Dr. theol.
habil. Josef Spindelböck
L
1: Apg 2, 14a.36-41; L 2: 1 Petr 2, 20b-25; Ev: Joh 10,1-10
Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Viele Menschen unserer Zeit fühlen
sich ausgeliefert und alleingelassen. Trotz der vielen Errungenschaften von
Technik und Wissenschaft und geradezu bahnbrechender neuer medizinischer
Möglichkeiten gibt es oft das Gefühl, als Mensch und Person nicht mehr ernst genommen
zu werden. Der einzelne droht unterzugehen in der Anonymität der Masse; was zählt ist das Mess- und Wägbare. Nicht
selten treten dann die ökonomischen
Bilanzen in den Vordergrund, während der einzelne Mensch in seiner Würde unterzugehen
droht.
Wie
tröstlich ist auf diesem Hintergrund
doch die Botschaft des heutigen Evangeliums!
Da wird uns gesagt, dass es wenigstens einen gibt, der sich um uns kümmert und
der sich wirklich um uns annimmt: Es ist Gott,
der Herr; er ist der gute Hirte,
der jedes seiner Schafe kennt und es
beim Namen ruft. Keines ist ihm
gleichgültig, allen geht er nach und führt
sie auf gute Weide. Er liebt
besonders die verirrten Schäflein
und holt sie zurück, ohne ihnen
einen Vorwurf dafür zu machen, dass sie von der rechten Bahn abgekommen sind.
In
Jesus Christus ist Gott selber Mensch geworden: Gott als
der gute Hirte begegnet uns in menschlicher Gestalt. Er hat die Seinen
aufgesucht, weil er sie liebt. Sie waren wie Schafe, die in die Irre gegangen
waren. Er führt sie zurück auf den rechten Weg und gibt ihnen das Leben. Ja, er
ist gekommen, dass sie das Leben
haben und es in Fülle haben! Für
jeden einzelnen von uns ist der Erlöser Mensch geworden. Wenn jemand meint, er
wäre irgendwo in dieser Welt vergessen und allein gelassen, dann darf er sich
trösten: Gott denkt an mich, er
vergisst meiner nicht!
Gott
hat uns aus Liebe ins Dasein gerufen;
er hat uns zur Liebe berufen. Darum
ist die Liebe die grundlegende Berufung jedes Menschen,
wie Johannes Paul II. es formuliert hat. Ist nicht auf diesem Hintergrund der
Blick auf das menschliche Leben ein grundlegend positiver? Sollten wir da nicht
Hoffnung schöpfen auch in schwierigen, ja sogar in schier aussichtslosen
Situationen? Gewinnt nicht auch der Sünder,
der sich bekehren will, Hoffnung,
wenn er auf Jesus Christus blickt, den Gekreuzigten und Auferstandenen? Dieser
gute Hirte hat am Kreuz sein Leben für uns hingegeben; er hat uns neu geschaffen im Sakrament der Wiedergeburt
zum göttlichen Leben, in der heiligen Taufe.
Von ihm wollen wir uns führen und leiten lassen, dann werden wir unser Ziel – das ewige und selige Leben bei Gott – bestimmt erreichen!
Wenn
wir von Jesus, dem guten Hirten,
sprechen, dann wollen wir nicht auf Maria,
seine Mutter, vergessen. Hat nicht Gott selber in Maria das verwirklicht,
was er durch den Propheten Jesaja so machtvoll und verheißungsvoll ausgedrückt
hat? „Wie eine Mutter ihren Sohn
tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.“ (Jes 66,13)
Ja, die Mutter des guten Hirten Jesus, ist auch
unsere Mutter. Sie liebt uns und führt uns zur Quelle des Lebens, zu Jesus
Christus, ihrem Sohn, unserem Herrn und Gott.
An
diesem Sonntag ist der Weltgebetstag für
geistliche Berufe. Beten wir zu Gott, dass er auch in unserer Zeit Männer
zu Priestern oder Diakonen beruft und dass er viele Frauen
und Männer in seine engere Nachfolge im Ordensberuf
oder in einer besonderen Lebensweihe
an Gott hinführt!
Wir
wollen auf den Ruf Gottes hören,
jeder dort, wo uns Gott im Leben hingestellt hat. Wenn wir uns bemühen, eine
Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, wird Gott seine Gnade und seinen
Segen in reicher Weise sichtbar machen. Wir werden zu Trägern des Friedens und der göttlichen Verheißung auch für andere
werden, die heimfinden sollen zum guten Hirten Jesus Christus, der uns alle auf
die Weide des ewigen Lebens führen will. Amen.
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