Predigt:
14. Sonntag im Jahreskreis A (07.07.2002)
L1: Sach 9,9-10; L2: Röm 8,9.11-13; Ev: Mt 11,25-30
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Übervoll ist unser Leben von Wünschen und Plänen. Als Menschen wollen wir einmal dies, einmal jenes. Da gibt es die Grundbedürfnisse, die ein jeder hat: Wir brauchen die tägliche Nahrung, einen Ort um zu wohnen, die nötige Kleidung und Grundsicherung. Jeder ist auch auf gute Freunde angewiesen, auf Menschen, die uns verstehen und begleiten. Und doch: All das genügt uns noch nicht, wir sind ständig auf der Suche nach Neuem und Besserem.
Mitten in diese Situation des Gehetzt- und Getriebenseins durch unser eigenes Tun und Streben, durch die Widerfahrnisse des Alltags und auch durch andere hören wir die Worte des Herrn. Er lädt uns ein, etwas zu verweilen und einen Ruheplatz zu finden. Er selbst ist dieser Anker der Seele, wo wir einen Ausgleich finden sollen in all unserem ruhelosen Streben, wo wir Erfüllung und Frieden finden sollen für unser ungestilltes Hoffen und Sehnen.
„Kommet alle zu mir – so spricht der Herr Jesus Christus – , die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“
Gott kennt unser Mühen und Streben, die Not und Plage unseres Daseins. Es gibt schwere Lasten, die wir uns selber bereiten, und andere, die uns bereitet werden, die uns zufallen oder auferlegt werden. Man könnte auch sagen: Es hat ein jeder von uns sein ganz persönliches Kreuz zu tragen, dem er nicht entfliehen kann.
Wie heilsam, ja wie erlösend ist es da für uns, die Stimme des Heilandes zu hören, wenn er uns einlädt, Erquickung und Trost zu finden! Ja, viele Menschen irren umher, sie suchen und finden nicht. Da nimmt man beispielsweise alles Mögliche auf sich, um wenigstens ein paar Tage des Jahres ungestört Urlaub machen zu können, was wirklich jedem vergönnt ist, und kommt vielleicht erst zu spät darauf, daß nicht alle Pläne und Wünsche sich so erfüllen, wie man es sich vorgestellt hat. Das eigene Planen und Wünschen ist hinfällig und manchmal trügerisch. Doch was uns Gott verspricht und verheißt, das hält er auch. Er läßt uns nicht in die Irre gehen, sondern nimmt uns auf und sättigt uns mit seinen Gaben.
Vielleicht können uns die Worte des Herrn, daß wir unser Joch auf uns nehmen sollen, das heißt unser ganz persönliches Kreuz, ein wenig helfen, den Alltag, aber auch die Zeit der Erholung gut zu bewältigen. Glücklich, wer es inmitten der täglichen Prüfungen und Widrigkeiten, aber auch inmitten von Freude und Glück versteht, das Herz zu Gott zu erheben. Denn dann sind wir im Bleibenden und Ewigen verankert, das uns letztlich nicht genommen werden kann.
Wer hingegen nur auf irdischen Genuß und zeitliche Freuden schaut, der erfährt umso stärker, wie vergänglich alles ist. Er muß sich letztlich immer fürchten, daß ihm etwas wieder genommen wird.
Liebe Brüder und Schwestern! Wie aber steht es mit den höchsten Werten des Menschseins, mit Liebe und Freundschaft? Ist auch das vergänglich und brüchig?
Wenn wir realistisch sind, müssen wir zugeben, daß uns diese Werte nicht einfach in den Schoß fallen. Wie oft muß sich Freundschaft und Liebe in lebenslanger Treue hart erproben, auch und gerade in Ehe und Familie! Nicht wenige versagen hier oder schaffen es einfach nicht, das Versprochene zu halten – denken wir nur an die vielen gescheiterten Ehen und Beziehungen. Doch auch hier gilt, daß wir die Planung nicht ohne Gott machen dürfen. Nur wenn ER in jedem Freundschafts- und Liebesbund der Dritte ist, hat menschliche Beziehung Bestand. Nur wenn Gott anwesend ist, wenn er gleichsam die Seele unserer mitmenschlichen Zuwendung ist, dann hat unsere menschliche Bindung Bestand für Zeit und Ewigkeit.
Haben wir Vertrauen in die Güte Gottes, und lernen wir von unserem Herrn Jesus Christus, der gütig und von Herzen demütig ist. Nur so werden wir Ruhe finden für unsere Seele. Gewiß – die Probleme und Anforderungen des Lebens werden nicht einfach weggewischt, doch es gilt dann auch das hoffnungsvolle Wort des Herrn: „Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“
Gehen wir darum den guten Weg, Holen wir uns Kraft im Gebet, und nehmen wir unsere Zuflucht bei der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie kann uns Menschenkinder aufheben, wenn wir auf dem langen und beschwerlichen Weg fallen oder in die Irre gehen. Das Ziel ist das ewige Vaterhaus Gottes. Seien wir voll Zuversicht: Er erwartet uns in Liebe! Amen
