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Aszetische und mystische Theologie

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 53 f

Zu den theol. Fächern, die aus der Moraltheologie erwachsen sind und sich von ihr gelöst haben, gehört die Theologie des geistl. Lebens.

Die Trennung hat zur Auffassung geführt, Sache der Moraltheologie sei es, jene sittl. Grundforderungen aufzuzeigen, deren Erfüllung den Menschen gerade noch von Sünde freihält, während vom Streben nach höherer Vollkommenheit die Aszetik und die Theologie der Mystik zu reden hätten. Mit dieser Unterscheidung ist die Moraltheologie jedoch nicht zufrieden. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, ein volles Bild des christl. sittl. Lebens zu zeichnen; das kann sie nicht, wenn sie nur Sündenlehre ist, also sich als sogenannte „Moral der Barmherzigkeit“ (aus der Sicht des Beichtvaters) auf die unterste Grenze der sittl. Forderungen beschränkt und nicht auch vom Wachstum in der Vollkommenheit spricht.

Weitaus befriedigender erscheint es daher, wenn man der geistl. Theologie die Pflege des religiös-sittl. Lebens mehr in ihrem Wie zuweist, der Aszetik die Anleitung zur Entfaltung des Tugendlebens, der Theologie der Mystik die Entfaltung der Begegnung des Menschen mit Gott. Beiden, der geistl. und der Moraltheologie, kommt es zugute, wenn sie zwar in gewisser Selbständigkeit gründl. Arbeit leisten, aber doch in enger Verbindung miteinander bleiben, wenn also einerseits die geistl. Theologie auf den wesentl. moraltheol. Grundlagen aufbaut und anderseits die Moraltheologie sich die Erkenntnisse der geistl. Theologie zunutze macht.


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