Predigt:
Für treu befunden und des himmlischen Lohnes gewürdigt
25. Sonntag im Jahreskreis A (21.09.2008)
L1: Jes 55,6-9; L2: Phil 1,20ad-24.27a; Ev: Mt 20,1-16a
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der Pfarrkirche von Spitz an der Donau wird heute das Patrozinium des heiligen Mauritius gefeiert. Mauritius war Kommandant der „Thebäischen Legion“. Sie bestand aus über 6000 Mann, und ihre Mitglieder waren hauptsächlich Christen. Vermutlich um das Jahr 285 sollte diese Legion in der heutigen Schweiz zum Einsatz kommen. Als ihre Mitglieder sich weigerten, gewaltsam gegen andere Christen vorzugehen und den römischen Göttern zu opfern, wurde die Legion zuerst dezimiert und dann ganz vernichtet. Mauritius hat nach der Überlieferung seine Mitchristen im Glauben bestärkt und ihnen das Beispiel siegreicher Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott gegeben. Der heilige Mauritius und seine Gefährten zeigen uns durch ihr Vorbild, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen und dass es besser ist, Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun.
Im Evangelium dieses Sonntags erzählt Jesus das Gleichnis vom Gutsbesitzer und den Arbeitern im Weinberg. Wann immer jemand kommt und die Arbeit aufnimmt, er erhält am Ende seinen Lohn. Das Entscheidende ist, dass sich die Tagelöhner überhaupt anwerben lassen und den Rest des Tages in treuer Arbeit verbringen. Weil die Erzählung ein Gleichnis ist, weist sie hin auf die Wirklichkeit des Himmelreiches. Gott selbst lädt uns Menschen ein, dass wir Mitarbeiter in seinem Reich werden, indem wir an ihn glauben und uns bemühen, ein christliches Leben zu führen. Auf das treue Ausharren kommt es an, nicht darauf, zu welcher Stunde seines Lebens jemand gerufen wurde.
Auch Mauritius und seine Gefährten wussten nicht, wie ihr Leben als Christen verlaufen würde. Sie hatten sich ganz bewusst für den Glauben entschieden, obwohl sie in einem schwierigen Beruf als Soldaten waren und damit rechnen mussten, dass die römische Weltmacht oft grausam gegen andere vorging. Sie hatten sich fest vorgenommen, Christus nicht zu verleugnen und nichts Unrechtes zu tun. So harrten sie treu aus bis zum Tod, zu welchem sie ungerechterweise verurteilt wurden. Auf diese Weise empfingen diese heiligen Märtyrer den verheißenen Lohn in der seligen Gemeinschaft mit Gott und den Engeln und Heiligen im Himmel.
Auch uns, liebe Brüder und Schwestern, ist der ewige Lohn verheißen. Dabei sind wir uns bewusst, dass wir kein Anrecht auf den Himmel haben und uns diesen nicht „verdienen“ können. Es sind vielmehr die Verdienste Jesu Christi, die uns zuteil werden, wenn wir im Glauben und in der Liebe mit Gott und den Mitmenschen verbunden sind. Es besteht kein Grund zu murren, wenn der göttliche Herr einst dem Geringsten, der zu später Stunde kam, genauso viel gibt wie uns. Es ist vielmehr eine Gnade, dass wir überhaupt zu Jesus Christus und seiner Kirche gehören dürfen. Mauritius und seine Gefährten waren schwache Menschen wie wir; allein gestützt auf die göttliche Gnade bekamen sie die Kraft treu zu sein.
Freilich, und das zeigt uns sowohl das Evangelium wie auch das Beispiel des heiligen Mauritius und seiner Gefährten: Gott bietet uns seine Gnade an, er zwingt sie uns aber nicht auf. Er lädt uns vielmehr ein zur Mitarbeit in seinem Reich. Insofern ist es dann doch auch wiederum berechtigt, vom „Lohn“ für alle Mühen zu sprechen, den Gott uns schenken will. Aber das Anspruchsverhältnis im Reich Gottes ist anders als in der menschlichen Wirtschaft und Gesellschaft: Nicht weil wir fleißig sind, muss uns Gott belohnen, sondern Gott schenkt uns zuerst schon alles und ruft uns dann dazu auf, mit den empfangenen Gaben gut umzugehen und mit ihnen zu arbeiten. Der Lohn folgt auf diese Weise dem Geschenk, der Gnade.
Preisen wir Gott den Herrn, der so gut ist, dass er uns dieses Leben auf Erden schenkt und einst die ewige Seligkeit im Himmel! Wie der heilige Mauritius und seine Gefährten wollen wir ausharren im guten Kampf und darauf vertrauen, dass Gott uns beisteht, bis er uns heimholt in seinen ewigen Frieden. Amen.
