www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Gottes Wort im Herzen junger Menschen

15. Sonntag im Jahreskreis A (13.07.2008)

L1: Jes 55,10-11; L2: Röm 8,18-23; Ev: Mt 13,1-23


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wie unser Herr Jesus Christus im Gleichnis von den Samenkörnern, die auf guten Boden fallen und viel Frucht bringen, die aber auch auf weniger guten Boden fallen können und nur wenig oder gar keine Frucht tragen, zeigt, wird das Wort Gottes unter den Menschen ausgesät, findet aber ganz verschiedene Aufnahme. Dabei offenbart sich gerade der Wert der Beständigkeit und der Treue, denn es kann geschehen, dass jemand am Anfang voll Eifer und heiliger Begeisterung ist, dann aber nachlässt und das Wort des Glaubens gering achtet, das er einmal empfangen hat.

Der Glaube an Jesus Christus wird zuerst und ganz entscheidend weitergegeben in den Familien. Gute Eltern bemühen sich, ihren Kindern ein Beispiel zu geben und sie beten zu lehren. Sie unterrichten sie in kindgemäßer Weise über die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens und leiten sie an, ab einer gewissen Altersstufe mit ihnen regelmäßig in die Kirche zu gehen und am Sonntag die heilige Messe zu besuchen. Ihr Beispiel und Ihr Einsatz, liebe Eltern, sind ganz und gar unersetzbar. Kein Priester und Religionslehrer kann später das erreichen und bewirken, was ihm als Bote Gottes aufgetragen ist, wenn nicht das gute Fundament schon vorher gelegt ist durch das Wort und Beispiel der Eltern.

Nicht auf viele und gelehrte Worte kommt es an, sondern auf die schlichte Glaubensüberzeugung, die Vater und Mutter im Herzen tragen und ihren Kindern mitgeben. Ein Kind spürt, ob die Eltern selber daran glauben, was sie ihm sagen. Auf Dauer kann man hier nicht Theater spielen, Kinder durchschauen das sofort. Genau hier liegt aber eine große Herausforderung für die Erziehung und das Glaubensleben. Sie selber, liebe Erwachsene, müssen gleichsam „fit“ sein im Glauben. Sie selber müssen sich fortbilden, indem Sie z.B. ein gutes Buch über den Glauben der Kirche oder eine Heiligenbiographie lesen oder indem Sie vielleicht an Einkehrtagen oder Exerzitien teilnehmen. Und dann werden Sie merken: Wenn Sie im Vertrauen auf Gottes Gnade beginnen, Ihren Kindern wichtige Dinge des Lebens zu erklären, dann stärkt Sie der liebe Gott. Er lässt Sie nicht im Stich, sondern ist bei Ihnen. Je mehr man dann weitergibt an eigener Glaubenseinsicht und Glaubenserfahrung, desto mehr wird man auch selber wiederum gestärkt im Guten.

Vielleicht sagt nun jemand: „Ja, als die Kinder noch klein waren, da war das alles einfach. Da haben sie uns Eltern zugehört, wenn wir ihnen von Gott erzählt haben, da waren sie offen für alles Wunderbare und Heilige. Jetzt aber sind die Kinder größer geworden und verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Sie interessieren sich für dies und das, aber nicht mehr für den Glauben. Mit Mühe und Not gelingt es, sie noch ab und zu zum Gottesdienstbesuch zu bewegen. Sonst aber erreichen wir als Eltern gar nichts mehr.“

Dieser Eindruck mag tatsächlich aufkommen, und hier ist es sicher nicht leicht für Eltern und Erziehungsverantwortliche. Was bleibt in einer solchen Situation noch zu tun, wenn das Samenkorn des guten Wortes, wie es scheint, eher in die Dornen und ins Gestrüpp fällt als auf guten Boden? Falsch wäre es, einfach aufzugeben und zu resignieren. Sicher: Als Eltern haben Sie dann vielleicht den geringsten Widerstand zu erwarten, wenn Sie den Kindern alles erlauben und ermöglichen. Andererseits brauchen junge Menschen im Entwicklungsalter gerade weiterhin jemanden, der ihnen auch in Liebe gewisse Grenzen aufzeigt. Selbst dann, wenn junge Menschen diese Grenzen immer wieder überschreiten, ist es doch notwendig, dass sie Orientierungspunkte vorfinden. Es gibt also doch Möglichkeiten, junge Menschen auf dem Weg des Glaubens zu begleiten!

Zuerst: Unterschätzen wir nicht das Gebet! Wenn die größer werdenden Kinder vielleicht nicht mehr mit Ihnen beten, so beten Sie vermehrt für sie. Wenn Sie das in Liebe tun und ohne jede Gesinnung des Vorwurfes oder der Anklage, dann wird der liebe Gott dieses Gebet bestimmt erhören. Der Segen, den Sie als Eltern auf Ihre Kinder herabflehen, wird früher oder später auch in deren Leben sichtbar werden. Zweitens: Das gute Beispiel ist es, was jetzt besonders gefragt ist. Gerade der junge Mensch stellt vieles von dem in Frage, was ihm andere sagen. Überzeugend sind auf Dauer nur die Lebensbeispiele von Personen, die sich aus ganzem Herzen für das einsetzen, wovon Sie selber überzeugt sind. D.h. es wird nötig sein, die eigene Glaubenspraxis zu überprüfen und zu intensivieren. Nicht Belehrungen sind gefragt, sondern das Bemühen um ein gottgefälliges Leben. Auch die Art und Weise des Umgangs in der Familie wirkt sich prägend aus auf die Kinder und jungen Menschen. Wenn Papa und Mama ständig launenhaft sind, streitsüchtig und nachtragend, werden sie kaum Anerkennung finden. Wo die Kinder aber spüren, dass bei aller menschlichen Schwäche doch immer wieder ein gemeinsamer Weg gesucht und gefunden wird, wo sie spüren, dass sie auch da als Menschen in Liebe angenommen sind, wo sie Dinge tun, die in den Augen der Eltern nicht richtig sind oder selbst dann, wenn sie auf wirkliche Abwege geraten – da wirkt der Heilige Geist, und da kann das Samenkorn des Wortes Gottes wachsen, auch wenn dies vielleicht ganz im Verborgenen geschieht und viel Geduld und Beharrlichkeit erfordert.

Geben wir also nicht auf! Empfehlen wir gerade die Kinder und die jungen Menschen der Barmherzigkeit Gottes, und tun wir das auf die Fürbitte der Jungfrau und Gottesmutter Maria! Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., reist in diesen Tagen nach Australien zum Weltjugendtag, wo sich viele junge Menschen versammeln, um miteinander zu beten und zu feiern. Möge das Wort Gottes auch in unserer Zeit seinen Weg finden in die Herzen der Menschen, damit die gute Frucht aufgeht, heranwächst und bleibt für das ewige Leben! Amen