Dr. Josef
Spindelböck
Vom Dienst
wahrer Autorität
Predigt am 31.
Sonntag im Jahreskreis
30. Oktober 2005, Lesejahr A
L 1: Mal 1,14 -2,2b.8-10;
L 2: 1 Thess 2,7b-9.13; Ev:
Mt 23,1-12
Alle
liturgischen Texte online im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In den Lesungen des heutigen
31. Sonntags im Jahreskreis geht es um das rechte Verständnis geistlicher Autorität, so wie sie von
Gott bestimmten Personen verliehen ist um
des Heiles der Menschen willen. Autorität bedeutet Verantwortung vor Gott
und den Menschen; nur eine dienende Autorität steht in der Nachfolge Christi.
Das ist zuerst die Lesung aus
dem Buch Maleachi.
Der Prophet richtet sich im Auftrag Gottes gegen die untreu gewordenen Priester
des Alten Bundes. Sie sind „abgewichen vom Weg“, d.h. sie haben selber Böses
getan und sich nicht an die Weisungen Gottes gehalten. Sie haben Gottes Altar
durch ihr schändliches und frevelhaftes Tun entehrt und sind allen zum Ärgernis
geworden, die Gott dienen wollen. Ja, diese Priester haben sogar falsche Lehren
verkündet: Ihr „habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung“, verkündet
der Prophet Maleachi, und daher „den Bund zunichte
gemacht“. Es sind schwere Vorwürfe, die hier erhoben werden. Die Priester haben
sich nicht an die Wege Gottes gehalten, sondern bei ihrer Amtsausübung auf die
Person gesehen, d.h. sie haben den Menschen nach dem Mund geredet und
insbesondere die Mächtigen mit ihrer Rede verschont. Weil aber ein Priester
schon im Alten Bund von Gott eingesetzt war und im Namen Gottes reden und handeln
musste, bedeutet dieses verkehrte Tun Treulosigkeit und Verrat gegenüber dem
Auftrag des Herrn. Es ist ein schweres Vergehen, dessen sich die Angesprochenen
schuldig gemacht haben. Die Worte des Propheten rufen zur Besinnung auf das
verkehrte Tun und zur Umkehr auf.
Wie anders als die in der
ersten Lesung Angesprochenen handelt da der heilige Apostel Paulus, von dem wir in der zweiten
Lesung aus dem ersten Brief an die Thessalonicher hören! Er sagt von sich
selber, er sei den ihm Anvertrauten freundlich begegnet und habe in Liebe,
Freundlichkeit und Geduld Sorge getragen, „wie eine Mutter für ihre Kinder
sorgt“. Sein Ziel war die Verkündigung des Evangeliums Gottes; zugleich war er
den Menschen in herzlicher Liebe zugetan. Er nutzte die Gläubigen nicht aus,
sondern arbeitete selber, „um keinem von euch zur Last zu fallen“. Dieses
Wirken hat reiche Frucht getragen: Denn er hat nicht eigene Weisheit verkündet,
nicht ein Menschenwort, sondern Gottes Wort, „und jetzt ist es in euch, den
Gläubigen, wirksam.“
Im Evangelium schließlich wendet sich Jesus mit Bezug auf die
Schriftgelehrten und Pharisäer an das Volk. Diese haben zwar den Lehrstuhl des Mose inne und müssen daher in ihrer Autorität anerkannt
werden. Doch handeln sie selber nicht nach dem, was sie den Leuten verkünden.
Der Rat Jesu lautet also: „Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber
richtet euch nicht nach dem, was sie tun!“ Auch dies ist ein schwerwiegendes
Wort. Denn es zeigt, dass die Verwalter der Lehre untreu geworden sind
gegenüber dem göttlichen Auftrag. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind zu
Heuchlern geworden, die nur um der Menschen willen gut handeln, in Wirklichkeit
aber im Herzen verdorben und Gott abgewandt sind. Dann weist Jesus noch auf etwas Wichtiges hin: Er allein ist der Meister, kein Mensch darf sich an seine Stelle setzen. Gott allein ist der Vater, kein Mensch kann ihm diese
Autorität streitig machen. Christus allein
ist der Lehrer, keiner der
menschlichen Lehrer kommt ihm gleich. Und dann kommt die Weisung für die wahre Autorität in der Nachfolge Christi:
„Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Gott und den Menschen in Liebe
zu dienen, das ist die neue Freiheit, die uns Jesus Christus vermittelt hat.
Die Apostel, welche vom Herrn eingesetzt wurden als seine Boten und
nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt als seine sichtbaren Stellvertreter
auf Erden – sie mussten zuerst durch die Schule
der Demut und Erniedrigung gehen, bevor sie machtvoll das Evangelium
verkünden konnten. Ihre Autorität war
eine dienende und das eigene Leben hingebende. Auch die Bischöfe und der Papst als ihre Nachfolger, auch die Priester und Diakone, ja
alle Gläubigen müssen sich bemühen,
in der Haltung des Dienens ihre
Aufgaben zu erfüllen.
Die Kirche hat den Auftrag, das Evangelium unversehrt zu bewahren. Die Verkünder des Evangeliums sind nicht Herren über den Glauben, sondern Diener am Heil der ihnen Anvertrauten.
Sie müssen es unversehrt bewahren und weitergeben und in Treue verkünden.
Nichts darf weggelassen und nichts darf hinzugefügt werden. Denn an anderer
Stelle (Lk 10,16a) sagte der Herr: „Wer euch hört, der hört mich.“ So
wollen wir gemeinsam in Glauben, Ehrfurcht und Demut auf das Wort Gottes hören
und es im Leben befolgen. Maria, die
Gottesmutter und Magd des Herrn, zeigt uns durch ihr Beispiel, wie die
Liebe zu Gott und den Menschen verwirklicht werden soll. Bitten wir sie
vertrauensvoll um ihre Fürbitte bei Gott! Amen.
·
Predigten von Dr. Josef Spindelböck
·
Predigten von Pfr.
Christian Poschenrieder
·
Predigten von + Univ. Prof. Dr.
Ferdinand Holböck