Predigt:
21. Sonntag im Jahreskreis A (25.08.2002)
L1: Jes 22,19-23; L2: Röm 11,33-36; Ev: Mt 16,13-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
War Simon Petrus ein besonderer Mensch? Welche Qualitäten zeichneten ihn aus? Gibt es irgendeinen Grund, daß ihn der Herr in dieser besonderen Weise auserwählte und ihm die Schlüssel des Himmelreiches übergab?
Diese Fragen mögen wir uns stellen, wenn wir davon hören, daß ausgerechnet Simon, der Bruder des Andreas, von unserem Herrn Jesus Christus den Beinamen „Petrus“ – der Fels – erhielt und mit der Leitung der Kirche betraut wurde. Auf diesen Felsen wolle er seine Kirche bauen, verkündete der Herr, damit sie die Mächte der Unterwelt nicht überwältigen könnten.
Aber Hand aufs Herz: Wer ist denn Petrus? Ist er ein Außergewöhnlicher? Ist er gar der „Superman“, dem nichts widerstehen kann, der alles richtig macht und der keine Zweifel und kein Versagen kennt?! Keineswegs! Petrus ist ein Mensch wie wir alle. Unter den Aposteln ragt er nicht durch seine besondere Treue und Heiligkeit hervor, denn wie wir wissen, hat er Jesus bei seiner Gefangennahme dreimal verleugnet. Zuvor hatte er noch beteuert, sogar mit ihm sterben zu wollen.
Wir können Simon Petrus vielleicht so charakterisieren: Er war aufrichtig und bereit, Jesus zu dienen und nachzufolgen. Mitunter überschätzte er aber seine eigenen Kräfte, und immer dann ging es schief. Ein Beispiel dafür wurde uns ja im Evangelium vom vorletzten Sonntag aufgezeigt, als Petrus über das Wasser dem Herrn entgegenging, dann aber zweifelte und zu sinken drohte. Petrus ist schwach wie wir alle. Er ist aber immer dann stark, wenn er auf den Herrn blickt und ihm vertraut.
Wenn nun der Herr eben diesem Simon Petrus das höchste Leitungsamt der Kirche anvertraut, so muß dies einen besonderen Grund haben. Es kann sich nur um die im voraus erwählende Liebe Gottes handeln, der gerade die Schwachen beruft, um die Starken zu beschämen; der das auswählt, was verachtet und gering ist, um das zu beschämen, was sich dünkt, etwas zu sein und darzustellen.
Petrus hat freilich den Herrn in einer besonderen Weise bezeugt und bekannt: Da es viele Meinungen über Jesus im Volke gab, wollte Jesus das Urteil seiner Jünger hören. Auf die Frage, für wen ihn die Apostel halten würden, antwortet Petrus feierlich: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Diese Antwort ist ihm nicht aus eigenem Antrieb eingefallen, sondern wurde ihm geschenkt durch die besondere Erleuchtung des Heiligen Geistes. Aufgrund dieser Antwort sagt Jesus zu Simon Petrus: „Selig, bist Du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Und dann nennt er ihn Petrus und verheißt ihm die „Schlüssel des Himmelreichs“, die Binde- und Lösegewalt für die ganze Kirche.
Liebe Brüder und Schwestern! Nach der Auferstehung hat unser Herr Jesus Christus diese Verheißung an Petrus nochmals aufgegriffen und ihn daran erinnert. Dreimal fragte er ihn, ob er ihn wirklich liebe. Und dreimal lautete die Aufforderung des Herrn, seine Schafe zu weiden! Die Liebe macht vieles wieder gut, auch die dreimalige Verleugnung. Der Herr vertraut ihm alles an, denn er hat für ihn gebetet. So soll er die Brüder im Glauben stärken, nachdem er sich wieder zum Herrn bekehrt hat (vgl. Lk 22,32)!
Das Petrusamt in der Kirche hat der Papst inne. Wir sind froh, daß unser gegenwärtiger Heiliger Vater Papst Johannes Paul II. trotz seines Alters und seiner Gebrechlichkeit ein derart machtvolles Zeugnis ablegt für den katholischen Glauben. Auch an ihm wird offenbar, wie Gottes Kraft die Schwachen stärkt. Der Papst ist Mensch wie wir. Der besondere Beistand des Heiligen Geistes stärkt ihn aber in seinem Amt, sodaß er die Kirche Gottes gut leiten und führen kann. Trifft er endgültige Entscheidungen in der Glaubenslehre, so ist dem Papst die Unfehlbarkeit verheißen. Das heißt, die Kirche kann nicht irre gehen, wenn sie auf sein Wort hört. Gott selber trägt Sorge dafür, daß die Kirche Christi in der Wahrheit und Liebe erhalten bleibt.
Die letzte Wahrheit des Heils können nicht Menschen „erfinden“ oder durch ihren Verstand heraustüfteln. Sie ist letztlich ein unverdientes Geschenk, indem sich Gott selbst durch seinen Sohn Jesus Christus geoffenbart hat. Wer Gott wirklich ist, das konnte er uns nur selber sagen durch sein ewiges Wort, das Fleisch geworden ist aus der Jungfrau Maria. Nur in der christlichen Religion (das Alte Testament ist hier eingeschlossen) unternimmt Gott selbst die Initiative und geht auf den Menschen zu in unverdienter und unverfügbarer Liebe. Diese Wahrheit des Heils ist der Kirche anvertraut und hier in besonderer Weise dem Papst und den Bischöfen als Nachfolgern der Apostel.
Bemühen wir uns, immer mit dem Papst verbunden zu sein. Es geht nicht darum, daß wir eine bestimmte Person „anhimmeln“, sondern daß wir das Amt ernst nehmen, das Christus dem Petrus und seinen Nachfolgern anvertraut hat. Wer dies tut, darf darauf vertrauen, den Weg des Heils und der Wahrheit zu gehen – mit vielen anderen, die Gott in seine Kirche berufen hat.
Die Kirche verkündet uns auch heute, daß Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Hören wir auf ihr Wort und setzen wir uns ein dafür, daß die Wahrheit des Heils zu allen Menschen gelangt! Amen
