Predigt:
Wer mein Jünger sein will
22. Sonntag im Jahreskreis A (31.08.2008)
L1: Jer 20,7-9; L2: Röm 12,1-2; Ev: Mt 16,21-27
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Noch am letzten Sonntag haben wir das großartige Bekenntnis des Simon Petrus zu Jesus Christus als dem Sohn des lebendigen Gottes gehört; und Jesus hat ihn deshalb selig gepriesen und ihn zum Felsen der Kirche gemacht.
Heute aber, kurz darauf, zeigt sich, dass Petrus trotz seines hohen Amtes ein schwacher Mensch geblieben ist, der die Pläne Gottes mit seinem Messias letztlich noch nicht begreifen will und kann. Denn als Jesus seinen Jüngern das bevorstehende Leiden und Sterben ankündigt, meint Petrus, das dürfe nicht geschehen; das möge Gott verhüten. Sein menschlich so gut gemeinter Ratschlag entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als List des Versuchers, dessen Einflüsterung Petrus zum Opfer gefallen ist. Darum der harte Tadel: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Und dann schließt Jesus eine Belehrung an, die ganz und gar unpopulär klingt. Ganz sicher könnte er mit solchen Forderungen keine Wahlen gewinnen. Er fordert nämlich seine Jünger, d.h. uns alle (!), zum Kreuztragen auf: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Drei Punkte sind es, die Jesus hier als Forderung, besser sollten wir sagen als freundliche Einladung an alle, die an ihn glauben, vorstellt: zuerst die Selbstverleugnung, dann das Tragen des Kreuzes und schließlich die Nachfolge Christi.
„Selbstverleugnung“: Das Wort klingt, als ob es gegen unsere Natur wäre. Wir sollen und wollen doch unser Leben bejahen; wie können wir es da verleugnen? Näher betrachtet zeigt sich aber, dass es in unserem Leben Tendenzen unterschiedlichster Art gibt: lebensfördernde und lebensfeindliche. Manchmal sind gerade jene Wege und Werte, die uns so überaus verlockend erscheinen, auf Dauer die falschen, weil sie nicht wirklich tragfähig sind im Leben. Da meint ein Mensch, er könne und müsse alles auf die Karte der Karriere und des wirtschaftlichen Wohlergehens setzen. Er mag wohl eine Zeit damit durchkommen; irgendwann merkt er aber – hoffentlich nicht zu spät – dass ihm das eigentlich Menschliche im Leben verloren gegangen ist. Er hat keine wirklichen Freunde, die Familie ist zerrüttet, die Gesundheit zerstört. Ähnlich ist es mit vielem anderen. Wenn Jesus nun von der „Selbstverleugnung“ spricht, so will er nicht unseren Lebenswillen eindämmen oder ihn gar für schlecht erklären, sondern er weist uns im Gegenteil den Weg zur wahren Entfaltung des Lebens. „Selbstverleugnung“ heißt dann jenes Abstand-Nehmen vom Eigenwillen, wie es in der Liebe gefordert ist. Denn die Liebe blickt immer über sich selbst hinaus und will sich hingegeben an die geliebte Person; zur Liebe gehört wesentlich „Selbstverleugnung“, Vergessen seiner selbst, um sich gerade so dann wirklich selbst zu finden.
„Kreuztragen“: Auch diese Einladung Jesu erscheint unpopulär, ja unmöglich. Zugegeben: Wenn wir die Wahl haben, dann weichen wir dem Kreuz aus. Wir gehen lieber den bequemeren Weg. Aber andererseits sind viele „Kreuze“ im Leben einfach unvermeidbar, d.h. wir können ihnen gar nicht entkommen, und zweitens ist mit der Wahl bestimmter Ziele immer auch ein Verzicht auf anderes verbunden und ein Weg so mancher Opfer. Unter dieser Rücksicht möchte uns Jesus das Kreuztragen gerade nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist, sondern er lädt uns ein, unser je eigenes Lebenskreuz mit ihm zu tragen. Deshalb die dritte Forderung:
„Nachfolge Christi“: Nur im Blick auf Jesus Christus, der uns vorausgegangen ist, wird unser Kreuz, unsere Lebensbürde leicht. Nur im Blick auf ihn, wenn wir uns ergreifen lassen von seiner Liebe, wird „Selbstverleugnung“ möglich. Nur dann begreifen wir, wie wir das wahre Leben gewinnen können. Nicht durch Egoismus und Opferscheu, sondern nur in Verbindung mit Gott und im Eingehen auf den Ruf seiner Liebe!
Wenn wir diesen Weg gehen, wie ihn die Gottesmutter Maria gegangen ist und wie ihn dann auch die Apostel – einschließlich Petrus – gegangen sind, wird unser Herz froh werden. Wir werden die Nachfolge Christi, das Kreuztragen mit ihm, die Selbstverleugnung als Weg zur Freude erkennen, wo uns jetzt schon auf Erden ein Strahl des himmlischen Lichts aufscheint und sich einst die Herrlichkeit Gottes in ihrer Fülle offenbart. Amen
