Okkultismus
Karl Hörmann
Lexikon der christlichen Moral
LChM 1976, Sp. 1213-1223
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I. Als okkult (= ok.) bezeichnet man
zweierlei außerordentl. u. geheimnisvolle Phänomene:
a) parapsychische, die auf seelischem Gebiet
liegen, näml. paranormalen Wissenserwerb (vgl. II) aa) von objektiven
Sachverhalten in Gegenwart (Raumhellsehen), Vergangenheit (Rückschau;
Psychometrie, wenn mit Hilfe von Gegenständen, die mit den vergangenen
Ereignissen in Berührung standen) od. Zukunft (Prophetie) od. bb) von
Wissensinhalten anderer Personen, wobei der "Sender" aktiv u. der
"Empfänger" passiv (Telepathie) od. der "Spender" passiv u.
der "Empfänger" aktiv (Gedankenlesen) od. beide aktiv (Experiment)
sein können;
b) paraphysische, die sich im Bereich des
Körperlichen abspielen (vgl. II 2), näml. Fernbewegungen von Gegenständen
(Telekinese), Materialisation, Fernwirkungen ohne erkennbaren Einfluß lebender
Personen (Spuk: Poltern, Bewegung von Gegenständen, Worte, Seufzen),
Ortsveränderungen von Gegenständen ohne Durchlauf einer Raumbahn (Apporte).
1. Die ok.en Phänomene stehen mit bes. dafür
geeigneten Personen in Zusammenhang, deren Fähigkeiten sich meistens in einem
eigentüml. Zustand (Trance) betätigen. Für eine solche Person ist der Name
Medium gebräuchl.; die Bezeichnung Metagnom, die H. Driesch zur Vermeidung
einer Deutung schon im Namen (Medium = Vermittler zu einer jenseitigen Welt)
vorschlug, konnte sich nicht durchsetzen. Dagegen konnte sich erfreulicherweise
für die Beschäftigung mit den genannten Phänomenen der Name O. einbürgern, der
nicht mehr sagt, als daß es sich um ungenügend geklärte Vorgänge handelt. In
anderen Bezeichnungen steckt schon eine Deutung dieser Vorgänge:
"Mediumismus" will glauben machen, daß an ihnen eine jenseitige Welt
beteiligt sei, mit der eben das Medium verbinde; "Spiritismus" verrät
die Anschauung, diese Vorgänge seien von den Geistern Verstorbener bewirkt.
2. Wenn auch auf diesem Gebiet oft genug
Betrug entlarvt wurde, läßt sich doch ein kleiner Prozentsatz ok.er Phänomene
nicht durch Betrug erklären. Er scheint auf natürl., wenn auch noch nicht
vollkommen erforschte Kräfte zurückzugehen. Eine große Rolle scheint bes. bei
den parapsychischen Erscheinungen das Unterbewußtsein zu spielen, das in Trance
erstaunl. Leistungen vollbringt. Seit unvordenkl. Zeiten deutet der Mensch
diese Dinge als von übermenschl. Mächten od. von Geistern Verstorbener
hervorgerufen u. ist in Versuchung, durch sie mit solchen Mächten in Verbindung
treten zu wollen, um mit ihrer Hilfe bestimmte Wirkungen zu erreichen. Die
wichtigsten Übungen mit solchem Einschlag waren schon im Altertum bekannt (vgl.
Dtn 18,10-12; Isidor v. Sevilla, Etym. VIII 9; PL 82,312; Thomas v. A., S.Th.
2,2 q.95 a.3).
Gegenüber einer allzu raschen Annahme
dämonischen Einflusses (vgl. hinsichtl. eines Vorauswissens, das allen
Anzeichen nach nicht von Gott stammt, den Hirten des Hermas, Mand. XI 3;
Augustinus, De civ. D. XXI 6 f; PL 41,716 f; Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95 a.2)
ist man jedoch vorsichtiger geworden; man rechnet eher mit natürl.
Erklärungsmöglichkeiten. Der alte Hexenwahn etwa, der nicht in der christl. Offenbarung,
sondern in Resten des Heidentums wurzelt, gehört zu den bedauernswerten
Massenirrtümern. Dennoch ist noch nicht alles daran aufgeklärt. Manche
"Hexen" waren ebenso wie heute manche spiritist. Medien infolge der
Bewußtseinsspaltung in Trance davon überzeugt, mit Dämonen (Geistern) in
Verbindung zu stehen. Daß sie auf ihre überzeugten Aussagen hin von den
Gerichten entsprechend behandelt wurden, nimmt nicht wunder. Über die
Möglichkeiten, mit Hilfe von Drogen das Seelenleben von Menschen tiefgreifend
zu verändern, haben uns die Forschungen der letzten Jahrzehnte die Augen
geöffnet.
3) Zur sittl. Beurteilung ist zu beachten:
a) Gegen die Erforschung noch nicht genügend
geklärter natürl. Kräfte u. ihre Verwendung zu erlaubten Zwecken ist grundsätzl.
nichts einzuwenden.
b) Die Verzerrung beginnt, wenn der Mensch
diese Beschäftigung aus der Hinordnung seines Lebens auf Gott herausnimmt u.
sich in magischer Einstellung geheimnisvollen unpersönl. Kräften zuwenden u.
durch sie etwas erreichen will (Magie). Gerade die ok.en Phänomene bergen in
sich eine besondere Gefahr: Sie zeigen dem Menschen zwar, daß es Wirklichkeiten
über die für gewöhnl. mit den Sinnen wahrnehmbaren Dinge hinaus gibt, müssen
ihn aber nicht zu Gott führen; die Paranatur versperrt sogar den Weg zu Gott,
wenn sie zum Ersatz für die Übernatur wird.
c) Ebenso verzerrt der Mensch sein Leben,
wenn er durch ok. Praktiken losgelöst von Gott die Verbindung mit übermenschl.
persönl. Wesen (Dämonen, Geistern) sucht (vgl. Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95
aa.1 f). Häufig schreibt er dabei diesen Mächten höhere Fähigkeiten, als sie
besitzen, ja göttl. Eigenschaften zu, womit er mehr od. minder verantwortl. in
das Gebiet der Gotteslästerung u. des Götzendienstes gerät (vgl. Thomas v. A.,
S.Th. 2,2 q.95 a.3; Alfons M. di Lig., Theol. mor. IV 5). Ok.e Praktiken mit
derartigem Einschlag werden im AT als ein Greuel vor dem Herrn bezeichnet (Dtn
18,10-12; vgl. Ex 22,17; Lev 19,9.26-28.31; 20,6.27; Num 23,23; Dtn 13,2-6; 2
Kön 16,3; 2 Makk 12,40; Weish 12,4; 17,7-9; Jes 19,3; Jer 27,9; Mi 5,11; Mal
3,5; Apg 13,6.8 f; 19,9; Gal 5,20; Offb 9,21; 18,23; 21,8; 22,15). Nach
Hieronymus werden sie von der Hl. Schrift niemals als gut gewertet (Com. in
Mich. 3,9; PL 25,1183).
4. Unter den Wirkungen, die der Mensch durch
ok. Übungen erreichen will, spielen Geheimwissen, Heilungen u. zauberhaft
wirkende Phänomene eine besondere Rolle.
II. Nach dem Wissen verborgener, im
besonderen künftiger Dinge kann der Mensch auf verschiedenen Wegen forschen:
durch Verwendung natürlicher (wenn auch vielleicht nicht allg. bekannter)
Mittel (die Zukunftsforschung = Futurologie z.B. zieht aus jetzt feststellbaren
Tendenzen ihre Schlüsse auf die Zukunft), durch magische Versuche od. durch
Verbindung mit übermenschl. Mächten (divinatio), abgesehen davon, daß Gott ihm
außerordentl. Einsichten gewähren kann (z.B. ihn zu echter Prophetie künftiger
Dinge befähigen kann). Ob es hinsichtl. der künftigen Ereignisse, die nicht von
notwendig wirkenden Ursachen, sondern von freien Willensentschlüssen od. von
physischen Ursachen, die sie nach dem allg. Lauf der Dinge nicht hervorbringen,
abhängen (futura contingentia; Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95 a.1), eine echte
natürl. Prophetie (Vorgesicht, zweites Gesicht) od. bloß eine bessere Ursachenkenntnis
scheinbarer Futura contingentia durch bes. Befähigte gibt, ist strittig. Für
die sittl. Beurteilung der Wege zum Erwerb ge heimen Wissens sind die schon
angeführten Überlegungen heranzuziehen (vgl. I 3).
1. Das Streben nach Geheimwissen bringt den
Menschen in Unordnung, wenn es unter Loslösung von Gott durch magische Züge od.
den Versuch, mit Hilfe übermenschlicher persönl. Mächte ans Ziel zu kommen,
gekennzeichnet ist. In dieser Weise können Astrologie Handlesen,
Kristallomantie, Radiästhesie, Tischrücken, Traumdeutung geprägt sein. Auf
übermenschl. persönl. Mächte ist eindeutig der Spiritismus ausgerichtet. Wenn
Anthroposophie u. Theosophie dem Menschen die Einführung in tieferes Erkennen
versprechen, ziehen sie ihn zugleich von Gott weg.
a) Die Astrologie behauptet einen Einfluß der
Gestirne auf das Weltgeschehen u. im besonderen auf das Schicksal des Menschen.
Wenn sie mit natürl. Mitteln nach dem physischen Einfluß der Gestirne auf das
Wetter, das Körperbefinden u. damit zusammenhängend auf das Verhalten des
Menschen forscht u. vorsichtig allg. Aussagen darüber macht, ist dagegen nichts
einzuwenden (vgl. Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95 a.5). Zu beachten ist auch, daß
die Menschen geneigt sind, gewisse Vorgänge am Sternenhimmel in ganz bestimmter
Weise sinnbildl. zu deuten, u. in diesem Sinn von ihnen "beeinflußt"
werden. Daß jedoch Dinge, die vom Zufall od. vom freien Willen abhängen, aus
den Sternen mit Gewißheit vorauserkannt werden könnten, läßt sich nicht
nachweisen. Menschen, die ihr Leben nach solchen "Erkenntnissen"
gestalten wollen, sind in Gefahr, sich um ihre wirkl. Aufgaben nicht zu kümmern
u. dadurch zu versagen; häufig hat ihr Verhalten einen magischen Hintergrund
od. entspringt es dem mehr od. minder bewußten Suchen einer Verbindung mit
dämonischen Mächten. Zur verantwortungsbewußten Lebensgestaltung steht es in
Widerspruch (vgl. Augustinus, De cont. 14; PL 40,358; Pius II., D 1364).
b) Gegen das Auslosen als vertragl.
festgelegte Art der Verteilung von Vorteilen od. Lasten ist an sich nichts
einzuwenden. Wenn dadurch Streitigkeiten vermieden od. bereinigt werden, ist es
sogar zu begrüßen (vgl. Spr 16,33). Anders steht es mit dem Auslosen, durch das
der Mensch Auskünfte über Verborgenes, vor allem über die Zukunft, od.
Weisungen für das eigene Tun erhalten will. Es kann zwar nicht allg.
ausgeschlossen werden, daß der Mensch in Unterordnung unter Gott od. sogar
angeregt von Gott bei Versagen anderer Mittel aus triftigen Gründen einen
solchen Weg einschlägt (vgl. Jos 7,14; Apg 1,26; Augustinus, De doctr. chr. I
28; Ep. 228; PL 34,30; 33,1018; Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95 a.3). In den
meisten Fällen aber führt die Frage nach der Verantwortbarkeit u. nach dem
Hintergrund des Verhaltens zu einem negativen sittl. Urteil (vgl. Ez 21,26;
Thomas v. A., a.a.O.; Alfons M. di Lig., Theol. mor. IV 11).
c) Beim Handlesen (Chiromantie) will man aus
den Handlinien das (künftige) Schicksal des Menschen herausfinden. Ein
Zusammenhang zw. Handbildung, Körperkonstitution u. Charakter kann nicht
geleugnet werden; ein Schluß aus den ersten beiden auf das Befinden u. die
allg. Handlungsweise des Menschen erscheint als mögl. Eine Verbindung von
Handlinien u. äußeren Ereignissen, die das Leben des Menschen mitbestimmen, ist
jedoch keineswegs zu erweisen. Sofern nicht Telepathie, Hellsehen usw.
mitspielen, richten sich gegen das Handlesen ähnl. Bedenken wie gegen andere
Arten des Strebens nach Geheimwissen (vgl. Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95 a.3).
d) Kristallomantie (Kristalloskopie) nennt
man die Konzentration von Blick u. Aufmerksamkeit auf einen glänzenden
Gegenstand (Spiegel, Glaskugel u. dgl.), in dem der Seher angebl. ein Gesicht
schaut (divinatio "in lapide polito", Thomas v. A., S.Th. 2,2 q.95
a.3). Das Anstarren des Gegenstandes scheint dazu zu dienen, das Medium in
Trance zu versetzen, in dem verschiedene Bilder aus einem Unterbewußtsein
aufsteigen. Der Übergang zu sittl. ungeordnetem Streben nach Geheimwissen ist
jedoch mögl.
e) Unter Radiästhesie versteht die
Wahrnehmung gewisser Strahlungen durch dafür bes. begabte (sensible) Menschen.
Mit Hilfe der Wünschelrute (virga divinatoria) sucht man unterirdische
Wasserläufe, Metallvorkommen od. anderes festzustellen; mit Hilfe des
siderischen Pendels den Inhalt verschlossener Briefe, den Gesundheitszustand
innerer Organe, Leben od. Tod der auf Photos dargestellten Personen usw.
Wünschelrute u. siderisches Pendel sind nur Instrumente, welche sonst unmerkl. Nervenbewegungen
sichtbar machen. Diese werden im Wünschelrutengänger durch Strahlungen
hervorgerufen (die Meinung von Alfons M. di Lig., Theol. mor. IV 8; Homo ap.
tom. I tr.4 n.35, die Wünschelrute könne nicht durch natürl. Kräfte bewegt
werden, ist nicht zu halten), im Betätiger des siderischen Pendels durch
Wissensinhalte, die auf parapsychischem Weg erlangt werden. Die Brauchbarkeit
der Wünschelrute dürfte außer Zweifel stehen, beim siderischen Pendel sind
Zweifel eher angebracht. Wenn man bei ihrem Gebrauch im Bereich des Natürlichen
bleiben will, ist dagegen nichts einzuwenden. Der Übergang zu sittl. nicht
einwandfreiem Forschen nach Geheimwissen ist auch hier mögl. Geistliche können
durch ein derartiges Forschen nach persönl. Schicksalen u. künftigen
Ereignissen ihren für die Seelsorge notwendigen guten Ruf schädigen u. anderen
Ärgernis bieten; so wendet sich eine Weisung des Hl. Offiziums vom 26.3.1942
(AAS 1942,148) dagegen.
f) Die okkultistische Übung des Tischrückens
kommt als physikalisches Phänomen wahrscheinl. durch unwillkürl. Nervenregungen
der Beteiligten zustande. Psychisch (hinsichtl. der dabei gefundenen
Wissensinhalte) spielt deren Unterbewußtsein eine wichtige Rolle. Wenn sie
dabei ausdrückl. od. stillschweigend eine Verbindung mit Dämonen od. Seelen
Verstorbener suchen, forschen sie in unerlaubter Weise nach Geheimwissen. Ohne
solche Absicht kann die Übung zur Erforschung des physikalischen Phänomens od.
der natürl. psychischen Zusammenhänge zulässig sein.
2. Als Spiritismus bezeichnet man a) eine
wissenschaftl. Theorie über die Verursachung der sog. außernatürl. Vorgänge
(vgl. I), die nicht von lebenden Menschen, sondern von körperlosen Seelen
Verstorbener od. anderen Geistwesen ausgehen sollen, u. b) eine
schwärmerisch-rel. Sekte, die sich in Anwendung dieser Theorie durch mündl.
Beschwörung od. durch symbolische Zeremonien die Geister dienstbar machen will,
um von ihnen Auskünfte vor allem über das Leben im Jenseits zu erhalten. Die
amerik. Schwestern Fox, von denen der Spiritismus in der Mitte des 19. Jh.s
ausging, gebrauchten zur Verständigung mit den Geistern ein Alphabet von
Klopflauten. Als sonstige Verständigungsmittel werden verwendet: ein nach der
Zahl der Hebungen beim Tischrücken zusammengestelltes Alphabet; ein auf einem
Tisch aufgelegtes Alphabet, zu dem ein von den Beteiligten berührter
(Glas-)Gegenstand gleitet; die Planchette (ein auf Papier gestelltes kleines
Tischchen, dessen einer Fuß durch einen Bleistift ersetzt ist; die Beteiligten
legen die Hand darauf, das Tischchen bewegt sich u. schreibt
"Botschaften" nieder); automatisches Schreiben (das Medium nimmt
einen Bleistift zur Hand u. überläßt sich der Macht, die es zur Niederschrift
von "Botschaften" bewegt). Die spiritistischen Sitzungen geschehen in
Anwesenheit eines Mediums unter gewissen Bedingungen (im Dunkelkabinett).
Fernbewegungen, Levitationen u. Apporte spielen dabei eine wichtige Rolle. Man
will die Geister in Materialisationen sichtbar machen u. sogar photographieren.
Viele berühmte Medien wurden als Betrüger
entlarvt. Beim Rest, der sich nicht als Betrug erklären läßt, kann nach der
physikalischen Seite eine gewisse organische Elektrizität mitspielen. Nach der
psychischen (inhaltl.) Seite wurde festgestellt, daß alle derartigen
Botschaften die Welt der beteiligten Menschen widerspiegeln. Es scheint sich um
besondere Leistungen des Unterbewußtseins zu handeln. Der häufige Eindruck des
Mediums, in Trance spreche aus ihm eine andere Person, erklärt sich
wahrscheinl. daraus, daß in Trance das Unterbewußtsein im Vordergrund steht, im
Wachzustand das Oberbewußtsein, u. daß infolge dieser Bewußtseinsspaltung das
Medium alles, was es in Trance sagt, für Äußerungen einer anderen Person hält.
Der Spiritismus erweist sich als Versuch, an
die Stelle echter rel. Hingabe an Gott (Religion, Gottesverehrung) die
Verbindung mit nichtgöttl. personalen Mächten zu setzen u. durch sie Zugang zu
einem Bereich zu erlangen, den Gott nicht gewährt. Das AT bezeichnet die
Totenbeschwörung (Nekromantie) als einen Greuel vor Gott (Dtn 18,11 f; vgl. Lev
19,31; 20,6.27; Jes 8,19 f; 19,3). Saul rottet die Totenbeschwörer im Land aus
(1 Sam 28,9), sündigt aber dann selbst durch Totenbeschwörung (1 Sam 28,3-20;
vgl. 1 Chr 10,13 f). Die Kirche lehnt eigentl. spiritist. Betätigung u. jegl. Teilnahme
daran ab (D 2285 3642). Zulässig sein kann das Forschen nach natürl. Ursachen
sog. spiritistischer Phänomene.
III. In den okkultistischen Übungen kann es
dem Menschen um den Erwerb von Geheimnissen, aber auch um andere Wirkungen
gehen, häufig um wunderbare Heilungen od. zauberhaft wirkende Phänomene.
1. Wunderkuren zielen auf Heilungen durch
anscheinend nicht ausreichende physische Mittel (Berühren, Anhauchen, Salben)
od. durch moralische Mittel (Gebet, Besprechungen, Berührung mit gesegneten
Gegenständen) hin. Nicht jede Anwendung solcher Mittel hat magischen od.
spiritistischen Charakter, weil abgesehen davon, daß Gott auf das Bittgebet hin
dem Menschen die Gesundheit schenken kann, der Krankheitsverlauf seelisch
beeinflußt werden kann, bes. bei seelisch verursachten Krankheiten. Zu beachten
ist ferner, daß es eine von Gott herrührende Gabe der Heilungen gibt (1 Kor
12,9), die sich als nicht erlernte, nicht an eitle u. ungeeignete Mittel,
überhaupt nicht in erster Linie an Worte od. Zeichen gebundene Fähigkeit
auszeichnet. Bei Wunderheilungen ist zuerst auf natürl. Kräfte zu schließen;
gegen deren Verwendung besteht kein sittl. Einwand. Wenn jedoch derartige
Besprechung magische od. spiritist. Färbung annimmt, beginnt die sittl.
Unordnung.
Zu den Wunderkuren, die nur mit moralischen
Mitteln arbeiten, zählt das Gesundbeten der "Christlichen
Wissenschaft" (Christian Science), einer von Mary Baker gegründeten
christl. verbrämten pantheistischen Sekte. Diese lehrt, die Welt sei die geistige
Erscheinung der unpersönl. geistigen Urkraft. Die Sünde liege im falschen
Denken über das Verhältnis der Welt u. des Menschen zu Gott. Dieses Denken
führe zur Annahme der Materie, zur Einbildung von Krankheit u. Tod. Die
Erlösung erfolge durch Christus, der als erster Scientist die Einheit der Welt
mit Gott gelehrt habe u. dessen Werk die "Christl. Wissenschaft"
fortsetze. Durch gedankl. Einswerden mit Gott, bes. im Gebet, schwinde die Idee
der Krankheit. - Die Entstellung des Christentums durch diese Sekte ist offenkundig.
Wenn durch ihre Methode tatsächl. Wiederherstellungen erreicht werden, sind sie
der (Auto-) Suggestion zuzuschreiben.
Eine andere Methode will zur Heilung von
Krankheiten den animalischen Magnetismus verwenden, eine Kraft, von der man
annimmt, sie sei in lebenden Organismen vorhanden u. der mineralischen
magnetischen Kraft ähnl. Die Heilkunst des Magnetismus, nach Franz Mesmer (+
1815) auch Mesmerismus genannt, hat z.T. spiritist. Charakter angenommen. Als
reines Heilverfahren darf der Magnetismus angewandt werden, als spiritist.
Übung ist er sittl. unzulässig (D 2823-25).
2. In der Magie im engeren Sinn geht es
darum, durch okkultist. Praktiken Wirkungen hervorzubringen, die den Eindruck
des Wunderbaren machen.
Der Katechismus der Katholischen Kirche
schreibt dazu:
Wahrsagerei und Magie
2115 Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft
offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft
vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder
Neugier zu enthalten. Wer es an notwendiger Voraussicht fehlen läßt, handelt
verantwortungslos.
2116 Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen:
Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen,
von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern"
[Vgl. Dtn 18,10; Jer 29,8.]. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten
von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt
sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die
Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies
widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein
Gott schulden.
2117 Sämtliche Praktiken der Magie und
Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie
in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu
gewinnen — sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen —‚ verstoßen schwer
gegen die Tugend der Gottesverehrung. Solche Handlungen sind erst recht zu
verurteilen, wenn sie von der Absicht begleitet sind, anderen zu schaden, oder
wenn sie versuchen, Dämonen in Anspruch zu nehmen. Auch das Tragen von
Amuletten ist verwerflich. Spiritismus ist oft mit Wahrsagerei oder Magie
verbunden. Darum warnt die Kirche die Gläubigen davor. Die Anwendung
sogenannter natürlicher Heilkräfte rechtfertigt weder die Anrufung böser Mächte
noch die Ausbeutung der Gutgläubigkeit anderer.
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