Dr. theol.
habil. Josef Spindelböck
L
1: Apg 2,14.22-33; L 2: 1 Petr 1,17-21; Ev: Joh 21,1-14
Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Weil unser Herr Jesus Christus am Morgen des ersten Tages nach dem jüdischen Sabbat
auferstanden ist, wurde dieser Tag
von den ersten Christen besonders gefeiert. Der Sonntag, der auf den Sabbat folgt, gilt als Tag der Vollendung all
dessen, was Gott gemacht und getan hat. Der Sonntag als Feiertag der Auferstehung
Christi ist der Tag der „Neuschöpfung“ im Wasser und im Heiligen Geist, da
auch wir mit Jesus Christus verbunden sind und Anteil haben an seinem Tod und
seiner Auferstehung.
Für die Christen der ersten Jahrhunderte war es ein wesentliches Bedürfnis,
ja eine „Existenzfrage“ als Christen, jeden
Sonntag zusammenzukommen, das Wort
Gottes zu hören und Eucharistie
zu feiern. Ohne Sonntag – das war ihre feste Überzeugung – kannst Du auf Dauer
kein Christ sein. Und da hielten diese ersten Christen auch durch entgegen dem
damaligen sozialen und politischen Umfeld, ja sogar in Zeiten der Verfolgung bis
zum Martyrium. Der Sonntag war ja anfangs noch kein staatlicher Feiertag. Erst im Jahre 321 wurde er als solcher vom römischen Kaiser Konstantin anerkannt und verpflichtend eingeführt. Dennoch
suchten die an Jesus Christus Glaubenden auch vor dieser staatlichen
Anerkennung jedenfalls an der Heiligen Messe teilzunehmen, auch wenn sie unter
Tags vielleicht arbeiten mussten. Erst später im Zuge der staatlichen
Anerkennung kam die Möglichkeit hinzu, diesen Tag auch als arbeitsfreien Tag zu begehen und ihn wirklich auch zu
einem Tag der Erholung und der körperlichen Ruhe zu machen.
Der Sonntag ist der christliche
Urfeiertag, jeder Sonntag ist ein
kleines Osterfest. Die frühen Christen brauchten diesen Tag einfach, um
ihren Glauben zu stärken und zu vertiefen. Sie wollten sich zu Jesus Christus bekennen, der
wahrhaft von den Toten erstanden ist!
Und wie ist es heute? Brauchen wir den Sonntag? In welcher
Weise brauchen wir ihn? Ja, wir sind dankbar, dass die meisten von uns am
Sonntag nicht arbeiten müssen, ausgenommen wichtige und unersetzbare Dienste in
Familie, Landwirtschaft und manchen Berufsgruppen. Mit Recht gibt es eine „Allianz für den freien Sonntag“, die
diesen Wert des Sonntags als
arbeitsfreien Tag, welcher der Erholung gewidmet ist und das familiäre und
freundschaftliche Miteinander ermöglicht, bewahren will. Aber ist das schon alles? Wenn es so wäre, liebe Brüder und
Schwestern, dann bräuchten wir heute nicht hier zu sein in der Kirche zur Feier
von Tod und Auferstehung Jesu Christi in der heiligen Eucharistie! Dann würde
es genügen, den Tag einfach „arbeitsfrei“ zu halten und nichts weiter.
Aber merken wir nicht, dass mit einer
solchen Einstellung dem Sonntag letztlich doch das Wesentliche fehlen würde? Es würde gleichsam die „Seele des
Sonntags“ verloren gehen, sein eigentlicher
Sinn, der nur aus dem christlichen
Glauben heraus zu begreifen ist. Eben darum gibt es ein ausdrückliches,
sogar streng verpflichtendes Gebot der
Kirche, den Sonntag zu heiligen,
und zwar an erster Stelle durch die Mitfeier
der heiligen Messe. Dies tun zu dürfen ist kein Zwang, sondern ein Geschenk. Ja, es sollte ein innerstes Bedürfnis all jener sein, die
sich zu Jesus Christus in seiner Kirche bekennen. Wir alle brauchen den Sonntag als „Tag des Herrn“! Nur unter dieser
Voraussetzung ist er auch der „Tag der
Menschen“. Nur vom Licht des
Auferstandenen her wird der Sinn dieses Tages verstanden; nur aus der Freude des Auferstandenen heraus sind
wir fähig zu liebevoller Begegnung
in unseren Familien und im Freundes- und Bekanntenkreis. Nur in
der Einheit mit Jesus Christus erhält unser Leben seine Richtung und Hoffnung auf Vollendung in Seligkeit.
Ja, der Sonntag ist wahrhaft ein Tag des Jubels und der Freude! Halleluja!
So sind wir eingeladen – Sonntag für Sonntag – als Gemeinschaft
der an Jesus Christus Glaubenden in Freude teilzunehmen an der Vergegenwärtigung von Jesu Tod und
Auferstehung im Opfer der heiligen Messe und mit Jesus in der heiligen Kommunion das österliche Mahl zu halten! Ganz sicher strahlt dann von diesem Tag ein
Licht aus für die gesamte Woche, und wir hoffen einst eingehen zu dürfen in
das Glück ewiger Vollendung bei Gott
in seiner Herrlichkeit. Amen.
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