Predigt:
3. Sonntag im Jahreskreis A (27.01.2002)
L1: Jes 8,23b-9,3; L2: 1 Kor 1,10-13.17; Ev: Mt 4,12-23
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus, der göttliche Heiland und Erlöser der Menschen, hat vor 2000 Jahren unter uns gelebt. Er ist der Sohn Gottes und zugleich der Menschensohn, geboren aus der Jungfrau Maria. Er ist in allem uns gleich geworden, außer der Sünde. So hat er uns gezeigt, daß Gott uns nahe ist. Seine Botschaft an die Menschen damals und auch an uns lautet: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“
Wir Menschen gehen durch die Zeit. Unser Tun und Lassen vollzieht sich in der Geschichte, alles ist vergänglich und hinterläßt doch Spuren. Doch was wird bleiben? Es kommt für uns wesentlich darauf an, einen Standpunkt außerhalb dieses Flusses der Vergänglichkeit zu gewinnen. Wir können nur dann Rettung und Heil erlangen, wenn wir die Anker des Lebens im Ewigen geworfen haben, wenn wir unser Herz dort befestigt haben, wo die wahren Freuden sind.
Eben darum ist der Sohn Gottes Mensch geworden, damit wir aufblicken können aus dem Dunkel dieser Erdenzeit in das Licht, das keinen Abend kennt. Gottes Liebe umstrahlt uns und verkündet uns die frohe, wirklich seligmachende Botschaft: Gott liebt dich, mich, uns alle ganz persönlich. Er steht zu uns, er hält unser Leben in seiner Hand. Bei ihm sind wir geborgen. Das Himmelreich ist uns nahe. Wir dürfen eintreten, weil uns der Sohn Gottes selbst dazu einlädt!
„Kehrt um!“ sagt Jesus, und das ist gleichsam die Vorbedingung dafür, daß wir Gottes Liebe in unser Herz aufnehmen können. Wir dürfen umkehren, weil wir sicher sind, daß das Erbarmen Gottes größer ist als alle menschliche Schuld. Wie auch immer unser Leben vorher war, bei Gott gibt es keine Grenze der Vergebung und der Annahme an Kindes statt. Ja, weil Gott uns zuerst geliebt hat, weil er uns geliebt hat, als wir noch Sünder waren, nur darum haben wir überhaupt die Kraft, umzukehren und uns Gott zuzuwenden. Wahre Umkehr aber zeigt sich in Werken der Liebe!
Weil Jesus wollte, daß seine Botschaft allen Menschen verkündet würde, darum berief er die Apostel und Jünger als Mitarbeiter im Dienst der Predigt seines Wortes. Simon und Andreas, zwei Brüder, die beide Fischer waren, hat er als erste mitten in ihrer Arbeit angerufen, ihm nachzufolgen: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Obwohl die beiden Männer keine Ahnung hatten, was sie alles erwarten würde, folgten sie der Einladung Jesu, zu dem sie Vertrauen gefaßt hatten. Sie ließen sofort ihre Netze liegen und folgten ihm, heißt es. Alles andere war für sie plötzlich zweitrangig. Das Entscheidende ist es immer, den Willen Gottes zu tun!
Dann kamen Jakobus und Johannes dazu. Auch sie waren Brüder und wurden wegen ihres ungestümen Charakters auch die „Donnersöhne“ genannt. Mit ihrem Vater Zebedäus waren sie damit beschäftigt, die Netze herzurichten. Auf das Wort Jesu hin, der sie zu sich rief, verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm.
Diese Begegnungen Jesu mit den ersten Aposteln sind nur ein paar Beispiele dafür, wie Gott damals Menschen berufen hat zur Mitarbeit im Dienst der Verkündigung. Heuer begeht die Kirche in Österreich ein „Jahr der Berufung“. Ruft Gott auch heute Menschen in seine Nachfolge?
Ja, gewiß! Ganz grundlegend und doch auch sehr persönlich sind wir alle in die Nachfolge Christi gerufen durch die Gnade der Taufe. Entsprechend unserem Charisma sollen wir uns bemühen, im Alltag die Liebe Gottes anzunehmen und weiterzugeben und auf diese Weise heilig zu werden. Darüber hinaus gibt es die besondere Berufung durch Gott, ihm nachzufolgen im Priester- und Ordensstand. Wenn ein junger Mensch sich dafür entscheidet, wird er von den Mitmenschen oft nicht verstanden. „Wie kannst Du nur daran denken!“ hört er vielleicht. Oder: „Schade um den jungen Mann / um das junge Mädchen. Der / die hätte so viele Talente gehabt, die jetzt alle verlorengehen.“
Eine solche Einstellung ist verkehrt. Nichts geht verloren, wenn man Gott liebt und ihm in besonderer Weise dienen will. Natürlich gibt es Opfer und Verzicht, doch nur um der je größeren Liebe willen. Das erste ist immer die Erfahrung von der Nähe Gottes, der uns Menschen liebt und uns unvorstellbar Großes schenken will. Wer auf diese Weise vom Herrn angerufen wird in seinem Herzen, soll mutig das „Ja“ sprechen und sich ganz für das Reich Gottes zur Verfügung stellen.
Beten wir ganz besonders darum, daß Gott der Herr auch in unserer Zeit viele Menschen zum Priestertum oder in den Ordensstand berufen möge. Es ist letztlich ein Segen für jede Familie, die geistliche Berufe hervorbringt und auch für die Pfarren und geistlichen Gemeinschaften, in denen solche Berufe gedeihen können. Nichts geht verloren, wenn man Gott dient! Seine Liebe ist über alles erhaben. Das zeigen uns die Heiligen und vor allem die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria, der wir uns ganz anvertrauen und weihen. Sie möge uns zu Jesus hinführen, ihrem Sohn. Er ist die gebenedeite Frucht ihres Leibes. Als Mensch ist er unser Bruder geworden, und als Gott ist er unser Heil und unsere Seligkeit. Denn er lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes mit Gott dem Vater in alle Ewigkeit. Amen
