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Predigt:

Die Liebe Christi überwindet alles

18. Sonntag im Jahreskreis A (03.08.2008)

L1: Jes 55,1-3; L2: Röm 8,35.37-39; Ev: Mt 14,13-21


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Manche Menschen haben es nicht leicht in diesem Leben: Sie werden an den Rand geschoben und benachteiligt. Ihnen geschieht vielleicht großes Unrecht, das nicht wieder gutgemacht wird. Nicht selten geschieht es, dass dann die Betroffenen aufseufzen und sagen: „Wo finde ich noch Recht und Gerechtigkeit?“ Vielleicht geben sie nach vielen schmerzlichen Erfahrungen ganz auf und sagen: „Auf Erden gibt es keine Gerechtigkeit; nur die Reichen und Mächtigen setzen sich durch!“

Aber ist das schon das Schlusswort der Geschichte? Darf es denn wirklich sein, dass am Ende die Bösen triumphieren und jene, die sich um ein gutes Leben bemüht haben, unterliegen? Ist das wirklich alles, was diese Welt und das Leben zu bieten hat?

Man muss wohl zugeben, dass für Menschen, die nicht an ein Weiterleben nach dem Tod und nicht an Gott als barmherzigen und gerechten Richter glauben, die Hoffnung auf Gerechtigkeit bald erschüttert ist. Es scheint ja wirklich oft so, dass es in diesem Leben hauptsächlich jene zu etwas bringen, die sich auf Kosten anderer durchzusetzen vermögen, mag dabei auch manch Unschuldiger in seinen Rechten verletzt werden und schwer zu Schaden kommen.

Der heilige Paulus beruft sich in seinem Brief an die Römer in der zweiten Lesung dieses Sonntags nicht auf die Gerechtigkeit, die schließlich siegen wird, sondern auf die Liebe Christi. Dieser Liebe traut er es zu, dass sie alle Hindernisse und Widrigkeiten überwindet und letztlich siegreich bleibt. Er fragt die Adressaten seines Briefes ausdrücklich: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ und bekennt, weder „Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert“ haben die Macht, die Glaubenden von der Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus zu trennen.

Das, was wirklich zählt und was letztlich bestehen bleibt, ist nach Auffassung des heiligen Paulus nicht Macht oder Gewalt, nicht Unrecht und Übervorteilung, sondern die „Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Alle Macht der Liebe – ist das nicht weltfremd? Spricht nicht alle Erfahrung dagegen, sodass sogar der nüchtern denkende Mensch sagen muss, irgendetwas könne da nicht stimmen? Ist nicht Jesus Christus, der nur auf die Liebe gesetzt hat, selbst gescheitert, als er am Kreuz den Tod erlitt? Hat ihn nicht die Macht der Sünde und die Bosheit der Menschen letztlich scheitern lassen? Was ist übrig geblieben?

So kann nur jemand fragen, der nicht an die Auferstehung Jesu glaubt. Wäre die Auferstehung nur eine Vertröstung oder ein Ammenmärchen, so stünden wir als Christen wirklich auf einem denkbar schlechten Fundament. Wir würden uns etwas einreden, was überhaupt nicht stimmt und was unser Leben deshalb auch gar nicht tragen kann. Dann hätten wir wirklich keine Hoffnung darauf, dass sich am Ende doch Gott in seiner Gerechtigkeit und Liebe durchsetzt und er die rechte Ordnung wiederherzustellen vermag.

Allerdings: Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus ist auf einzigartige Weise bezeugt durch jene Menschen, denen er nach diesem einzigartigen Einbruch des Göttlichen in diese Welt erschienen und begegnet ist. Sie waren sogar bereit, ihr Leben für diese Wahrheit hinzugeben, wie das Beispiel der Apostel zeigt, die fast alle als Märtyrer gestorben sind.

Eben in dieser Einheit von Tod und Auferstehung Jesu sieht der Apostel Paulus den Sieg der Liebe Christi. Diese ist stärker als Sünde und Tod und jede Ungerechtigkeit und bleibt letztlich siegreich, auch wenn es zuerst scheinen mag, als sei die Liebe wie ohnmächtig und würde sie nichts vermögen gegen die Bosheit der Welt.

So gilt es für uns Christen, unsere Hoffnung einzig auf die Kraft der Liebe Gottes zu setzen, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat. Wenn wir das tun, dann bauen wir auf sicherem Fundament. Dann kann auch uns letztlich nichts erschüttern und entmutigen. Mit dem Apostel Paulus dürfen wir dessen gewiss sein, dass „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Amen