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Welt

Karl Hörmann: LChM 1976, Sp. 1704-1709

1. Der Begriff Welt ist vieldeutig. Auch die Offenbarung spricht von ihr in mehrerlei Sinn. Unter einem bestimmten Gesichtspunkt erscheint sie als böse Welt, die dem Menschen zur Versucherin wird. In umfassender Schau jedoch ist sie Schöpfung Gottes und Schauplatz seines Wirkens, mit dem Menschen in Heil und Unheil verbunden. Vor den Augen des 2. Vat. Konz. steht steht „der Welt der Menschen, d.h. die ganze Menschheitsfamilie mit der Gesamtheit der Wirklichkeiten, in denen sie legt; die Welt, der Schauplatz der Geschichte der Menschheit, von ihren Unternehmungen, Niederlagen und Siegen geprägt; die Welt, die nach dem Glauben der Christen durch die Liebe des Schöpfers begründet ist und erhalten wird; die unter die Knechtschaft der Sünde geraten, von Christus aber, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, durch Brechung der Herrschaft des Bösen befreit wurde; bestimmt, umgestaltet zu werden nach Gottes Heilsratschluß und zur Vollendung zu kommen“ (GS 2).

2. Wenn die Welt auch in gewissem Maß bösen Mächten ausgeliefert ist und sich Gott und seinem Heilswirken verweigert, läßt die Offenbarung doch erkennen, daß sie nicht ihrem Wesen nach böse ist. Sie verdankt ja ihren Ursprung nicht einer bösen Macht, sondern Gott und steht unter seiner Vorsehung (GS 37). „Gott, der die Welt und alles in ihr geschaffen hat, der Herr des Himmels und der Erde“ (Apg 17,24; vgl. 4,24; Mk 13,19; Röm 1,25; Eph 3,9; Hebr 1,10; Offb 4,11; 10,6;), hat sie durch Christus ins Dasein gerufen (Joh 1,3.10; Kol 1,15 f; Hebr 1,2; Offb 3,14). „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, aus dem alles ist und für den wir da sind, und (wir haben) nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den alles ist, durch den auch wir sind“ (1 Kor 8,6). Die Welt ist darum Christi Eigentum (Joh 1,11; Hebr 1,2). Als Gottes Schöpfung kann sie ihrem Wesen nach nicht böse sein. „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“ (1 Tim 4,4; vgl. Gen 1,31; Röm 14,14.20; 1 Kor 10,25–27). Ja dem, der sehen will, wird die Welt zum Zeugnis für Gott. „Denn sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und Göttlichkeit sind seit der Erschaffung der Welt an seinen Werken durch die Vernunft zu erkennen“ (Röm 1,20). „Nimmer also ist die Natur als solche böse“ (Augustinus, De Gen. ad litt. 1,3; PL 34,221). „Was Gott für dich schuf, ist gut“ (Augustinus, Serm. 21,3; PL 38,144). Unheil droht daher dem Menschen nicht eigentl. aus den Weltdingen, sondern aus seinem eigenen Herzen.

3. Der Mensch hat in der Welt und an ihr eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen („Jahwe Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue“, Gen 2,15; „Erfüllet die Erde und macht sie euch untertan!“, Gen 1,28), wenn sie ihm auch in ihrer jetzigen Gestalt keine endgültige Heimat bietet (vgl. Phil 3,20; Hebr 13,14; 1 Petr 2,11).

Durch seine Geistigkeit vermag der Mensch die geschaffenen Dinge in ihrer Eigenart (Eigengesetzlichkeit und -wertigkeit) zu erkennen, zu gebrauchen und zu gestalten (vgl. GS 36). Unvermeidl. stößt er aber auf die Frage nach dem Sinn seiner Arbeit an der Welt, zumal die Erfahrung zeigt, daß die Ergebnisse des wissenschaftl.-technischen Fortschrittes nicht nur zum Wohl, sondern auch zum Verderben des Menschen verwendet werden können. Dieser Fortschritt ist nicht Selbstzweck; seine Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit hängt offenkundig von dem Ziel ab, auf das er ausgerichtet wird. Auf die schwerwiegende Sinnfrage nun vermittelt die Kirche dem Menschen die Auskunft aus dem Wort Gottes (vgl. GS 33 40–43): Ziel des wissenschaftl. Fortschrittes kann nur der Mensch sein, die Verbesserung seiner Lebensbedingungen, die ihm seinen wahren Aufstieg, d.h. die Ausformung seiner Persönlichkeit durch Verwirklichung seiner Berufung zur Liebe, ermöglicht (vgl. GS 35). Durch solche Ausrichtung auf das gottgewollte Ziel verherrlicht die menschl. Arbeit an der Welt Gott und erreicht sie ihren eigentl. Sinn (vgl. GS 34). Jedes Abweichen von dieser Ausrichtung aber gefährdet ihre Sinnhaftigkeit (vgl. GS 36). Der Mensch darf und muß die übrigen Geschöpfe in seinen Dienst nehmen, jedoch nur innerh. des Rahmens, der durch seine wesentl. Bestimmung gezogen ist; auch mit seinem Mitmenschen darf er nicht willkürl. verfahren, sondern muß seine Bestimmung achten (vgl. Pius XII., UG 2363). Im gegenwärtigen Dasein tritt an den Menschen die Versuchung heran, die Dinge der Welt entgegen der Ordnung der Liebe zu gebrauchen. Wo es geschieht, wird die Welt böse, d.h. nicht die Weltdinge selbst, sondern die Menschen in ihrer verkehrten Einstellung zur Welt Sie bilden die böse Welt, die man als solche nicht lieben soll. Vom sündhaften Verhalten zur Welt kann und soll der Mensch sich aber durch Christi Gnade läutern und gegenüber den geschaffenen Dingen in der Freiheit des Geistes verharren. „Alles gehört euch, ihr aber gehört Christus, Christus aber Gott“ (1 Kor 3,22 f; vgl. GS 37). In Christus vermag sich der Mensch an das neue Gebot der Liebe als das Grundgesetz der menschl. Vollendung und der Umwandlung der Welt zu halten.

Wie die Offenbarung zeigt, nimmt die Welt am Verderben des Menschen teil, soll sie aber auch mit ihm erlöst werden. „Denn die ungeduldige Sehnsucht der Schöpfung harrt auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Wurde doch die Schöpfung der Nichtigkeit nicht mit freiem Willen unterworfen, sondern durch den, der sie unterwirft, mit der Hoffnung, daß auch sie, die Schöpfung, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werde zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Wir wissen ja, daß die gesamte Schöpfung bis zur Stunde seufzt und in Wehen liegt“ (Röm 8,19–22). Durch Christus und durch das christl. Handeln des Menschen in und an ihr strebt die Schöpfung der erlösenden Vollendung zund „Einen neuen Himmel aber und eine neue Erde, worin die Gerechtigkeit wohnt, erwarten wir nach seiner Verheißung“ (2 Petr 3,13). „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr ... Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,1–5). Aufgabe der Kirche ist es, die Welt der Vollendung in Christus entgegenzuführen, „zur Verwirklichung (des Heilsplanes in) der Fülle der Zeiten, näml. das All in Christus wieder unter ein Haupt zu fassen, das Himmlische und das Irdische“ (Eph 1,10; vgl. GS 45; LG 9).

An dieser Aufgabe der Kirche haben alle Glieder des Volkes Gottes zu arbeiten. Wenn das 2. Vat. Konz. die Aufgabe, die zeitl. Dinge „so zu durchleuchten und zu ordnen, daß sie immer Christus entsprechend geschehen und sich entwickeln und zum Lob des Schöpfers und Erlösers gereichen“, in besonderer Weise den Laien zuweist (LG 31; vgl. GS 38 43), will es damit nicht leugnen, daß auch die Amtspriester und die Ordensleute, die in gewisser Weise aus den gewöhnl. Lebensbedingungen der Welt herausgelöst sind, der Welt einen Dienst zu leisten haben. Alle Christen, ja alle Menschen sind dazu berufen, mit der Schöpfung, die schon durch ihr Dasein (objektiv, fundamental) Gott verherrlicht, so umzugehen, daß sie in die eigentl. (formale, subjektive) Gottesverherrlichung einbezogen wird. Ihnen ist sie unterstellt, damit sie sich frei entscheidend mit ihr Gott unterstellen. „Der nach Gottes Bild geschaffene Mensch hat ja den Auftrag erhalten, sich die Erde mit allem, was ihr zugehört, zu unterwerfen, die Welt in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu regieren (vgl. Gen 1,26 f; 9,3; Weish 9,3) und durch die Anerkennung Gottes als des Schöpfers aller Dinge sich selbst und die Gesamtheit der Wirklichkeit auf Gott hinzuordnen, so daß alles dem Menschen unterworfen und Gottes Name wunderbar sei auf der ganzen Erde (vgl. Ps 8,7.10)“ (GS 34).

Vollendet wird der Dienst des Menschen an der Welt in der Verklärung. Im beseligten Menschen, der nach dem Plan des Schöpfers Mittel- und Zielpunkt der sichtbaren Schöpfung ist und durch seine geistig-leibl. Natur alles Sichtbare und Unsichtbare zusammenfaßt, bringt die Schöpfung ihrem Gott jene Verherrlichung dar, zu der sie bestimmt ist. „Desh. wurde die Welt geschaffen, damit wir geboren würden; desh. werden wir geboren, damit wir den Schöpfer der Welt und unser selbst erkennen, Gott; desh. erkennen wir ihn, damit wir die Unsterblichkeit als Lohn für die Mühen empfangen, weil die Gottesverehrung in sehr großen Mühen besteht; desh. werden wir mit dem Lohn der Unsterblichkeit ausgestattet, damit wir, den Engeln ähnl. gemacht, dem höchsten Vater und Herrn auf ewig dienen und ein immerwährendes Reich für Gott seien“ (Lactantius, Divon Inst. VII 6; PL 6,757).


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