Predigt:
Ehrfurcht, Liebe und Gottvertrauen
12. Sonntag im Jahreskreis A (21.06.2026)
L1: Jer 20,10-13; L2: Röm 5,12-15; Ev: Mt 10,26-33
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Furcht und Vertrauen sind das Thema der Worte Jesu im heutigen Evangelium nach Matthäus. Genauer gesagt geht es um das Verhältnis von Menschenfurcht und Gottesfurcht und letztlich um das bedingungslose Vertrauen in Gott.
Wen oder was fürchten wir Menschen? Psychologen unterscheiden zwischen Angst und Furcht. Angst ist ein irrationales Gefühl der Bedrohung, deren Quelle sich nicht wirklich ausmachen lässt. Furcht hingegen ist auf eine wirkliche Bedrohung bezogen, der man womöglich nicht gewachsen ist. In beiden Fällen erlebt sich der Mensch als bedroht und der Gefahr ausgeliefert.
Näherhin geht es Jesus zuerst um die Menschenfurcht. In diesem Fall sind wir vom Urteil anderer über uns abhängig und bringen nicht den Mut auf, zu unseren eigenen Überzeugungen zu stehen. Aus Menschenfurcht wurde in der Geschichte schon oftmals Recht gebeugt und die Wahrheit verleugnet. Unschuldige wurden verfolgt oder gar dem Tod ausgeliefert. Menschenfurcht macht unfrei und unglücklich. Sie entspricht nicht der Haltung, die den Kindern Gottes zu eigen sein sollte.
Wie aber überwinden wir die Menschenfurcht und worin unterscheidet sich die Gottesfurcht von der Menschenfurcht? Die Gottesfurcht ist etwas Positives und schließt Ehrfurcht und Liebe mit ein. Wir nehmen Gott ernst, geraten dadurch aber nicht in eine niederdrückende Angst, sondern finden durch das Gottvertrauen hin zu einer Beziehung der Liebe zu Gott, die mit Ehrfurcht verbunden ist. Ein gottesfürchtiger Mensch wird daher Gott nicht einfach nur abtun und als unwichtig im Leben ansehen. Die Gottesfurcht ist die Grundlage jeder wahren Religiosität.
Gott ist tatsächlich der Richter und Herr über Leben und Tod. Und so sagt Jesus, wir sollten nicht Menschen fürchten, die zwar den Leib töten können, aber nicht die Seele, sondern man solle sich vor dem fürchten, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann. Damit ist nicht der Teufel gemeint, sondern Gott, dem wir Rechenschaft schulden. Dies heißt aber wiederum nicht, dass Gott jemandem gegenüber übel gesinnt ist. Denn auch in seiner Gerechtigkeit handelt er als der Barmherzige, und wer auf ihn vertraut, braucht wahrlich niemanden und nichts zu fürchten.
In seiner Vorsehung trägt Gott Sorge für jedes Geschöpf: Wenn schon für die Vögel des Himmels, so noch mehr für die Menschen, sodass gleichsam alle unsere Haare vor Gott gezählt sind. Dieses wahre Gottvertrauen will freilich täglich eingeübt werden. Gerade in Not und Gefahr, in Leiden und innerer Verlassenheit, in Anfechtung und geistlicher Trostlosigkeit sollen wir unser Herz vertrauensvoll zu Gott erheben und uns ihm ganz weihen. Er kennt uns und weiß um unsere Bedürfnisse. Das Gebet des Vaterunser enthält alles, worum wir Gott bitten sollen. Gott hört jedes vertrauensvolle und beharrliche Gebet und schenkt uns, was wahrhaft zu unserem Heil dient.
Stellen wir also Gott in unserer Liebe an die erste Stelle und richten wir unser ganzes Leben auf ihn aus! Dann kehrt Friede ein in unser Herz, und wir überwinden alle menschliche Furcht, die uns unfrei macht. Wir gewinnen dann eine innere Sicherheit und Zuversicht aus dem Glauben. So werden wir bei etwas Widerstand nicht gleich umfallen, sondern freudig unseren Glauben bezeugen. Der Herr stärkt uns, er bewahrt uns in seiner Liebe. Die Gottesfurcht gehört zu den Gaben des Heiligen Geistes. Dieser erleuchtet und führt uns, sodass wir Gott in allem die Ehre geben und unser Heil in Freude und Zuversicht wirken. Amen.
