www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Christus, das Brot des Lebens

18. Sonntag im Jahreskreis A (31.07.2005)

L1: Jes 55,1-3; L2: Röm 8,35.37-39; Ev: Mt 14,13-21


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Evangelium wird uns von einer Notlage berichtet, in der sich die Apostel befanden und wo sie überfordert waren: Eine große Menschenmenge war versammelt, da sie den Worten Jesu zugehört hatten. Es war Abend geworden, und der Ort war abgelegen. Woher sollte man nun für die Leute etwas zu Essen erhalten? Der Vorschlag der Jünger, den sie Jesus machen, lautet: „Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ Aber Jesus meint, dies sei nicht nötig, und er fordert sie auf, dass sie ihnen etwas zu essen geben sollten. Wie aber soll das geschehen, da nur fünf Brote und zwei Fische vorhanden sind?

Wir haben eben von jenem Wunder gehört, das Jesus dann gewirkt hat: wie er die Leute sich ins Gras setzen ließ und dann nach dem Lobpreis die Brote brach und zusammen mit den Fischen austeilen ließ. Es heißt dann: „Alle aßen und wurden satt.“ Und „als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.“

Uns mag es unbegreiflich scheinen, wie das geschehen konnte. Groß ist bei manchen die Versuchung, diese Berichte als nicht ernstzunehmende „Wundergeschichten“ zu bezeichnen, die man nicht wörtlich nehmen dürfe. Andererseits: Trauen wir es Gott zu, dass er fünftausend Männer, dazu noch Frauen und Kinder speisen kann? Trauen wir es dem menschgewordenen Sohn Gottes zu, dass er zum Erweis seiner göttlichen Sendung dieses Wunder gewirkt hat, damit die Menschen an ihn glauben, der ihnen Speise gibt für das ewige Leben?

Die Wunder Jesu sind immer als Zeichen zu verstehen. Sie weisen über sich hinaus auf Höheres und Größeres hin. Die eigentliche Speise, nach der wir als Menschen verlangen sollen, ist das Brot des Lebens, das Jesus uns gibt und das er selber ist. Wir feiern das „Jahr der Eucharistie“ und erneuern besonders bei der heiligen Messe den Glauben daran, dass der menschgewordene, gekreuzigte und auferstandene Herr unter uns gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein. Viele essen die wunderbare Speise und werden gesättigt. Gottes Gnade wird nicht vermindert, wenn viele zum Tisch des Herrn hinzutreten. Die Voraussetzung, dass wir die heilige Speise – also den Leib und das Blut Christi – würdig und fruchtbringend empfangen, ist jedoch in jedem Fall der Glaube und die Liebe. Nur wer getauft ist und der Kirche angehört, wer diese Speise von gewöhnlicher Speise zu unterscheiden vermag, wer in einem kirchlich geordneten Lebensstand lebt und sich nach ernsthafter Prüfung keiner schweren Schuld bewusst ist, die er nicht zuvor gebeichtet hat, darf das heilige Sakrament des Altares empfangen.

Der heilige Thomas von Aquin hat es im Hymnus „Lauda Sion Salvatorem“ („Deinem Heiland, deinem Lehrer“) so formuliert: „Gute kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod. Bösen wird er Tod und Hölle, Guten ihres Lebens Quelle, wie verschieden wirkt dies Brot!“

Bedenken wir es also recht, wen wir hier empfangen dürfen: Es ist nicht bloß ein Stück Brot, sondern der auferstandene und verherrlichte Herr, unser Erlöser und Heiland, der einst unser Richter sein wird! Er, der ewige König, möchte uns das ewige Leben schenken, und wenn darum jemand voll Sehnsucht nach diesem Brot des Lebens verlangt, so ist dies bereits eine „geistige Kommunion“, die ihn mit Christus verbindet. Sobald die äußeren Voraussetzungen gegeben sind, darf ihn die betreffende Person auch sakramental empfangen.

Wie haben die großen Heiligen aus dem Empfang der heiligen Eucharistie ihre Kraft geschöpft! Die selige Mutter Teresa von Kalkutta verbrachte jeden Tag zusammen mit ihren Mitschwestern einige Stunden im Gebet vor dem Allerheiligsten und fand in der heiligen Kommunion die Kraft für ihren selbstlosen Dienst an den Ärmsten der Armen. In ähnlicher Weise soll Christus, das Brot des Lebens, auch unsere Nahrung sein für den Pilgerweg hier auf Erden. In der Kraft dieser Speise wollen wir der ewigen Herrlichkeit im Himmel entgegen schreiten.

Möge uns die heilige Gottesmutter Maria mit ihrer Fürbitte bei Gott begleiten. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat die Beziehung der Eucharistie zur Gottesmutter Maria so ausgedrückt: „Dieser Leib, der als Opfer dargebracht und unter sakramentalen Zeichen erneut gegenwärtig wurde, war ja derselbe Leib, den sie in ihrem Schoß empfangen hatte! Der Empfang der Eucharistie musste für Maria gleichsam bedeuten, jenes Herz wieder in ihrem Schoß aufzunehmen, das im Gleichklang mit ihrem Herzen geschlagen hatte, und das von neuem zu erleben, was sie selbst unter dem Kreuz erfahren hatte“ (Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“, Nr. 56). Wenn wir Jesus in der heiligen Kommunion mit Glaube und Liebe empfangen, wird uns ein Vorgeschmack der ewigen Seligkeit geschenkt. Amen