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Predigt:

Dem Herrn im Glauben entgegen gehen

19. Sonntag im Jahreskreis A (07.08.2005)

L1: 1 Kön 19,9a.11-13a; L2: Röm 9,1-5; Ev: Mt 14,22-33


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir erinnern uns noch an das Evangelium des letzten Sonntags, wo Jesus auf wunderbare Weise fünftausend Männer, dazu Frauen und Kinder, mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist hat. Durch dieses göttliche Zeichen der wunderbaren Brotvermehrung hat er darauf hingewiesen, dass wir das wahre Brot suchen sollen, das vom Himmel kommt und das er selber ist. Denn nicht nur irdische Speise braucht der Mensch, sondern wir brauchen vor allem die Speise, die nicht vergeht und die uns nährt für das ewige Leben: den Leib und das Blut Christi, der uns zur Speise gegeben ist unter der Gestalt des Brotes und des Weines in der heiligsten Eucharistie!

Das Evangelium dieses Sonntags berichtet ebenfalls von einem Wunder, das Jesus gewirkt hat. Er ist den Aposteln, die sich im Boot befanden, auf dem See entgegen gekommen. Sie meinten zuerst, es handle sich um ein Gespenst. Doch Jesus forderte sie auf zu vertrauen und nicht zu zweifeln. Petrus konnte dem Herrn so lange entgegen gehen, als er auf den Herrn blickte. Sobald er aber Angst bekam und sich vom Herrn abwandte, drohte er zu sinken.

Auch dieses Wunder des Herrn ist unerhört. Es kommt ja normalerweise nicht vor, dass jemand auf dem See wandeln kann. Weil aber jedes Wunder ein Zeichen ist, so hat Jesus auch diesmal den Jüngern etwas aufzeigen wollen. Er hat durch den Gang über den See darauf hingewiesen, dass er „wahrhaftig Gottes Sohn ist“, wie die Apostel es nachher voll Staunen und Ehrfurcht bekannten. In besonderer Weise wies er darauf hin, dass er als der menschgewordene Sohn Gottes in vollkommener Weise Macht hat über seinen Leib. Mit diesem Leib würde Jesus in der Folge gekreuzigt werden, aber am dritten Tag auferstehen. Durch den wunderbaren Gang über den See wird in gewisser Weise schon etwas von jenem Wunder vorweggenommen, das sich bei der Auferstehung Jesu ereignet. Sein Leib ist dann nicht mehr den Gesetzen der Natur unterworfen, sondern er ist frei und unabhängig davon.

Blicken wir also nochmals auf die beiden Wunder, die uns im Evangelium des letzten Sonntags und an diesem Sonntag von der Kirche verkündet werden! Durch die wunderbare Brotvermehrung hat Jesus gezeigt, dass er als der Sohn Gottes Macht hat über das Brot. Durch den Gang über den See hat er gezeigt, dass er Macht hat über seinen Leib. In dieser Zusammenschau verdichtet sich der Hinweis auf jenes heilige und erhabene Sakrament, das uns der Herr in der heiligen Eucharistie hinterlassen hat: Unter der Gestalt des Brotes ist wirklich er selber anwesend. Wir dürfen Christus empfangen als Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut! Es ist der gekreuzigte und auferstandene Herr, dem wir begegnen dürfen.

Ähnlich wie Petrus, der dem Herrn glaubend auf dem Wasser entgegen ging, gilt auch uns die Frage des Herrn, ob wir denn wirklich an ihn glauben. Wir dürfen an seinem Wort nicht zweifeln, denn Gott kann uns nicht in die Irre führen. Kommt uns auch das Leben zuweilen vor wie ein stürmischer See, in dem wir unterzugehen drohen, so fürchten wir dennoch nichts, wenn wir nur immer auf den Herrn blicken. Lassen wir darum nicht nach im Gebet und im Gottvertrauen! Bleiben wir verbunden mit dem im Sakrament unter uns gegenwärtigen Herrn, den wir anbeten und der unsere Speise ist für das ewige Leben.

In Kürze findet in Köln der Weltjugendtag statt, der unter dem Motto steht: „Wir sind gekommen, um IHN – Christus – anzubeten!“ Diese gläubig-liebevolle Anbetung des Herrn soll uns mit dem Papst, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, verbinden, der in Köln die Feiern leiten wird. Damals war es Petrus, der den Glauben an Christus bekannte; heute ist es sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., der uns im Glauben an den auferstandenen Herrn vorangeht und uns den Weg weist zu Christus, dem Brot des Lebens.

Möge uns die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria mit ihrem Glauben und ihrer Liebe für den Sohn Gottes Jesus Christus erfüllen! Er vermag auch uns das ewige Leben zu schenken. Amen