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Predigt:

16. Sonntag im Jahreskreis A (21.07.2002)

L1: Weish 12,13.16-19; L2: Röm 8,26-27; Ev: Mt 13,24-43


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Welche Vorstellung haben wir von der Vollendung der Welt und unseres Lebens im Reiche Gottes? Jesus Christus spricht im Evangelium oftmals davon, daß das Ende der Welt naht. Es wird zum Gericht Gottes kommen, in welchem Gott den Guten ihren Lohn schenken und die Bösen bestrafen wird. Es gibt „Himmel“ und „Hölle“. Ehrlich gesagt: Man tut sich heute als Religionslehrer oder als Prediger schon schwer, diese Wahrheiten auszusprechen. Die meisten Menschen erwarten sich ein „Evangelium light“, eine „soft religion“, in der nichts Hartes und Unangenehmes mehr enthalten ist, sondern nur mehr Lob und Selbstbestätigung!

Demgegenüber gibt es Stellen in der Heiligen Schrift, die buchstäblich von Dingen handeln, die wir alle nicht gern hören wollen. Wer möchte schon davon reden, daß es womöglich nicht so selbstverständlich ist, daß wir „alle, alle“ in den Himmel kommen ... In diese Richtung gehen auch die heutigen Gleichnisse im Evangelium. Sie zeigen uns den Ernst des Lebens auf, den es tatsächlich gibt. Gott ist nicht einfach der „gutmütige alte Opa“, den niemand ernst nimmt, da er völlig abseits steht vom Leben. Der lebendige Gott ist Ursprung und Ziel allen Lebens, in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir (vgl. Apg 17,28). Ohne ihn hat nichts Bestand!

Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen. Beides wächst auf demselben Acker, und als die Knechte das Unkraut ausreißen wollen, hindert sie der Herr des Ackers daran. Sie sollen beides wachsen lassen bis zur Ernte. Denn sonst würden sie mit dem Unkraut auch so manch guten Weizen ausreißen.

Die Auslegung und Anwendung, die Jesus zieht, ist folgende: Der Menschensohn – also er selber – hat den guten Samen ausgesät. Der Feind – gemeint ist der Teufel – sät das Unkraut dazwischen. Wörtlich sagt Jesus: „Der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.“ (Mt 13,38–39)

Das heißt dann aber im Klartext: In dieser Welt wachsen sowohl Unkraut wie auch Weizen. Es gibt das Gute, aber auch das Böse. Wir Menschen haben nicht das Recht, eine Klassifizierung vorzunehmen: „Das sind die Guten, das sind die Bösen.“ Denn eben dadurch laufen wir Gefahr, so manchen Mißgriff vorzunehmen. Wir kennen ja nicht das Herz der Menschen und urteilen immer nur nach dem Augenschein. Gott weiß jedoch, was im Herzen der Menschen ist. Er ist wirklich der barmherzige Richter, der am Ende der Welt allen zu ihrem Recht verhelfen wird. Er ist auch der gerechte Richter, der jene wirklich Bösen, die bis zum Ende in ihrem Unrecht verharren und nicht umkehren wollen zu Gott, ausschließen wird von der Teilnahme am Reich Gottes. Folgende Mahnworte sind kein Ohrenkitzel, wohl aber biblische Kost, die auch uns Christen im 21. Jahrhundert zugemutet wird: „Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“ (Mt 13,40–42)

Liebe Brüder und Schwestern, es geht keineswegs um Angstmache, sondern einfach darum, daß wir das Wort Gottes ernst nehmen. Die Kirche muß sich diesem Auftrag stellen. Das Evangelium kann nicht einfach umgedeutet, weginterpretiert, „entmythologisiert“ werden. Es muß gelten, es muß zu seinem vollen Nennwert genommen werden. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 24,35)

Bleibt da noch etwas von der Frohbotschaft? Auf jeden Fall! Denn für all jene, die wirklich ihr Herz zu Gott hinwenden  – und seien sie die größten Sünder – gibt es Verzeihung und Erbarmen. Nicht die Selbstgerechten sind vor Gott „die Guten“, sondern jene bekehrten Sünder, als die wir uns alle wissen sollten. Für diese gilt: „Die Gerechten werden im Hause ihres Vaters wie die Sonne leuchten.“ (Mt 13,43)

Empfehlen wir uns der Mutter der Barmherzigkeit, der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria! Sie kann uns durch ihre Fürbitte helfen, daß wir guter Weizen werden im Reiche Gottes. All das Gute, das uns Gott geschenkt hat, soll wachsen und sich entfalten. So werden wir heranreifen zur Fülle des Himmelreiches. Möge Gott uns dort alle vollenden! Amen