Predigt:
3. Fastensonntag A (03.03.2002)
L1: Ex 17,3-7; L2: Röm 5,1-2.5-8; Ev: Joh 4,5-42
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es ist ein sehr langes, aber auch überaus eindrucksvolles Evangelium, das wir heute am 3. Fastensonntag gehört haben: die Begegnung Jesu mit der Frau aus Samarien beim Jakobsbrunnen. Hier geht es um Wesentliches. Eine Situation aus dem alltäglichen Leben wird zum Anlaß, die Wahrheiten des Heiles, des ewigen Lebens zu veranschaulichen.
Wie kostbar ist doch das Wasser für unser Leben! Stellen wir uns die Erde vor ohne Wasser. Kein höheres Leben irgendwelcher Art könnte sich hier halten und entwickeln. Das Wasser ist etwas Elementares, was besonders jenen Menschen bewußt ist, die es mühsam suchen müssen. Hierzulande drehen wir einfach den Wasserhahn auf, und es ist da. Andernorts spürt der Mensch das Geschenk guten und frischen Wassers auf ganz ursprüngliche Weise.
Als eine samaritanische Frau Wasser schöpfen will, wird sie – wie ungewohnt! – von Jesus, einem Juden, angesprochen. Zuerst bittet er sie um Wasser. Dann aber erzählt er ihr vom lebendigen Wasser, das er geben will. Das natürliche Element des Wassers wird zum Zeichen und Sinnbild für das übernatürliche Heil, das Gott uns schenkt.
Als die Frau dies vernimmt, wird sie hellhörig. Sie hat es trotz ihres ungeordneten Lebenswandels (fünf Männer hatte sie, und der, den sie jetzt hat, ist nicht ihr Mann) nicht verlernt, nach dem Letzten und Tiefsten zu fragen. Die Sehnsucht nach Gott ist in ihr lebendig geblieben; oder besser gesagt: Sie war durch die Sünde verschüttet, und Jesus hat sie durch sein Wort wieder neu erweckt!
Welches Wasser aber ist es, das Jesus geben kann? Er beschreibt es folgendermaßen: Wer davon trinkt, wird davon nie mehr durstig werden. Es ist eine Quelle, die im Inneren jenes Menschen, der davon trinkt, fortströmt ins ewige Leben. Alle Sehnsucht des Herzens nach Liebe und Glück wird dieses Wasser stillen. Wer würde nicht gerne davon trinken?
So ist es nicht verwunderlich, daß die Frau Jesus bittet: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe!“ Sie hat Vertrauen gefaßt zum fremden Mann und ahnt bereits, wer er ist. So redet sie weiter mit dem „Propheten“ und fragt ihn, wo denn Gott angebetet werden solle: in Jerusalem oder auf dem Berg Garizim – eine alte Streitfrage zwischen Juden und Samaritern. Jesu Antwort weist einerseits hin auf die besondere Erwählung des jüdischen Volkes („Das Heil kommt von den Juden“). Er führt aber das Bisherige weiter in die messianische Zukunft hinein, die mit ihm begonnen hat. Die wahren Beter – so sagt er – werden Gott anbeten im Geist und in der Wahrheit.
Was soll das heißen? Die kultischen Opfer der Juden und erst recht die Opfer der Heiden sind mit dem Kommen des Erlösers abgeschafft. In der Hingabe Christi am Kreuz sind alle Opfer vollendet. Er wird sich selbst ja wie ein Lamm, das geschlachtet wird, zum Altar des Kreuzes führen lassen und dort für das Heil der Welt – für uns alle! – sein Leben hingeben und sein Blut vergießen. Das ist das einzige Opfer des Neuen Bundes, welches Heilswirksamkeit besitzt bis zum Ende der Welt. Es wird gegenwärtig gesetzt immer dann, wenn die Kirche sich versammelt, um Eucharistie zu feiern. Der Priester darf dann in der Person Christi die Worte des Einsetzungsberichtes wiederholen, und dabei vollzieht sich die Wesenverwandlung von Brot in den Leib Christi und von Wein in das Blut Christi. Im Geist und in der Wahrheit wird dieses Opfer vollzogen, werden wir hineingenommen in das eine, stets fortwirkende Opfer Christi am Kreuz.
So sagt Jesus zu der Frau: „Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“
Diese Worte Jesu lenken die Erwartung der Samariterin auf den kommenden Messias, an den sie glaubt. Der Augenblick ist jetzt gekommen, wo ihr Jesus mit schlichten Worten enthüllt: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht.“
Nun hat die samaritanische Frau den Retter der Welt und auch ihren Erlöser gefunden. Sie hat nun nur noch den Wunsch, auch ihre Mitmenschen mit Jesus bekannt zu machen und zu ihm zu führen.
Liebe Gläubige! Haben wir schon begriffen, daß uns Jesus längst das Wasser des Lebens geschenkt hat in der heiligen Taufe? Es strömt in uns und treibt uns dazu an, Gott über alles und die Mitmenschen von Herzen zu lieben. Gottes Liebe ist eingegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, den wir in Taufe und Firmung empfangen haben. Das lebendige Wasser, das in uns strömt, ist Gottes Liebe und Gegenwart. Es ist sein göttliches Leben, das uns im ewigen Leben zum bleibenden und unverlierbaren Besitz geschenkt wird in der Anschauung Gottes in der Herrlichkeit des Himmels.
Leben wir so, wie es diesem Geschenk der Gnade entspricht! Wagen wir auch immer wieder die Umkehr, so wie die samaritanische Frau Vertrauen zu Jesus gefaßt hat, obwohl sie eine Sünderin war. Er hat ihr vergeben und einen Neuanfang eröffnet!
Wer anders aber könnte uns hinführen zu Jesus Christus, dem Quell des lebendigen Wassers, als Maria, seine Mutter? Ihr wollen wir uns mit kindlicher Liebe und grenzenlosem Vertrauen anempfehlen. Sie geleite uns zu Jesus, der gekommen ist, daß wir das Leben haben und es in Fülle haben. Amen
