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Predigt:

33. Sonntag im Jahreskreis A (17.11.2002)

L1: Spr 31,10-13.19-20.30-31; L2: 1 Thess 5,1-6; Ev: Mt 25,14-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In genau einer Woche, am 24. November 2002, stehen in Österreich wieder Wahlen zum Nationalrat an. Zu diesem Anlaß haben die österreichischen Bischöfe eine Stellungnahme herausgegeben, in der sie auf bestimmte unaufgebbare Werte des Menschseins hinweisen, die von jeder Regierung geachtet werden sollen. Dazu zählen: Respekt vor dem ungeborenen Menschen, Sorge um die Kranken und Leidenden, Ausgegrenzten, Fremden und Älteren; Eintreten für Ehe und Familie; vertrauensvolle Zusammenarbeit von Kirche und Staat. Nicht Parteipolitik, sondern Wertepolitik soll hier zum Ausdruck kommen!

Vor wenigen Tagen, am 15. November, wurde der niederösterreichische Landespatron, der hl. Leopold gefeiert. Dieser große Mann zeigt uns durch sein Lebensbeispiel, daß es möglich ist, die Sorge für das politische Gemeinwesen, die Offenheit für die Belange der Kirche und das Eintreten für die eigene Familie gut miteinander zu verbinden. Heiligkeit ist kein Luxus, den man sich nicht leisten kann, sondern ein letztes Erfordernis für ein wahrhaft menschengerechtes Leben. So kann uns gerade der hl. Leopold anregen, über unsere Aufgaben als Staatsbürger aus christlicher Sicht nachzudenken!

Daß es überhaupt ein Staatswesen gibt, ist nicht im Machtstreben einiger weniger begründet, die sich schließlich durchsetzen konnten, sondern es liegt in der menschlichen Natur. Wir sind nicht Einzelwesen, sondern aufeinander angewiesen: Dies gilt für Ehe und Familie, für die kleineren Gemeinschaften und auch für die politischen Verbände, letztlich für den Staat als solchen. Es braucht dabei auch das Amt der Leitung, damit die einzelnen sich gemeinsam auf wichtige Ziele konzentrieren können und auf diese Weise das Gemeinwohl gefördert wird.

In diesem Sinn wird schon in der Heiligen Schrift anerkannt, daß es die staatliche Autorität geben muß. Auch der Christ lebt nicht in einer Sonderwelt, getrennt von den übrigen Menschen. Wir sind zwar Bürger des himmlischen Reiches. Das hindert uns aber nicht daran, unsere Verantwortung und unsere Aufgaben auf dieser Welt wahrzunehmen, eben aus jener Hoffnung heraus, die uns von Gott geschenkt ist, und aus jener Kraft der Liebe, die wir von ihm empfangen. Verbunden damit ist die Anerkennung der staatlichen Autorität. Diese ist – sofern sie rechtmäßig ist – letztlich von Gott eingesetzt, auch wenn die Wege zu ihrer Bestellung verschieden sein können. Darum ist der staatsbürgerliche Gehorsam keine Sache, die man sich einfach so nach Belieben aussuchen kann, sondern grundsätzlich sind wir im Gewissen (!) daran gebunden, den staatlichen Lenkern des Gemeinwohls in all dem zu gehorchen, was gut ist und dem Gebot Gottes nicht widerspricht. Im Konfliktfall gilt freilich: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen (vgl. Apg 5,29)! Dies ist dann der Fall, wenn ein ungerechter Befehl auszuführen wäre, beispielsweise die Tötung eines Unschuldigen. Dann darf, ja muß der Christ sogar den Gehorsam verweigern und Widerstand leisten.

Zu jeder Zeit wurde im Christentum auch betont, wie wichtig es ist, für die Machthaber und die Regierenden zu beten. Wie immer sie ihr Amt ausüben – ob gut oder schlecht –, wie immer wir zu ihnen persönlich stehen: Das Gebet brauchen sie auf jeden Fall! Man kann vielleicht auch sagen: Daß in den letzten Jahrzehnten manche Dinge so schief gegangen sind, mag auch daran gelegen haben, daß zu wenig für die Regierenden gebetet wurde.

Das Gebet – so notwendig und unersetzbar es ist – soll freilich nicht die unmittelbare Mitarbeit in der Gestaltung der öffentlichen und staatlichen Wirklichkeit ersetzen. Hier kommt gerade auch den Christen eine wichtige Aufgabe zu. Es ist die Berufung der gläubigen Laien, die hier gefragt ist. Diese müssen mit ihren christlichen Überzeugungen in die Parteien gehen und auf diese Weise wie ein Sauerteig wirken, damit die gute Botschaft des Friedens und der Liebe Früchte trägt und die Welt nach dem Geist Christi gestaltet wird. Sowohl auf lokaler Ebene wie auch im gesamtstaatlichen Bereich, ja auch im europäischen und internationalen Umfeld sollen sich die Christen gemeinsam mit den übrigen Menschen guten Willens einsetzen für eine menschliche und sachgemäße Lösung der anstehenden Probleme.

Freilich, etwas gilt es zu bedenken: Das Reich Gottes erwarten wir in seiner Vollendung erst am Ende der Zeiten. Es ist nicht von dieser Welt. Daher wird es hier nie ein irdisches Paradies geben können, so wünschenswert es auch ist, wenn ein gewisser Wohlstand und die Sicherung des Friedens in wahrer Gerechtigkeit gegeben sind. Wir bereiten uns vor auf das Kommen des Herrn in Herrlichkeit, der am Ende der Welt jede irdische Macht ablösen wird und sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens errichten wird. Eben dies dürfen wir am nächsten Sonntag, dem Christkönigssonntag, feiern.

Geben wir nicht auf und wirken wir einträchtig zusammen, jeder an seinem Platz. Ob es nun der Politiker ist, der im Rampenlicht steht, ob es die betende alte Frau ist – jeder wird gebraucht und hat seine Aufgabe. Jeder muß seine Talente, von denen der Herr im heutigen Evangelium spricht, entfalten. Mögen wir wie Maria, die Gottesmutter, den Willen Gottes suchen in all dem, was uns zu tun aufgetragen ist. Dann wird der Segen Gottes mit uns sein! Amen