Predigt:
Die Einladung steht: Wollen wir kommen?
28. Sonntag im Jahreskreis A (11.10.2026)
L1: Jes 25,6-10a; L2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wie gelangen wir ins Himmelreich? Für die Zuhörer Jesu war dies eine wichtige Frage, und auch uns betrifft das Thema im Tiefsten unseres Herzens.
Für einen ungläubigen Menschen stellt sich die Frage natürlich nicht. Wenn nach seiner Meinung mit dem Tod alles zu Ende ist, dann ist es überflüssig zu fragen, wie wir in den Himmel kommen. Dann wäre eben die Erde, auf der wir leben, der einzige Ort, wo man sich ein angebliches Paradies schaffen will. Dass dies nicht gelingt und gelingen kann, weil es trotz aller Fortschritte und allem Bemühen weiterhin Leid, Krankheit und Tod sowie auch Ungerechtigkeit und Gewalt geben wird, muss sogar der Nichtglaubende einsehen. Wir als gläubige Christen erfahren diese Begrenzungen ebenfalls, und doch sind wir nicht ohne Hoffnung: Jesus Christus hat uns erlöst von allem Bösen und verheißt uns das Himmelreich!
Einleitend heißt es im heutigen Evangelium nach Matthäus, dass Jesus den Hohepriestern und Ältesten ein Gleichnis vom Reich Gottes erzählte. Diese waren die führende Schicht im jüdischen Volk und sollten die anderen unterrichten. Gerade sie waren aber in ihrer Feindschaft gegen Jesus verhärtet und weigerten sich, seine Worte im Glauben anzunehmen. Wenn er also von einem König spricht, der durch seine Diener die geladenen Gäste zur Hochzeit herbeirufen lässt, dann sind zuerst diese führenden Männer im Volk gemeint. Es heißt aber, dass sie sich nicht um die Einladung kümmerten. Jeder ging weiterhin seines Weges, worauf schließlich der König seine Einladung zurückzog, denn sie verdienten es nicht, eingeladen zu werden.
In der Folge werden alle eingeladen, die an den Straßen anzutreffen sind. Tatsächlich kommen viele von ihnen, wie es ausdrücklich heißt sowohl Gute als auch Böse. Aber dann wird einer vorgefunden, der zwar eingetreten ist und dem doch etwas Wesentliches fehlt: Er hat kein hochzeitliches Gewand an! Dies ist auch eine Form der Ignoranz, der Missachtung und der fehlenden Wertschätzung für diese besondere Einladung. Eben deshalb wird dieser Gast nach außen hin komplementiert, was das Evangelium ziemlich deutlicher ausdrückt: Er wird hinausgeworfen in die äußerste Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen herrschen. Dies ist ein bildhafter Ausdruck, der anzeigt, wie viel dieser Gast verloren hat, weil er sich als unwürdig erweist, am himmlischen Hochzeitsmahl teilzunehmen.
Kurz zusammengefasst heißt es am Schluss des Gleichnisses: „Viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.“ Man könnte das so verstehen: Gott ruft die Vielen ohne Unterschied. Zur tatsächlichen Teilnahme am himmlischen Hochzeitsmahl gehört aber auch die bewusste und freie Entscheidung, diese Einladung anzunehmen und ihr in Glaube, Hoffnung und Liebe zu entsprechen. Nur dann erscheint der Betreffende in einem hochzeitlichen Gewand, weil er innerlich und äußerlich bereit ist für das große Fest, für die Erfahrung der liebenden Nähe Gottes.
Angesichts einer so wunderbaren Einladung durch Gott den Herrn sollte sich jeder von uns im Herzen fragen: Will ich Ja sagen dazu und mich in Liebe auf die Begegnung mit Gott im Himmelreich vorbereiten? Die Freude über dieses wunderbare Geschenk, zusammen mit vielen anderen eingeladen zu sein, wird dann schon jetzt unser Herz erfüllen. Amen.
