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Predigt:

4. Sonntag im Jahreskreis A (03.02.2002)

L1: Zef 2,3;3,12-13; L2: 1 Kor 1,26-31; Ev: Mt 5,1-12a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was ist der Hauptinhalt dessen, was Jesus uns verkündet hat? Worin besteht seine Botschaft? Worin zeigt sich das Wesen des Christentums auf unüberbietbare Weise?

Nicht die Gebote Gottes stehen an erster Stelle, so wichtig sie auch sind. Das Himmelreich ist vor allem eine große Verheißung, das heißt ein göttliches Versprechen, eine göttliche Zusage und Zusicherung, die sich an uns erfüllen wird, wenn wir offenen und bereiten Herzens sind.

Ausdruck dessen sind die Seligpreisungen der Bergpredigt, die wir heute im Evangelium hören. Jesus versteht es sehr gut, seine Zuhörer für hohe Ideale zu begeistern. Er gibt sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden, etwa indem er sagen würde: „Seid anständig. Tut niemandem etwas zuleide.“ Das ist sicher wichtig, aber es wäre nicht ausreichend. Vor allem würde es der Fülle jener Heilswahrheit nicht entsprechen, die Jesus Christus uns im Namen seines himmlischen Vaters, der ihn gesandt hat, verkündigen will.

Mit den „Seligpreisungen“ spricht Jesus die tiefsten Saiten unserer Seele an: Es ist das Glücksverlangen, das jedem Menschen innewohnt. Wollte jemand sagen: „Ich will gar nicht glücklich sein, sondern unglücklich!“, dann widerspräche er sich selbst. Die Frage ist allerdings: Wo finden wir unser wahres Glück? Womit geben wir uns zufrieden? Jesu Botschaft in der Bergpredigt gibt uns da eine Antwort!

Jesus Christus ruft uns gleichsam zu: Gebt euch nicht zufrieden mit irgendeinem mittelmäßigen Glück, das zwar kurzfristig etwas hergibt, aber auf lange Sicht wieder vergeht! Strebt nach dem wahren Glück, das bleibt, das euch nicht genommen werden kann. Es ist das Glück, in der Liebe Gottes zu leben und aus ihr nicht herausfallen zu können. Eben darum verkündet er seine „Seligpreisungen“:

Diese Botschaft ist wie ein Gegenprogramm zum Lebensstil dieser Welt, in der nur diejenigen durchkommen, die zuerst an sich denken und dann vielleicht noch an andere. Es ist eine Alternative zum üblichen Denkmuster des „I richt mas scho wia i’s brauch!“ – ohne Rücksicht auf Verluste, in Verletzung elementarer Gerechtigkeitsprinzipien und sittlicher Werte.

Wieso kann es Jesus wagen, ein derart konträres Programm vorzustellen? Gerade hier leuchtet das Geheimnis seiner Person durch; er ist der Sohn Gottes und der Menschensohn. Wenn jemand mit Autorität und mit Vollmacht spricht, dann nur er. Was er uns zusagt, das ist die unbedingte Liebe Gottes. Gottes Liebe ist größer als alle menschliche Bosheit und Ausweglosigkeit. Nur weil Gott uns wirklich liebt und das Größte verheißt, was möglich ist, kann Jesus auch das Letzte von uns fordern: Liebe und Hingabe bis zum Tod – dann finden wir in seiner Nachfolge das wahre Leben! Er, der Gekreuzigte und Auferstandene, läßt uns nicht im Stich, sondern begleitet unser Leben.

Blicken wir zur Veranschaulichung auf einige Seligpreisungen! Jesus sagt: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.“ Alle Traurigkeit dieser Welt, die letztlich davon stammt, daß wir die Unerlöstheit in uns selbst und bei anderen erfahren, all diese Traurigkeit wird einmal ein Ende haben. Mit himmlischem Trost werden wir getröstet werden. Dann wird es keine Klagen mehr geben, kein Weinen, keine Tränen. Wer glaubt, dem wird jetzt schon tiefe Freude und Friede zuteil mitten in den Anfechtungen dieser Welt. Nichts kann uns letztlich erschüttern, wenn wir glauben und vertrauen.

Eine andere Seligpreisung lautet: „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Ist es nicht die Reinheit des Herzens, die Reinheit der Gesinnung, die Einfachheit und Lauterkeit, die uns so fasziniert, wenn wir einem unschuldigen Kind begegnen? Gott möchte, daß wir im Herzen so rein sein können wie ein Kind, das noch nichts Böses getan hat. Wer in dieser Gesinnung der Einfachheit und Lauterkeit lebt, wird auch seinen eigenen Leib und den der anderen nicht schänden. Er bemüht sich, „keusch“ zu leben, d.h. auch im sexuellen Bereich im Einklang mit den Geboten Gottes zu sein. Wahre Reinheit zeigt sich im Antlitz, das die Schönheit der Seele widerspiegelt und einen Menschen auszeichnet und adelt. Nur solche Menschen, die die Reinheit des Herzens bewahrt haben oder durch das Geschenk der Vergebung wiedererlangt haben, werden Gott schauen!

„Selig“ – sagt Jesus schließlich, „selig sind jene, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.“ Hierin wird die Antwort auf die Frage gegeben, die gerade jene Menschen bedrängt, die sich aufrichtig bemühen, in dieser Welt das Gute zu tun und nach den Geboten Gottes zu leben. Der Lohn ist oft Unverständnis, Feindseligkeit, ja sogar Verfolgung. Da macht uns Jesus Mut, wenn er sagt, daß diesen Menschen das Himmelreich gehört. Nicht irdischen Lohn oder irdische Anerkennung sollen wir erwarten, sondern den Frieden des guten Gewissens, das von Gott kommt und sich vollenden wird in der seligen Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht im Reich des Himmels!

In diesem Sinn wollen wir – verbunden mit der großen Schar der Heiligen – unseren Weg durch das Leben gehen. Möge uns die Fürsprache der Gottesmutter Maria geleiten und zeigen, daß wir selig werden, wenn wir den Willen Gottes in allem erfüllen! Amen