S.Th. 2,2 q.84 a.1 ad 3; 3 q.25 a.1 ad 1).

Anbetung gebührt auch der Menschheit Christi, da sie der zweiten göttl. Person zukommt und die Verehrung sich auf die Person richtet und alles umfängt, was ihr zu eigen ist („toti rei subsistenti“; Thomas von Aquin, S.Th. q.25 a.1; vgl. Johannes von Dam., De fide orth. IV 3, PG 94,1105). Die Kirche hat daher eine zweifache (göttliche und menschliche) Verehrung Christi getrennt nach seinen beiden Naturen, abgelehnt (D 259 431 [120 221]). In die Anbetung Christi ist alles einzubeziehen, was zu seiner Menschheit gehört, etwa das Herz Jesu, obwohl in dessen Verehrung weniger auf das physische Herz als auf die durch das Herz versinnbildete Person und Liebe Jesu geachtet wird (vgl. Pius XII., Enz. „Haurietis aquas“, AAS 1956, 329–337).

Die Menschheit Christi ist überall anzubeten, wo immer sie sich befindet, auch in der Eucharistie (CICc. 1255 § 1; Paul VI., Enz. „Mysterium fidei“, AAS 1965, 769–774).

Die Kirche wünscht, daß Gotteshäuser, in denen das allerheiligste Sakrament aufbewahrt wird, täglich durch einige Stunden den Gläubigen offenstehen (CICc. 1266) und diese häufig am Meßopfer teilnehmen und Christus im allerheiligsten Sakrament besuchen (c.1273). Dem eucharistischen Kult dienen die Aussetzung des Allerheiligsten, vor allem während des 40stündigen Gebetes (c.1275), und die Feier des Fronleichnamsfestes (vgl. c.1274 § 1). Wenn die Kirche zur Anbetung des Kreuzes auffordert (Karfreitagsliturgie), meint sie damit Christus, dessen Zeichen schlechthin das Kreuz ist (vgl 1 Kor 1,18; Kol 2,14; Johannes von Dam., De fide orth. IV 11, PG 94,1129 f; Thomas von Aquin, S.Th. 3 q.25 aa.4 f). Dasselbe gilt von der Verehrung der Bilder Christi.


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