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Predigt:

Weizen und Unkraut

16. Sonntag im Jahreskreis A (17.07.2005)

L1: Weish 12,13.16-19; L2: Röm 8,26-27; Ev: Mt 13,24-43


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Unser Leben auf Erden dauert verschieden lang: Der eine wird siebzig Jahre alt, der andere neunzig; der eine stirbt als hoch betagter Greis, ein anderer Mensch bereits als kleines Kind im Mutterleib. Doch wie immer die uns beschiedene Zeitdauer auch sein mag, einmal müssen wir alle sterben. Der Tod ist unser gemeinsames Schicksal. Was nicht glaubende Menschen in Angst und Schrecken versetzt und sie entweder in Verzweiflung und Resignation oder in ein Leben des Genusses und der skrupellosen Gier nach Reichtum, Macht, Einfluss und Ehre treibt, das vermag uns als Glaubende nicht zu erschüttern. Das Leben auf Erden währt zwar nicht ewig, doch ist der Tod nicht das Ende, sondern das Tor zur ewigen Seligkeit: Wir gehen hoffnungsvoll dem Ziel der Vollendung des irdischen Lebens in der Ewigkeit Gottes entgegen!

An diese Wahrheit, dass wir irgendwann mit dem irdischen Leben abschließen müssen, erinnert uns das heutige Evangelium. Jetzt ist die Zeit des Wachstums, sagt Jesus im Gleichnis, bald kommt die Zeit der Ernte. Auf dem Acker der Welt wachsen sowohl Weizen wie auch Unkraut. Am Ende der Welt ist Erntezeit; dann wird der Weizen vom Unkraut getrennt. Der Weizen wird in die Scheune gebracht, das Unkraut wird verbrannt.

Das heutige Evangelium widerspricht einer billigen Lehre der Allerlösung. Am Ende der Welt, wenn Gott sein Gericht hält, gibt es vielmehr die Scheidung der Geister. Dann wird das Gute nicht mehr zusammen mit dem Bösen bestehen, so wie es auf Erden oft der Fall ist. Jene, die auf Erden Gutes getan haben, werden von Gott aufgenommen in sein himmlisches Reich. Wer Böses getan hat und bis zum Ende hartnäckig dahin verharrt hat, kann das Himmelreich nicht erben. Er hat sich selber durch seine Entscheidung ausgeschlossen, und Gott respektiert die Freiheit des Menschen. Die Rede von der Verdammnis, von der ewigen Hölle, wie sie uns in den Bildworten des Gleichnisses im heutigen Evangelium entgegentritt, ist hart: Aber es handelt sich nur um die Kehrseite dessen, dass der Mensch die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes wissentlich und willentlich verschmäht, ihr nicht entsprechen will bis zum Ende. Die Guten aber wird Gott aufnehmen in das Reich seiner Liebe und des ewigen Glücks. Im Himmel werden die Heiligen ihn für immer loben und ihm danken!

So zeigt uns das Evangelium dieses Sonntags den Ernst und den Auftrag unseres Lebens auf Erden auf. Vergeuden wir unser Leben nicht mit Nichtigkeiten, sondern nehmen wir unsere Berufung an und erfüllen wir die Aufgaben, die wir haben. Tun wir Gutes, stehen wir unseren Mitmenschen bei, und leben wir in der beständigen Gegenwart Gottes, der uns mit seiner Güte begleitet!

Eines dürfen wir nicht vergessen: Es ist nicht unsere Aufgabe festzustellen, wer zum Unkraut und zum Weizen gehört. Wir sehen nicht in das Herz anderer Menschen. Darum sind wir aufgerufen, unser eigenes Gewissen zu erforschen und uns selber zu bekehren. Wie oft entdecken wir, dass es im eigenen Herzen genug Unkraut gibt, von dem uns Gott durch das Sakrament der Versöhnung – die heilige Beichte – befreien muss. Nicht wir selber sind es, die aus eigener Kraft das Heil erlangen können: Gott ist es, der uns seine Gnade schenkt und uns zur Mitwirkung mit ihm einlädt.

Nehmen wir uns die Heiligen zum Vorbild! Sie haben auf Erden dem Auftrag Gottes entsprochen, indem sie zur Ehre Gottes gelebt und gewirkt und Gottes Gebote beachtet haben. Die heilige Jungfrau Maria zeigt uns, dass es stets darauf ankommt, in Liebe Frucht zu bringen für das Heil der Welt. Dass uns dies geschenkt wird, wollen wir von Gott dem Herrn erbitten! Amen