Predigt:
3. Adventsonntag A (12.12.2004)
L1: Jes 35,1-6a.10; L2: Jak 5,7-10; Ev: Mt 11,2-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es erfüllt uns bereits etwas von der weihnachtlichen Vorfreude, wenn wir heute den 3. Adventsonntag („Gaudete“) feiern. Der Herr ist nahe! Wir wollen ihm mit frohem Herzen entgegengehen.
Johannes der Täufer weist uns dabei hin auf Christus, den Kommenden. Dieser große Prophet wagte es, die Dinge offen anzusprechen und dem Volk Israel seine Sünden vorzuhalten. Auch den Reichen und Mächtigen redete Johannes ins Gewissen. So kritisierte er insbesondere Herodes Antipas, der die Frau seines Bruders zu seiner eigenen Frau genommen hatte. In der Folge wurde Johannes der Täufer von König Herodes gefangen genommen, weil ihm jener die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Diese Gefangennahme endete schließlich mit der Enthauptung Johannes des Täufers.
Als Johannes nun im Gefängnis war und ihn seine Jünger besuchten, da wollte er diese von seiner eigenen Person ablenken und Jesus, dem Messias, zuwenden. Eben deshalb schickte er die Jünger zu Jesus und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Die Antwort Jesu ist keine direkte, sondern er verweist auf die großen Taten und Zeichen, die durch ihn geschehen: Kranke werden gesund, Blinde sehen wieder, Taube hören wieder, Lahme können wieder gehen. Alle möglichen Leiden sowohl körperlicher wie auch seelischer Natur werden von den Menschen genommen, wenn sie Vertrauen zu Jesus haben. Ist das nicht genug an Beweis dafür, dass er der vom himmlischen Vater in die Welt gesandte Erlöser ist? Wer bereiten Herzens ist und Ohren hat zu hören sowie Augen zu sehen, der soll an den von Gott gesandten Messias glauben. Jesus sagt darum: „Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt!“
Liebe Brüder und Schwestern, sind das nicht auch Worte für uns? Wir sollen auf Jesus hören und an ihn glauben, damit wir selig werden. Seine Worte sind Geist und Leben. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Gottes Wort kann uns nicht in die Irre führen, sondern weist uns den sicheren Weg zum Heil. Lasst uns darum gerade jetzt im Advent von neuem offen werden und bereit für jene frohe Botschaft, die uns Gott geschenkt hat und die die Kirche verkündet!
Es mag sein, dass uns nicht alles „schmeckt“, was uns Gott in seinen Geboten lehrt und aufträgt. Wir sind den verschiedensten Versuchungen ausgesetzt und tun uns manchmal schwer mit dem, was gut und richtig ist. Dem Egoismus nachzugeben ist oft leichter als da zu sein für andere. Es gibt so viele Dinge im Leben, die wir uns selber „richten“ möchten, und dabei sind wir bereit, auch das eine oder andere Gebot Gottes zu übertreten. Ja, leider sind wir alle mehr oder weniger der Gefahr der Sünde ausgesetzt und haben tatsächlich immer wieder auch unsere persönlichen Niederlagen in der einen oder anderen Sache.
Andererseits lässt uns gerade der Advent bedenken, dass uns Gottes Weisungen und Gebote nicht schikanieren wollen, sondern den Weg zum Leben weisen. Wir werden also letztlich immer besser damit fahren, uns an das zu halten, was der Wille Gottes ist, als dass wir unseren eigenen Willen um jeden Preis durchdrücken. Mögen wir dies lernen – ganz im Sinn des heiligen Johannes des Täufers und auch in Übereinstimmung mit der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie war die demütige Magd des Herrn, die Ja sagte zum göttlichen Willen, als ihr der Engel die Botschaft brachte. Wie Maria auf Gottes Wort hörte und ihm gehorchte, so wollen auch wir das ins Leben umsetzen, was der Glaube uns lehrt.
Wenn der Herr dann endgültig ankommt bei uns, werden unser Jubel und unsere Freude kein Ende mehr haben! Amen
