Predigt:
Vom Ganzeinsatz für das Himmelreich
17. Sonntag im Jahreskreis A (24.07.2005)
L1: 1 Kön 3,5.7-12; L2: Röm 8,28-30; Ev: Mt 13,44-52
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jeder von uns weiß, wie wichtig es im Leben ist, Ziele zu haben. Wer weiß, was er will, findet Mittel und Wege, um das Angestrebte auch zu verwirklichen. Wer hingegen nur planlos dahinlebt und sich treiben lässt von den Launen des Augenblicks, steht irgendwann enttäuscht und leer da, weil er die Chancen des Lebens nicht genutzt hat.
In den Gleichnissen des heutigen Evangeliums gibt uns Jesus nicht eine Anleitung, wie wir am besten die irdischen Ziele verwirklichen können. Er sagt uns nicht, wie wir reich werden können, wie wir Ansehen vor der Welt gewinnen können, wie wir einen bestimmten Beruf lernen, eine Ehe und Familie gründen etc. Jesus Christus weist uns auf ein Ziel hin, das viele Menschen in ihrer Lebensplanung vergessen und das doch das Wichtigste überhaupt ist: auf die Teilnahme an der Seligkeit des Himmelreiches.
Was ist das für eine Wirklichkeit, die die Heilige Schrift mit den Begriffen „Himmel“, „Paradies“, „ewiges Leben“, „Reich Gottes“ oder „Himmelreich“ bezeichnet? Einerseits ist das Reich Gottes ganz anders als alles Übrige, was uns hier auf Erden begegnet. Es ist nicht von dieser Welt. Andererseits ist es uns näher, als wir zu denken wagen und es uns vorstellen können. Nur ein Hauch und ein Schleier trennt unser irdisches Leben vom ewigen Leben, auf das wir zugehen.
Wenn das aber so ist, warum sollten wir dann nicht auch dieses über alles erhabene und alles Übrige umgreifende Ziel in die Planung unseres Lebens mit einbeziehen? Ist es dann nicht für den Menschen das Wichtigste überhaupt, das ewige Leben bei Gott zu gewinnen? Bisweilen sucht man den Menschen in der Weise zu blenden, dass ihm gesagt wird: „Wer weiß, was nach dem Tod kommt. Genieße dein Leben hier auf Erden, und lass es dir gut ergehen. Sei nicht so dumm, dich auf etwas zu verlassen, von dem du gar nicht weißt, ob es wirklich existiert.“ Es ist das Argument des Unglaubens, und wer sich darauf einlässt, hat kein Ohr und keine Antenne für das Übernatürliche. Er ist gefangen im Streben nach irdischen Dingen, die als solche nicht schlecht sind, aber außerhalb der rechten Ordnung den Menschen gefangen nehmen und ins Verderben ziehen können. Wenn dann unvermutet der Herr kommt und Rechenschaft verlangt über das Leben, dann steht dieser Mensch als Tor da, weil er nichts aufzuweisen hat, womit er Gott gedient und die Liebe zu den Mitmenschen verwirklicht hat. Wer erinnert sich da nicht an den „Jedermann“, der plötzlich mitten aus dem ausgelassensten Fest seines irdische Lebens vor das Gericht Gottes gerufen wird! Erst jetzt begreift, welch große Egoist er war und wie wenig er sich um Werke der Liebe bemüht hat.
Weise handeln hingegen jene Menschen, die ihr irdisches Leben bedenken und die letzte Hoffnung ihres Lebens nicht auf das Vergängliche setzen, sondern auf den unvergänglichen und unwandelbaren Gott. Wer im Glauben an Jesus Christus die rettende und frohe Botschaft annimmt, der erkennt, dass unser Leben viel zu kostbar ist, als dass es mit dem Tod enden könnte. Gott selber hat uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet und lädt uns ein zum Gastmahl am Tisch seines Reiches. Sollten wir da mit einer solchen Einladung nicht sorgsam umgehen? Wäre es da nicht wichtig, dass wir recht bedenken, was wir tun und worauf wir uns im irdischen Leben einlassen?
Die Beispiele vom Schatz im Acker, für den jemand alles übrige verkauft, und von der Perle, für die ein Kaufmann seinen ganzen Besitz einsetzt, weisen uns darauf hin, dass das Himmelreich den ganzen Einsatz unseres Lebens verlangt. Man kann Gott nicht nur irgendwie oder halb dienen, sondern wir sollen ihn aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele lieben. Wer hier zu rechnen und kleinlich-ängstlich zu knausern beginnt, hat nicht begriffen, worum es bei der Liebe geht: um das Ergriffensein des ganzen Herzens, um die Selbsthingabe an Gott und an die Brüder und Schwestern, die von Gott berufen sind in das himmlische Reich.
Nur wer bereit ist, Gott alles zu schenken, wird die Seligkeit des Himmelreiches erfahren können: hier auf Erden bereits im Verborgenen und doch auf trostvolle und ermutigende Weise mitten in Sorgen, Bedrängnis und Leid; einmal in ganzer Fülle und unverlierbar in der seligen Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria, den Engeln und Heiligen dort, wo uns Gott in sein Vaterhaus ruft. Freuen wir uns, dass wir erwählt und gerufen sind zu Jüngern des Himmelreiches! Gott möge das gute Werk, das er an uns begonnen hat, vollenden. Amen
