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Predigt:

2. Adventsonntag A (09.12.2001)

L1: Jes 11,1-10; L2: Röm 15,4-9; Ev: Mt 3,1-12


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Nachdem wir gestern das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern durften, folgt heute bereits der 2. Adventsonntag. Wir bereiten uns vor auf das Geheimnis von Weihnachten. An der Hand der Gottesmutter Maria gehen wir Christus, dem Herrn, entgegen!

Bevor unser Herr Jesus Christus vor zweitausend Jahren öffentlich auftrat, bereitete ein prophetischer Mann die Menschen auf sein Kommen vor: Es war Johannes der Täufer. Er rief die Söhne und Töchter Israels zu Buße und Umkehr auf, zur wahren Bekehrung und Herzenserneuerung. Damit macht er klar, daß jedes Geschenk Gottes im Menschen als Empfänger bestimmte Voraussetzungen verlangt, damit dieser das Geschenk überhaupt annehmen kann. Wenn das Herz nicht bereit ist zur Umkehr und Versöhnung, kann die frohe Botschaft des Heils nicht ankommen.

Freilich, uns Heutigen erscheinen die Worte des Johannes fast zu düster und dramatisch. Wie würde es uns wohl gehen, wenn es irgendein Bischof oder Papst wagen würde, uns mit Worten wie diesen anzureden: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?“

Diese harten Worte hat Johannes aber nicht unterschiedslos an alle gerichtet, sondern sie waren für die Pharisäer und Sadduzäer bestimmt, denen er schon eindringlich ins Gewissen reden mußte, um sie überhaupt etwas nachdenklich zu machen. Er sagte zu ihnen: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.“ Denn sonst würde ihnen die äußerlich empfangene Taufe der Umkehr nichts nützen. Herzensänderung und Lebensbesserung sind angesagt!

Halten wir uns in dieser Zeit der Vorbereitung an die Worte des Apostels Paulus im Brief an die Römer. Er gibt uns einen guten Rat, den wir wohl alle beherzigen sollen. Dieser lautet: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.“ Was heißt das? In der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus hat Gott uns wirklich als seine Kinder angenommen. Er hat uns nicht verstoßen, sondern uns in seine Gemeinschaft der Liebe und des Lebens gerufen. Eben deshalb sind wir dazu aufgerufen, auch einander anzunehmen als Brüder und Schwestern in Christus. Dies ist freilich – wie wir alle wissen – gar nicht leicht.

Wenn uns jemand sympathisch ist und zusagt, dann nehmen wir diesen Menschen gern an. Was aber ist mit den Lästigen und Ärgerlichen, den Ungerechten und Unerträglichen? Können wir auch diese in der Gesinnung Christi annehmen? Da sind wir alle gefordert. Niemand darf es sich hier zu leicht machen und sagen: So bin ich eben, ich kann nicht anders. Wir müssen als Christen wirklich ein Alternativprogramm entwickeln und dieses zu leben versuchen: Gerade an der Liebe zu denen, die uns übel gesinnt sind, die uns Böses tun, zu den „Feinden“, zeigt sich das wahre Christentum nach dem Beispiel Jesu!

Für den kommenden Freitag, den 14. Dezember 2001, hat uns der Papst zu einem Tag des Gebets und des Fastens für den Frieden in der Welt aufgerufen. Ein jeder soll seinen Beitrag leisten, wie es ihm möglich ist. Seien wir guten Mutes: Gott hört das Flehen seiner Kinder! Das Heil ist denen nahe, die Gott aufrichtig suchen.

Bitten wir unsere himmlische Mutter Maria um ihren Schutz und Segen. Dann wird es auch in unserem Herzen immer heller werden, bis wir eintreten dürfen in die Fülle des göttlichen Lichts: in die ewige Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht. Amen