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Spiritismus

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 1131 f

Als Spiritismus bezeichnet man a) eine wissenschaftl. Theorie über die Verursachung der sog. außernatürl. Vorgänge (vgl. Okkultismus), die nicht von lebenden Menschen, sondern von körperlosen Seelen Verstorbener oder anderen Geistwesen ausgehen sollen, und b) eine schwärmerisch-relig. Sekte, die sich in Anwendung dieser Theorie durch mündl. Beschwörung oder durch symbolische Zeremonien die Geister dienstbar machen will, um von ihnen Auskünfte vor allem über das Leben im Jenseits zu erhalten. Die amerikanischen Schwestern Fox, von denen der Spiritismus in der Mitte des 19. Jh.s ausging, gebrauchten zur Verständigung mit den Geistern ein Alphabet von Klopflauten. Als sonstige Verständigungsmittel werden verwendet: ein nach der Zahl der Hebungen beim Tischrücken zusammengestelltes Alphabet; ein auf einem Tisch aufgelegtes Alphabet, zu dem ein von den Beteiligten berührter (Glas-) Gegenstand gleitet; die Planchette (ein auf Papier gestelltes kleines Tischchen, dessen einer Fuß durch einen Bleistift ersetzt ist; die Beteiligten legen die Hand darauf, das Tischchen bewegt sich und schreibt „Botschaften“ nieder); automatisches Schreiben (das Medium nimmt einen Bleistift zur Hand und überläßt sich der Macht, die es zur Niederschrift von „Botschaften“ bewegt). Die spiritistischen Sitzungen geschehen in Anwesenheit eines Mediums unter gewissen Bedingugnen (im Dunkelkabinett). Fernbewegungen, Levitationen und Apporte spielen dabei eine wichtige Rolle. Man will die Geister in Materialisationen sichtbar machen und sogar photographieren. – Viele berühmte Medien wurden als Betrüger entlarvt. Beim Rest, der sich nicht als Betrug erklären läßt, kann nach der physikalischen Seite eine gewisse organische Elektrizität mitspielen. Nach der psychischen (inhaltl.) Seite wurde festgestellt, daß alle derartigen Botschaften die Welt der beteiligten Menschen widerspiegeln. Es scheint sich um besondere Leistungen des Unterbewußtseins zu handeln. Der häufige Eindruck des Mediums, in Trance spreche aus ihm eine andere Person, erklärt sich wahrscheinl. daraus, daß in Trance das Unterbewußtsein im Vordergrund steht, im Wachzustand das Oberbewußtsein, und daß infolge dieser Bewußtseinsspaltung das Medium alles, was es in Trance sagt, für Äußerungen einer anderen Person hält.

Es ist nicht anzunehmen, daß Gott eine Verbindung des auf Erden lebenden Menschen mit Seelen Verstorbener oder guter Geistwesen aus Gründen, die Gottes nicht würdig sind (zur Befriedigung der Neugier des Menschen oder gar zu bösen Zwecken), zuläßt. Wer also mit ihnen in Verbindung treten und durch sie Verborgenes erforschen will, begibt sich ausdrückl. oder wenigstens einschlußweise unter den Einfluß dämonischer Mächte und sündigt durch dieses unerlaubte Forschen nach geheimem Wissen (divinatio). Das AT bezeichnet dies als einen Greuel vor Gott (Dtn 18,11 f). Saul rottet die Totenbeschwörer im Land aus (1 Sam 28,9), sündigt aber dann selbst durch Totenbeschwörung (1 Sam 28,3–20). Die Kirche lehnt daher eigentl. spiritistische Betätigung und jegl. Teilnahme daran ab (D 2285 3642 [1654 2182]). Zulässig sein kann das Forschen nach natürl. Ursachen sogenannter spiritistischer Phänomene.


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