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Kirche, (I.)

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 656-658

I. Gott, „der will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4), nimmt in seinen Heilsverfügungen, durch die er den Menschen seiner Bestimmung entgegenführt, darauf Bedacht, daß die menschl. Natur auf die Gemeinschaft hin angelegt ist und ihrer bedarf. So hat er es für gut befunden, „die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volk zu machen, das ihn in Wahrheit anerkenne und ihm in Heiligkeit diene“ (2. Vat. Konz., Lumen gentium 9; vgl. Gaudium et spes 32) . Eben die Gemeinschaft des Volkes Gottes trägt den Namen Kirche (von griech. kyriake ekklesia = dem Herrn gehörige Volksgemeinde; lat. ecclesia).

Seine vollendete Gestalt wird das in der Kirche vereinigte Volk Gottes erst in der Herrlichkeit des Himmelreiches erlangen, dann, wenn das Menschengeschlecht und die ganze Welt in Christus erneuert sein werden (Apg 3,21; Eph 1,10; Kol 1,20; 2 Petr 3,10–13; Lumen gentium 48). Was aber einmal in der himmlischen Herrlichkeit sein soll, hat jetzt auf Erden schon angefangen. Heilsgeschichtl. wurde es schon im atl. Bundesvolk Gottes vorbereitet (Lumen gentium 2 9). Dieses weist auf die Kirche hin, die Gemeinde Christi (Lumen gentium 9), in der Gott die von Christus Erlösten zusammenschließen will (Lumen gentium 2). Sie ist von Christus gestiftet, der als von Gott gesandter Erlöser die Menschen nicht nur einzeln zum Glauben ruft, sondern sie auch zur Gemeinschaft des ntl. Gottesvolkes sammelt, in der er den ausgewählten „Zwölfen“ besondere Dienstaufgaben zuweist und sie dafür vorbildet (Priestertum). Jesus verheißt den Neuen Bund Gottes mit den Christusgläubigen und begründet ihn (vgl. den atl. Bundesschluß) in seinem Blut („Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird“, Lk 22,20; vgl. 1 Kor 11,25; Mt 26,28; Mk 14,24). Das ntl. Gottesvolk soll nicht nur während des Erdenlebens Jesu bestehen, sondern auch nach seinem Tod fortdauern, in den Tagen, „da ihnen der Bräutigam genommen wird“ (Mk 2,20). Gerade nach seinem Weggang haben die erwählten Jünger ihre Aufgabe zu erfüllen (Mt 28,19 f; Lk 24,44–49; Joh 20,21–23), soll im besonderen Petrus die Herde Christi weiden (Joh 21,15–17) und seine Brüder stärken (Lk 22,31 f). Christus hat also gemäß dem Heilswillen des Vaters das Reich der Himmel auf Erden verkündet und durch seine gehorsame Erlösungstat begründet (Lumen gentium 3). Die Kirche, dieses anfangende Reich, ist untrennbar mit Christus, dem in Liebe sich hingebenden Gottes- und Menschensohn, verbunden und geprägt durch sein Wort, seine Taten, ja seine Gegenwart („Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“, Mt 28,20; „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ Apg 9,4). Das macht ihr Geheimnis aus (Lumen gentium 5). Vom Vater und von Christus ist sie mit dem Hl. Geist ausgerüstet (vgl. Apg 1,8; 2,4.33; Lumen gentium 4), um ihrer Sendung nachkommen zu können, „das Reich Christi und Gottes anzukündigen und in allen Völkern zu begründen. So stellt sie den anfanghaften Keim dieses Reiches auf Erden dar. Während sie allmähl. wächst, streckt sie sich verlangend aus nach dem vollendeten Reich; mit allen Kräften hofft und sehnt sie sich danach, mit ihrem König in Herrlichkeit vereint zu werden“ (Lumen gentium 5; vgl. Gaudium et spes 40 42; Dignitatis humanae 1 14). „Die Kirche, d.h. das im Mysterium schon gegenwärtige Reich Christi, wächst durch die Kraft Gottes sichtbar in der Welt“ (Lumen gentium 3). Sie selbst muß sich gemäß dem Auftrag Christi um dieses Wachstum mühen (Mt 28,18–20; Mk 16,15 f; Apg 1,8), muß beten und arbeiten, „daß die Fülle der ganzen Welt münde in das Volk Gottes, in den Leib des Herrn und Tempel des Hl. Geistes, und daß in Christus, dem Haupte aller, jegliche Ehre und Herrlichkeit gegeben werde dem Schöpfer und Vater des Alls“ (Lumen gentium 17; vgl. Ad gentes 1–9). Durch Erfüllung dieser ihrer relig. Sendung erweist die Kirche dem Menschengeschlecht den größten Dienst (vgl. Gaudium et spes 11).

Die Kirche, „das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes her geeinte Volk“ (Cyprian, De orat. dom. 23; Augustinus, Serm. 71, 20/33; PL 4,553; 38,463 f; Joh. von Dam., Advon Iconocl. 12, PG 96,1358; Lumen gentium 4), wird in ihrem geheimnisvollen Wesen von der Hl. Schrift unter verschiedenen Bildern dargestellt: als Schafstall (Joh 10,1–16), Pflanzung (Acker) Gottes (Mt 21,33; 1 Kor 3,9; Joh 15,1–5; Röm 11,16–24), Bauwerk (Tempel) Gottes (1 Kor 3,9.16 f; Eph 2,19–22;1 Petr 2,5; Offb 21,1–3), Braut des Lammes (Eph 5,23–32; Offb 19,7; 21,2.9; 22,17), mystischer Leib Christi (Röm 6,4 f; 12,5; 1 Kor 10,17; 12,12–30; Eph 1,22 f; 4,11–16; 5,23 f.30; Kol 1,18; 2,19; Lumen gentium 6 f). All dieser Bilder bezeichnen „eine einzige komplexe Wirklichkeit, die aus göttlichem und menschlichem Element zusammenwächst“ (Lumen gentium 8).

Durch die Tätigkeit der Kirche soll das ganze Menschengeschlecht in das eine Reich Gottes zusammengeführt werden, das in der Kirche schon seinen Anfang hat. So kann die Kirche mit Recht als Sakrament bezeichnet werden, als „Zeichen und Werkzeug für die innerste Vereinigung mit Gott wie für die Vereinigung der ganzen Menschheit unter sich“ (Lumen gentium 1; vgl. 9; Gaudium et spes 45).


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