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Nichtkatholiken (Umgang mit)

Karl Hörmann: LChM 1976, Sp. 1188-1195

Daß der Katholik den Nichtkatholiken (Umgang mit) ebenso wie den Katholiken im Geist der Nächstenliebe begegnen soll, ist selbstverständl. „Achtung und Liebe sind auch denen zu gewähren, die in gesellschaftl., politischen oder rel. Fragen anders denken oder handeln als wir“ (2. Vat. Konz., GS 28). Das 2. Vat. Konz. verwirft jede Schlechterstellung oder gewalttätige Behandlung eines Menschen „um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht“ (NA 5). Begegnungen von Katholiken und Nichtkatholiken (Umgang mit) sind in der heutigen Welt nicht nur unvermeidl., sondern auch wünschenswert. Auf der Grundlage guten Willens können gemeinsame Unternehmungen von Katholiken und Nichtkatholiken (Umgang mit), Christen und Nichtchristen zum Wohl der Menschheit aufgebaut werden (UR 12; GS 21 88 90; AA 14; Johannes XXIII., PT 157–160; Paul VI., PP 85).

I. Diese Erwägungen gelten auch hinsichtl. der Atheisten.

1. Das 2. Vat. Konz. will bei dem Wahren und Guten anknüpfen, das sich bei ihnen findet, zumal wenn sie ohne Schuld noch nicht zur ausdrückl. Anerkennung Gottes gekommen sind (vgl. LG 16), und hält es für notwendig, „daß alle Menschen, Glaubende und Nichtglaubende, zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben, zusammenarbeiten müssen“ (GS 21). Dazu sei ein aufrichtiger und kluger Dialog erforderl. Die Kirche beklage es daher, wenn Staatslenker eine Diskriminierung zw. Glaubenden und Nichtglaubenden einführen und so die Grundrechte der menschl. Person (Menschenrechte) ungerechterweise mißachten. „Für die Glaubenden verlangt die Kirche Handlungsfreiheit, damit sie in dieser Welt auch den Tempel Gottes errichten können. Die Atheisten aber lädt sie schlicht ein, das Evangelium Christi unbefangen zu würdigen“ (GS 21). Johannes XXIII. und Paul VI. haben in verschiedenen Anliegen alle Menschen guten Willens aufgerufen (vgl. die Überschriften zu PT und PP).

2. Auch heute nimmt die Kirche den Atheismus nicht leicht. Das 2. Vat. Konz. sagt, daß man ihn zu den ernstesten Gegebenheiten dieser Zeit rechnen und auf das sorgfältigste prüfen muß (GS 19). Mehr als früher geht die Kirche den Erscheinungsformen des Atheismus und ihren Gründen nach (GS 19 21).

a) Sie unterscheidet den praktischen Atheisten, der keine rel. Unruhe zu spüren scheint und keinen Anlaß sieht, sich um Religion zu kümmern, der daher die Frage nach Gott nicht einmal in Angriff nimmt (GS 19) oder sie mit der Begründung abtut, der Mensch könne über Gott nichts aussagen (GS 19), und den Menschen, der aus dem Atheismus sein weltanschaul. System macht, häufig unter Berufung auf die Wissenschaft, die im Sinn des naturwissenschaftl. Positivismus verstanden wird (GS 19 f): Gott wird dann ausdrückl. geleugnet (Unglaube), oder die Frage nach ihm wird als sinnlos bezeichnet (GS 19).

b) Die Gründe, die zur Stützung eines solchen Systems herangezogen werden, können sehr verschieden sein: b 1) ein falsches Gottesbild, das sich keineswegs mit dem richtig verstandenen Gott des Evangeliums deckt (GS 19); b 2) der Protest gegen das Übel in der Welt, das nach Auffassung dieser Menschen nicht da sein dürfte, wenn es Gott gäbe; wenn sie auf das Übel der Armut achten, lasten sie es vielleicht der Religion an, die die Aufmerksamkeit der Menschen zu sehr auf das Jenseits lenke und ihn dadurch davon abhalte, am wissenschaftl. und sozialen Fortschritt in dieser Welt zu arbeiten (GS 20); b 3) die Freiheit des Menschen als ein so hohes Gut, daß es einen Gott über ihm nicht dulde (GS 19 f; „postulatorischer Atheismus“); b 4) die Überbewertung menschl. und irdischer Güter, die an die Stelle Gottes gerückt werden; die heutige Zivilisation kann den Menschen übermäßig an das Irdische binden und ihm den Zugang zu Gott erschweren (GS 19).

c) Das 2. Vat. Konz. sucht den Atheisten und seine Gründe zu verstehen, geht darin aber nicht so weit, daß es ihn allg. von jeder Schuld freispräche: „Gewiß sind die, die in Ungehorsam gegen den Spruch ihres Gewissens absichtl. Gott von ihrem Herzen fernzuhalten und rel. Fragen zu vermeiden suchen, nicht ohne Schuld“ (GS 19). Es regt dann aber auch die Gläubigen zur Gewissenserforschung an, ob sie nicht am Atheismus ihrer Mitmenschen mitschuldig sind. Der Atheismus sei nicht etwas Ursprüngliches und Eigenständiges; eine seiner Ursachen sei auch die kritische Reaktion der Menschen gegen die Religionen, im besonderen gegen das Christentum dort, wo dieses verbreitet ist. Die Verfehlung der Christen könnte darin bestehen, c 1) daß die Atheisten nicht genügend auf den Glauben hingewiesen wurden (z.B. durch unrichtige Darlegung der Glaubenslehre) oder, was schwerer wiegt, c 2) daß die Christen ihren Glauben in ihrem rel., sittl. und gesellschaftl. Leben nicht bewähren (fides informis) und so das wahre Antlitz Gottes und der Religion eher verhüllen als offenbaren (GS 19).

d) Niemals kann die Kirche mit dem Atheismus einverstanden sein. „Die Kirche kann, in Treue zu Gott wie zu den Menschen, nicht anders, als voll Schmerz jene verderbl. Lehren und Maßnahmen, die der Vernunft und der allg. menschl. Erfahrung widersprechen und den Menschen seiner angeborenen Größe entfremden, mit aller Festigkeit zu verurteilen, wie sie sie auch bisher verurteilt hat“ (GS 21 mit Hinweis auf Pius XI., „Divini Redemptoris“, 1937; Pius XII., „Ad Apostolorum Principis“ 1958, Johannes XXIII., MM 1961; Paul VI., „Ecclesiam suam“, 1964).

Das 2. Vat. Konz. verwirft den Atheismus eindeutig (GS 21), begnügt sich aber nicht damit, sondern bezeichnet es als wichtigste Aufgabe der Christen, den Atheisten zu helfen d 1) durch geeignete Vorlage der christl. Lehre und d 2) mehr noch durch ein echt christl. Leben, durch das sie in gewisser Weise Gott gegenwärtig und sichtbar machen; also durch einen lebendigen und gereiften Glauben, der das gesamte Leben der Christen durchdringt und sie zu Gerechtigkeit und Liebe bewegt (fides formata); durch eine Bewährung des Glaubens, die zeigt, daß der Christ durch die eschatolog. Hoffnung von den irdischen Aufgaben nicht abgehalten, sondern zu ihrer Erfüllung gedrängt wird, und daß die Würde des Menschen durch die Verbindung mit Gott nicht leidet, sondern gewinnt (GS 21).

e) Am 1.7.1949 hat das Hl. Offizium auf mehrere Anfragen geantwortet (D 3865; vgl. 3930), es sei dem Katholiken nicht erlaubt, einer kommunistischen Partei beizutreten oder sie zu fördern; auf das Schrifttum des Kommunismus seien die kirchl. Vorschriften über verbotene Bücher anzuwenden; Katholiken, die wissentl. und freiwillig dagegen verstoßen, hätten nicht die Verfassung, die zum fruchtbaren Empfang der Sakramente notwendig sei, und dürften daher zu ihnen nicht zugelassen werden, solange sie ihr Verhalten nicht ändern wollen; Katholiken aber, die sich zur materialistischen und antichristl. Lehre der Kommunisten bekennen, und bes. jene, die diese Lehre verteidigen und verbreiten, fallen damit vom kath. Glauben ab, daher treffe sie die auf Glaubensabfall gesetzte Exkommunikation. Der Grund zu dieser Stellungnahme war die weltanschaul. Grundlage des Kommunismus, die diesen zum Christentum in einen unüberbrückbaren Gegensatz bringt (vgl. D 2786; Pius I., „Divini Redemptoris“, AAS 1937, 65–106). Wenn heute die Kirche nach Verständigungsmöglichkeiten im prakt. Bereich (etwa in der Förderung des Friedens) sucht und kommunist. Machthaber ihren Druck auf die Christen gelegentl. mildern, ändert sich dadurch doch nichts am weltanschaul. Gegensatz.

Die Kirche und die Christen sind überzeugt: „Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott. Zum Dialog mit Gott ist der Mensch schon von seinem Ursprung her aufgerufen: Er existiert näml. nur, weil er, von Gott aus Liebe geschaffen, immer aus Liebe erhalten wird; und er lebt nicht voll gemäß der Wahrheit, wenn er diese Liebe nicht frei anerkennt und sich seinem Schöpfer anheimgibt“ (GS 19). Wenn die Kirche und die Christen dieses Menschenbild in Lehre und Leben aufzeigen, und wenn ein Teil der Menschen dieses Menschenbild nicht annimmt oder es ablehnt, bleibt der Kirche und den Christen nichts anderes übrig, als in Trauer zu sagen: Ihr seid mit uns (noch) nicht eines Sinnes. Eben das ist der Inhalt der Erklärung des hl. Offiziums vom 1.7.1949.

II. In jüngster Vergangenheit fehlt es nicht an Versuchen, das Verhältnis der Kirche zur Freimaurerei neu zu beleuchten. Im besonderen richtet sich die Frage darauf, ob sich nicht nur das praktische Verhalten, sondern auch die Lehre der Freimaurerei derart gewandelt hat, daß die Kirche gegen den Eintritt von Katholiken in Freimaurerlogen keinen Einwand mehr zu erheben braucht.

III. Im Verhältnis von Katholiken und gläubigen Nichtchristen kann man das betonen, was sie miteinander verbindet, oder das, was sie voneinander trennt. Paulus hebt einmal vor heidnischen Zuhörern die Verehrung des „unbekannten Gottes“ hervor, die er mit ihnen gemeinsam hat (Apg 17,22 f); ein anderes Mal schreibt er, daß die Heiden die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten (Röm 1,18–22).

1. Zum Verbindenden zählt die gleiche Menschenwürde. Das christl. Gebot der Nächstenliebe verpflichtet daher den Christen auch gegenüber dem Nichtchristen: „Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderl. Haltung verweigern“ (2. Vat. Konz., NA 5). Zweifellos finden sich unter den glaubenden Nichtchristen viele Menschen guten Willens; sie werden mit den Katholiken zus. von den letzten Päpsten zum gemeinsamen Wirken für das Wohl der Menschheit aufgerufen.

2. Zum Verbindenden zählen auch rel. Güter. „Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedensten Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschl. Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Erkenntnis einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters“ (NA 2). „Die kath. Kirche lehnt nichts ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist“ (NA 2). „Desh. mahnt sie ihre Söhne, daß die mit Klugheit und Liebe durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christl. Glaubens und Lebens jene geistl. und sittl. Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern“ (NA 2). Näher verbunden weiß sich die Kirche mit der Religion des Islam (NA 3) und der jüdischen Religion (NA 4). Sie spricht sogar davon, daß die Nichtchristen in verschiedener Weise auf das ntl Gottesvolk hingeordnet seien, am nächsten die Juden, die als atl Gottesvolk die Kirche vorbereiteten; ferner die übrigen Monotheisten (im besonderen die Muselmanen), die den einen Schöpfergott anerkennen; aber auch die Angehörigen anderer Religionen, die ehrl. Gott suchen und nach bestem Gewissen seinen Willen erfüllen (LG 16).

Wenn auch schon von den Kirchenvätern die Logoi spermatikoi in der Menschheit anerkannt wurden, bedeutet das nicht, daß sich der Christ einfach mit den rel. Auffassungen der Nichtchristen identifizieren kann. Wie weit rel. Gemeinsamkeiten da sind, ist von den Sachkundigen in sorgfältiger Prüfung zu klären.

Für gemeinsame rel. Unternehmungen ist zu fragen, wie weit dafür eine gemeinsame geistige Grundlage gegeben ist. Das gemeinsame rel. Tun darf nicht auf einer Verschleierung der Unterschiede aufbauen. Zur Verhütung falscher Eindrücke wird man sich trotz allem notwendigen Einheitsstreben doch häufig an das Pauluswort halten müssen: „Welchen Anteil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Wie paßt der Tempel Gottes zu den Götzen?“ (2 Kor 6,15 f).

IV. Besondere Beachtung verdient das Verhältnis von Katholiken und nichtkath. Christen (Ökumenismus).


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