Dr. Josef
Spindelböck
Gott und der
Kaiser
Predigt am 29.
Sonntag im Jahreskreis
16. Oktober 2005, Lesejahr A
L 1: Jes 45.1.4-6; L
2: 1 Thess 1,1-5b; Ev: Mt 22,15-21
Alle
liturgischen Texte online im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Kirche und Politik – das ist oft ein
konfliktträchtiges und umstrittenes Thema. Die
einen wollen, dass sich die Kirche in politischen und gesellschaftlichen
Fragen stärker engagiert als bisher, dass sie die grundlegenden Werte des
Menschen verteidigt, sich einsetzt für die sozial Schwachen und Entrechteten, ja
dass sie um dieser Werte willen womöglich auch eingreift in die aktuelle
politische Debatte. Andere wiederum
vertreten den Grundsatz, Religion sei ganz und gar Privatsache, und die Kirche
habe darum kein Recht, in der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit
die Stimme zu erheben, da sie auf diese Weise einen Einfluss geltend mache, der
ihr nicht zukomme und zustehe.
Schon unseren Herrn Jesus
Christus versuchte man in die „politische
Falle“ zu locken, als ihm die Pharisäer eine diesbezügliche Frage stellten.
Es ging darum, ob es denn erlaubt sein könne, dem Kaiser Steuer zu zahlen. Diese Frage
war keineswegs harmlos, denn Palästina war von den Römern besetzt. Jeder
aufrechte Angehörige des jüdischen Volkes musste die Fremdherrschaft als
ungerechte Last empfinden, die es sobald als möglich wenn nötig auch mit Gewalt
abzuschütteln galt. Und da sollte man dem verhassten Kaiser auch noch Steuern
zahlen? Hätte Jesus nun einfach mit „Ja“ geantwortet, dann wären die
Pharisäer mit dem Argument bei der Hand gewesen, er stelle sich auf die Seite
der Römer und gegen das eigene Volk. Ein
„Nein“ hingegen hätte ihn als
politischen Revolutionär erscheinen lassen. Dies wiederum wäre ein willkommener
Anlass gewesen, ihn von der römischen Besatzungsmacht verhaften zu lassen und
als Aufrührer hinzurichten. Wie also würde sich Jesus verhalten? Alle warteten
gespannt auf seine Antwort und sein Verhalten.
Jesus aber lässt sich
trotz der bösen Absicht seiner Gegner nicht irritieren. Er offenbart ihnen auch hier den Willen
Gottes, indem er sie auffordert: „Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure
Steuern bezahlt.“ Sie selber tun also das, was sie Jesus vorwerfen wollten: Sie
zahlen Steuer an den Kaiser. Die Münze, die man ihm nun bringt, ist ein
römischer Denar. Darauf ist das Bild des Kaisers zu sehen. Jesu Antwort ist klar: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,
und Gott, was Gott gehört!“
Mit diesen Worten hat unser Herr Jesus Christus eine klare Unterscheidung getroffen: Die politische Autorität (in dem Fall der
Kaiser) ist in all dem zu ehren, wo sie um des Gemeinwohles willen besteht. Der
Bürger schuldet dem Staat Gehorsam und die Einhaltung der Gesetze,
einschließlich der Erfüllung der staatlichen Forderung nach Steuern und
sonstigen Abgaben. Wo es aber um die Ansprüche
Gottes geht, um die Erfüllung des Willens Gottes, um das Halten seiner
Gebote, da darf der Mensch dies nicht verweigern. Er soll Gott geben, was Gott
gebührt. Dies tut der Christ, weil er sich im Gewissen dazu verpflichtet weiß. Gottes
Weisungen dienen dem Leben und führen zum Heil. Wenn sich der Mensch seine
eigene Ordnung gibt und diese im Gegensatz zum Gebot Gottes steht, dann führt
dies zum Schaden und zur Bedrohung für den Menschen.
Die Gegner Jesu erkannten angesichts seiner Antwort, dass er nicht für
faule Kompromisse zu haben war. Wenn wir uns nun selber fragen, wie sich Christen in der Politik verhalten
sollen, dann gilt: An erster Stelle steht das Gebet für die politisch Verantwortlichen, egal welcher Richtung und
Partei. Dann gilt es natürlich auch für uns, dass wir im Gewissen verpflichtet sind, die Anordnungen und Weisungen der
politischen Autorität im bürgerlichen
Gehorsam aufzunehmen und durchzuführen, solange
sie nicht dem Gebot und Willen Gottes widersprechen. Tritt der Fall ein,
dass wir ein ungerechtes Gesetz
befolgen müssten, dann müssen wir diesem Widerstand
leisten. Denn Gott muss man mehr gehorchen als den Menschen (vgl. Apg 5,29). Die Haltung christlicher Glaubenszeugen und
Märtyrer ist uns hier ein Vorbild, die auch in schwierigen Situationen ihrem
Gewissen treu blieben und Gottes Gebot nicht verleugneten.
Es braucht auch in der heutigen Zeit Männer und Frauen mit Engagement und Courage, die sich in Gesellschaft und Politik aus
christlicher Überzeugung einsetzen für die Werte des Lebens und das Wohl ihrer
Mitmenschen. Hierin liegt ein besonderer Auftrag
der Laien. Geschieht das, dann dürfen die Verantwortlichen mit der Hilfe
Gottes rechnen. Ihr Wirken ist ein wichtiger Beitrag, um Sauerteig zu sein für
das Reich Gottes. Die Welt soll geheiligt werden, denn Christus ist der Herr
und König der ganzen Schöpfung.
Im Oktober empfehlen wir uns besonders der Fürbitte der heiligen Gottesmutter Maria, der Rosenkranzkönigin!
Dieses Gebet möge uns den Frieden
von Gott erbitten – für uns persönlich und unsere Familien und Gemeinschaften
und auch für den staatlichen und politischen Bereich! Amen.
·
Predigten von Dr. Josef Spindelböck
·
Predigten von Pfr.
Christian Poschenrieder
·
Predigten von + Univ. Prof. Dr.
Ferdinand Holböck