Predigt:
Frucht bringen für das Himmelreich
15. Sonntag im Jahreskreis A (10.07.2005)
L1: Jes 55,10-11; L2: Röm 8,18-23; Ev: Mt 13,1-23
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Bisweilen haben wir den Eindruck, wir könnten in der Welt als einzelne nicht viel bewirken. Auf große und wichtige politische Vorgänge haben wir kaum einen Einfluss; wirtschaftliche Abläufe werden – so scheint es – von wenigen Reichen und Mächtigen gesteuert, und den vielfach beklagten Niedergang von Glaube und sittlichem Bewusstsein, den man oft als „Krise der Werte“ bezeichnet, vermögen wir auch nicht aufzuhalten. So endet man oft in Resignation oder in typisch österreichischer Weise im Jammern über das, was – wirklich oder scheinbar – nicht zu ändern ist.
Mit den Augen des Glaubens betrachtet, sieht das aber doch etwas anders aus. Das heutige Evangelium vermag uns dabei zu helfen, dass wir erkennen können, wie wirkliche Verbesserungen im Leben möglich sind und worauf es letztlich ankommt in der Perspektive auf das ewige Heil, das uns Gott schenken will.
Gott ist mit seiner liebenden Allmacht anwesend auch in unserer Geschichte und hat uns seinen Sohn gesandt, das ewige Wort, der uns in der Zeit die heilbringenden Worte Gottes verkündet. Von diesem Wort, das die Kirche weitergibt und verkündet, gilt, dass es nicht unwirksam ist, sondern seine Frucht bringt zur rechten Zeit in den Herzen der Menschen, die dafür offen und bereit sind.
Von daher kommt es auf jeden einzelnen an, der das Wort Gottes hört. Es ist nicht gleichgültig, wie jemand reagiert: ob er die Botschaft Gottes überhört, ob er sie an den Rand drängt oder unter den Sorgen und den Annehmlichkeiten des Lebens erstickt oder ob er sie aufnimmt ins Herz und sie bedenkt und dann ins Leben umsetzt. Es kommt auf jeden einzelnen von uns an! Vor Gott ist es nicht gleichgültig, wie wir leben. Die Hingabe des Glaubens ist entscheidend und kann im Ganzen mehr bewirken als vieles andere, was im öffentlichen Leben zählt.
Das Streben nach Heiligkeit und die Bewährung im Alltag bringt reiche Frucht für das Reich Gottes. Jesus Christus sagt es selber, dass diese Frucht dreißigfach, sechzigfach und hundertfach sein kann, je nach dem Vermögen des einzelnen.
Geben wir uns also nicht der Trübsal hin, sondern sehen wir jeden Tag als eine Einladung und als eine Chance an, Gutes zu tun und zu wirken! Wenn wir im Gebet bei Gott Zuflucht suchen, wenn wir die heiligen Sakramente empfangen und uns bemühen, den Geboten Gottes entsprechend zu leben, dann wird unser Leben reich gesegnet sein. Einmal im Himmel werden wir dann erkennen dürfen, wie vielen wir durch unser Gebet und Beispiel geholfen haben. Die Frucht eines auf Erden mitunter mühseligen Christenlebens wird großartig aufgehen in Gottes ewiger Herrlichkeit. Wir sind ja berufen zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Gehen wir unseren Weg an der Hand der Gottesmutter Maria, die gerade den Kleinen und Demütigen nahe ist. Sie weiß, was wir brauchen und wie wir uns in rechter Weise in dieser Welt bewähren sollen. Möge jeder seine Verantwortung wahrnehmen. Dann ist keiner ohne den Beistand und die Hilfe Gottes. Diese Weltzeit ist die Zeit des Wachsens, damit wir im Himmelreich ernten können, was Gott in uns Gutes gesät hat! Amen
