Predigt:
Wer ist der Menschensohn?
21. Sonntag im Jahreskreis A (23.08.2026)
L1: Jes 22,19-23; L2: Röm 11,33-36; Ev: Mt 16,13-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wer ist Jesus? Für wen halten die Leute den Menschensohn? Diese Frage wurde verschieden beantwortet. Die meisten Menschen, die ihn hörten und sahen, erkannten: Hier spricht ein Großer; es muss wohl ein Prophet sein, vielleicht ist es Elija oder Jeremia. Und doch waren dies alles nur Meinungen, also menschliche Einschätzungen, die grundsätzlich auch dem Irrtum unterliegen können.
Doch als Jesus anschließend an die Erhebung dieses Meinungsbildes seine eigenen Jünger fragt, da geht es um mehr. Sie glauben an ihn; sie sind mit ihm vertraut; der Heilige Geist wirkt in ihnen. Da ist es dann nicht überraschend, dass der Jünger mit ursprünglichen Namen Simon das Wort ergreift. Er tritt auf als der Sprecher aller und bekennt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16).
Wie konnte dieser Jünger ein so kraftvolles Bekenntnis aussprechen? Jesus sagt zu ihm, dass nicht Fleisch und Blut ihm dies eingegeben haben, sondern der himmlische Vater. Und es folgt eine Namensgebung: Simon heißt in Zukunft Petrus, der Felsenmann. Auf diesen Felsen seines gläubigen Bekenntnisses wird Jesus seine Kirche bauen. Die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwinden!
Durch unsere katholische Prägung erkennen wir in diesem Evangelium nicht nur eine persönliche Auszeichnung für Petrus, sondern die Verleihung eines Amtes, das er und seine Nachfolger ausüben sollen. Das Petrusamt ist im jeweiligen Bischof von Rom, also im Papst verwirklicht. So wie Simon Petrus, der erste Felsenmann, hat auch der jeweilige Nachfolger Petri von Gott die Aufgabe erhalten, im Namen der ganzen Kirche das Christusbekenntnis abzulegen.
Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden ist kein Selbstzweck. Sie soll Jesus Christus verkünden, den Sohn des lebendigen Gottes. Im Glauben an ihn empfangen die Menschen das göttliche Leben und werden gerettet. Das Tor zum ewigen Leben ist aufgetan!
Was bedeutet es aber für uns, wenn wir mit der Kirche bekennen, dass Jesus der Messias ist, der wahre Sohn Gottes, der Mensch geworden ist? Wir sind durch den Glauben und die heilige Taufe gleichsam in eine neue Existenzweise übergegangen. Auch wenn wir Menschen bleiben, so dürfen wir doch den Schatz des göttlichen Lebens in unserem Herzen tragen. Gott selbst trägt Sorge für uns als seine geliebten Kinder. Der Sohn Gottes liebt uns als seine Schwestern und Brüder, und so entsteht auch untereinander eine neue und vertiefte Form der Gemeinschaft.
Wir Christen dürfen gleichsam wie ein Sauerteig sein, indem wir die frohe Botschaft im Herzen aufnehmen und im Leben bezeugen. Die eigene Schwachheit und Gebrechlichkeit sind hier kein Hindernis, denn die Macht Gottes zeigt sich gerade in der Schwachheit.
Der auferstandene Herr bleibt unsichtbar gegenwärtig in seiner Kirche, zu der wir gehören dürfen. Er geleitet uns auf dem Pilgerweg des Glaubens, dem Ziel ewiger Freude entgegen. Ist dies alles nicht ein Anlass zu tiefster Dankbarkeit und zu innerem Jubel aus ganzem Herzen? Alle Bedrängnis, die wir in diesem Leben erfahren, ist nur vorübergehend, und wir sollen einander beistehen, wenn wir ein Leid zu tragen haben. So wächst das Reich Gottes in den Herzen der Menschen, bis es sich einst in seiner Vollendung zeigen wird, wenn Christus der Herr wiederkommt in Herrlichkeit. Amen.
