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Geduld

Karl Hörmann: LChM 1976, Sp. 556-558

Geduld, die Bereitschaft, dem Druck der irdischen Schwierigkeiten nicht zu erliegen, sondern sie mit Fassung zu ertragen, ist eine Frucht der christl. Hoffnung.

Der Geduldige übt Tapferkeit, und zwar im Ertragen. Auch der Christ ist nicht unempfindl. gegen Leiden aller Art. Christus selbst ist auf dem Ölberg bis zum Tod betrübt (Mt 26,38). Paulus trägt um sein Volk Trauer (Röm 9,2 f) und wird von seiner eigenen Bedrängnis schwer betroffen: „Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wer erleidet Ärgernis, und ich fühle nicht brennenden Schmerz?“ (2 Kor 11,29; vgl. 12,7–9). Er bemüht sich jedoch, die Übel nicht übergroß zu sehen, sondern sie im Hinblick auf die ewigen Güter zu werten und zu ertragen: „Ich schätze, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit in keinem Verhältnis stehen zu der künftigen Herrlichkeit, die sich an uns offenbaren wird“ (Röm 8,18; vgl. 1 Petr 1,5–7). Geduldige Beharrlichkeit führt zum Ziel: „In eurer Ausdauer werdet ihr euer Leben gewinnen“ (Lk 21,19).

Der Christ weiß, daß Leiden nach Sünde zur Bekehrung führen kann, aber nicht immer Sündenstrafe sein muß und doch einen Sinn haben kann, näml. den, den Menschen für seine letzte Bestimmung reifen zu lassen. „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde?“ fragen die Jünger Jesus; er aber entgegnet: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern. Vielmehr sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden“ (Joh 9,2 f; vgl. Lk 13,2 f). Das Reifen kann dadurch bewirkt werden, daß der Mensch durch Leiden von ungeordneter Anhänglichkeit an die irdischen Werte gelöst und so geläutert wird (vgl. Röm 5,3 f; 1 Petr 1,6 f; Cyprian, De bono patientiae 20, CSEL III 1,411 f). In tiefster Sicht geht es im Leiden des Christen um seine Verbindung mit dem leidenden Christus, in die der Mensch durch die Taufe gestellt wird (vgl. Röm 6,3); darum die Freude der Apostel, als sie für den Namen Jesu Schmach erleiden (Apg 5,41; vgl. Mt 5,4.10–12; Röm 8,17 f; Kol 1,24; 1 Petr 4,13 f; Jak 1,2 f). „Nahe dem Schwert ist nahe bei Gott“ (Ignatius von Ant., Sm. 4,2). „Die Armen, Schwachen, Kranken und von verschiedener Mühseligkeit Bedrückten oder die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten sollen sich in besonderer Weise mit Christus in seinem Leiden für das Heil der Welt zu vereinigen wissen. Sie hat der Herr seliggepriesen, und 'der Gott ... aller Gnade, der uns in Christus Jesus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird (sie) nach kurzer Zeit des Leidens selber vollenden, stärken, kräftigen und festigen' (1 Petr 5,10)“ (2. Vat. Konz., LG 41). Gekrönt wird die Leidensgemeinschaft des Christen mit dem Herrn also durch die Gemeinschaft in der Herrlichkeit (vgl. Röm 6,4; 8,18; 1 Petr 4,13).

Die Hoffnung befähigt nicht nur zur Geduld, sie wird auch umso lauterer, je mehr sie sich in Geduld bewährt, kann doch der Mensch gerade in Leiden lernen, auf nichts anderes zu vertrauen als auf Gott, „damit der Überschwang an Kraft Gott zugemessen und nicht von uns hergeleitet werde“ (2 Kor 4,7). In dieser Sicht können Leiden sogar als Gnade bezeichnet werden (vgl. Phil 1,29; Hebr 12,7; Jak 1,2–4).


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