Predigt:
Mein Joch ist süß und meine Bürde leicht
14. Sonntag im Jahreskreis A (06.07.2008)
L1: Sach 9,9-10; L2: Röm 8,9.11-13; Ev: Mt 11,25-30
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es gibt einen Spruch, wonach jeder Mensch auf dieser Erde sein „Bündel“ bzw. seine Last zu tragen hat. In religiöser Sprache können wir sagen: Jeder Mensch hat sein Kreuz zu tragen auf dieser Welt.
Das heißt: Wie immer sich ein Mensch sein Leben plant und vorstellt, es wird ihm so manches Ungemach begegnen. Es gibt Widerstände verschiedenster Art, es gibt Unverständnis, vielleicht sogar Feindschaft. Es kann Leiden und Krankheit geben, und unausweichlich ist der Tod.
Jemand kann nun in der Weise darauf reagieren, dass er schwermütig wird und verzweifelt, indem er sagt: „Mein Leben hat keinen Sinn; ich schaffe es nicht, glücklich zu werden.“
Ein anderer wiederum wird sagen: „Was kümmern mich all diese Schwierigkeiten; ich tue einfach so, als ob all das nicht wahr wäre bzw. ich weiche dem aus. Ich genieße mein Leben und kümmere mich nicht um andere Menschen. Hauptsache, dass es mir gut geht. Was geht mich das Leid der anderen an!“
Der christliche Glaube zeigt uns einen anderen Weg, wie wir mit all unserem nicht zu leugnenden Kreuz und Ungemach umgehen können. Ja, es ist wahr, wir können unser Kreuz nicht abwerfen, und auch derjenige, der so tut, als ob dies möglich wäre, wird eines Tages von ihm wieder eingeholt werden.
Die einzige wirkliche Alternative, der einzige wirkliche Ausweg aus der Not unseres Lebens ist es, wenn wir unser Kreuz gemeinsam mit Jesus Christus tragen. Oder noch besser: Wir bitten unseren Herrn Jesus Christus, dass er das Kreuz unseres Lebens mit uns und für uns trägt. Dann wird es bald schon leicht und süß, dann spüren wir seine Last nicht mehr in jener Weise, dass es uns niederdrückt und entmutigt. Wir werden zu frohen Menschen, die das Kreuz ihres Lebens in Dankbarkeit annehmen und aus ihm Gewinn schöpfen für die Reifung und Vollendung ihres Lebens.
Heißt es doch im Evangelium als Wort des Herrn: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“
Ist das nicht eine wirklich frohe Botschaft? Gott möchte nicht, dass wir bedrückt auf dieser Welt umherirren, sondern er will uns Kraft schenken, dass wir dieses Leben freudig und mutig in Einklang mit seinem Willen annehmen. Das, was uns als Kreuz erscheint, was gegen unseren Willen ist, was uns schwer fällt und niederdrückt, soll nach dem Plan Gottes ein Mittel sein zu unserer Vollendung, ein Weg der Freiheit.
Jesus Christus selbst ist uns vorausgegangen. Er hat das Kreuz für uns getragen und sich in Liebe für uns hingegeben. Er ist für uns gestorben, weil er uns in Liebe dienen wollte. Dieser Dienst der Liebe war in Wirklichkeit ein königlicher Weg. Wenn wir mit Jesus Christus verbunden sind, dann werden auch wir Gott und den Mitmenschen in Freiheit dienen. Wir leben dann nicht „nach dem Fleisch“, sondern „nach dem Geist“. Gottes Heiliger Geist erfüllt uns und macht uns frei, sodass wir nicht mehr die „Werke des Fleisches“, d.h. die bösen Taten, verwirklichen, die zum Tode führen. Gott ist bei uns und schenkt uns seine Liebe und seinen Frieden.
Nichts anderes hat die Gottesmutter Maria in Lourdes kundgetan, wo sie vor 150 Jahren dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous erschienen ist. Die Gottesmutter rief die Menschen dazu auf, sich zu bekehren, d.h. Gott im Gebet nahe zu sein und Gutes zu tun statt Böses. Genau dies ist der Weg, wie wir unser Lebenskreuz auf rechte Weise tragen können: In der liebenden Einheit mit Jesus Christus, dem Erlöser, wird alles Schwere leicht und empfangen wir die Kraft für unseren Lebensweg. Gott selber hebt uns gleichsam von Stufe zu Stufe empor zu ihm. Weil ein guter Vater aber nur die kleinen Kinder hochhebt, sollen wir in rechter Demut „klein“ und einfach werden vor Gott, der uns liebt.
Verzagen wir nicht: Denn unser Leben ist ein einzigartiges Geschenk, auch dort, wo wir so manche Kreuze und Leiden erdulden müssen. Das Ziel des Lebens ist ewige Herrlichkeit in der Teilnahme an Gottes Seligkeit. Dazu sind wir berufen; Gott liebt uns, und die Freude am Herrn ist unsere Stärke. Amen
