www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

In der Freiheit der Liebe unerschrocken Zeugnis geben für Gott

12. Sonntag im Jahreskreis A (19.06.2005)

L1: Jer 20,10-13; L2: Röm 5,12-15; Ev: Mt 10,26-33


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Aufforderung und der Rat, den uns Jesus Christus im Evangelium gibt, vermag uns aufzurütteln und nachdenklich zu machen: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“

Wie leicht sind wir doch in Versuchung, es immer allen recht machen zu wollen. Auf diese Weise geben wir überall nach und verleugnen uns selbst. Wir verleugnen aber auch jene Überzeugungen, die uns heilig sind, insbesondere den Glauben. Da tritt ein frecher Spötter auf und zieht über die Kirche her, und niemand wagt ihm zu widersprechen, weil er fürchtet, selber als nächstes die Zielscheibe der Angriffe dieses Menschen zu werden. Alles schweigt, und die unheilvolle Wirksamkeit des Spottes über Glaube und Kirche findet kein Ende!

Jesus Christus befreit uns von der falschen Menschenfurcht, die etwas anderes ist als die liebevolle Rücksicht auf den Mitmenschen oder die taktvolle und kluge Weise eines auf Respekt gegründeten menschlichen Zusammenlebens. Menschenfurcht macht unfrei und führt mitunter zu schlimmen Konsequenzen. Nicht anders ist es zu erklären, dass es immer wieder diktatorische und totalitäre Systeme gibt und gegeben hat, die gerade von der Einschüchterung der Menschen ihre politische Kraft erhalten. Es war zur Zeit des Nationalsozialismus nicht nur die Bosheit und Verderbtheit jener, die auf Abwege geraten waren, weil sie weder Gott fürchteten noch die Würde des Menschen respektierten. All das wurde möglich dadurch, dass so viele „Gute“ schwiegen, dass sie sich einfach alles gefallen ließen, einfach alles hinnahmen, auch da wo es gegen grundlegende Werte des menschlichen Zusammenlebens und auch gegen den Glauben ging. Umgekehrt hat es gerade zu dieser Zeit auch mutige Zeugen gegeben (z.B. Otto Neururer, Sr. Restituta oder Franz Jägerstätter), die durch ihr offenes Wort oder ihren beherzten Widerstand das eigene Leben riskierten oder sogar dieses irdische Leben in der Verfolgung durch das staatlich ermöglichte Unrechtssystem verloren.

Lassen wir uns also die Freiheit des christlichen Glaubens nicht nehmen! Nehmen wir auch in der heutigen Zeit mutig Stellung zu gesellschaftlichen Vorgängen. Wenn z.B. das Lebensrecht der Ungeborenen missachtet wird, wenn die Einzigartigkeit der auf der Ehe gegründeten Familie ausgehöhlt wird, wenn die Werte des Glaubens im Namen einer falsch verstandenen Freiheit der Kunst verhöhnt werden, wenn man der Kirche vorwirft, sie passe sich zu wenig der Zeit an, nur weil sie der Botschaft Christi in allem treu bleibt …

Als Christen können wir deshalb so sorglos gegenüber Lob und Tadel der Menschen sein, weil unsere Hoffnung und Zuversicht allein auf Gott gegründet sind. Er lässt es nicht zu, dass ein Haar ohne seinen Willen von unserem Haupt fällt. Er behütet und bewahrt den ganzen Menschen, an Leib und Seele. Dieses unser Vertrauen auf Gott wird auch dadurch nicht erschüttert, dass wir ihn als jenen Herrn fürchten, „der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.“

Gott ist ja kein Willkürgott, sondern höchst gerecht; er ist der Gott der Liebe, der uns retten will, der die Sünde hasst, aber den Sünder liebt und ihn zur Bekehrung aufruft. Nicht den ewigen Tod oder die Verdammnis des Sünders will Gott, sondern dass sich der Mensch bekehrt und für immer bei ihm lebt in seiner Seligkeit und Liebe. Auf diese Weise haben die Bekenner und Märtyrer des Glaubens nichts gefürchtet, sondern sind mutig eingetreten für die Werte des Glaubens und für die unverletzliche Würde des nach dem Bild Gottes geschaffenen Menschen.

Wirklich frei ist nur jener Mensch, der in allem auf Gottes Liebe vertraut. Diese Liebe vertreibt alle knechtische Furcht. Wenn wir Gott „Vater“ nennen, dann wissen wir uns ganz bei ihm geborgen. Möge uns die Fürbitte der Gottesmutter Maria ein großes Vertrauen auf Gottes Liebe erbitten, sodass wir fähig und bereit sind, in der Freiheit dieser Liebe das Gute zu tun und Gott und den Menschen zu dienen. Dann wird sich der Sohn Gottes einmal vor seinem himmlischen Vater zu uns bekennen, wenn er wiederkommt mit den Engeln des Himmels, und wir werden eingehen dürfen ins ewige Reich Gottes! Amen