Dr. theol. habil. Josef Spindelböck
L
1: Apg 2,42-47; L 2: 1 Petr 1,3-9; Ev: Joh 20,19-31
Alle liturgischen Texte online
finden Sie im Schott-Messbuch
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Drei
Bitten sind es, welche die Kirche heute im Tagesgebet durch Jesus Christus im Heiligen Geist an Gott, den
Vater, richtet:
Gott
möge uns erkennen lassen,
Die
erste Bitte bezieht sich auf die Taufe, in der wir hineingenommen sind
in die Gemeinschaft des Dreifaltigen Gottes. Wir wurden eingetaucht in das Bad der göttlichen Liebe, das uns befreit hat von aller Schuld. Ja, wir sind gereinigt in diesem heiligen Bad der
Taufe von der Schuld Adams, an der jeder Mensch mitträgt, der ins Leben tritt,
und von aller persönlichen Schuld, die jene zuvor auf sich geladen hatten,
welche erst im Erwachsenenalter getauft worden sind.
In
der frühen Kirche war die Osternacht der bevorzugte Tauftermin, und die Täuflinge (meist Erwachsene)
kamen in der Folge in weißen Gewändern
zum Gottesdienst, um zu zeigen, dass sie in Jesus Christus, dem Auferstandenen,
gleichsam neu geschaffen worden sind und bekleidet wurden mit dem Gewand der
göttlichen Gnade. Das Erbarmen des Herrn
gilt es zu preisen im Geschenk der
heiligen Taufe, durch welche Gott der Kirche jedes Jahr neue Söhne und Töchter
schenkt!
In
der zweiten Bitte preisen wir Gottes Heiligen Geist, der allmächtig
ist und uns in der Taufe die neue Geburt aus Wasser und Geist geschenkt hat. Als
Jesus den Aposteln erschien, hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den
Heiligen Geist!“ Zugleich gab er ihnen die Vollmacht der Sündenvergebung. So ist außer dem Sakrament der Taufe auch das Sakrament der Buße ganz eng mit dem
heutigen Sonntag der Barmherzigkeit Gottes verknüpft. Denn Gottes Heiliger
Geist erweist seine Macht dadurch, dass er die Toten zum Leben erweckt. Und wer
bedarf dieser Gnade mehr als jene, welche zuvor geistlich tot waren, weil sie
den Glauben und die Liebe verloren hatten, die nun aber wieder leben durch das Erbarmen des Herrn?
In
der dritten Bitte geht es um das kostbare Blut Christi, durch das wir
erkauft und befreit sind von der Sünde und vom ewigen Tod, welcher die
Verdammnis ist. Das Blut gilt in der
Heiligen Schrift als Sitz des Lebens,
und wenn wir bekennen, dass Jesus Christus, unser Herr, am Kreuz sein Blut für
uns vergossen hat, so heißt dies: Er hat sein Leben ganz für uns hingegeben aus
Liebe. So sehr hat Gott uns geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn für uns
hingegeben hat. Auf diese Weise wurden wir gleichsam losgekauft, freigekauft
aus der Sklaverei der Sünde und des Todes. Das Blut des neuen Osterlammes,
das Blut Christi, hat uns frei gemacht für Gott und füreinander. Das göttliche Erbarmen befähigt uns dazu,
auch einander jene Liebe zu erweisen, mit der wir selber von Gott beschenkt
worden sind.
An
diesem „Sonntag der Barmherzigkeit“,
der als solche vom verstorbenen Papst Johannes Paul II. für die ganze Kirche
eingeführt worden ist, preisen wir Gott, der in seiner Liebe unendlich größer
ist als alle Schuld und alles menschliche Versagen. Es gibt gleichsam nur eine
einzige Bedingung, dass wir mit dem
Erbarmen Gottes beschenkt werden: Wir
müssen uns selber beschenken lassen wollen.
Nicht
der stolze und selbstherrliche Mensch, der keinen Erlöser braucht, weil er
meint, sich selbst zu genügen, kann das Heil empfangen, sondern jene, die wie
Maria offen sind für die Gnade des Herrn. Alle Demütigen und Frommen empfangen das Heil in Fülle, und in diesem
Sinn wollen wir Gott dafür danken, dass wir durch den Tod und die Auferstehung
seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, befreit sind von allem Bösen und
dass uns das neue und ewige Leben
geschenkt ist in der Gemeinschaft mit Christus, dem Erlöser. Amen.
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