Predigt:
Das tapfere Beispiel der heiligen Margareta
16. Sonntag im Jahreskreis A (20.07.2008)
L1: Weish 12,13.16-19; L2: Röm 8,26-27; Ev: Mt 13,24-43
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In unserer Pfarrkirche hier in Mühldorf-Niederranna dürfen wir heute das Fest der Kirchen- und Pfarrpatronin feiern: Es ist die heilige Margareta von Antiochien, eine Märtyrerin, gestorben um das Jahr 307 unter Kaiser Diokletian, die in der Ostkirche unter dem Namen Marina verehrt wird und die zu den 14 Nothelfern zählt.
Historisch Verbürgtes und legendenhaft Übermaltes haben die Überlieferung des Lebens und Sterbens der heiligen Margareta geprägt. Sie war die Tochter eines heidnischen Priesters, heißt es, und als sie zum christlichen Glauben übertrat, wurde sie von ihrem Vater verstoßen. Als ein heidnischer Beamter sie zur Frau haben wollte, verweigerte sie diesem die Heirat: Sie wollte Christus treu bleiben, den sie als ihren wahren Bräutigam ansah. Weder Schmeicheleien noch Drohungen konnten sie von ihrem Entschluss abbringen, sodass dann mithilfe der staatlichen Behörden die härtesten Mittel angewandt wurden, um Margareta gefügig zu machen: Sie wurde eingekerkert, gefoltert und misshandelt.
Tapfer widerstand sie allen Versuchen, ihren Willen zu brechen und sie vom Dienst Gottes abzubringen. Sie wollte nicht ein zweifelhaftes irdisches Glück für das eintauschen, was ihr als große Verheißung von Gott geschenkt war: das ewige und selige Leben im Himmelreich. Wie es heißt, sind in diesem Zusammenhang auch große Wunder geschehen. Eine besondere Anfechtung des Bösen muss Margareta in der Weise erfahren haben, dass sie auf manchen Bildern mit einem Drachen dargestellt wird, den sie in der Kraft des Kreuzes Christi besiegt hat. So steht Margareta vor uns als die tapfere Jungfrau, die sich in Treue zu Christus, ihrem Herrn und Erlöser, bekannt hat und die auf diese Weise auch die Achtung ihrer Verfolger erworben hat. Ihr Leben und Sterben waren Gott wohlgefällig, sodass sie jetzt im Himmel als Fürsprecherin für uns eintritt.
Wenn wir das heutige Evangelium betrachten, dann können wir die heilige Margareta als „guten Weizen“ auf dem Ackerfeld des Herrn ansehen. Freilich wurde auch dieser Heiligen ihre christliche Entfaltung und Vollendung nicht einfach ohne Kampf verliehen. Sie musste sich vielfach bewähren und auch direkt gegen das Böse ankämpfen. Jesus spricht im Evangelium davon, dass der Teufel als Feind des Menschensohns Unkraut unter den Weizen sät und verhindern will, dass die gute Frucht aufgeht. Wenn der Mensch sich Gott gegenüber verschließt und seine Liebe ablehnt, dann kann er keine gute Frucht bringen. Er lässt sich dann vom Unkraut rings um ihn herum anstecken und vollbringt Werke der Finsternis, die nicht zum Leben, sondern zum Tod führen.
Margareta hat klar erkannt, dass unser Leben Entscheidung ist und dass jeder Christ bei sich selbst anfangen muss. Wir sind nicht zuerst dazu aufgerufen, bei unseren Mitmenschen das Unkraut auszureißen, das wir sehen, sondern sollen in unserem eigenen Herzen beginnen, Ordnung zu schaffen. Wollten wir in falscher Selbstgerechtigkeit das Unkraut rings um uns herum ausreißen, ohne uns um unser eigenes Leben in der Gemeinschaft mit Gott zu kümmern, dann würden wir – wie der Herr sagt – mit dem Unkraut auch so manchen Weizen ausreißen. Denn wer von uns sieht schon in das Herz des Mitmenschen? Und da kann hinter dem, was nach außen hin verdeckt ist durch Unkraut, doch auch so manches Gute wachsen und heranreifen, das sich erst später wirklich zeigt.
Es wäre schade, wenn wir durch unseren unklugen Eifer dieses Gute zusammen mit dem Unkraut ausreißen würden. So empfiehlt es sich vielmehr, alles Gute zu pflegen und im Wachstum zu fördern, hinsichtlich des Bösen aber, das wir nicht ändern können, auf die Wende durch Gott zu vertrauen, welche in der Heiligen Schrift als das Gericht bezeichnet wird. Ja, einmal wird Gott wirklich die endgültige Scheidung des Guten vom Bösen vornehmen, und er wird dies tun in vollendeter Gerechtigkeit und zugleich mit übergroßem Erbarmen gegenüber all jenen, die sich mit Hilfe seiner Gnade von der Sünde abwenden und dem Guten zuwenden und daher auch Verzeihung erlangen. Die heilige Margareta ermutigt uns zu allem Guten und zeigt uns, dass wir uns als Christen nie zu fürchten haben. Denn stärker als die grimmigste Versuchung durch den Teufel und seinen Anhang (symbolisiert durch den Drachen) ist die Kraft des Kreuzes Christi, weil sich dort die unendliche Liebe des Erlösers offenbart, der für uns sein Leben hingegeben hat.
Wagen wir es also, uns in unserem Leben immer wieder für das Gute einzusetzen, das wir als unsere Aufgabe sehen und das wir tun können! Gott ist bei uns, er stärkt uns in seiner Liebe. Suchen wir die Verbundenheit mit Gott im Gebet; jeder braucht ein paar stille Minuten am Tag, wo er sich besinnen kann und Kraft findet. Wir blicken so wie Margareta auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus. Er ist unsere Hoffnung auf Erden und zugleich auch unser Leben – hier und einst in der ewigen Vollendung bei Gott im himmlischen Reiche. Amen
